Heiko Werning - Vom Wedding verweht

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Der Wedding – Sehnsuchtsort für alle, die sich nach nichts mehr sehnen, Zuflucht für jeden, der vor sich selbst wegläuft, neue Heimat für jene, die sich vom Makler ernsthaft erzählen lassen, das hier sei Teil von Berlin-Mitte. Hier muss man den Erstklässlern als Erstes erklären, was «Fick dich!» eigentlich bedeutet und was Bienen sind, den Veganern, dass sie ruhig auch Wurst mit Fleisch essen können, solange es halal ist, und Zugezogenen, dass man hier am besten flirtet, indem man einer Taube den Kopf abschlägt.
Dazwischen betrinken sich Hipster am selbst gebrannten Nusslikör, betreiben Clickbaiting mit schimpfenden Ureinwohnern auf Youtube und hängen Zettel auf mit guten Vibes zum Abreißen. Kurz: Ein Stadtteil, der seit Jahrzehnten kommen soll, und doch einfach da bleibt, wo er schon immer war.

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Robert aus dem zweiten Stock stand wie vom Donner gerührt vor dem Zettel, als ich hinzu kam. »Was soll das denn?«, fragte er mich fassungslos. Wir bestaunten das Dokument. Erst tippten wir auf eines der Mädchen aus dem Haus, aber das kaufmännische &-Zeichen ließ uns von der Theorie abrücken. So was kennen kleine Mädchen doch gar nicht. Es musste also ein Erwachsener dahin gehängt haben. Aber wer tut so etwas? Und warum? Robert murmelte etwas von »Gentrifzierung«, und dass es nun wohl langsam so weit sei.

Als ich nachts nach Hause kam, waren drei der Zettelchen tatsächlich bereits abgerissen. Hier also die Top-Three der Wünsche meiner Nachbarn: »Ruhe«, »Glück« und »neue Liebe«. Mein Sohn nahm am nächsten Morgen »gute Noten« mit, was immerhin saisonal als Wunsch durchaus angemessen erschien, denn die Halbjahreszeugnisse standen an. Als Nächstes verschwand »Gute Laune«, wie ich feststellte, als ich einkaufen ging. Wieder traf ich dabei auf Robert, der kopfschüttelnd vor dem Aushang stand und den Fortschritt mit seiner Handy-Kamera dokumentierte. » Gute Laune ist weg!«, flüsterte er entsetzt, »irgendjemand hier im Haus wünscht sich allen Ernstes gute Laune . Sie lassen Gehaltserhöhung hängen und nehmen gute Laune mit. Werning, das ist das Ende. Sie werden uns fertig machen!« Er war regelrecht aufgebracht. Ich empfahl ihm, »guten Schlaf« mitzunehmen, aber er zog kopfschüttelnd und fluchend davon. »Man fühlt sich langsam fremd im eigenen Haus«, schimpfte er noch, »die wollen uns zermürben!« Das schien mir etwas übertrieben.

Inzwischen aber bin ich mir nicht mehr so sicher. Ers­tens: Der Zettel klebt immer noch da, völlig unbeschädigt. Zweitens: Nur noch ein Abschnitt hängt daran, alle anderen haben ihre Abnehmer gefunden. Und drittens: Niemand, wirklich niemand hat handschriftlich etwas dazugeschrieben!

Der Zettel hat mein Bild von den Nachbarn erschüttert. Jeden, den ich treffe, mustere ich misstrauisch. Könnte das jemand sein, der sich nicht zu blöd war, »gute Vibes« mitzunehmen? Wer war es, der sich eine »positive Ausstrahlung« wünschte? Wer sehnte sich nach einer »neuen Liebe«?

Kurz habe ich überlegt, selbst etwas auf den Zettel zu schreiben. Irgendwas Nostalgisches, so in der Art: »Habt Ihr sie noch alle, Ihr Arschlöcher?« Aber ich atme tief durch. Die Zeiten ändern sich eben. Ich reiße den letzten Abschnitt ab. Darauf steht: »Gelassenheit.« Achselzu­ckend stecke ich ihn mir ins Portmonee.

Packstation

Die Post hat angekündigt, die Einrichtung sogenannter Packstationen in jedem Haus erwägen zu wollen. Deren Sinn soll sein, dass dort vom Paketboten Pakete für die Bewohner hinterlegt werden, die diese dann durch irgendeinen Automatismus ausgehändigt bekommen. Da kann ich nur müde lachen. Eine solche Packstation gibt es bei uns im Haus nämlich schon lange. Sie ist zufällig in unserer Wohnung untergebracht, und der Automatismus, der die Pakete an die Hausbewohner aushändigt, bin ich.

Die Paketboten steigen nämlich nicht so gerne Treppen. Erst recht nicht mit den oft ja auch sehr schweren Paketen. Da trifft es sich gut, dass ich im Erdgeschoss wohne. Und ich bin ja sowieso immer den ganzen Tag zu Hause. Diese beiden Vorzüge scheinen sich inzwischen zuverlässig herumgesprochen zu haben in der Paketzusteller­szene.

Ich will aber nicht klagen. Ich treibe ja ohnehin keinen Sport, da sind die mehrmals am Tag klingelnden Paketboten und Nachbarn ein willkommener Anlass, mal vom Schreibtisch aufzustehen. Und man lernt auf diese Weise die anderen Hausbewohner kennen.

Die Menschen in der Seestraße 606 sind nämlich stark gesellschaftlich engagiert. Ihr gemeinsames Ziel ist es, die lästigen Einzelhändler, die immer noch hartnäckig einige Ladenlokale hier im Wedding sinnlos besetzt halten, endlich loszuwerden. Deshalb bestellen sie eifrig bei Amazon, Zalando oder sogar Manufactum und treiben die immer noch ausharrenden Aktivisten der Occupy-Ladenlokal-Bewegung endgültig in den Ruin. Auf diese Weise sorgen sie für den dringend benötigten Platz für weitere Spielautomaten-Casinos, Shisha-Bars, Ein-Euro-Shops, Nagelstudios, Spätkaufs und Christenläden.

Was hat es nur mit den Christenläden bei uns in der Gegend auf sich? Jetzt hat schon wieder ein neuer aufgemacht. Nach der evangelischen Kirche bei uns gegenüber, dem Palmblatt-Café der Pfingstcharimastiker bei uns im Haus und dem Batik-Laden für »Stofffärben und Begegnungen mit Gott« quer gegenüber hängen nun im ehemaligen Katerstüberl die roten Aushänge mit der zunächst frohe Kunde versprechenden Aufschrift: »neue Bewirtschaftung«. Was mich zu einer hoffnungsvollen Inaugenscheinnahme verführte, denn mit dem Katerstüberl konnte ich nichts anfangen, und ein brauchbares neues Geschäft wäre in unserem Block dagegen durchaus mal wieder angezeigt. Aber dann diese Enttäuschung, als ich den weißen Zettel darunter las: »Abendmahl. Treffpunkt für christlichen Austausch und spirituelle Filmabende.« Was soll der Scheiß? Da faseln alle von der Islamisierung des Abendlandes, und die verdammten Moslems lassen sich ausgerechnet im Wedding reihenweise die Butter vom Brot nehmen? Hier und da ein Falafel-Laden, das kann doch nicht alles sein! Der Einzige, der ernsthaft gegenzuhalten scheint, ist der fins­tere Obst- und Gemüsehändler in der Togostraße, der eifrig Spendengelder für die Hamas sammelt und »Tod den zionistischen Imperialisten«-Flyer in die Obsttüten legt.

Wie dem auch sei, tagsüber nehme ich also die Pakete für den ganzen Häuserblock an, und ab dem späten Nachmittag kommen die Nachbarn vorbei, um sie wieder auszulösen. Letzte Woche stand der Mann von einem Zustelldienst wie üblich vor der Tür und fragte, ob ich ein Paket für die Künstlerin im vierten OG annehmen würde. Leicht erstaunt war ich, weil er augenscheinlich gar kein Paket dabei hatte. Aber na klar, natürlich nehme ich was an. »Fein«, sagte der Zustell-Mann, »dann hol ich das Päckchen mal eben.« Drei Minuten später rollte er mit einer Art Gabelstapler in den Innenhof, mit einer Euro-Palette und darauf einem zwei Meter hohen Trumm. Ich staunte nicht schlecht. Wir wuchteten das Teil in den Hausflur, wo es zwischenlagern musste, weil es gar nicht durch meine Tür passte. »Fein«, sagte der Zusteller wieder, »jetzt brauch ich nur noch die Euro-Palette zurück.« Ich sah ihn irritiert an. »Aber da ist doch dieses Mons­trum drauf?« »Ja, aber hilft nichts, die Palette muss ich wieder mitnehmen. Das müssen Sie da bitte irgendwie runternehmen.« »Ich?« »Na, ist doch Ihr Päckchen!« Ich schnappte nach Luft. »Na gut, ich helfe«, beschwichtigte der Zusteller. Wir begutachteten das vollständig in dicke Folien umwickelte und dergestalt fest mit der Palette verbundene Irgendwas fachmännisch von allen Seiten.

»Ähm, ja«, gab ich mich geschlagen, »dann müssen wir es da wohl irgendwie losmachen. Haben Sie ein Messer?« »Nein«, sagte der Zusteller, »so was darf ich im Wedding nicht dabei haben.« Ich sah ihn verblüfft an und dachte erst, er macht einen Scherz. Da konnte ich noch nicht ahnen, dass einige Monate später DHL offiziell die Belieferung von Teilen des Weddings einstellen würde, wegen zu großer Überfallgefahr. »Im Ernst?«, fragte ich also ungläubig. »Ja«, sagte der Zusteller, »Weisung vom Chef. Keine Messer, keine Scheren, keine Waffen. Könnte bei einem Überfall gegen uns verwendet werden. In Treptow kann ich sogar ne Machete dabei haben, kein Problem. Aber nicht hier.« Immerhin, dachte ich. Der unheilvolle Hang zu irgendwelchen Bürgerwehren wäre damit ja schon mal wirkungsvoll im Ansatz erstickt. Also ging ich im Dienst der guten Sache zurück in die Wohnung und suchte nach einem scharfen Messer, um die Palette aus ihrem Plaste-Sarkophag zu befreien.

Immerhin, die Folien-Mumie war mal eine Abwechslung zu den ewigen Amazon-Paketen. Amazon, Amazon, Amazon, immer wieder Amazon. Egal, wie mies die ihre Angestellten behandeln, egal, wie sehr die den gesamten Kulturmarkt austrocknen mit ihrem Monopolisten-Geba­ren, egal, ob die Buchhändler um die Ecke verrecken – die Leute kaufen wie blöd bei Amazon. Kein Wunder, dass die inzwischen über eigene Zustelllösungen nachdenken und deswegen jetzt schon damit experimentieren, ihre Päckchen demnächst durch Drohnen ausliefern zu lassen. Da bin ich ja schon mal gespannt, wie das dann wird, wenn die Dinger hier dauernd im Innenhof landen. Und die sind im Unterschied zu den Zustellern auch garantiert bewaffnet. Schon weil das da vermutlich serienmäßig eingebaut ist. Angesichts der Drohnenbegeisterung bei Militär und Terrorabwehr dürfte es bald im Luftraum ziemlich eng werden. Wobei es natürlich auch schöne Synergie-Effekte geben könnte. Da kann dann so eine patente Mehrzweckdrohne erst die nächste anstehende Exekution eines islamistischen Extremisten, sagen wir, meines Obst- und Gemüsehändlers in der Togostraße, erledigen, und dann anschließend noch ein paar Amazon-Pakete hier im Block ausliefern. Wenn es da mal nicht zu Missverständnissen kommt und am Ende die Amazon-Kunden abgeknallt werden. Obwohl: Vielleicht wäre das realistisch betrachtet der einzige Weg, den Drecksladen doch noch wieder loszuwerden. Mit klassischen Argumenten sind die Leute ja nicht davon abzuhalten, dort zu bestellen, da muss man vielleicht mal etwas handfester werden.

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