MAN SOLLTE AUF DIE WISSENSCHAFT HÖREN!
___Ob mit dem Faltboot zum magnetischen Pol oder zu Fuß zum geografischen Nord- und Südpol – immer stand das Naturerlebnis für mich im Vordergrund.
___Nach 56 Tagen und rund 1.000 Kilometern zu Fuß über das Eis des Arktischen Ozeans erreiche ich mit dem Icewalk-Team den Nordpol.
___Unterwegs zum geografischen Nordpol. Das war im Jahr 1989. Heute ist das Packeis durch die Erderwärmung so dünn geworden, dass solche Expeditionen viel zu gefährlich und daher kaum realisierbar sind.
___Bereits in den 1980er-Jahren protestierten wir im Rahmen einer Nordsee-überquerung mit Faltbooten gegen die Verklappung von Dünnsäure sowie die Einleitung anderer schädlicher Substanzen in das Meer.
___Mein erstes Boot. Als Knirps starte ich am Strand von Westerland zu meiner ersten großen Reise.
___Im Jahr 1995 fanden auf dem Mururoa-Atoll im Pazifik die letzten großen Atombombentestversuche der Franzosen statt. Nachdem das Greenpeace-Schiff von Spezialeinheiten geentert und schwer beschädigt worden war, führten wir vor dem Atoll die Protestaktion fort.
»Wir sind nicht die letzte Generation, die den Klimawandel erleben wird, aber wir sind die letzte Generation, die etwas gegen den Klimawandel tun kann.«
Barack Obama, ehemaliger Präsident der USA
__ DIE ZUKUNFT MÖGLICH MACHEN
Wenn es uns nicht gelingt, die Erderwärmung zu stoppen, zerstören wir die Lebensgrundlage künftiger Generationen
___Die Dimensionen eines Eisbergs werden erst bei einem Größenvergleich deutlich. Die Mastspitze der DAGMAR AAEN ragt 24 Meter hoch.
WIE ABER SIEHT DIE ZUKUNFT AUS? WAS VERSTEHEN WIR IM EINZELNEN DARUNTER?
Im Jahr 1972 fand in Stockholm eine Konferenz der Vereinten Nationen über die »Umwelt des Menschen« statt. In deren Folge wurde im selben Jahr auch das UN-Umweltprogramm UNEP gegründet. Zu diesem Zeitpunkt lebten knapp vier Milliarden Menschen auf der Erde. In nur zwölf Jahren hatte sich die Zahl der Erdenbürger von zwei Milliarden im Jahr 1960 auf knapp vier Milliarden fast verdoppelt. Die Vier-Milliarden-Marke wurde zwei Jahre später, also 1974, überschritten. Schon damals war man sich also der Problematik einer exponentiell wachsenden Weltbevölkerung in Verbindung mit einer rücksichtslosen Ausbeutung der natürlichen Ressourcen bewusst. Auch der Club of Rome hatte bereits 1972 vor Klimaschäden gewarnt.
Im Jahr 1992, 20 Jahre nach der Konferenz von Stockholm, fand in Rio de Janeiro ein weiterer Gipfel der Vereinten Nationen statt, der sogenannte »Earth Summit« – der »Weltgipfel«. Es nahmen rund 10.000 Teilnehmer aus 178 Staaten daran teil. Erstmals wurde der Begriff Sustainability – Nachhaltigkeit – in den politischen Sprachgebrauch eingeführt. Auf dem Gipfel wurden unter anderem Ziele für eine »nachhaltige Entwicklung« formuliert. Im Fokus der Diskussionen standen dabei die Abhängigkeiten der Völker von ihrer Umwelt, den Auswirkungen einer zunehmenden Umweltzerstörung sowie des Klimaschutzes. Unter den fünf verabschiedeten Dokumenten befand sich auch die sogenannte Klimaschutz-Konvention. Diese Rahmenkonvention der UN sah vor, dass die Belastung der Atmosphäre mit Treibhausgasen auf einem Niveau gehalten werden solle, das eine Erwärmung des Weltklimas verhindert. In weiteren Deklarationen ging es unter anderem um Biodiversität – also den Schutz der Artenvielfalt – sowie den Schutz der Wälder. Diese Themen wurden im Jahr 1992 diskutiert. Die Probleme waren also schon damals nicht neu, sondern seit Langem bekannt. Passiert ist indessen nicht viel. Anstatt den Erkenntnissen und Resolutionen Taten folgen zu lassen, wurde das Problem verwaltet, ausgesessen und ignoriert – eben die berühmten »Drei Ds«: »Deny, Delay, Do Nothing«, wie Klaus Töpfer es einmal formuliert hat.
Im Juni 2012 fand in Rio de Janeiro erneut eine Konferenz statt, die unter dem Arbeitstitel »Rio+20« lief. Unter dem Motto »The future we want« – »Die Zukunft, die wir wollen« – wurde erneut über Zukunftsperspektiven und Generationengerechtigkeit diskutiert. Global Governance – globale Verantwortung – war ein Stichwort, das heute mehr denn je an Bedeutung gewonnen hat. Inzwischen traf man sich einmal im Jahr, meist kurz vor Weihnachten, zur Weltklimakonferenz – ohne nennenswerte Ergebnisse zu erzielen. Erst im Dezember 2015 wurden im Pariser Klimaschutzabkommen verbindliche Ziele festgelegt. Das Problemfeld, mit dem wir es heute zu tun haben, ist also nicht plötzlich wie ein Tsunami über uns gekommen – es ist vielmehr schon seit Jahrzehnten bekannt. Wir haben es vertrödelt, rechtzeitig etwas zu unternehmen. Hätten wir die Zeichen erkannt und auf die Wissenschaftler gehört, wäre die Entwicklung moderater verlaufen. Aber das haben wir nicht getan, und jetzt drängt plötzlich die Zeit.
___DAS PROBLEM DER ERDERWÄRMUNG IST KEINESFALLS NEU. IM GEGENTEIL: WISSENSCHAFTLER WARNEN SEIT JAHRZEHNTEN VOR DEN FOLGEN
___HÄTTE MAN RECHTZEITIG ANGEFANGEN, GEEIGNETE MAßNAHMEN ZUM SCHUTZE DES KLIMAS ZU TREFFEN, MÜSSTEN WIR HEUTE NICHT SO DRASTISCHE MAßNAHMEN ERGREIFEN
Eine funktionierende Weltgemeinschaft erfordert eine lebendige Natur! Diese Erkenntnis, gerade vor dem Hintergrund einer rasant wachsenden Weltbevölkerung (inzwischen leben ca. 7,8 Milliarden Menschen auf der Erde), war also spätestens seit 1972 bekannt. Der nachhaltige Umgang mit den Ressourcen dieser Welt und der Natur und dem Klima insbesondere war und ist heute mehr denn je ein Gebot der Stunde. Die Auswirkungen des Klimawandels sind hinlänglich bekannt. Daran ändert auch nichts die Ignoranz, mit der die großen und kleinen Trumps dieser Welt dem Problem begegnen. Immerhin wollen einzelne US-Bundesstaaten wie Kalifornien der US-Regierung klimapolitisch nicht folgen, sondern streben bilateral eine Kooperation mit anderen Ländern an. Das macht Hoffnung und zeigt, dass die Front der Klimaskeptiker bröckelt. Aber Donald Trump ist bei Weitem nicht der einzige Klimaleugner. Auch bei uns in Deutschland gibt es nach wie vor Menschen, die den Klimawandel leugnen – allen voran die Repräsentanten der AfD. Schopenhauer lässt grüßen: Seiner Definition nach ist nicht ein Mangel an Gewissen dafür verantwortlich, dass man wissentlich falsche Thesen vertritt, sondern vielmehr die Eigenschaft, sich um dessen Urteil – das des Gewissens – nicht zu kümmern. Entgegen allen wissenschaftlichen Erkenntnissen reden die Donald Trumps dieser Welt wider ihres eigenen besseren (Ge-)Wissens.
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