Heiko Werning - Vom Wedding verweht

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Der Wedding – Sehnsuchtsort für alle, die sich nach nichts mehr sehnen, Zuflucht für jeden, der vor sich selbst wegläuft, neue Heimat für jene, die sich vom Makler ernsthaft erzählen lassen, das hier sei Teil von Berlin-Mitte. Hier muss man den Erstklässlern als Erstes erklären, was «Fick dich!» eigentlich bedeutet und was Bienen sind, den Veganern, dass sie ruhig auch Wurst mit Fleisch essen können, solange es halal ist, und Zugezogenen, dass man hier am besten flirtet, indem man einer Taube den Kopf abschlägt.
Dazwischen betrinken sich Hipster am selbst gebrannten Nusslikör, betreiben Clickbaiting mit schimpfenden Ureinwohnern auf Youtube und hängen Zettel auf mit guten Vibes zum Abreißen. Kurz: Ein Stadtteil, der seit Jahrzehnten kommen soll, und doch einfach da bleibt, wo er schon immer war.

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Neben der neuen Nussbreite hat jetzt ein noch neueres Café aufgemacht. Es heißt »Lichtsauger«. Im Schaufenster steht ein uralter Computer mit grünem Bildschirm, der den Schriftzug »Lichtsauger« zeigt. Es gibt biologisch zusammengeschraubten Käse aus ausgesuchten italienischen Gebirgsstöcken und vegane Sonntagsbrunches. Ob der Wedding dafür schon bereit ist?

Bei der Bio Company bin ich mir da ja auch nicht so sicher. Der Öko-Supermarkt wirkt jedenfalls bislang noch weitgehend verwaist, die Weddinger eilen hastig an ihm vorbei auf ihrem Weg zum Netto oder zum Lidl. Ich bin ebenfalls skeptisch. Vor allem gegenüber meiner eigenen Kaufmotivation. Bislang war ich aus Bequemlichkeitsgründen meist beim Kaiser’s oder Reichelt einkaufen gegangen. Das ist nicht ganz so schäbig wie Aldi oder Lidl, aber doch halbwegs bodenständig. Und: Irgendwie habe ich mich dort sehr gut dabei gefühlt, nach Möglichkeit die Bioprodukte aus dem Regal zu fischen. Ja, ich war ein bewusster Konsument, ich griff nicht einfach zur billigsten Nudeltüte, sondern auch schon mal direkt daneben zur ökologisch korrekten, und ich konnte mich fortwährend darüber wundern, warum es überall Bio-Milch gibt, aber nirgendwo Bio-Butter, obwohl das doch vom Ausgangsprodukt dasselbe ist, oder kriegt man Bio-Milch nicht so gut zu Butter geschlagen? Egal, ich fühlte mich jedenfalls gut beim Einkauf, und ja, es ist ein niederes Motiv, aber ich kam mir wie ein besserer Mensch vor, als ich die Bio-Milch in den Einkaufswagen gelegt habe.

Aber jetzt in der Bio Company? Wo alles voll ist mit den absonderlichsten Vollwert-Produkten? Wo es nicht nur ganz selbstverständlich Bio-Butter gibt, sondern auch Bio-Müsli, Mango-Macadema-Likör, Bio-Meersalz-Pe­pe­roni-Schokolade und vegane Kondome? Und mal unter uns: Diese Bio-Müslis schmecken einfach nicht, ich hab’s probiert. Da lobe ich mir Kellog’s Frosties. Mit Original Industriezuckerguss. Und sofort bekomme ich ein schlechtes Gewissen, wenn ich zwischen den Regalen herumschleiche, mit diesem albernen Handkorb, mit dem dort alle herumlaufen, weil ein ordentlicher Einkaufswagen vermutlich ein schlechtes Karma bringt, wegen zu viel Konsum und so, selbst im Öko-Discount-Supermarkt muss man schließlich gegen zu viel Konsum sein, und ich komme mir vor wie der letzte Wedding-Proll, wenn ich die wenigen anderen Gestalten im Geschäft sehe, die mit heiligem Ernst die Inhaltsstoffe veganer Brotaufstriche vergleichen oder merkwürdige Vollkornbratlinge kaufen.

Es ist nicht zu leugnen: Sobald ich die Bio Company betrete, werde ich umgehend wieder zu dem schlechten Menschen, der ich immer schon war, da hilft es gar nichts, dass ich jahrelang beim Kaiser’s Bio-Milch gekauft habe. Ich glaube, ich geh beim nächsten Mal gleich zu Aldi.

Ich bin jedenfalls skeptisch, was den neuen Wind hier angeht. Zugegeben, die Gegend war insgesamt in den letzten Jahren ganz schön heruntergekommen. Da freute man sich durchaus, wenn mal ein brauchbarer neuer Laden eröffnete. Trotzdem: Bio Company, Vagabund, Nuss­breite, Lichtsauger – alles schön und gut, aber jetzt könnte auch mal wieder ein richtig schönes Nagelstudio aufmachen, ein neuer 1-Euro-Shop oder ein ordentlicher Spielautomatenladen!

Als ich neulich nachts noch auf einen Absacker in die Nussbreite einkehrte, lief dort Tocotronic. Die ganz alten Sachen, von »Digital ist besser«. Dann die Sterne, Huah! und Die Regierung. Meine Musik! Erst war ich ganz begeistert, dann beunruhigt. »Sag mal«, fragte ich den jungen Mann mit dem eindrucksvollen Bartwuchs hinter dem Tresen, »ist das jetzt etwa schon retro?« Ich fühlte mich alt und schwach. Er sah mich überrascht durch seine monströse Hornbrille an: »Nein, wieso retro? Das ist einfach nur meine Lieblingsmusik!«

Ach, das ist ja schön, dachte ich. Und in das große Steakhaus an der Kreuzung Müllerstraße zieht jetzt ein brandneues Wettbüro ein. »Hattrick – Sportwetten und Spielautomaten«, verspricht das Schild im Schaufenster. Vielleicht ist der Kampf ja noch nicht verloren.

Veganer Erstkontakt

Es ist nicht zu leugnen: Veränderungen sind jetzt auch bei uns im Kiez überall zu bemerken. Hörte man früher draußen auf der Seestraße ausschließlich Sprachen jenseits des Schulbildungskanons wie Türkisch, Arabisch oder Berlinerisch, spricht jetzt plötzlich jeder zweite hier Englisch oder Spanisch.

Wie aus dem Nichts entstanden plötzlich nette Kneipen, in die auch unsereins gerne reingehen mag. Nette Kneipen, wie man sie aus Stadtteilen wie Kreuzberg, Mitte oder Friedrichshain kennt. Ganz ohne Spielautomaten und Leuchtstofflampen. Dafür mit selbst gebrautem Bier. »Das wird doch nie was«, dachte ich, als die Micro Brewery gegenüber aufmachte, »schnell mal hingehen, ehe die wieder zumachen«. Aber es wurde nicht nur was, es wurde sogar ein großer Erfolg. Endlich konnte ich mich mal guten Gewissens bei uns in der Nähe mit Freunden verabreden. Nicht, dass man früher im Wedding nichts zu trinken bekommen hätte. Aber wenn man Unbeteiligte, also Nicht-Weddinger, hierher lotste, benahmen die sich immer so, als wären sie frühe Forschungsreisende, die auf einer Südsee-Insel anlandeten, die gemeinhin für Kannibalismus bekannt ist.

Aber jetzt gibt es das Vagabund und das Frederick und die Nussbreite, und man kann einfach so reingehen. Vielmehr: könnte einfach so reingehen. Wenn man denn reinkäme. Als ich neulich mit einem alten Freund an einem Freitagabend verabredet war, um ihm zu zeigen, dass man jetzt auch im Wedding ausgehen kann, war alles voll. Wenn überhaupt, dann nur Stehplätze mitten im Raum. »Da hätten wir ja gleich nach Kreuzberg gehen können«, knurrte der Freund. Es ist wirklich ein Witz: Jahrelang kann man nirgends hingehen, weil es nichts gibt, und kaum gibt es was, kann man nicht hingehen, weil alle da hingehen.

Wir beschlossen, erst mal was zu essen. Ich schlug die Dönerbude meines Vertrauens vor, mein Freund fragte, ob die denn auch vegan hätten. Ich dachte, er scherzt. Er ist schließlich mein Freund. »Nein«, sagte ich, »keine Sorge, so schlimm ist es dann doch noch nicht. Die Kneipen mögen überfüllt sein mit hipsterigem Jungvolk, aber die Dönerbuden sind noch Dönerbuden.« »Dann lieber nicht«, sagte der Freund. Ich staunte. Ich staunte sogar gleich doppelt. Erstens, weil mein Freund offenbar zum Veganer mutiert war. Und zweitens darüber, dass ich ohne mit der Wimper zu zucken sagen konnte: »Gut, dann gehen wir eben in den Lichtsauger bei mir um die Ecke, der hat vegan.« »Lichtsauger?«, fragte mein Freund irritiert. »Du wolltest doch vegan!«, sage ich vorwurfsvoll, »die heißen nun mal so.«

Der Freund, so erfuhr ich im Lichtsauger, macht einen Selbstversuch. Drei Monate lang will er vegan leben. Zur Selbsterfahrung. Um mal wirklich mitreden zu können. Und um ein Buch drüber zu schreiben, dass sich angesichts des Vegan-Hypes anschließend gefälligst wie geschnitten Wurst verkaufen würde, freute er sich. Aber es sei nicht leicht. Immerhin vier Wochen habe er schon überstanden, aber dauernd werde er von seinem Umfeld gedisst und mit Unverständnis verfolgt. »Ach, soll doch jeder machen, wie er will«, sagte ich nur, »mir ist das ganz egal. Du brauchst dich für nichts zu rechtfertigen. Wir müssen auch gar nicht drüber reden.« Mussten wir aber doch. Der Freund hatte Redebedarf. Detailliert berichtete er von seinem exakt 26-tägigen Martyrium, während wir als einzige Gäste im Lichtsauger an unserem Tischlein hocken. »Tischlein« deswegen, weil die winzigen Stühlchen und Tischchen korrespondierten mit den lustig kleinen Portionen veganen Irgendwas’, die uns die Bedienung als Gnocchi angepriesen hatte. Die Bedienung, die so dermaßen klischeehaft nach einer lust- und lebensfeindlichen Veganerin aussah, dass ich mir auf der Stelle wünschte, sie möge doch bitte übergewichtig und gutgelaunt sein, nur um mal das Klischee zu brechen. Aber so war sie nicht, und die Chronistenpflicht zwingt mich festzuhalten, dass sie nun einmal aussah, wie sehr bösartige Carnivore eine Bedienung in einem veganen Restaurant aussehen lassen würden, wenn sie darüber berichteten. Immerhin, dafür sahen die veganen Gnocchi auf unseren Tellern ganz und gar nicht wie Gnocchi aus, sondern eher wie aufgequollene Pfannkuchen. Wie sehr, sehr kleine aufgequollene Pfannkuchen. Allerdings schön dekoriert, das sei lobend erwähnt, mit winzigen Blättchen und undefinierbaren, aber ganz nett darübergestreußelten Unkraut-Krümeln.

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