Ob im Knie, der Hüfte,einem oder mehreren Fingern, im Fuß, der Schulter oder in einzelnen Abschnitten der Wirbelsäule: Die Diagnose Arthrose löst oft viele Unsicherheiten und Befürchtungen aus. Schließlich entsteht sie unter anderem durch Verschleiß, und Verschleiß klingt nach: altersschwach, abgenutzt, nicht mehr fit. Ganz so ist es aber nicht! Mit beginnender Arthrose halten Sie die Zügel noch in der Hand und können mit einer gezielten Veränderung Ihres Lebensstils sogar bewirken, dass die Schmerzen wieder verschwinden. Vielen geht es nach einiger Zeit sogar besser als vor der Diagnose, weil Muskeln aufgebaut sowie Entzündungen im Körper abgebaut werden und sie bewusster durch den Alltag gehen. Auch in den späteren Stadien der Arthrose gibt es Möglichkeiten, die Beschwerden zu bekämpfen und die Lebensqualität zu steigern. Selbst der operative Gelenkersatz, der heute gängige Praxis ist, hat seine Schrecken verloren. Es bieten sich Ihnen viele unterschiedliche Möglichkeiten, wie Sie Ihren ganz persönlichen Weg mit der Erkrankung gestalten können.
Arthrose kann verschiedene Ursachen haben, die oft komplex ineinandergreifen. Sie zu verstehen, kann Ihnen helfen, den Gelenkverschleiß zu bremsen.
Der Begriff Arthrosesetzt sich zusammen aus dem griechischen arthron (Gelenk) und der Endung -ose, die in der Medizin für eine nicht entzündliche, dauerhafte Zustandsveränderung steht. Arthrose geht mit dem Verschleiß des Gelenkknorpels einher und wird daher auch als degenerative (also durch Verschleiß bedingte) Erkrankung bezeichnet. Obwohl Arthrose an sich keine entzündliche Erkrankung ist, spielen schmerzhafte Entzündungen doch eine große Rolle. Im Krankheitsverlauf kommt es oft zu Entzündungen der Gelenkinnenhaut, und bestehende Entzündungen an anderen Stellen im Körper können das Voranschreiten der Arthrose begünstigen. Gerade im Bereich der Entzündungen können Sie jedoch viel tun, um sich nachhaltig Linderung zu verschaffen.
Welche Gelenke können von Arthrose betroffen sein?
Arthrose kann an allen beweglichen Gelenken entstehen. Davon finden sich in Ihrem Körper mehr als hundert. Während Arthrose im Kiefergelenk eher selten vorkommt, sind andere Gelenke sehr häufig betroffen. So können Kniegelenkarthrose (fachsprachlich Gonarthrose), Hüftarthrose (Coxarthrose) oder die Polyarthrose (Arthrose verschiedener Gelenke in den Händen) durchaus als Volkskrankheiten bezeichnet werden. Das liegt nicht nur daran, dass wir Menschen ein immer höheres Alter erreichen und wir größer und schwerer werden, sodass Knie und Hüften höhere Lasten tragen müssen, sondern auch an unserer zum Teil ungesunden Lebensweise. Zusätzlich haben immer mehr Menschen Berufe, die mit einseitiger oder zu wenig Bewegung einhergehen. Kommt noch eine genetische Neigung dazu, entsteht irgendwann eine Arthrose. Mit ihr leben aktuell etwa 5 bis 12 Millionen Menschen allein in Deutschland.
Wenn die Knochen zu eng zusammenrücken
Um zu verstehen, wie es dazu kommen kann, lohnt sich der Blick auf den Aufbau eines Gelenks. Im Idealfall ist alles rund, glatt und geschmeidig – zwei Knochen bilden eine Einheit, ohne aneinanderzureiben. Denn jedes Knochenende ist mit Knorpel überzogen, der einiges aushält. Er ist zäh genug, um die Belastungen des Alltags über viele Jahrzehnte abzupuffern. Ernährt wird der Knorpel durch die Gelenkschmiere (fachsprachlich Synovia), die sich im schmalen Gelenkspalt zwischen den beiden Knochenenden befindet.
Gesund und kräftigDer Gelenkknochen ist vollständig von Knorpel umschlossen. Der hier blaue Gelenkknorpel ist zäh und puffert die Belastungen des Alltags ab.
Von außen schützt und stabilisiert eine Gelenkkapsel das Gelenk. Bänder und benachbarte Muskeln unterstützen sie dabei. Die Lasten des Alltags werden gleichmäßig verteilt, und kein Teil des Gelenks muss zu schwer tragen. Wenn doch mal größeres Gewicht auf das Gelenk einwirkt als üblich, dient der Knorpel als Stoßdämpfer. Und so wie der Stoßdämpfer eines Autos Öl benötigt, braucht der Knorpel die Gelenkschmiere. Sie wird im inneren Teil der Gelenkkapsel, der Gelenkhöhle, von der Gelenkschleimhaut (Synovialis) gebildet. Leider ist ein so komplexes System störanfällig. Denn sowohl die Gelenkkapsel als auch die Muskeln und Bänder können von außen überlastet und verletzt, aber auch von innen durch Entzündungen geschädigt werden. All das trägt dazu bei, dass die Knorpel nicht mehr optimal versorgt werden und ihre Aufgaben nicht mehr erfüllen. Die Arthrose beginnt und schreitet voran. Schädigungen von außen entstehen zum Beispiel durch
ein Übermaß an Sport,
einen Beruf mit einseitiger, übermäßiger Belastung einzelner Gelenke, wie Dachdecker, Fliesenleger oder Pflegefachkraft,
Fehlbildungen, wie eine Hüftdysplasie,
Fehlstellungen, wie X- oder O-Beine,
Übergewicht,
Verkehrs-, Sport- und Haushaltsunfälle.
Die Gelenkschmiere (Synovia)besteht unter anderem aus Wasser, Glukose, Aminosäuren, Fetttröpfchen und Hyaluronsäure und sorgt so dafür, dass die Knorpeloberfläche glatt und widerstandsfähig bleibt.
Checkliste
Selbsttest: Ist es Arthrose?
Ihre Antworten auf die folgenden Fragen geben Hinweise darauf, wie es um Ihre Gelenkgesundheit steht:
Wenn Sie nach langem Sitzen oder Liegen aufstehen – verspüren Sie in Fuß, Knie, Hüfte oder im Wirbelsäulenbereich Schmerzen?
Tut eines Ihrer Gelenke auffallend weh, wenn Sie es kurzzeitig besonders belasten?
Schmerzt eines Ihrer Gelenke auch im Ruhezustand häufiger?
Kennen Sie reibende, kratzende Schmerzen in einem oder mehreren Gelenken?
Haben Sie häufiger oder sogar dauerhaft ein verdicktes Gelenk?
Читать дальше