Diese einfache Geschichte beschäftigt sich nur zum Teil mit Herrn Schneiders Unterjochung, die von dieser Stunde an beschlossene Sache war und deren Einzelheiten für Lady Belvoir ergötzlicher gewesen sein mochten, als sie es für den Leser im allgemeinen sein würden. Selbstverständlich suchte er sie auf, selbstverständlich kam er, als sie ihn zum Essen einlud, und ebenso selbstverständlich wurde er ihr unterthäniger Sklave. Sie hatte bei viel widerspenstigeren Opfern, als dieses war, mit Erfolg gewirkt, und worin das Geheimnis dieser Erfolge bestand, wird der Erzähler nie enthüllen, auch wenn er es selbst wüsste; denn die Offenbarung solcher Geheimnisse kann nicht zum Vorteil des Publikums gereichen. Auch gegen Dorothea Leslie, die Herrn Schneider gewöhnlich zudringlich und durchaus nicht annehmbar fand, hütete Lady Belvoir sich wohl, zu erklären, wie und warum sie seinen Skalp ihren früheren Trophäen hinzugefügt hatte.
„Du bist viel zu wählerisch und streng,“ sagte sie zu dem jungen Mädchen. „Wenn man sich nur bei angenehmen Männern beliebt machen wollte, würde man in einer Einöde leben. Dieser arme kleine Schneider ist auch nicht schlimmer als die andern.“
„Ich dächte doch, weit schlimmer als einige von ihnen,“ versetzte Dorothea; und nichts konnte sie bewegen, dem Unglücklichen, der seinerseits alles that, um sie zu versöhnen, auch nur die landläufige Höflichkeit zu bezeigen.
„Aus dem Mädchen kann ich nicht klug werden,“ klagte Schneider eines Tages gegen Eustace Moreton, den er zufällig an der Carlton House Terrace traf. „So oft ich den Mund aufmache, lässt sie eine eiskalte Douche auf mich los, und wenn ich sie an einem dritten Ort treffe, thut sie, als ob sie mich nicht sähe. Wie kommt sie denn nur dazu, sich solch ein Ansehen zu geben, das möchte ich wissen?“
Herr Moreton wusste es auch nicht und hätte hinzufügen können, dass es ihm auch ganz einerlei sei; er stimmte übrigens dem Gekränkten darin bei, dass sie ein recht unangenehmes Wesen habe. „Sie scheint sich etwas darauf gut zu thun, dass sie gegen Lady Belvoirs Freunde ungezogen ist,“ bemerkte er.
Allerdings verlor Fräulein Leslie leicht die Geduld mit den Leuten, die Lady Belvoir als Freunde behandelte, und auch mit Lady Belvoir selbst, weil sie diese Herren so behandelte; ihre Gereiztheit war aber für die erfahrenere Freundin nur ein Gegenstand der Belustigung.
„Sehr schmeichelhaft ist es nicht für mich, wenn du sie Glücksjäger nennst,“ sagte sie dann wohl. „Ich halte sie im Gegenteil für wahrhaft und selbstlos Liebende, und ich muss es doch wissen.“
Was diese Herren auch sein mochten, sie gab sich jedenfalls unendliche Mühe, sie im Zustand der Unterwürfigkeit und Ergebenheit zu erhalten, und es gehörte ihre ganze Geschicklichkeit dazu, ein Zusammentreffen ihrer Besuche zu verhindern. Trotz seiner angebornen Bescheidenheit konnte sich Herr Schneider bald nicht mehr der Ueberzeugung verschliessen, dass eine schöne, begüterte und hochgeborne Dame auf dem besten Weg sei, sich in ihn zu verlieben. Es war kein Wunder, dass der kleine Mann darüber den Kopf verlor und den grössten Teil des Tages nicht mehr wusste, ob er auf den Füssen oder dem mutmasslichen Sitz seiner Intelligenz stehe.
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