Das Traurige an der Begebenheit mit dem reichen Jüngling ist, dass wir nie wieder etwas von ihm lesen. Vermutlich hat er seine Prioritäten nie richtig gesetzt und ist auch später nicht zu Gott umgekehrt.
Die Bibel erzählt von vielen anderen Menschen, die weit weniger »perfekt« waren als dieser junge Mann. Doch sie haben eins richtig gemacht: Sie sind Jesus nachgefolgt. Die Bibel ist voll von unvollkommenen Menschen, die sich Gott hingeben. Einer von ihnen ist Petrus. Als er sah, dass der reiche Jüngling einfach fortging, wollte er wissen, was passiert, wenn man Jesus nachfolgt, und sagte: »Wir haben alles aufgegeben, um dir nachzufolgen.«
Jesus erwiderte: »Ich versichere euch: Jeder, der Haus oder Brüder oder Schwestern oder Mutter oder Vater oder Kinder oder Besitz um meinetwillen und um der guten Botschaft willen aufgegeben hat, wird jetzt, in dieser Zeit, alles hundertfach zurückerhalten: Häuser, Brüder, Schwestern, Mütter, Kinder und Besitz – wenn auch mitten unter Verfolgungen. Und in der künftigen Welt wird er das ewige Leben haben.«
Markus 10,28-30
Das ist das Größere, von dem ich geschrieben habe: Wir werden hundertfach zurückerhalten, was wir einsetzen, wenn wir Jesus nachfolgen.
Ich frage mich, was geschehen wäre, wenn der reiche junge Mann Jesus von ganzem Herzen nachgefolgt wäre, und was alles durch ihn in der Welt hätte verändert werden können. Gäbe es Briefe von ihm wie von Petrus und anderen Aposteln?
Hingabe bedeutet wahre Liebe
Etwa 2000 Jahre vor dem reichen Jüngling wurde ein anderer reicher Mann von Gott dazu aufgefordert, das Liebste zu geben, das er hatte:
Einige Zeit später stellte Gott Abraham auf die Probe. »Abraham!«, rief Gott.
»Hier bin ich«, antwortete Abraham.
»Nimm deinen einzigen Sohn Isaak, den du so lieb hast, und geh mit ihm ins Land Morija. Dort werde ich dir einen Berg zeigen, auf dem du Isaak als Brandopfer für mich opfern sollst.«
Am nächsten Morgen stand Abraham früh auf. Er sattelte seinen Esel und nahm seinen Sohn Isaak sowie zwei seiner Diener mit. Dann spaltete er Holz für das Brandopfer und machte sich auf den Weg zu dem Ort, den Gott ihm genannt hatte.
1. Mose 22,1-3
Gott forderte Abraham auf, seinen Sohn Isaak zu opfern – und das klingt für unsere Ohren völlig undenkbar. Was für eine grausame Tat!
Gott wollte sehen, ob Abraham bereit wäre, seinen Sohn, den er doch so sehr liebte, aufzugeben. Das ist schwer nachzuvollziehen!
Zudem war Isaak nicht nur irgendein Sohn, sondern er war Abraham von Gott versprochen worden und Abraham hatte lange auf ihn gewartet. Mit ihm würde nicht nur ein geliebtes Kind sterben, sondern auch die Hoffnung, Stammvater eines großen Volkes zu werden.
Abraham sollte opfern, was er so sehr liebte: seinen Sohn und die Zukunft seiner Familie.
Bevor es dazu kam, griff Gott ein und hielt Abraham davon ab, seinen Sohn zu töten. Trotzdem schockiert es mich, dass Abraham bereit war, seinen Sohn aufzugeben. Gleichzeitig sehe ich eine Hingabe, die wirklich beeindruckend ist. Diese Geschichte macht außerdem deutlich, dass wahre Hingabe nicht nur eine Übergabe oder das Aufgeben von etwas ist, sondern dass sie die wahre Liebe widerspiegelt.
Was macht die Geschichte mit dir, wenn du liest, dass ein Vater bereit war, seinen Sohn zu opfern, um Gott seine Liebe zu zeigen? Und zwar nicht, weil er psychisch krank war oder kein Herz hatte, sondern weil Gott für ihn an erster Stelle stand.
Abraham war eine außergewöhnliche Person und der einzige Mensch, den Gott auf diese Weise geprüft hat. Niemals wieder hat Gott jemanden aufgefordert, seinen Sohn zu opfern. Heute fordert er uns auf, Dinge aufzugeben oder Menschen zu verlassen, die uns wichtig sind, aber niemals dazu, jemanden zu töten. Auch Abraham wurde von Gott letztlich daran gehindert, seinen Sohn zu töten. Aber er war bereit dazu.
Um diese tiefe Hingabe zu verstehen, habe ich versucht, mich in die Rolle von Abraham hineinzuversetzen: Da ist ein Mann, der Jahrzehnte auf diesen Sohn und Erben gewartet hat, und dann aufgefordert wird, diesen zu opfern.
Was würde ich tun, wenn ich in der gleichen Sache geprüft würde? Wenn Gott mich auffordern würde, das aufzugeben, was mir am meisten bedeutet? Was wäre ich bereit, aufzugeben, um Gott meine Liebe und Hingabe zu zeigen?
Diese Fragen sind nicht leicht zu beantworten, weil wir uns an unser Leben klammern und Angst haben, Dinge aufzugeben oder uns von geliebten Menschen zu trennen. Doch wie sonst können wir Gott unsere Liebe zeigen?
Was genau »das Wichtigste« ist, ist bei jedem Menschen unterschiedlich, und deshalb kannst nur du persönlich diese Frage beantworten. Ich möchte dich ermutigen, darüber nachzudenken und wie Abraham diesen Schritt zu gehen. Wahre Liebe passiert dann, wenn wir bereit sind, das aufzugeben, was uns am wichtigsten erscheint.
Die Geschichte von Abraham und Isaak ist außerdem ein Bild für etwas, das 2000 Jahre später geschehen ist: Gott der Vater hat uns seine Liebe offenbart, als er seinen einzigen Sohn geopfert hat, damit wir leben können. Er hat uns zuerst geliebt – und das, als wir noch seine Feinde waren (Römer 5,10). Er erwartet nichts von uns, was er nicht selbst in viel größerem Umfang getan hätte.
Wer oder was ist dein »Isaak«? Gibt es Dinge in deinem Leben, die dir wichtiger sind als Gott? Was hält dich auf, dich komplett hinzugeben und Gott zu lieben?
Vielleicht sind es alte Gewohnheiten oder sogar Süchte, die dir nicht erlauben, ein hingegebenes Leben zu führen. Früher haben mich einige Beziehungen davon abgehalten, mein Leben ganz hinzugeben. Freundschaften, die keinen positiven Einfluss auf mich hatten. Menschen, die mich nur noch weiter von Gott weggezogen haben. Es war nicht einfach für mich, diese Beziehungen hinter mir zu lassen, denn ich hatte Spaß an meinem Leben. Aber nachdem ich mich dem Tod so nahe gefühlt hatte, war mir Gott wichtiger geworden. Ich habe gelernt, dass man Einfluss nimmt oder von anderen beeinflusst wird – und ich wollte positiven Einfluss nehmen.
Bei Süchten oder Beziehungen zu Menschen, die einen schlechten Einfluss auf dich haben, ist es leicht, zu erkennen, dass diese Dinge dich von Gott wegziehen. Sie aufzugeben kann trotzdem schwer sein. Aber es gibt anderes, was nicht an sich schlecht ist, und was dich trotzdem davon abhält, dich Gott ganz hinzugeben. Es geht hier nicht um eine Wertung, sondern darum, zu prüfen, was dich daran hindert, ein Leben der Hingabe zu führen. Gott sehnt sich nach einer Generation, die bereit ist, ihr Leben hinzugeben und ihn wahrhaftig zu lieben. Das ist das Wichtigste im Leben! Jesus sagt:
Das wichtigste Gebot ist dies: »Höre, o Israel! Der Herr, unser Gott, ist der einzige Herr. Und du sollst den Herrn, deinen Gott, von ganzem Herzen, von ganzer Seele, mit all deinen Gedanken und all deiner Kraft lieben.«
Markus 12,29-30
Gott will nicht nur ein paar Teile deines Lebens haben, sondern er möchte dein ganzes Leben. Aber er nimmt es sich nicht einfach, sondern wartet darauf, dass du es ihm schenkst.
Ich hoffe, du bist bereit für diese Art der Hingabe, um dann das Leben zu leben, das Gott für dich bestimmt hat. Wenn wir anfangen, in Hingabe zu leben, können wir sehen, wie sich unsere Umgebung und unsere Stadt zum Positiven verändern. Du wirst ein Segen für deine Gemeinde, deine Mitmenschen und deine Umgebung sein.
Auf der anderen Seite der Hingabe
Du bist Gott so wichtig, weil du so besonders bist. Er will zu dir sprechen und eine Beziehung mit dir führen. Er sieht ein Potenzial in dir, auch wenn andere das nicht sehen.
Auf der anderen Seite der Hingabe wartet ein Leben voller Abenteuer auf dich, ein Leben in deiner Berufung und Bestimmung.
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