Eva Schörkhuber - Die Gerissene

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Mira hat genug vom Landleben. Schon seit ihrer Kindheit fühlt sie sich im Dorf fremd und unverstanden. Ohne einen Cent in der Tasche reist sie in die Welt hinaus, um ihren Platz darin zu finden. In Marseille macht sie sich mit dem Upcycling alter Kleidung einen Namen, in Oran näht sie aus Djellabas Minirocktaschen und in der Sahara schließt sie sich einer Reisekarawane an und arbeitet in einem Flüchtlingscamp mit. Stets begegnet Mira den Menschen und Umständen mit wachem, kritischem Blick und dem Drang, einen Beitrag zu leisten. Als in Havanna ihre Erwartungen auf eine echte, lebendige Revolution enttäuscht werden, gründet sie eine neue aufständische Bewegung. Wieder steht Mira vor einer Chance, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Doch diesmal muss sie alles riskieren.
Ein Roman mit feiner Ironie und sprachlicher Finesse, der sich mit dem Status quo nicht zufrieden gibt und eine zeitgenössische Schelmin zur Hauptfigur macht.

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Zu dieser Zeit gab Olivier auch seine Tätigkeit bei der sans-papiers -Gruppe auf. Als ich ihn danach fragte, ob er diese Entscheidung völlig frei und ohne Illusionen getroffen habe, schüttelte er unwillig den Kopf. Ich wisse ja, dass der Abschluss seines Studiums bevorstünde, er habe nun einfach weniger Zeit. Zu seinem Einstand in einer renommierten Anwaltskanzlei kauften ihm seine Eltern eine größere Wohnung, in die ich mit einzog. Die Garçonnière vermietete Olivier zu einem, wie er meinte, fairen Preis an Pascale, die einen Rückzugsort wollte, um sich von der anstrengenden Arbeit in der sans-papiers -Gruppe zu erholen.

Mein kleiner Laden lief so gut, dass ich mich mit Expansionsplänen trug. Ich streunte durch jene Straßen, in denen sich die Boutiquen der kleinen Mode-Labels befanden. Die ansehnlichen Preise, mit denen die weiten Hosen und Kleider aus eigenwilligen Stoffkombinationen ausgeschildert waren, beflügelten mich, und ich beschloss, in dieser Gegend ein Geschäft zu eröffnen. Alles sei eine Frage des Standortes, erklärte ich Oliviers Eltern und sie gaben mir Geld, um ein neues Verkaufslokal anzumieten und einzurichten. Auf die Wandfarbe verzichtete ich dieses Mal. Ich ließ ein dezentes Schild anfertigen, auf dem in einem nüchternen Schriftzug La Trouturière zu lesen war. Die Preise für meine gerissene Garderobe erhöhte ich dem neuen Standort entsprechend, wodurch sich meine Klientel erneut veränderte und mein Marktwert stieg. Ich trat nun nicht mehr als Kleidermacherin auf, sondern als Designerin. Mein Ruf verbreite sich über die ganze Stadt. Es kamen Leute aus den schickeren und reicheren Vierteln zu mir. Viele kauften die Kleidungsstücke, die sie zuvor wegen ein paar abgetragener, leicht abgewetzter Stellen weggeworfen hatten, zurück und zahlten dafür annähernd den Preis, zu dem sie sie einst neu erstanden hatten. Mira im Glück war ich zu dieser Zeit. Ich kreiste um meine gerissene Kollektion, und die Bahnen, die ich dabei zog, schraubten sich höher und höher. Die Sterne schienen in Griffweite.

Eines Tages stand ein etwas untersetzter Mann in meinem Geschäft. Seine Sonnenbrille nahm er auch dann nicht ab, als er die Stücke aus meiner Kollektion eingehend in Augenschein nahm. Zuerst hielt ich ihn für einen aufdringlichen Touristen, der von meiner gerissenen Garderobe Wind bekommen hatte und sie nun vor Ort als Kuriosum französischen Modebewusstseins betrachten wollte. Als er jedoch ein Notizheft aus seiner Tasche hervorzog und begann, etwas hineinzukritzeln, wurde ich stutzig. Etwas ungehalten machte ich ihn darauf aufmerksam, dass er gerne etwas kaufen könne, dass es aber verboten sei, die Einzelstücke zu fotografieren oder abzuzeichnen. Er verzog den Mund zu einem unangenehmen Lächeln und fragte, ob die Chefin hier sei und ob er sie sprechen könne. »Me voilà«, sagte ich und trat hinter dem Verkaufstisch hervor. Er schob die Sonnenbrille auf seine Nasenspitze und sah mich von unten herauf an. »C’est vous, la patronne, vous, la petite dame?« Nun wurde ich richtig zornig. Dass er wohl nicht von hier sei, fuhr ich ihn an, dass mich alle in der Stadt kennen würden und dass er nun besser mein Geschäft verlasse. Er aber lachte nur, lobte mein Temperament und meinte, dass er in der Tat nicht aus Marseille sei, sondern aus – Paris. »Paris« sprach er aus, als handle es sich um einen anderen Stern, nein, um ein ganz anderes Universum, das das Ziel aller irdischen Sehnsüchte darstelle, aber nur wenigen Auserwählten vorbehalten sei. Ich winkte ab, erklärte ihm, dass mir das egal sei und er sich verziehen solle. Ein paar herablassende Sätze über die Provinz und das Benehmen der Leute hier, ließ er fallen, bevor er ganz nahe an mich herantrat und mir die Hand entgegenstreckte. »Félicitation«, sagte er, ich hätte den Prix de la Mode Periphère gewonnen. In zwei Monaten werde er mir – ja, in Paris – überreicht, in der Zwischenzeit komme ein Fernsehteam, um eine Reportage zu drehen über periphere Moden und meine Kollektion als mustergültiges Beispiel für die Verschränkung von urbanen Lebensrealitäten und innovativer Modeschöpfung.

So hatte mein Ruf also auch die Grenzen von Marseille überschritten. Ich wurde nach Paris eingeladen, nahm an Modeschauen und anderen Aufsehen erregenden Veranstaltungen teil. Die Rohstoffe für meine gerissene Garderobe, die alten Kleidungsstücke aus den Abfällen Marseilles, konnte ich nun nicht mehr selbst besorgen, zu beschäftigt war ich mit Interviewanfragen und Einladungen. Ich beauftragte andere Menschen damit, mir neue alte Kleidungsstücke zu bringen. Ich kaufte sie ihnen zu einem Preis ab, der dem Materialwert entsprach. Das Zerschneiden, Zerreißen und Ausfransen musste natürlich weiterhin in meiner Hand bleiben, schließlich war es mein Stil, mein unverwechselbares Design, das meiner Kollektion ihre ganz spezielle Note, ihren kaum hoch genug zu schätzenden Wert verlieh. Mit zunehmender Bekanntheit allerdings kam ich immer weniger dazu, die alten Kleidungsstücke zu präparieren. Ich rief eine neue Kollektion aus meiner gerissenen Garderobe ins Leben, La Mode Trouvée , die gefundene Mode. Ich verkaufte die aus den Müllcontainern gefischten Jacken, Kleider, Hosen, Hemden und T-Shirts so, wie sie gefunden wurden, ohne sie zu bearbeiten. Der Erfolg war berauschend, die Stücke aus der Kollektion La Mode Trouvée erzielten exorbitante Preise und ich beschloss, ein weiteres Mal den Standort zu wechseln und ein helles, geräumiges Geschäftslokal in den frisch renovierten und herausgeputzten Hafendocks zu mieten.

Eines schönen Frühlingstages habe ich mich auf den Weg gemacht, um meinen neuen Verkaufsraum zu besichtigen. Ich ging zu Fuß die Canebière hinunter, die sich vor mir ausbreitete wie ein farbenprächtiger Teppich. Olivgrün, weinrot und honiggelb schimmerte der Boulevard, eine glänzende Weite, die vor mir lag, voller Versprechen auf ein angenehmes und angesehenes Leben. »Mira«, sagte ich zu mir selbst, »jetzt bist du angekommen, du wirst ein Geschäft in den Hafendocks, im neuesten und angesagtesten Geschäftsviertel der Stadt, eröffnen.« Beschwingt und voller Tatendrang bog ich in die Rue de la République ein, in der der abbröckelnde Stuck, das von Feuchtigkeit angeschwärzte Mauerwerk den neuen, herausgeputzten Fassaden gewichen war. Die wenigen Menschen, die auf der Straße waren, eilten vor den leer stehenden Straßenlokalen auf und ab. Plötzlich klingelte es in meinen Ohren. Zuerst dachte ich, ein Bettler scheppere mit den Münzen in seinem Becher, um weitere Geldstücke anzulocken, doch zu sehen war niemand, der hier in dieser Straße um Geld fragen würde. Das Klingeln wurde lauter, in meinen Ohren begann es zu surren und zu quietschen. Da ruckelte es auf einmal in mir, ein Ruckeln, das sich ausbreitete, das regelmäßiger und rhythmischer wurde, bis es schließlich zu vibrieren begann wie in einem Klangkörper, in dem eine Saite angeschlagen wurde, eine alte, eine verrostete Saite. Jene Saite in mir regte sich wieder, von der ich einst gedacht hatte, dass es sie nicht geben dürfe, die ich schlicht vergessen hatte, da ich endlich angekommen war, gut angekommen in dieser Stadt, in diesem Land. Widerwillig schüttelte ich den Kopf und setzte die Füße fest aufs Pflaster der Rue de la République, um weiter, weiter voranzukommen. In diesem Moment legte sich ein Pfeifen in meine Ohren. Zuerst dachte ich, dass auch dieses Pfeifen ein inneres sei, dass sich zu der verrosteten Saite ein anderes, ein schrilleres Instrument gesellt habe, das mit aller Kraft versuche, mich von dem farbenprächtigen Weg, der vor mir lag und der mich in die renovierten Hafendocks zu meinem neuen Geschäftslokal führte, abzulenken. Doch dann sah ich die Gruppe, die die Straße hinunter direkt auf mich zu ging. Eine kleine Ansammlung von Menschen versuchte, sich mit Trillerpfeifen und selbstgemalten Plakaten Aufmerksamkeit zu verschaffen. »Une ville pour tous« stand auf den Transparenten und »nous restons ici«. Es handelte sich um eine Kundgebung, bei der die Menschen, die vor Jahren in dieser Stadt angekommen waren, um hier ein besseres Leben zu finden, und die während der letzten Monate aus ihren gewohnten Stadtumgebungen vertrieben worden waren, versuchten, sich zur Wehr zu setzen. Ich blieb stehen und ließ den Demonstrationszug passieren. Grüne, blaue und braune Blicke streiften mich. Feindselig waren sie nicht gerade, aber in ihnen lag etwas, eine Art unverwandte Kälte, die mich unangenehm berührte. Als ich mich abwenden und meinen Weg fortsetzen wollte, vernahm ich jenes tiefe, klare Lachen, das sich während meines ersten rauschenden Streifzuges durch das Gassengewirr des Panier über mich ergossen hatte. Zwischen den grünen, blauen und braunen Blicken hielt ich Ausschau nach dem Augenpaar, das sich damals mit leisem Spott von mir abgewandt hatte. Doch die Gesichter der demonstrierenden Menschen waren ernst, in keinem zeigte sich ein Lachen, nicht einmal ein leises, ein spöttisches. Da schwang wieder jene Saite in meine Existenz hinein, die kurz zuvor noch vergeblich und rostig in mir vibriert hatte. Der verheißungsvolle Weg, der vor mir gelegen hatte, wechselte sein Farbenkleid. Blau gewandet war er nun, in ein dämmriges Blau gehüllt die Pfade, die sich eröffnet hatten vor meinen Füßen, die mich zwar weiterhin die Rue de la République entlang zu den Hafendocks trugen, die aber an den neuen, herausgeputzten Geschäftslokalen vorbei in das Hafengelände hineinliefen.

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