Eva Schörkhuber - Die Gerissene

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Mira hat genug vom Landleben. Schon seit ihrer Kindheit fühlt sie sich im Dorf fremd und unverstanden. Ohne einen Cent in der Tasche reist sie in die Welt hinaus, um ihren Platz darin zu finden. In Marseille macht sie sich mit dem Upcycling alter Kleidung einen Namen, in Oran näht sie aus Djellabas Minirocktaschen und in der Sahara schließt sie sich einer Reisekarawane an und arbeitet in einem Flüchtlingscamp mit. Stets begegnet Mira den Menschen und Umständen mit wachem, kritischem Blick und dem Drang, einen Beitrag zu leisten. Als in Havanna ihre Erwartungen auf eine echte, lebendige Revolution enttäuscht werden, gründet sie eine neue aufständische Bewegung. Wieder steht Mira vor einer Chance, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Doch diesmal muss sie alles riskieren.
Ein Roman mit feiner Ironie und sprachlicher Finesse, der sich mit dem Status quo nicht zufrieden gibt und eine zeitgenössische Schelmin zur Hauptfigur macht.

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Eines Tages liefen Marie und André aufgeregt im ganzen Haus herum und fragten alle irgendetwas. Stan erklärte mir, dass an diesem Abend ein Konzert stattfinden solle, ein Oud-Konzert, dass sich aber Malika, die eine Oud-Spielerin, am Finger verletzt habe und nicht spielen könne.

»There have to be two ouds, so they are looking for someone who can play the oud. But I guess that they won’t find anybody, it is very difficult to play the oud.«

»I can play the oud«, sagte ich, und Stan sah mich mit großen Augen an.

»Well, a little bit, but I’ve learned it when I lived in the small village«, fügte ich noch hinzu, er aber hatte mich schon am Ärmel geschnappt und zu Marie und André geschleppt. André fiel mir um den Hals und Marie schnalzte anerkennend mit der Zunge. Sie würden mir eine Oud aus dem Haus bringen, sie sei zwar alt, aber noch in Ordnung. Gegen drei komme Joseph, der zweite Oud-Spieler, wir hätten dann noch genügend Zeit, um uns aufeinander einzustimmen. Als mir André die Oud in die Hand drückte, legten sich meine Finger wie von selbst auf die Saiten. Etwas zittrig waren die ersten Töne, dann aber zogen sie immer weitere Kreise, bis sie sich leise federnd auf die Stühle und Tische, auf die Köpfe und Schultern legten. An Agnès dachte ich dabei, an ihr Spiel, das Entfernungen auslotete, das Weiten eröffnete, um flüchtige Unendlichkeiten in die Ohren, die Herzen und Köpfe zu legen. Sie hatte nicht ins Dorf gepasst, genauso wenig wie die anderen von der Alten Mühle, das Dorf war zu eng für sie gewesen, sie hätte aber zu mir gepasst, und das hätte ich den Leuten aus dem Dorf damals sagen sollen. Tränen bahnten sich ihre Wege, über meine Wangen rollten sie und tröpfelten auf meine Hände, die an den Saiten der Oud Trost suchten und Halt fanden. André trat an mich heran und streichelte mir über den Kopf: »Ne sois pas triste«, sagte er. »Tu joues très bien de l’oud.«

Wir vereinbarten, dass ich mit Joseph am Nachmittag ausprobieren sollte, ob wir zusammenspielen könnten, und dass ich dann eine Portion Mut und Verwegenheit aus Maries und Andrés Spezialdepot erhalten sollte. Die Probe mit Joseph verlief sehr gut, wir konnten kein Wort wechseln, aber unsere gemeinsame Sprache waren ohnehin die Töne, die einander begleiteten, neckten und umgarnten. Nach der Probe drückten mir Marie und André einen zusammengerollten Geldschein in die Hand und hielten mir ein Stück Papier, auf dem feines, kristallines Pulver zu einer weißen Linie zusammengeschoben worden war, unter die Nase. »Tiens, ça donne du courage«, meinte Marie, und André fügte hinzu, dass ich kurz vor dem Konzert noch einmal eine kleine Portion Verwegenheit erhalten würde. Mit Müh und Not sog ich die hellen Kristalle durch das Papierröhrchen in die Nase. Anschließend legte ich den Kopf in den Nacken und wartete darauf, dass etwas Außerordentliches, etwas Exorbitantes passieren würde. Zunächst aber geschah gar nichts. Die Innenseiten meiner Nasenflügel brannten und juckten, sodass ich einige Male kräftig niesen musste. Ansonsten keine Reaktion, nichts, rien . Als ich aber hinausging, hinaus aus dem Veranstaltungsraum, begannen meine Augenlider zu zucken. Ich blinzelte, was das Zeug hielt, schlug meine Lider auf und nieder im Takt eines infernalen Bassrhythmus, und da setzte auch das andere Jucken, das Jucken in den Schläfen, in den Armen und Beinen ein. Ich schüttelte mich und sprang herum wie ein aufgezogener Hampelmann. Große Gedanken, luftig und schillernd wie Seifenblasen, flogen durch meinen Kopf, wunderbar anzusehen, aber unmöglich zu fassen. Der Vorraum, ja das ganze Haus erschienen mir plötzlich zu eng, und ich lief hinaus auf die Straße, überquerte den Platz mit seinen Bars und Cafés. Federnder Schritte wippte ich durch die Gassen, die grellen Blicke der Menschen, die vor ihren milchig-weißen Apérolgläsern saßen, stachelten mich an, ich fing sie auf wie Bälle, die mir zuflogen und die ich durch die Luft wirbelte in einem rasenden Reigen, der immer größer, immer schneller wurde, ein tausendäugiger Kreisel, der immer weitere Bahnen zog, ein Orkan der Blicke, dessen ruhendes Auge ich war, ich auf meinem Weg durch die Stadt, die ich nicht mehr sehen wollte, die ich jetzt aber eroberte, ich, Jongleuse der Blicke, die aus den Gesichtern purzelten, den goldbraunen und goldgelben Gesichtern, die in der Abendsonne glänzten und ihr Ankommen, ihr Ankommen-Wollen verbargen, so gut es ging. Ich aber, ich sah es schimmern, nein, leuchten in ihren Augenhöhlen, die in den Abend hineingähnten, während ich mit ihren Blicken jonglierte, einhändig, zweihändig, vielhändig, durch das Farbtosen hindurch, bis es in meinen Augen krachte, mit den Lidern schlug ich den Takt meiner Füße, schneller, immer schneller die Fuß-, nein die Augentritte, hinauf, herum, links zwo drei und hinunter, die Canebière hinunter, auf der große und kleine, breite und schmale Gestalten ihre Bahnen zogen. Farbtöne pulsierten aus ihnen hinaus, olivgrün, weinrot und honiggelb waren die Klangkörper, an denen ich mich vorbeidrängte, im Takt meiner Augenlider flatterten die Füße auf dem Pflaster, auffliegen wollten sie, hineinsegeln in das blaue Tuch, das sich über den Himmel legte und Schatten in die Gesichter warf. Die Farbtöne verblassten, der Glanz in den Gesichtern blutete aus, nur ich war noch das Irrlicht, das die Straße hinuntergeisterte, das grell aufflackerte, ein Licht, an dem sich niemand wärmen konnte, kaltes Licht, das in die Augen stach, das die Blicke aus den Augenhöhlen löste.

Anlauf nahm ich, wie ein Komet wollte ich in den Alten Hafen hinuntersausen, um mit einem Satz sein spießgeselliges Treiben, sein stumpfsinniges Verleugnen der blaudämmrigen Sehnsucht auszulöschen, doch meine Beine machten vor der Kreuzung kehrt, bogen ab in eine Straße hinein, die rechter Hand vom Hafen wegführte, leicht anstieg und gesäumt war von dunklen Fassaden, vor denen Menschen, vom Dämmerlicht ihrer Farben beraubt, saßen und standen. Schattenspiele vor abbröckelndem Stuck, vor von Feuchtigkeit angeschwärztem Mauerwerk, große und kleine, breite und schmale Gestalten, die in fremden, kehligen Lauten sprachen, die mit den Händen Huhn und Reis aßen. In das dunkle Gewirr von Rufen und Sätzen, von raschelnden Stoffen und dichten Gerüchen zog es mich hinein, ich stieg die Straße hinauf, kein Komet, kein Irrlicht mehr, sondern ganz Ahnung, leise pochende Ahnung, dass ich hier, an den Rändern dieser Straße ein Ankommen finden würde. Ich ging weiter, taumelnd und torkelnd hielt ich mich an einem brüchigen, einem fadenscheinigen Zipfel meiner selbst fest, um nicht verlorenzugehen in den Schattenspielen, um nicht eins zu werden mit dem schwarzen Mauerwerk, mit dem Dunstgewebe aus Tierfett, Kohle und Holz. Die Mauern wichen plötzlich zur Seite und gaben mir den Weg frei durch Innenhöfe, in denen Wäsche vor gesprungenen, notdürftig mit Pappkarton geflickten Scheiben trocknete, Flügel, die mich hineinwinkten, weiter, weiter hinein in den Gang, der mich umhüllte, der mich umschloss. Feuchter Moder legte sich in meine Nase, legte sich auf meine Haut, die vibrierte wie eine angeschlagene Saite. Eine steile Treppe führte aus einem der Höfe hinaus, ich stieg sie hoch, hinauf zu den flackernden Lichtsprengseln am Ende der Passage, am Ende meiner Passage durch das steinerne Meer. Ich stand nun in einer Gasse, die sich um alte, gedrungene Häuser herumwand, die sich mit anderen Gassen verzweigte zu einem Gassengewirr, in dem das Duftgewebe aus Tierfett, Kohle und Holz noch dichter, die Schattenspiele noch gedrängter waren als in der anderen Straße. In diesen Gassen verlor ich mich, ich suchte Halt in den Blicken, die blau und dämmrig waren wie der Wunsch nach einem Ankommen, der sich hier breitgemacht, der sich wie ein schwerer Mantel über die Häuser und Gassen gelegt hatte. Die Sehnsucht hier war nicht seiden wie ein zum Abschied gezücktes Taschentuch, sondern kratzig wie die Decke in meiner Gefängniszelle. Wie Krätze hatte sie sich auf die Haut gelegt, das Jucken überall, auf den Armen, den Beinen, in den Gesichtern die blutig-eitrigen Krater, die sich ausdehnten, die anwuchsen und anschwollen zu Pestbeulen. » La peste, la peste «, schallte es aus allen Ecken und Winkeln. Ich fing die Rufe auf wie heiße Kohlen, die mir zugeworfen wurden, ein glühender Tanz der Hände, der Ohren, der Münder, die sich aufeinander warfen, die sich ineinander verkeilten in einem verzweifelten Kampf, in einem trotzigen Aufbäumen gegen das Verdikt, das durch die Gassen hallte, durch die Gassen dieser verfluchten Stadt, die dem Meer ihren Rücken zeigte und jenseits des steinernen Meeres lag, das ich durchquert hatte, die Hauswände hatten sich geteilt und ich war hindurchgeschritten, um dieser Stadt zu Hilfe zu eilen, um sie zu erlösen von der Pest, die sich wie ein schwarzes Tuch auf die Häupter, die Hände, Ohren und Münder legte, die offen standen, verformt zu einem Schrei, der den filzigen, kratzigen Stoff nicht zu durchdringen vermochte.

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