___ES SIND NICHT IMMER DIE ANDEREN, DIE DIE SCHULD HABEN. WIR ALLE TRAGEN VERANTWORTUNG. DURCH UNSER KONSUMVERHALTEN GESTALTEN WIR DIE MÄRKTE
Den drei Säulen der Nachhaltigkeit – Ökonomie, Ökologie und Soziales – möchte ich eine vierte hinzufügen: die der Ökumene. Wikipedia definiert den Begriff Ökumene nämlich nicht nur als Dialog und Zusammenarbeit zwischen christlichen Konfessionen – und im Übrigen nicht nur zwischen christlichen, sondern allgemein zwischen monotheistischen Religionen –, es nennt auch den Begriff der »Geografischen Ökumene«, was sich auf den ständig besiedelten und landwirtschaftlich nutzbaren Teil der Erdoberfläche bezieht. Die Weltbevölkerung wächst unablässig und mit ihr der Bedarf an Nahrungsmitteln und Lebensraum. Die Artenvielfalt sowie ein schonender Umgang mit den Ressourcen in der Natur sind Grundvoraussetzung für die Lebensgrundlage der Völker und damit einer anzustrebenden friedlichen Koexistenz. Stattdessen werden Naturlandschaften in großem Stil vernichtet. Weltweit sterben immer mehr Arten aus. Die Angaben schwanken zwischen 100 und 150 Spezies pro Tag. Der Erhalt der Artenvielfalt ist aber eine der Grundvoraussetzungen für die Lebensgrundlage der Völker.
___UMWELTZERSTÖRUNG, ERDERWÄRMUNG UND RESSOURCENKNAPPHEIT WIE ZUM BEISPIEL WASSERMANGEL SIND DIE KEIMZELLE VON KONFLIKTEN UND KRIEGEN
Jedes Jahr roden wir etwa 130.000 Quadratkilometer Wald, das entspräche in nicht einmal drei Jahren etwa der Fläche Deutschlands, Tendenz steigend. Allein in Brasilien verbrannten im August 2019 innerhalb von fünf Tagen 471.000 Hektar Wald. 3Und es brennt seitdem ja weiter. Bei den verheerenden Buschbränden in Australien sind über eine Milliarde Tiere ums Leben gekommen. Ganze Arten sind in ihrem Bestand gefährdet, die Koalabären eingeschlossen. Die heiße Asche trieb über 12.000 Kilometer über den Pazifik bis zur südamerikanischen Andenkette und ließ Rußpartikel regnen. 4
Der Zugang zu Wasser wird zunehmend schwieriger und damit konfliktreicher. Nur Zyniker wundern sich, dass die Menschen dann fortziehen, anstatt zu verdursten und zu verhungern oder umgebracht zu werden.
Der Zusammenhang zwischen Umweltveränderung und Migration ist komplex und sicher eine der Hauptursachen für Flüchtlingsströme. Auch der Syrienkonflikt hat zumindest teilweise seine Ursachen dort. Vor der Rebellion litt das Land unter einer verheerenden Dürre. Bei zeitgleicher Übernutzung der Grundwasserreserven verloren in den Jahren 2007/2008 rund 45 Prozent der in der Landwirtschaft beschäftigten Menschen ihren Job. Bei solchen wirtschaftlichen Nöten finden Populisten und reaktionäre Tendenzen sowie ein religiöser Fundamentalismus einen guten Nährboden vor.
Durch das Verbrennen fossiler Brennstoffe verändern wir das Klima sowie die chemische Zusammensetzung der Ozeane – mit unabsehbaren Folgen für die Flora und Fauna und damit auch für die Menschen. Der zynische Begriff des Wirtschaftsflüchtlings wird den Ursachen nicht gerecht. Es handelt sich vielmehr um politische und um Klimaflüchtlinge.
___KEINER VERLÄSST OHNE TRIFTIGEN GRUND SEIN FAMILIÄRES UND SOZIALES UMFELD AUF DAUER – ES SEI DENN, IHM IST DIE LEBENSGRUNDLAGE ENTZOGEN WORDEN
Die Stigmatisierung der Flüchtlinge macht es nur leichter, sie abzuweisen. Nachhaltigkeit entsteht aus der Einsicht, dass alles mit allem zusammenhängt und nur im ganzheitlichen Verständnis realisiert werden kann. Im Gegenzug führt ein selektives Denken und Handeln unweigerlich in die Sackgasse. Viktor Orbán kann seinen Zaun um sein Land so hoch bauen, wie er will – wenn verzweifelte Menschen keinen anderen Weg sehen, werden sie durch nichts aufzuhalten sein.
Denn: Was macht eine Familie aus dem afrikanischen Tschad, wenn ihr die Lebensgrundlage wegbricht? Sie orientiert sich dorthin, wo sie sich eine Perspektive erhoffen kann. Sie wandert aus. Darf man sich über Flüchtlingsströme wundern, wenn man den Menschen vor Ort keine wirtschaftliche Grundlage ermöglicht? Solange in den betreffenden Ländern keine Wertschöpfungskette implementiert wird, werden ganze Bevölkerungsgruppen am Existenzminimum leben – oder sich ein neues Lebensumfeld suchen.
Die Menschen, die den langen und gefährlichen Weg von Afrika aus zum Mittelmeer wählen, um sich dann in die Hände gewissenloser Schleuser zu begeben, kommen ja nicht nach Europa, weil sie das große Abenteuer suchen. Sie haben meistens keine Alternative. Diese Entwicklung mag viele Ursachen haben, ganz sicher sind diese nicht alle dem Klimawandel geschuldet. Aber arme Länder werden so lange fortfahren, ihren Regenwald zu roden, wie es für das Holz Abnehmer gibt und damit Geld zu verdienen ist. Wenn von der internationalen Staatengemeinschaft keine Ausgleichszahlungen geleistet werden, um diesen Regenwald zu erhalten – wie mehrfach zugesagt –, wird man fortfahren, ihn zu roden.
Global Governance meint ein Konstrukt aus Prinzipien, Regeln und Gesetzen, die einer gesellschaftlichen Akzeptanz folgen. Es gibt viele Best-Practice-Beispiele von Unternehmen, die sich der Verantwortung stellen. Auch die Energiewende sehe ich auf dem richtigen Kurs – selbst wenn es immer wieder logistische Probleme gibt und geben wird. Wenn man in den 80er-Jahren die Macher der Energiewirtschaft gefragt hätte, ob diese sich die Zukunft ohne Kohle und Atomkraft vorstellen könnten und dass stattdessen regenerative Energie einen Anteil von rund 45 Prozent an der Nettostromerzeugung in Deutschland einnehmen würde, hätte man die Fragenden ausgelacht. Und jetzt? Allein im Jahr 2015 wurden in Deutschland 20 Prozent mehr Strom aus erneuerbaren Energien produziert als im Jahr zuvor. Im ersten Halbjahr 2020 stieg der Anteil an »grünem Strom« zeitweise auf über 50 Prozent.
Es geht also! Keiner hat behauptet, dass es einfach oder billig werden würde, aber eine andere zukunftsfähige Alternative haben wir schlichtweg nicht. Probleme sind dazu da, gelöst zu werden. Nur im Schulterschluss zwischen den Bürgern, der Politik und der Wirtschaft kann das gelingen. Und eben nicht in egoistischer Raubtiermentalität.
NEVER GIVE UP!
___Ein moderner Trawler pflügt schwer beladen durch eine aufgewühlte See. Obwohl eher klein, fängt er doch mehrere Tonnen Fisch – pro Stunde.
___Eishaie werden im isländischen Húsavík angelandet. Zuvor wurden sie mit Robbenkadavern angelockt und gefangen.
___Ein Fischer auf den Orkney-Inseln zeigt stolz zwei gefangene Hummer.
___Ein alleinerziehender Fischer mit seinen beiden Töchtern von den Faröern. Für die kleinen Familienbetriebe wird es immer schwieriger, sich gegen die Konkurrenz der Industrietrawler zu behaupten.
___Ein Fischer von Guinea-Bissau trägt einen kleinen gefangenen Hai nach Hause.
___Fischerei wird wie hier in vielen armen Ländern noch mit archaischen Wurfnetzen durchgeführt, während draußen vor der Küste die großen Industrietrawler die Meere regelrecht leer fischen.
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