Daher heißt es: »Der Fisch sollte dem tiefen Wasser nicht entweichen; die scharfen Werkzeuge des Staates sind nicht da, um sie den Menschen zu zeigen.«
Der Weise ist ein scharfes Werkzeug des Staates, doch nicht, um zur Einsicht im Staat beizutragen. Daher: Wenn die Weisen ihr Wissen wegwerfen, verschwinden die großen Diebe. Zerbrich Jade und zertritt Perlen, so werden die kleinen Gauner verschwinden; verbrenne die Siegel und zerstöre die Stempel, und das Volk kehrt zum Einfachen und Schlichten zurück; zerbrich die Waage und zerstöre die Gewichte, und das Volk hört auf zu wetteifern; setze die von den Weisen geschaffenen Gesetze unterm Himmel komplett außer Kraft, und das Volk kehrt zurück zum ursprünglichen Zustand, sich auszutauschen und zu denken. Bringe in Verwirrung die sechs Tonarten, zerbrich die Flöten und Zithern, verstopfe Musikern wie dem blinden Kuang (Meister Umfassend) die Ohren – und unterm Himmel beginnen die Menschen wieder zuzuhören; beseitige schön gemusterten Zierrat, entmische die fünf Farben, verkleistere Meister Li Zhu (Ohne Zinnober) die Augen – und unterm Himmel beginnen die Menschen wieder klar zu sehen; zerstöre die Haken und zerschneide die Richtschnüre, wirf Zirkel und Winkelmaß weg, brich Zimmermann Chui (Meister Nocheinmal) die Finger – und unterm Himmel entwickeln die Menschen wieder Geschick. Daher heißt es: »Großes Geschick wirkt einfältig.«
Beschneide den Handlungsspielraum von Zeng Can (Langwährend) und Shi Qiu (Geschichtsschreiber), verstopfe den Mund von Yang Zhu (Weide) und Mo Di (Fallenlassen), verwirf Menschlichkeit und Rechtschaffenheit – und die Lebenskraft unterm Himmel beginnt, sich mit dem Vielschichtigen zu vereinen. Wenn die Menschen wieder klar sehen, dann fällt unterm Himmel niemand auf Glanz und Glimmer herein; wenn die Menschen wieder zuhören, dann wird unterm Himmel niemand im Stich gelassen; wenn die Menschen wieder ihrer Klugheit vertrauen, dann wird unterm Himmel nichts in Verwirrung geraten; wenn die Menschen sich wieder an ihre ursprüngliche Wirkkraft halten, dann wird es unterm Himmel nichts Absonderliches geben. Zeng Can und Shi Qiu, Yang Zhu und Mo Di, Meister Kuang und Zimmermann Chui sowie Li Zhu – sie alle zeigen nur äußerlich ihre Wirkkraft, um damit alle unterm Himmel zu blenden und zu verwirren; diese Strategie ist nutzlos.
Beim Spruch vom Fisch, der dem tiefen Wasser nicht entweichen soll, handelt es sich – auf den ersten Blick – um ein wörtliches Zitat aus dem Laozi, Kapitel 36. Beim apokrpyhen Charakter dieses Abschnitts im Zhuangzi, der vermutlich erst in späterer Zeit hinzugefügt wurde, erscheint dies naheliegend. Theoretisch ist es jedoch genauso gut umgekehrt möglich, dass die Verfasser des Laozi sich auf das Buch Zhuangzi gestützt haben. Ebenso ist es möglich, dass den Verfassern des Laozi und des Zhuangzi jeweils eine unabhängige dritte Quelle als Spruchsammlung zur Verfügung stand.
Bist du der Einzige, der noch nicht vom Zeitalter der vollkommenen Wirkkraft gehört hat? Einst, als Rongcheng (Erfolg durch Geschehenlassen), Dating (Großer Palast), Bohuang (Kaiserlicher Onkel), Zhongyang (Innerstes Zentrum), Lilu (Hüpfende Kastanie), Li Chu (Pferdezüchter), Xianyuan (Wagenbauer), Hexu (Glänzender Beamter), Zunlu (Altes Haus), Zhurong (Ausgleichender Priester), Fuxi (Der sich verbeugt und opfert) und Shennong (Göttlicher Landmann) herrschten, da knüpfte das Volk Knotenschnüre, um sich zu verständigen, aß süße Speisen, kleidete sich schön, erfreute sich an seinen Gebräuchen, wohnte zufrieden in seinen Hütten; die Nachbarn konnten einander sehen, Hühner und Hunde konnten einander hören; die Menschen wurden alt und starben, ohne zu kommen oder zu gehen. In dieser Zeit herrschte vollkommene Ordnung.
Heutzutage sind die Menschen derart zufrieden, dass sie beginnen, die Hälse zu recken, sich auf die Fersen zu stellen und zu rufen: »Oh, da ist ein edler Mensch!«, und sie packen ihren Proviant und eilen zu ihm, lassen ihre Verwandten zu Hause im Stich und vernachlässigen draußen ihre Dienstangelegenheiten für den Herrscher; ihre Fußspuren führen von einem Fürstenhof zum nächsten, ihre Kutschen legen tausend Meilen und mehr zurück – dies ist der Fehler der Oberen, die nach Wissen streben. Wenn die Oberen wirklich nach Wissen streben, statt nach dem Dao, dann breitet sich unterm Himmel Verwirrung aus. Woher weiß ich, dass es so ist?
Je mehr Wissen über das Schießen mit Vorrichtungen wie Bogen und Kreuzbogen, Handnetzen, desto wirrer steigen die Vögel nach oben; je mehr Wissen über das Anbringen von Haken, Fangnetzen, Wurfnetzen, Schleppnetzen und Reusen, desto wirrer tauchen die Fische ins Tiefe; je mehr Wissen über das Aufstellen von Hasenfallen, Schlingen, Käfigen, Klemmeisen, desto wirrer fliehen die Tiere in die Sümpfe; je mehr Vielfalt in den Kenntnissen über Betrug und Intrigen, Tricks und Täuschungsmanöver, Haarspalterei zwischen »hart und weiß«, »Vereintsein im Staub«, desto wirrer sind die Gespräche der einfachen Leute. Daher: Jeder Wirrnis unterm Himmel liegt das Streben nach Wissen als Fehler zugrunde. Daher suchen alle unterm Himmel nach dem, was sie noch nicht wissen, doch niemand weiß danach zu suchen, wann er genug weiß; alle wissen, das Falsche nicht gutzuheißen, doch niemand nennt falsch, was er bereits für gut befunden hat – daraus entsteht große Wirrnis. Daher verfinstert sich oben das Licht von Sonne und Mond, versiegt unten die Lebenskraft der Berge und Flüsse, setzt in der Mitte der Wechsel der vier Jahreszeiten aus; selbst die furchtsamen windigen Würmer, die flatterhaften Insekten – es gibt kein Wesen, das nicht seine Natur verliert.
Wie groß, wahrhaftig, ist unterm Himmel die Verwirrung, die das Streben nach Wissen hervorbringt! Von den Drei Dynastien an verhält es sich so: Das Volk schiebt die Urwüchsigen beiseite und schmeichelt begeistert den Eifrigen; es sagt sich los von teilnahmsloser Gelassenheit und begeistert sich für die Ideen von Schwätzern; die Schwatzhaftigkeit verwirrt alle unterm Himmel.
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