Wieder nickte Niklas, doch seine Laune wollte sich partout nicht aufhellen. Was hatte der Star vom Dornbusch nur?
„Eshrff …“, hörte ich ihn endlich unverständlich nuscheln.
„Was sagst du?“
„Eslem hört auf“, sagte er dann leise, doch einigermaßen deutlich.
„Eslem? Wieso das denn?“, fragte ich ehrlich verwundert. Das Mädchen war zwar ein Mädchen, hatte aber zweifellos Talent.
„Sie geht jetzt turnen“, schluchzte Niklas und drückte sich an mich, etwas das normalerweise ganz und gar nicht seiner Art entsprach. Eslems Wechsel der Sportart schien meinen Sohn zu bedrücken. Daran war nur das Radschlagen schuld.
„Das wird ihr bestimmt großen Spaß machen, auch wenn sie wirklich super Fußball spielt. Aber dann spielst du eben mit den ande …“
„Ich will auch turnen gehen, Papa.“
„Turnen?“ Das Kind stand unter Schock. „Was willst du denn mit Turnen, Niklas? Du bist doch das Fußballtalent.“
„Ich will aber turnen“, stieß Niklas unter Tränen hervor und zog sich das anonyme, nummernlose Trikot vom schmächtigen Leib. Oh mein Gott, schwante es mir, der Junge war verliebt. Ein Vater spürte das.
„Aber wie soll das denn gehen? Fußball und Turnen? Du kommst doch jetzt in die Schule, da hast du sowieso nicht mehr so viel Zeit, und dann geht bestimmt nur eins von beiden.“
„Ich will lieber turnen.“
Es war sinnlos. Eslem hatte ihm komplett den Kopf verdreht. Und jetzt? Was konnte ich tun? Das Talent meines Sohnes vergeuden und ihn wegen eines kleinen Mädchens zum Radschlagen animieren?
Eslem kam auf uns zugelaufen, setzte sich neben ihren weinenden Freund und drückte ihn.
„Hast du deinen Papa gefragt?“
Niklas nickte stumm.
„Und was hat er gesagt?“
Niklas zuckte mit den Schultern. Das war unfair. Eslem sah mich mit großen braunen Augen an Die beiden kämpften eindeutig mit unfairen Mitteln.
„Und? Darf er, Niklaspapa?“
„Na schön“, gab ich schweren Herzens nach. „Du kannst dir ja mal ansehen, ob das überhaupt was für dich ist. Wenn nicht, gehst du wieder Fußball spielen.“
Niklas und Eslem sprangen auf und tanzten herum, als wären sie gerade Pokalsieger geworden. Turnen, dachte ich. Das roch nach miefigen Hallen und kreidiger Luft. Geld verdienen konnte man damit sowieso nicht. Als Erstes musste ich mich dringendst erkundigen, ob in Eslems Verein wenigstens russische oder rumänische Trainer die Verantwortung trugen. Wenn die nur ein bisschen Purzelbaum übten, konnte er es auch gleich sein lassen. Eine Olympiateilnahme war für mich das Minimalziel, eine Medaille um einiges erstrebenswerter. Dann würde Niklas wenigstens ein paar Werbegelder mitnehmen und könnte die Verluste aus der verpassten Champions League etwas abfedern.
Ich packte Niklas’ Sachen, der es vorzog, mit Eslem Fangen zu spielen, und schlenderte grußlos an Gabi und Max vorbei, die längst wieder das Büffet für sich entdeckt hatten. Nein, mit Sicherheit wäre das nicht der richtige Verein für meinen Sohn gewesen. Ich warf das liebevoll mit der Zehn beflockte Trikot in den blauen Plastikmülleimer und rief meine Frau an. Sie könne uns jetzt abholen, ließ ich sie wissen, und dass sich die Karrierepläne unseres Sohns gerade entscheidend geändert hätten. Es hätte etwas mit einer Frau zu tun, aber das würde ich ihr später genauer erklären.
DER FLÜGELSCHLAG DES SCHMETTERLINGS
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