Heiko Werning - Schlimme Nächte

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Geplatzte Dates und geplatzte Kondome, schreiende Nachbarn und krakeelende Kinder, billiges Bier und billige Ausreden, Urängste und Selbstzweifel… Es wäre kaum zu ertragen, wenn man nicht wüsste, dass am nächsten Morgen, bei Lichte betrachtet, alles noch viel schlimmer sein wird. Heiko Werning leuchtet in seinen Geschichten die finstersten Ecken der menschlichen Existenz aus: Feten, auf denen Westernhagen gespielt wird, Massagesalons, in denen man «no sex» bestellen muss, Übernachtungen in zerstrittenen WGs oder Saufgelage mit Striptease-Einlagen. Und trifft dabei auf allerlei Nachtgestalten: Künstlerinnen, die sich Sperma in die Haare stricken, Transvestiten, die sich mit vorgehaltenem Messer auf eine Pizza einladen lassen, Lesben, die junge Männer abschleppen, und Freunde, die man gut zu kennen glaubte und die sich dann als Klaus-Hoffmann-Fans entpuppen.

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Wir einigten uns schließlich auf Irland und England. Vor allem angesichts des Arguments vom Essen, das einen krank mache, war das natürlich eine eher bizarre Wahl, aber gut. Leichte Vorbehalte gab es zwar auch, wegen dem Krieg, aber mein Vater war in englischer Gefangenschaft gewesen und hatte die Tommys, wie er sie zu nennen pflegte, als einigermaßen faire Gefangenschaftsgastgeber empfunden. Außerdem waren sie in Münster unsere persönlichen Besatzer, unser Wohngebiet war direkt eingekeilt zwischen der Kaserne und ihren Reihenhäusern, da hatte man über die Jahre Zeit gehabt, sich aneinander zu gewöhnen. Über Irland wusste ohnehin niemand etwas, das galt gemeinhin als abgeschieden, ruhig und unproblematisch. Und mein Vater mochte den Whiskey von dort.

So machten wir also Interrail auf die britischen Inseln. In Sachen Exotik und Wetter zwar eine herbe Schlappe für unsere Urlaubsplanung, verheißungsvoll war es aber trotzdem. Dass wir dafür durch Frankreich mussten, um mit der Fähre von Le Havre nach Cork überzusetzen, behielten wir lieber für uns.

Es wurde eine aufregende und schöne Reise. Zurück ging es über London, wo wir in einem internationalen Jugend-Zeltlager unterkamen. Im Prinzip wie eine Jugendherberge, nur in Form großer Zelte, mit Feldbetten. Abends gab es Grillfeste und Lagerfeuer. Ralf und ich feierten unsere letzte Nacht. Am nächsten Tag würde es über Dover zurück aufs Festland und dann direkt nach Münster gehen, unser Interrail-Ticket lief ab.

Wir saßen an einem der großen Tische, die überall aufgestellt waren, und kamen ins Gespräch mit den anderen Jugendlichen. Eine vielleicht zehnköpfige Gruppe junger Männer aus Marokko. Die auch Interrail machten. Wir erzählten ihnen, dass wir zuerst überlegt hatten, nach Marokko zu fahren. Die Gründe, warum wir uns dann doch anders entschieden, unterschlugen wir lieber. Sofort hatten die Jungs, die vielleicht so um die zwanzig waren, uns freundlich in ihre Mitte aufgenommen. Sie boten uns von ihren Getränken und ihrem Essen an, alles war sehr fremd für uns, wir waren begeistert. So gab es zum Abschluss unserer Reise doch noch einen Hauch der ursprünglich erhofften Kontakte mit aufregenderen Ländern und Kulturen.

Es gab auch Bier, und bald schon stießen wir auf unsere Völkerfreundschaft an, tauschten Adressen aus, und wir versprachen, dass wir im nächsten Jahr dann aber wirklich Interrail nach Marokko machen würden. Ob das denn auch wirklich ungefährlich für uns sei, fragte ich behutsam. Ja, ganz bestimmt, beruhigten unsere neuen Freunde uns. Marokko sei ein friedliches, gastfreundliches Land. Da habe niemand etwas zu befürchten. Und wir ganz bestimmt nicht, denn schließlich seien wir doch Deutsche! Da würden wir überall in Marokko mit offenen Armen empfangen.

Ralf und ich sahen uns erstaunt an. Da hatten wir ja nun schon ganz anderes gehört. Warum werden wir als Deutsche mit offenen Armen empfangen, fragte ich also vorsichtig. Wegen dem Fußball, rief sofort einer. Die Deutschen sind die Besten im Fußball! Wir lachten und empfahlen, diese Einschätzung hier in England vielleicht lieber nicht so laut zu vertreten. Und wegen Hitler natürlich, riefen unsere neuen Freunde fröhlich. Ralf und ich sahen uns irritiert an. Was war das denn jetzt? Haben sie uns nur in Sicherheit gewogen, um jetzt doch mit uns abzurechnen? Würden sie uns verantwortlich machen für die Verbrechen, die in Nordafrika wahrscheinlich ja auch passiert waren? Und für den ganzen verdammten Krieg? Wir hatten ja im Grunde gar keine Ahnung davon, was dort damals passiert war.

Wir versuchten uns sofort in Verteidigung. Das sei doch schon so lange her, gaben wir zu bedenken, Deutschland heute sei doch ganz anders. Natürlich gebe es ein paar Unverbesserliche, aber die meisten Deutschen seien anderen Völkern gegenüber sehr aufgeschlossen. Ja, natürlich, rief einer der Marokkaner, mit dem Krieg hätten wir natürlich nichts zu tun. Darauf stießen wir erleichtert mit ihnen an. Aber, spann der Wortführer die Unterhaltung weiter, aber wenigstens hätte Hitler mal was gegen die Juden gemacht. Ralf und ich starrten ihn sprachlos an. War das eine Falle? Wir hatten ausgiebig im Unterricht die Gräuel des Holocaust durchgenommen, wir hatten Filme gesehen und Anne Franks Tagebuch gelesen, wir hatten leidenschaftlich geschworen, dass so etwas nie wieder passieren dürfe und man den Anfängen wehren müsse, wir hatten gegen die Wahlerfolge der Republikaner protestiert, und nun das. Jetzt wollten sie uns dafür verantwortlich machen? Überschwänglich prostete unser Gegenüber uns zu, dann rief er: Deutsche und Araber, wir sind Freunde und werden immer Freunde sein! Weil wir gemeinsam gegen die Juden kämpfen! Die anderen aus der Gruppe fielen jubelnd ein, die Bierdosen tockten zusammen. Und mir wurde allmählich klar: Die wollten uns überhaupt keine Vorwürfe wegen der Vergangenheit unseres Landes machen. Die mochten uns wegen der Vergangenheit unseres Landes.

Auf eine solche Situation hatte uns in der Schule niemand vorbereitet. Judenhass – das kannten wir ausschließlich als deutsches Phänomen aus der dunklen Geschichte. Uns wurde sehr unwohl zumute. Aber, so versuchten wir noch ein letztes Argument, die Deutschen hätten doch im Krieg auch gegen sie, die Nordafrikaner, gekämpft? Ja, schon, aber das sei doch so lange her, das könnten sie uns heute doch nicht mehr vorwerfen. Was zählt, ist das Heute! Und da verbinde uns eben die Abneigung gegen die Juden! Prost! Auf die arabisch-deutsche Völkerfreundschaft!

Wir hätten widersprechen müssen. Wir hätten gehen müssen. Wir hätten irgendwas tun müssen.

Wir sagten nichts. Wir gingen nicht. Wir taten nichts. Wir saßen da, versuchten uns nichts anmerken zu lassen, wir ließen uns sogar, als wir dann doch ins Bett gehen wollten, noch zu einem weiteren Bier überreden, auf die deutsch-arabische Freundschaft. Trotz allem: Wir genossen die Herzlichkeit und Freundlichkeit unserer neuen Bekannten, wir waren auch ein wenig stolz, dass wir dieses exotische Abenteuer bestanden hatten. Das leidige Juden-Thema war längst vergessen. Wir bleiben in Kontakt! Wir schreiben Euch mal! Wir besuchen Euch!

Der Kater am nächsten Morgen fühlte sich stärker an als üblich. Wir packten unsere Rucksäcke und zogen los, Richtung Bahnhof. Wir hatten Interrail gemacht. Morgen würden wir wieder im übersichtlichen, ruhigen Münster sein.

Wir haben uns nie geschrieben. Im nächsten Jahr haben wir tatsächlich wieder Interrail gemacht. Diesmal nach Skandinavien.

Die Knaben im Moor

Uns zog es gleich zu Beginn unserer ersten Interrail-Tour nach Connemara. Diese Region ganz im Westen von Irland galt als besonders ursprünglich und wild, mit weiten Moor-Landschaften. Nicht ganz Afrika, in unseren Ohren aber doch immerhin sehr exotisch.

Irland war, neben Skandinavien, das einzige Land in Europa, wo man sein Zelt einfach aufschlagen durfte, wo man wollte. Das erschien uns ebenfalls aufregend. Unterstrichen wurden unsere Fantasien noch von unserem Reiseführer, dem »Velbinger«, damals das unter Backpackern am weitesten verbreitete Standardwerk, das unsere Sympathie schon dadurch erobert hatte, dass es als Symbol für Camping-Hinweise ein comichaft gemaltes Zelt verwendete, aus dem die Füße eines kopulierenden Paares herausragten. Wild zelten! Mehr Freiheit und Abenteuer war ja gar nicht denkbar.

Tatsächliche, reale Gefahren schien es dagegen keine zu geben. Kriminalität galt als unbekannt, die beiden einzigen Warnhinweis waren, einerseits nicht direkt an Klippen zu zelten, damit das Zelt im Falle eines der häufigen Stürme nicht in den Abgrund geweht würde, und nicht auf Kuhweiden zu campieren, denn angeblich, so der »Velbinger«, habe es schon Todesfälle durch Stampeden gegeben. Beide Risiken schienen uns gut überschaubar. Steile Klippen würden wir einfach meiden, und Kühe kannten wir aus Westfalen hinreichend gut, die beunruhigten uns nicht.

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