Heiko Werning - Schlimme Nächte

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Geplatzte Dates und geplatzte Kondome, schreiende Nachbarn und krakeelende Kinder, billiges Bier und billige Ausreden, Urängste und Selbstzweifel… Es wäre kaum zu ertragen, wenn man nicht wüsste, dass am nächsten Morgen, bei Lichte betrachtet, alles noch viel schlimmer sein wird. Heiko Werning leuchtet in seinen Geschichten die finstersten Ecken der menschlichen Existenz aus: Feten, auf denen Westernhagen gespielt wird, Massagesalons, in denen man «no sex» bestellen muss, Übernachtungen in zerstrittenen WGs oder Saufgelage mit Striptease-Einlagen. Und trifft dabei auf allerlei Nachtgestalten: Künstlerinnen, die sich Sperma in die Haare stricken, Transvestiten, die sich mit vorgehaltenem Messer auf eine Pizza einladen lassen, Lesben, die junge Männer abschleppen, und Freunde, die man gut zu kennen glaubte und die sich dann als Klaus-Hoffmann-Fans entpuppen.

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Vom Ufer starret Gestumpf hervor,

Unheimlich nicket die Föhre,

Der Knabe rennt, gespannt das Ohr,

Durch Riesenhalme wie Speere;

Und wie es rieselt und knittert darin!

Das ist die unselige Spinnerin,

Das ist die gebannte Spinnlenor’,

Die den Haspel dreht im Geröhre!

Ich resignierte. Einschlafen konnte ich nicht mehr in dieser Nacht, ich fiel in einen unruhigen Dämmerzustand. Bei jedem Beben des Bodens, wenn eine Kuh ihre Position veränderte, fuhr ich hoch und schaute ängstlich zum Zeltdach, in der Erwartung, gleich von mehreren Tonnen Hamburger-Rohmasse zertreten zu werden. Oder doch noch im Moor abzusaufen.

Mit der ersten Morgendämmerung schälte ich mich aus dem Schlafsack. Der Regen hatte jetzt aufgehört, gebebt hatte es auch eine Weile nicht mehr. Ich kroch nach draußen im ersten Morgenlicht, die Kühe waren längst weg. Ich zog meine Iso-Matte nach draußen, schmiss den Kocher an und machte mir einen heißen Tee. Aus dem Boden stiegen Schwaden auf. Ich saß vor unserem Zelt, schlürfte meinen Tee und spürte, wie ein leichtes Glücksgefühl langsam in mir hochkroch, im selben Maße, wie das Frösteln nachließ. Wir hatten es überlebt. Und wir saßen hier, mitten in der Wildnis, am äußersten Rand von Europa. Wir hatten wild gezeltet. Wir konnten hingehen, wohin wir wollten. Wir hatten unser erstes Abenteuer erlebt. Endlich war es wirklich so weit: Wir machten Interrail.

Letzte Worte

Im Fall von Herrn Böttger entfiel immerhin dieser schreckliche Moment, wenn man einen bei vollem Bewusstsein liegenden Patienten zum Sterben in ein Einzelzimmer schiebt. Das habe ich in meiner Zivildienstzeit am meisten gehasst. Ich kam mir dabei vor wie der Assistent des Henkers, der den Delinquenten zum elektrischen Stuhl führt, nur dass der Vollstrecker bei uns in aller Regel Krebs hieß und sich weigerte, den Hebel auf Kommando zu drücken, das Überraschungsmoment gab er nie aus der Hand. Dennoch, wenn es wirklich zu Ende ging, veranlasste Schwester Eugenia die Verlegung aus dem Dreibett- in ein Einzelzimmer, wann immer das möglich war. Sie wollte die anderen Patienten nicht zu stark belasten, bei uns waren Sterbende immer Einzelfälle, wir hatten keine praktischen Sammelräume für sie wie die drüben auf der Internistischen, die meisten unserer Kunden gingen nach kurzem Aufenthalt auf der Station und noch kürzerem auf dem OP-Tisch wieder frohgemut nach Hause.

Nur hin und wieder entpuppte sich die vermeintliche Zyste am Anus – von Schwester Eugenia wurden solche Patienten bei der Übergabe immer etwas respektlos als »wieder einer mit ‘nem Säuferpickel am Hintern« vorgestellt – als Botschafterin eines weit fortgeschrittenen Tumors, und dann wurde es sehr hektisch und ungemütlich. »Auf- und wieder zugemacht«, lautete der interne Kodex für hoffnungslos, wenn die Chirurgen nichts mehr ausrichten konnten, und wir versuchten dann, die Patienten möglichst schnell wieder loszuwerden. Wir waren eine chirurgische Station, und da gab es dann in so einem Fall ja nun einmal nichts mehr zu tun. Aber manchmal scheiterte die Abschiebung, dann mussten wir die Sache eben zu Ende bringen, und irgendwann wurde das Einbettzimmer fällig, damit die anderen Patienten nicht beunruhigt wurden und damit sich der Priester seinem fluchtunfähigen Opfer in Ruhe allein widmen konnte. Schließlich waren wir ein katholisches, klösterlich geführtes Krankenhaus.

Im Fall von Herrn Böttger entfiel immerhin also dieser schreckliche Moment, wenn man einen bei vollem Bewusstsein liegenden Patienten zum Sterben in ein Einzelzimmer schiebt, weil Herr Böttger von Anfang an in einem Einzelzimmer lag, denn er war Erste-Klasse-Patient. Als solcher genoss er das Privileg, von Schwester Eugenia, unserer Stationsnonne, persönlich für die Operation rasiert zu werden ebenso wie von ihr die Wundversorgung am Anus zu bekommen. Ich weiß nicht, wie sehr er das zu schätzen wusste, als er eingangs auf allen Vieren auf seinem Bett knien und der Nonne den Hintern entgegenstrecken musste, damit diese ihm dann mit ihren gummibehandschuhten Fingern seine Backen so weit wie möglich auseinander schieben konnte.

Eigentlich also sollte nur der Säuferpickel wegoperiert werden. Herr Böttger war ein sehr vital wirkender 60-jähriger, ein Geschäftsmann, sichtlich wohlhabend, gebildet und humorvoll, ein echter Traumpatient, einer von denen, die für üppige Trinkgelder und wenig Ärger sorgen. »Wieso Säuferpickel?«, hatte ich Schwester Eugenia gefragt, denn wie ein Alkoholiker wirkte der vornehme Herr Böttger wirklich nicht, und der Zusammenhang zwischen Anuszyste und Alkohol war mir auch nicht ersichtlich, aber Eugenia klärte mich darüber auf, dass bei überzogenem Biergenuss der Stuhlgang häufig sehr flüssig würde, was auf Dauer eben verstärkt zu solchen Zysten führe, daran erkenne man es dann immer.

Dann war Herr Böttger auf- und wieder zugemacht worden, und jetzt wurden wir ihn nicht mehr los. »Es ist seltsam«, meinte Schwester Eugenia, »die Leute merken überhaupt nichts, kommen wegen irgendeiner Lappalie zu uns, dann finden wir den Krebs und in ein paar Tagen ist plötzlich alles vorbei, die kommen nicht mal mehr wieder raus. Als würde sich der Krebs, wenn seine Heimlichtuerei einmal aufgeflogen ist, provoziert fühlen. Oder als ob die frische Luft bei der Operation ihn erst richtig munter gemacht hätte.« Der Krebs von Herrn Böttger war jedenfalls richtig munter geworden, hat vermutlich einen Sauerstoffschock erlitten oder sich erschrocken, als die Scheinwerfer im Operationssaal ihn plötzlich geblendet haben, und jetzt machte er Ernst.

Herr Böttger wirkte merkwürdig gefasst, nachdem er das niederschmetternde Resultat erfahren hatte, seiner Frau fiel es schwerer. Sie war eine Hausfrau, die alles sehr gut im Griff hatte, als sie ihren Mann abgab. Die bei jedem Besuch an Blumen für die Schwestern oder Kuchen für uns Pflegepersonal dachte. Die anschließend immer zu irgendeinem Termin musste, zur Dauerwelle oder zum Tennis, oder der Gärtner kam, um einen Baum zu stutzen. Und jetzt lief plötzlich nichts mehr nach Plan, jedenfalls nicht nach ihrem, das CA, wie es auf unserer Station hemmungslos angekumpelt wurde, das Carcinom also hatte die Planung übernommen und scherte sich nicht um die Gartensaison und das Turnier am Wochenende. Frau Böttger gelang es nicht, sich auf die neue Situation einzustellen, sie wurde zerrieben bei dem Versuch, draußen alles reibungslos aufrechtzuerhalten und drinnen ihrem Mann angemessen beizustehen. Wir waren verblüfft, ihrem täglich rasant fortschreitenden Zerfall zuzusehen. Erst als die Ärzte ihr sagten, dass es jetzt wohl jeden Moment so weit sein könnte, gab sie ihr Doppelleben auf und stellte sich ganz dem bevorstehenden Ende ihres Mannes, dessen Wunsch nach einer Erweiterung des Steingartens inzwischen ja irgendwie auch irrelevant geworden war. Trotzdem verschob sie den Termin mit dem Gärtner nur auf nächste Woche.

Ich schob ihr ein zweites Bett ins Zimmer, »es ist ja nicht für lange«, wie Schwester Eugenia meinte, »und ihr Mann isst ja auch nichts mehr, das kann sie ruhig haben. Ist ja schließlich bezahlt.«

Es war dann aber doch für überraschend lange. Herr Böttger starb und starb einfach nicht. Seit vier Tagen schon war er nicht mehr ansprechbar, atmete nur noch ganz flach, eigentlich war man sich nie ganz sicher, ob er überhaupt noch lebte. Seine Frau war der Verzweiflung nahe, aber sie weigerte sich, Eugenias Rat zu befolgen und nach Hause zu gehen. »Wir rufen Sie doch sofort an, wenn irgendwas ist«, versuchte sie, sie wegzulocken, als wäre nicht klar, was nur noch sein könnte. Aber Frau Böttger blieb standhaft, sie wollte auf jeden Fall dabei sein, Rhododendronpflanzung hin oder her.

Der Zustand von Herrn Böttger stabilisierte sich knapp über Null. Am achten Tag schließlich meinte seine Frau am Nachmittag, sie müsse jetzt doch wenigstens einmal eine Nacht wieder zu Hause schlafen, noch mal könne sie den Gärtner auch nicht verschieben, der käme gleich. Schwester Eugenia bekräftigte sie in ihrem Vorhaben und versprach flüsternd erneut, dass wir uns sofort melden, wenn »etwas ist«. Alle flüstern immer, wenn Sie vor Sterbenden stehen. Ob man dadurch ruhiger entschläft? Ich glaube, mich wird es eher einmal sehr beunruhigen, wenn es so weit ist und ich als Letztes mitbekomme, dass alle nur noch wispern.

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