Uli Hannemann - Oh nee, Boomer!

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Männlichkeit in den Wechseljahren: Der alternde Mann hat es weniger leicht, als viele denken. Die Hormone spielen verrückt, und der Andropausenclown versteht die Welt nicht mehr: Die Frau ist weg, und sein bester Freund ist nun der Urologe. Die zehnte Buchveröffentlichung von Berlins bissigstem Lesebühnenstar geht dahin, wo es weh tut.
Dass der heterosexuelle, mittelalte weiße Mann ein Arsch ist, wissen ja nun alle zur Genüge. Doch was treibt dieser Arsch überhaupt, wenn er nicht gerade unvorteilhaft altert oder «catcalling» und «mansplaining» durch die Wurstbuden zieht? Und schlägt tief unter diesem Berg aus faulendem Fleisch, Niedertracht und Starrsinn vielleicht doch irgendwo noch ein kleines, schwarzes Herz? Antworten auf diese und noch viele andere Fragen gibt das vorliegende Buch.
"Oh nee, Boomer!" versammelt Uli Hannemanns neue Texte aus der Sicht des Mannes im angeblich «besten Alter». Mit misanthropischem Staunen bewegt sich der Mittfünfziger durch eine schnelllebige Welt, die ihm immer fremder wird. Und solange er die Existenz seiner unsichtbaren Privilegien weiter leugnet, bleiben ihm noch nicht mal die.
Garniert werden die selbstironischen Miniaturen mit zahlreichen Folgen von Hannemanns beliebter taz-Kolumne über die «Andropause» – die Wechseljahre des Mannes.

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Knastgespräche

Sonntagmittags gehen wir gewöhnlich für wenigstens ’ne Stunde raus. Wir zwingen uns dazu, in der Regel auf mein Betreiben hin. Man muss nun mal an die frische Luft. Die Leute sagen, dass man sonst ziemlich sicher stirbt. Wenn nicht gleich, dann später.

Die kürzeste Runde, also die Notroute bei schlechtem Wetter, führt von der Wohnung meiner Frau Q. aus durch den Görlitzer Park, links rum am Sportplatz vorbei, am Schlesischen Busch noch mal links rüber zur Schlesischen Straße und dort dann zurück. Eine Stunde dauert das auch nur deshalb, weil ich am Sportplatz immer zwanghaft stehen bleiben und den Amateurspielern beim Kicken zugucken muss. Ich kann nicht anders, Fußball wirkt auf mich wie ein Magnet.

Was mich zugleich fasziniert und anwidert, ist das ständige Gepöbel gegen den Schiedsrichter. Er kann es niemandem recht machen. Vielleicht macht er auch mal Fehler, doch die Spieler können ja selbst nichts. Tapsig stolpern sie über den Platz, der Ball schussert wie eine Flipperkugel mal hier- und mal dorthin. Sie sind weder fit noch talentiert oder technisch gut ausgebildet, Breitensportler eben. Aber der Schiedsrichter muss natürlich Bundesliganiveau haben. Nicht um alles in der Welt wollte ich seinen Job machen – sollen sich die undankbaren Psychopathen doch untereinander anschreien und in die Fresse hauen.

Wenn ein Tor fällt, bin ich zufrieden. Dann setzen wir unseren Weg fort. »Ächz«, sagt Q., und sie sagt wortwörtlich »ächz«, denn wir sind beide kulturell von Donald Duck und Asterix geprägt: »Ächz, verdammt, können wir jetzt vielleicht mal wieder rein?«

Sie will Serie gucken. Teechen. Sofa. Die Füße hochlegen für den Rest des Tages. Oder das scheißschwierige Rätsel im SZ-Magazin lösen. Mit mir zusammen, aber ich sitze meist nur blöd daneben. So kann sie mal wieder ihre geistige Überlegenheit beweisen. Toll, Glückwunsch, dabei ist das überhaupt nicht nötig. Ich weiß zum Glück, welche Qualitäten ich habe und welche nicht. Ich habe auch kein Problem damit, dass bei uns im Grunde fast so ein traditionelles Geschlechterverhältnis herrscht, bloß eben mit vertauschten Rollen. Sie ist eher so die Checkerin. Sie bekommt auch für einen ähnlichen Job viel mehr Geld, was allerdings tatsächlich nicht so schwer ist: Jede Laus verdient mehr als ich. Der »Loser Pay Gap« geht in der Diskussion hinter all den anderen Pay Gaps stets ein wenig unter.

Aber gut ist, dass ich als beobachtender Rätseladjutant überhaupt nichts tun muss. Ich kann ja auch nicht viel. Ich muss einfach nur schön sein. Sonst nichts. Der Mangel an Gestaltungsmöglichkeiten macht mein Leben wunderbar unkompliziert.

»Knurr«, sagt sie. »Jetzt ist es aber wirklich langsam genug.«

»Nur noch diesen kurzen Schlenker«, bettle ich: Schlesischer Busch und dann zurück. Also wie immer. Um die freudlose Chose spielerisch aufzulockern, stellen wir uns vor, wir wären im Knast und dürften nur einmal am Tag ’ne Stunde raus für eine Pflichtrunde an der frischen Luft. Im Grunde ist es ja auch so. Unser Dasein ein Knast, der Winter als Strafverschärfung. Der Hofgang immer im Kreis – Görli, Sportplatz, Schlesische –, über uns der schon mittags nach Weltuntergang aussehende ewig dunkelgraue Himmel. Fehlt nur noch der Maschendraht davor.

Die Atmosphäre wird komplett, als wir den Wachturm auf dem ehemaligen Mauerstreifen passieren. Um die Hofgangssituation zu simulieren, improvisieren wir Knastgespräche. Unsere schwere Jugend. Die doofen Wärter. Wie man aus altem Toastbrot Schnaps brennt. Wofür wir einsitzen.

Natürlich färben wir die Schilderungen unserer Vergehen auf eine Weise ein, die uns und unsere Taten clever, hart und irgendwie cool aussehen lassen soll. Ein gutes Standing in der Anstaltshierarchie kann überlebenswichtig sein. So musste ich einen Nazi umbringen, der meiner Schwester im Kaufladen den Wagen in die Hacken geschoben hat. Das ging nicht anders – jeder Ehrenmann hätte genauso gehandelt. Meine Frau wiederum hat im großen Stil Silberbesteck geklaut, um ein Waisenhaus in Laos zu finanzieren. Hat ihre Freiheit geopfert, um ein wenig Glanz in stumpfe Kinderaugen zu zaubern. Der Winter ist immer die härteste Zeit hier. Zum Glück werden wir beide im Frühjahr entlassen.

»Wenn ich rauskomme, werde ich als Erstes ein paar Rechnungen begleichen«, sage ich und versuche, meine Stimme rau und gefährlich klingen zu lassen. Das gehört nun mal zu dem Spiel.

»Was für Rechnungen?«

»Na ja: Strom, Gas, Miete, Mitgliedsbeitrag für AfD, ADAC und Alpenverein, so was eben«, sage ich. »Und du?«

»Goldene Löffel klauen«, sagt sie, und ihr Blick wird schwärmerisch. »Das wollte ich schon immer.«

Diesseits jeder Hoffnung

Bis vor Kurzem gab es für Alkoholismus offiziell nur eine Lösung: aufhören, und zwar komplett und für immer.

Doch das neue Zauberwort heißt »Kontrolliertes Trinken«. Im von zehntausend Konsumeinheiten zum groben Sieb perforierten Gehirn des Betroffenen bleibt von diesem Wortpaar immerhin noch »trinken« hängen. Das klingt doch gleich viel besser als die böse Nulldiät: saufend trocken werden, oder besser gesagt, halbtrocken – das ist doch wunderbar! Erzprotestanten, Guttempler, Langweiler, Miesepeter, Betschwestern, Gesundheitsapostel, Sauertöpfe, Panikmacher, Besserwisser, Krümelkacker, Askesefaschos: All diese zutiefst verhassten Protagonisten der Nüchternheit können uns gepflegt am Hobel blasen. Wer so lebt, ist doch schon gestorben.

Nun sitze ich bei Frau Dr. alk. Dipl.-Psych. Verena Parder-Wedde in Rummelsburg, neben mir noch vier weitere Kandidaten der Altersklasse 50 bis 69. Wo bin ich hier bloß gelandet? Die durch die großen Fenster hereinfallende Spätnachmittagssonne erreicht nicht ganz unseren Stuhlkreis auf dem hellen Holzlaminat. Die Leiterin gibt eine selbst gehäkelte Schnapspulle zur Vorstellungsrunde herum. Wer die »Sprechflasche« hält, darf erzählen, warum er hier ist.

Die fast weißhaarige Hilde (64) hat mit dem Trinken begonnen, nachdem ihr Mann gestorben war. Irgendwer musste dessen gigantischen Getränkevorrat ja vertilgen, wäre doch schade drum gewesen. Mein direkter Nachbar Lothar (68) hatte Pech im Lotto. Anita wiederum hat noch nie getrunken, weil sie Alkohol nicht ausstehen kann. Doch das Versprechen »Kontrolliertes Trinken« hat sie neugierig gemacht. Vielleicht, so die aparte Mittfünfzigerin, könne sie hier unter Anleitung den Alkoholgenuss erlernen, um auf Feiern nicht länger Außenseiterin zu sein. Während die anderen labern, lege ich mir meine Worte zurecht.

Es war so, der junge Arzt war neu, ich hatte ihn noch nie zuvor gesehen. Und egal mit welchem meiner ganzen Prekariatsärzte ich die letzten dreißig Jahre über gesprochen hatte: Noch nicht mal beim Rundum-Gesundheitscheck wurde jemals auch nur eine Sekunde lang verquaste Eso-Kacke thematisiert, wie meine Lebensumstände, meine Stimmung, meine Ernährung, mein Berufs- oder Sexleben und mein Suchtverhalten. Die Blutwerte waren ja okay. Dieser übergriffige Quacksalber aber blickte mich nur einmal kurz an und sagte: »Sie müssen aufhören zu rauchen.« Ohne meine Lunge abzuhorchen, mein Atem rasselte nicht, und ich hatte ihm auch keinen blutigen Schleim auf den Schreibtisch gehustet.

Ich reagierte perplex: Wie er denn darauf käme? Er erklärte, rauchen wäre ungesund. Ach so. Das hatte ich zwar auch schon mal gehört, aber ich hatte das Geunke stets darauf zurückgeführt, dass die Tabakindustrie um ihre clevere Geschäftsidee beneidet wurde. »In Ihrem Alter«, sagte er mit einem zweiten kurzen Blick, der mir wehtat, »steckt man nicht mehr alles so weg wie eventuell gewohnt.« Er erwähnte auch noch irgendwie Cholesterin und Ernährung und so’n Scheiß, ich wollte daher schon wieder abschlaffen, als das Wort »Alkohol« fiel. Begleitet von einem dritten kurzen, doch dafür umso intensiveren Blick. Ich schwitzte. In dem Blick sah ich mein Gesicht gespiegelt, das heute Morgen so aussah wie an zu vielen anderen Morgen. Er gab mir einen Informationszettel.

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