Mehr Sport und gesünderes Essen bilden das Fundament eines gesunden Lebensstils, aber Hand aufs Herz: Leicht fällt eine Änderung dieser Gewohnheiten den meisten von uns nicht. Unser westlicher Lebensstil fördert das Sitzen, viele Leibgerichte enthalten Berge von Fleisch und jede Menge Fett. Sich von solchen Dingen zu verabschieden ist kein Zuckerschlecken. Darum sollten Sie das auch nicht allein tragen müssen, sondern frühzeitig die wichtigsten Menschen in Ihrem Leben ins Boot holen. Verbündete in Ihrem Kampf gegen den Verschleiß sind je nach Lebenssituation:
Ihr Lebenspartner
Ihre Eltern, Geschwister bzw. Kinder
Ihr Freundeskreis
Ihr Team am Arbeitsplatz
…
Sprechen Sie mit ihnen, motivieren Sie sie dazu, gemeinsam mit Ihnen in Bewegung zu kommen und zu bleiben und Sie auf Ihrem Weg zu unterstützen. Sollten Sie Ihre Ernährung umstellen, abnehmen oder sich das Rauchen abgewöhnen wollen, ist es einfach hilfreich, wenn mindestens ein Mensch aus Ihrem nächsten Umfeld mitmacht.
Selbsthilfegruppe gesucht?
Vielleicht finden Sie zudem in einer Selbsthilfegruppe in Ihrer Nähe Gleichgesinnte. Die Deutsche Rheuma-Liga e. V. und die Deutsche Arthrose Stiftung bieten Gruppen in ganz Deutschland an. Alternativ können Sie auch selbst solch eine Gruppe gründen oder einen Themenstammtisch in Ihrer Lieblingsgaststätte organisieren.
Mit geliebten Menschen an Ihrer Seite, die zu Ihnen halten und manches mit Ihnen gemeinsam durchstehen, läuft es einfach leichter. Wenn die Beschwerden dennoch wiederkommen oder schlimmer werden, sind es hoffentlich Ihre Freunde und Angehörigen, die Ihnen den Rücken freihalten. Für Ihre Geschwister und Kinder ist es zudem vorteilhaft, das eigene (erhöhte) Arthroserisiko zu kennen und frühzeitig die Weichen für die eigene Prävention zu stellen. Außerdem machen Sport, gesundes Kochen und Genießen in netter Gemeinschaft einfach viel mehr Freude – und Sie halten eher durch.
Sie sehen also: Sie müssen das nicht allein durchstehen! Und es besteht kein Anlass, Trübsal zu blasen. In den folgenden Kapiteln bekommen Sie einen Überblick über bewährte Therapien, um den Verschleiß aufzuhalten, vor allem aber, um Ihre Schmerzen loszuwerden. Wenn Sie Arthrose-Kenner werden und Ihr persönliches Endlich-schmerzfrei-Programm starten, kann es Ihnen bald besser gehen.
Kontaktadressen, die Sie weiterbringen.Patienteninformationen zu den verschiedenen Arten der Arthrose sowie aktive Selbsthilfegruppen finden Sie über die Deutsche Arthrose Stiftung, www.deutsche-arthrose-stiftung.de, sowie die Deutsche Rheuma-Liga e. V., www.rheuma-liga.de, Infotelefon: 0 800/6 00 25 25.
Ihr Weg zur individuellen Therapie
Die Arthrose ist nun Teil Ihres Lebens. Die gute Nachricht: Gegen die Schmerzen und Bewegungseinschränkungen können Sie viel tun. Und je früher Sie damit anfangen, desto besser.
Mit der Diagnosehaben Sie sich nun vertraut gemacht. Jetzt geht es darum, Ihren individuellen Umgang damit zu finden. Denn ob zu Hause, am Arbeitsplatz oder in der Freizeit, Sie können eine Menge tun, um Ihre Gelenke zu entlasten und die Beschwerden zu reduzieren. Gleichzeitig ist es wichtig, dass Sie so früh wie möglich die Ärzte ausfindig machen, die Sie fortan aufsuchen können (siehe S. 28).
Macht der Gedanke an Arzttermine Sie nervös? Dann bereiten Sie sich besonders gründlich auf jeden Termin vor und notieren Sie sich Ihre Wünsche und Fragen. Es gibt ganz einfache Tricks, die Ihnen und Ihren Ärzten die Kommunikation erleichtern und dazu beitragen, dass Sie schnell zum Experten für Ihre Gelenke und Ihre Gesundheit im Allgemeinen werden.
Mit dem neu gewonnenen Wissen sind Sie bestens gewappnet für Ihr ganz persönliches Endlich-schmerzfrei-Programm (siehe S. 40). Sie entscheiden, aus welchen Bausteinen sich dieses Programm zusammensetzt und was Sie im Laufe der nächsten sechs Wochen verändern möchten.
Mit dem Arzt auf Augenhöhe
Ärzte und Physiotherapeuten suchen nach den für Sie geeigneten Maßnahmen, um Ihre Schmerzen zu lindern. Sie können dazu beitragen, dass der richtige Weg schnell gefunden wird.
Nach der Lektüre des ersten Kapitelskennen Sie schon einige der Fachbegriffe, die Ihr Arzt vermutlich verwenden wird. Sich ein wenig in die Fachsprache einzulesen ist sinnvoll, denn je seltener Sie in der Praxis um Erklärungen bitten müssen, desto mehr Zeit bleibt für Ihre Fragen und Wünsche.
Wo Sie weitere Informationen finden
Im Internet finden Sie seriöse Arthrose-Informationen bei gemeinnützigen Organisationen wie der Deutschen Arthrose-Hilfe e. V. oder der Deutschen Rheuma-Liga e. V. (Adressen und Kontakte siehe Service S. 170). Beide Institutionen versenden auch Broschüren. Die Rheuma-Liga bietet Hintergrundinfos und Foren zu vielen der rund 400 rheumatischen Erkrankungen, zu denen auch die Arthrose gezählt wird.
Wenn Verdacht auf eine Arthrose der Hüfte (Coxarthrose) oder des Knies (Gonarthrose) besteht – oder diese Diagnose bereits gesichert ist – und Sie keine Fachwörter scheuen, bieten Ihnen die Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) wertvolle Informationen. Für diese Leitlinien recherchieren Experten aus verschiedenen Fachgesellschaften über lange Zeit, tauschen Erfahrungen aus und stimmen sich ab. Dort können Sie nachlesen, welche Behandlungsansätze sich in wissenschaftlichen Studien bewährt haben und welche nicht. Auch Untersuchungsmethoden sowie Angebote für Selbstzahler (z.B. Homöopathie, Nahrungsergänzungsmittel) werden hinterfragt. Die Qualität solcher Leitlinien, vor allem jener mit dem Zusatz S3 oder S2k, ist sehr hoch, sodass sich die Behandlung in vielen Arztpraxen und Kliniken an ihnen orientiert. Aktuelle Leitlinien zu vielerlei Erkrankungen sind unter www.awmf.orgkostenlos abrufbar.
Kritischer Umgang mit Patientenforen
Das frei verfügbare Wissen in Patientenforen im Internet ist verlockend, birgt allerdings Risiken: Oft finden sich überproportional viele Geschichten mit schlechtem Ausgang. Wer schlechte Erfahrungen gemacht hat, neigt dazu, seinem – verständlichen – Frust Luft zu machen. Patienten, denen es besser geht, verhalten sich in der Regel leise. Denn je schneller die Beschwerden nachlassen, desto eher stehen sie wieder aktiv im Leben und lassen die Beschwerden hinter sich. Hinterfragen Sie solche Inhalte immer kritisch und besprechen Sie diese Informationen auch mit Ihren behandelnden Ärzten.
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