Michael Meyen - Das Elend der Medien

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Wie in Pierre Bourdieus Klassiker «Das Elend der Welt» analysieren Medienpraktiker, Medienpolitiker, professionelle Medienbeobachter und Laien in 40 Gesprächen die Medienkrise der Gegenwart: Welche Probleme gibt es, welche Ursachen lassen sich benennen und wie können wir die Situation verbessern? Die stilistischen Mittel reichen von Interviews über Monologe und Reportagen bis hin zu Gruppenporträts. Antworten geben Heiko Hilker (MDR-Rundfunkrat), Michael Seidel (Schweriner Volkszeitung), Jens Wernicke (Rubikon), Hans Söllner (Liedermacher) und «ganz normale» Bürger aus Oberbayern, Sachsen oder Südthüringen. Sie alle zeigen: Die Medienkrise ist keine Folge von Desinformation, sondern hat ihren Ursprung in der Organisation des Mediensystems selbst.

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Aus dieser Forderung leitet Bourdieu die verstehende Methode ab, an der sich auch dieses Buch orientiert. Schritt eins: die Perspektive des Akteurs einnehmen. Schritt zwei: seine Position einnehmen. Damit ein Wissenschaftler die Perspektive eines Akteurs einnehmen kann, muss er manchmal »den Schirm von nicht selten absurden, ja oft widerwärtigen Projektionen durchbrechen«. 81 Das methodische Werkzeug heißt in der Formulierung von Spinoza: »Nicht bemitleiden, nicht auslachen, nicht verabscheuen, sondern verstehen.« 82

Mit der Position des Akteurs ist das positionsbedingte Leid gemeint, das sich aus seiner Stellung im sozialen Raum ergibt. Dabei geht es um das absolute Gewicht seines ökonomischen, kulturellen oder sozialen Kapitals sowie um die Beziehungen zu anderen Akteuren. Mit der verstehenden Methode ist die Hoffnung verbunden, eindimensionale Bilder durch eine komplexe, mehrdimensionale Vorstellung zu ersetzen – zugunsten einer Pluralität der Perspektiven, direkt konkurrierender und auch widersprüchlicher Standpunkte, die in der Gesamtschau eine große Not ergeben. 83 Es geht in diesem Buch also nicht darum, das spezifische Elend der Medien zu untersuchen (etwa: sind die Medien glaubwürdig oder wer wird Medienzyniker), sondern um die vielen kleinen Nöte mit den Medien, die mit einer bestimmten Position im sozialen Raum einhergehen: als Ostdeutscher in einer westdeutschen Redaktion, als bayrischer Liedermacher im öffentlichen Kreuzfeuer, als Afrodeutsche ohne Chance, je die Tagessschau zu sprechen, als Mensch, den manche als Wutbürger bezeichnen würden, oder als westdeutscher Großbürger, der jede illusio in Sachen Medien verloren hat.

Um diese Menschen im sozialen Raum verorten zu können, sollen zunächst die ökonomischen und sozialen Bedingungen des journalistischen Feldes in Deutschland skizziert werden. Dazu nutze ich zwei weitere Frames, mit denen die Kommunikationswissenschaft das »Elend der Medien« erklärt, sowie Bourdieus Blick auf diesen Gegenstand (vgl. Tab. 1) – »counter frames« oder heterodoxe und häretische Sichtweisen.

Orthodoxe, Heterodoxe und Häretiker in der Kommunikationswissenschaft

Dass ein orthodoxer Frame nicht zwingend ›richtig‹ sein muss, zeigt ein Blick auf den ›Ur-Frame‹ der Kommunikationswissenschaft, der mehr als nur Parallelen zum heutigen Desinformations-Frame aufweist: Wenn in einem Feld oder einer Gesellschaft Überzeugungen und Meinungen als selbstverständlich und offensichtlich gelten, spricht Bourdieu von einer Doxa 84 – von einem nicht weiter hinterfragten Glauben, der sich auch unbewusst in Grundannahmen ausdrückt. Dem Desinformations-Frame liegen die westlichen Deutungs- und Wahrnehmungsmuster des Kalten Krieges zugrunde. Man muss dazu nur Robert Entmans Buch Projections of Power lesen. Die Ikone der Framingforschung beschrieb 2004 vor dem Hintergrund der Anti-Terror-Maßnahmen nach dem 11. September 2001, wie US-amerikanische Medien und Eliten in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts auf die Welt blickten: 85 kommunistische Aggression mit der Intention, die Welt zu erobern (Problem), eine Ideologie, in der Atheismus mit einer totalitären Diktatur verschmilzt (Ursache), Wachsamkeit (Handlungsempfehlung) sowie die moralische Verurteilung der kommunistischen Seite, verbunden mit einer Idealisierung der Verbündeten in der ›freien Welt‹ (Bewertung).

TABELLE 1

Eine Doxa und vier Frames in der Kommunikationswissenschaft

Vgl Pierre Bourdieu Gegenfeuer Konstanz UVK 2004 Robert M Entman - фото 4

Vgl. Pierre Bourdieu: Gegenfeuer . Konstanz: UVK 2004; Robert M. Entman: Projections of Power. Framing News, Public Opinion, an U.S. Foreign Policy . Chigago/London: The University of Chicago Press 2004; Nikolaus Jackob, Tanjev Schultz, Ilka Jakobs, Marc Ziegele, Oliver Quiring und Christian Schemer: Medienvertrauen im Zeitalter der Polarisierung. In: Media Perspektiven (5) 2019; Uwe Krüger: Mainstream. Warum wir den Medien nicht mehr trauen . München: C.H. Beck 2016; Siegfried Weischenberg: Medienkrise und Medienkrieg . Wiesbaden: Springer 2018

Faktisch war dieser Frame falsch. Der britische Historiker Eric Hobsbawm schreibt: Die Idee einer »gottlosen kommunistischen Weltverschwörung« halte keiner rationalen Analyse stand. 86 Die öffentliche Hysterie um eine mögliche kommunistische Aggression half US-Präsidenten, die wiedergewählt werden wollten, und den militärisch-industriellen Komplexen auf beiden Seiten (Kollektiven von Menschen, die von der Vorbereitung eines Krieges lebten). Im »ideologischen Tennismatch« des kalten Krieges, so Hobsbawm, sei der apokalyptische Ton aus Washington gekommen. 87 Wie zur empirischen Bestätigung im Detail zeigt Robert Entman für die 1980er Jahre eine »ziemlich hohe« Korrelation zwischen den Berichten der Washington Post über eine sowjetische Gefahr und der öffentlichen Unterstützung für höhere Militärausgaben. 88

Erstaunlich ist: Das Framing-Konzept ist heute populärer denn je und hat im Fake-News-Zeitalter auch den Sprung aus der Kommunikationswissenschaft in die Öffentlichkeit geschafft. Aber nur in der Theorie. Die inhaltliche Medienkritik Entmans (große US-Medien framen weltpolitische Ereignisse konsequent west-seitig und erzeugen im Verbund mit der Meinungsforschung »öffentliche Stimmung«) diffundiert seltener mit. Wie es einem Journalisten geht, der nach medienkritischer Literatur sucht, beschreibt David Goeßmann 89 in einem unserer Interviews so: »Es gibt hier und da mal eine Studie, dass es in der Berichterstattung über den Afghanistankrieg oder die Ukraine eine Schlagseite gibt. Aber das ist viel zu wenig Futter, um in der Öffentlichkeit klar zu zeigen, wo es falsch gelaufen ist.«

Dass die deutsche und die US-Kommunikationswissenschaft Herrschaft kaum infrage stellen, erklärt sich auch mit ihrer historischen Entstehung. In den USA war das Fach nach dem zweiten Weltkrieg von Subventionen der Regierung abhängig 90 und führt bis heute ein Außenseiter-Dasein abseits der Ivy-League-Universitäten. Im Kampf um Anerkennung macht die Disziplin das, was in einem Feld Erfolg verspricht, das von den ›harten‹ Naturwissenschaften dominiert wird: zählen, messen, rechnen. 91 In der Denktradition der Kommunikationswissenschaft geht es darum, Medien als Werkzeuge zu optimieren und nicht als Herrschaftsmittel zu hinterfragen. In Deutschland hat die Meinungsforscherin Elisabeth Noelle-Neumann das US-Paradigma an die Universitäten gebracht und politisch besetzt. Die Anhänger ihrer Mainzer Schule hatten mit der »empirisch-sozialwissenschaftlichen Wende« 92 deutlich bessere Berufungschancen als Vertreter der Frankfurter Schule – obwohl es bei Adorno, Horkheimer und Co. ausdrücklich um die ›Kulturindustrie‹ und damit auch um Medien geht. 93

Jenseits der Historie gibt es weitere Gründe, warum die deutsche Kommunikationswissenschaft in der öffentlichen Debatte »merkwürdig still« ist: Die Forscher neigen dazu, die gesellschaftlichen Effekte von Medien kleinzureden, scheuen eindeutige Aussagen, weil ihre Analysen auf Komplexität angelegt sind, und halten sich auch deshalb lieber heraus, um ihre Kontakte mit Medienmachern und Öffentlichkeitsarbeitern nicht zu gefährden. 94 Wenn man so will, ist dieser modus operandi die praktische Anwendung oder Umkehrung der in Mainz publizierten Theorie der Schweigespirale: 95 Erst die öffentliche Meinung erforschen und sich dann nach der Mehrheit richten, um Ausgrenzung zu vermeiden. Dabei hatte Noelle-Neumann bereits 1973 in ihrem Aufsatz Kumulation, Konsonanz und Öffentlichkeit 96 an die eigene Zunft appelliert: Sie könne nicht glauben, dass Medien keine Wirkung haben sollen oder nur so schwache, wie sie die Forschung bisher nachgewiesen hat. Starrt nicht nur auf die Empfänger der Botschaft, sagt die Gründermutter der Disziplin hier, sondern schaut euch auch die Kommunikatoren an – weil diese eine soziale Kontrolle erzeugen, die jeder spürt, der von dem abweicht, was die anderen für die Meinung der Mehrheit halten müssen.

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