Christian Gude - Mosquito
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Seine Frau blätterte scheinbar unbeteiligt um. Er registrierte befriedigt ihre zitternde Hand.
»Ich verstehe gar nicht, dass sich die Katholiken hierzulande von diesen asiatischen Höhlenriten die Butter vom Brot nehmen lassen. Die müssten das doch eigentlich adaptieren! Zum Beispiel: ›Abendmahl mal anders – Feng-Shui-Rezepte für den Leib des Herrn‹. Und wenn die Priester mit ihren Messdienern ordentlich üben, könnten die ihren Schäfchen Shiatsu-Massagen anbieten.«
»Du bist wirklich krank«, sagte sie.
»Ach was, ich bin nur ein wenig gereizt. Liegt sicher an den Sternen. Irgendein Planet meines verdammten Sternzeichens steht im Aszendent von irgendeinem anderen verdammten Planeten – du weißt, was das ausrichten kann.«
Sie schwieg, er beobachtete sie. Ihre Beziehung hatte in den 25 Jahren seit ihrer ersten Begegnung in der Goldenen Krone einige Metamorphosen durchgemacht. In der erträglichsten Phase hatte er sie als eine von Vernunft und einem gesunden Skeptizismus geprägte Frau empfunden, sie hatten eine gemeinsame, unvoreingenommene Neugier auf die Welt, auf Politik, Wissenschaft und Kultur geteilt. Diese gemeinsame Basis war abgebröckelt, je näher sie kinderlos den Wechseljahren kam. Er konzedierte ab und an, dass er sich auch selbst verändert haben könnte, hielt aber weitere Reflexionen in dieser Richtung nicht für zielführend. Die früher stabile seelische Konstitution seiner Frau war allmählich einem Zyklus von Auf- und Abschwungsphasen gewichen, in Abständen mehrerer Wochen wechselten Rückzug und Depression mit euphorischen Zuständen. In den Hochphasen identifizierte sie sich vorbehaltlos mit einem der zeitgenössischen Religionssurrogate, die der akademisch gebildeten Mittelschicht in säkularen, postindustriellen Gesellschaften zur Sinnstiftung dienten. Es begann mit Psychoanalyse, danach folgten Astrologie, Ayurveda und Mondkalender, später Akupunktur, Homöopathie, Entschlackung und Entgiftung durch Heilfasten, schließlich Wellness, Pilates und Yoga, zwischendurch immer wieder exotische Lehren wie Bailey, Seth, Aivanhov, Ramtha und White Eagle, von denen Rünz nie zuvor gehört hatte. Das aktuelle Antidepressivum seiner Frau hieß Feng-Shui und hatte für einige Unruhe in ihrer Inneneinrichtung gesorgt. Es deprimierte ihn, dass erwachsene Mitteleuropäer 300 Jahre nach Beginn der Aufklärung solchem Aberglauben anhingen. Es gab keinen Fortschritt.
Karin Rünz legte das Buch zur Seite, trank ihren grünen Gemüsesaft und blickte an ihm vorbei aus dem Fenster. Seine Kränkungen hatten gewirkt. Er fühlte sich etwas besser.
»Ich lasse mir das von dir nicht nehmen«, sagte sie.
»Du meinst, so wie ich dir die Astrologie, die Bachblütentherapie, die Psychoanalyse und den ganzen Mumpitz genommen habe? So ein Unsinn. Deine Ersatzreligionen halten genau bis zum Beginn der nächsten Depression, da habe ich überhaupt keinen Einfluss drauf. So gesehen, sind deine Tiefs die einzigen Momente, in denen du klar siehst.«
»Diesmal ist es doch völlig anders. Feng-Shui ist so«, sie suchte nach einer Erklärung, »so umfassend. Es zeigt, dass alles mit allem zusammenhängt und alles zusammen einen Sinn ergibt.«
»Na klar, und dass unsere Ehe nicht funktioniert, weil da hinten in der Wohnzimmerecke ein Haufen Altpapier gelegen hat, oder sag ich was Falsches?«
»Du meinst die Energiefelder im Bagua-Raster. Aber das verstehst du sowieso nicht. Du willst es nicht verstehen. Du hast Angst davor, es könnte deine Welt durcheinander bringen.«
Rünz roch an der Fleischwurst, die er sich zwei Tage zuvor gekauft hatte. Er entschloss sich, kein Risiko einzugehen, und legte sie zur Seite, öffnete eine frische Packung Knäckebrot, zog eine noch keimfreie Scheibe heraus und knabberte daran.
»Ist dir eigentlich schon aufgefallen«, fragte sie, »dass du nur noch gereizt und zynisch bist, seit wir hier wohnen?«
»Ich bin gereizt und zynisch, seit wir uns kennen! Das ist ein Unterschied.«
Sie ignorierte seine Bemerkung.
»Das muss mit dieser Wohnung zu tun haben. Die Chinesen sagen, dass sich Häuser und Wohnungen mit den positiven und negativen Energien der Menschen aufladen, die darin gelebt haben.«
Rünz verschluckte sich an ein paar Krümeln, hustete sich frei und machte eine Jack-Nicholson-Grimasse.
»Wendy, mach auf, hier kommt der Weihnachtsmann!«
»Ich habe mit dem älteren Ehepaar von gegenüber gesprochen, die haben erzählt, in unserer Wohnung hätte vor zehn Jahren ein Mann gewohnt, der angeblich mit Kinderpornografie zu tun hatte.«
»Jesus – deswegen habe ich dieses unstillbare Verlangen nach Pippi-Langstrumpf-Videos! Jetzt mal im Ernst: Hatte der angeblich oder tatsächlich mit Kinderpornografie zu tun? Juristen machen da einen feinen Unterschied. Aber im Feng-Shui gibts wohl keine Unschuldsvermutung?«
»Worauf ich hinaus will: Wir können das prüfen lassen. Es gibt spezielle Berater, die die negativen Energien aufspüren und wissen, wie man …«
»… für, lass mich raten, 70 Euro pro Stunde. Egal ob du zum Analytiker oder zur Wahrsagerin gehst, einen Architekten engagierst oder dir vom örtlichen Feng-Shui Consultant die Wohnung positiv aufladen lässt – es kostet immer 70 Euro pro Stunde. Muss eine Naturkonstante sein, direkt hinter der Lichtgeschwindigkeit und dem Planckschen Wirkungsquantum.«
Sie resignierte.
»Ach, vergiss es. Tu mir einen Gefallen, vergiss bitte nicht das Essen heute Abend. Außerdem hast du diese Woche deine Therapiestunde.«
Rünz vergaß vieles, den Geburtstag seiner Frau, den Hochzeitstag, den Valentinstag, aber seine Therapiestunde ganz sicher nicht. Das Abendessen dagegen war ihm so wichtig wie eine Beule am Kopf.
5
Schon auf dem Flur hörte Rünz das Gelächter und die Unterhaltungen aus dem Besprechungsraum. Die Mitglieder seiner Ermittlungsgruppe erzählten sich ihre Wochenenderlebnisse. Der Geräuschpegel nahm nicht nennenswert ab, als er den Raum betrat, niemand schien Notiz von ihm zu nehmen. Seine Anwesenheit hatte auf seine Mitarbeiter ungefähr die gleiche Wirkung wie die eines unerfahrenen Referendars auf eine Berufsschulklasse der Peter-Behrens-Schule, mit dem einzigen Unterschied, dass Rünz sich keine Sorgen um seine Sicherheit machen musste. Erst allmählich verschwanden Füße von der Tischplatte, Unterlagen, Notizblöcke und Schreibutensilien wurden zu ordentlichen Stapeln zusammengeschoben und parallel zur Tischkante ausgerichtet.
Rünz setzte sich und musterte kurz die Runde, bevor er die Besprechung eröffnete. Neben ihm saß Manfred Meyer, ein Bürokratentyp bar jeder Inspiration und Kreativität bei der Ermittlungsarbeit, aber Gold wert, wenn es darauf ankam, 20 Meter Archivakten oder einige Megabyte Datensätze in möglichst kurzer Zeit zu durchforsten. Er hatte den Gesichtsausdruck eines Babys, dazu den traurigdümmlichen Blick von Rauhaardackeln, der bei manchen Frauen Mutterinstinkte weckte. Meyer führte akribisch Buch über seine Überstunden und konnte die Brückentage des übernächsten Kalenderjahres auswendig herbeten. Er schaute mürrisch drein, offensichtlich befürchtete er Wochenendeinsätze. Neben ihm saß Charlotte de Tailly, Ende 20, Mitarbeiterin des ›Commissariat de Police Nationale‹ in Troyes, der französischen Partnerstadt Darmstadts. Sie arbeitete im Rahmen eines Austauschprogrammes der Polizeidirektionen beider Städte für einige Monate in Darmstadt. Charli litt unter starker Neurodermitis, die ihre Gesichtshaut ruiniert hatte. Weil sie auf dem völlig deregulierten Markt der Attraktivität damit noch nicht ausreichend benachteiligt war, hatte ihr der Herrgott noch einen starken Vorbiss mit auf den Weg gegeben. Es gab zwei Möglichkeiten des Umgangs mit dieser genetischen Disposition, und sie hatte sich nicht für das stille Mauerblümchen, sondern für die Betriebsnudel entschieden. Das hatte ihr in kürzester Zeit eine wichtige Funktion im gruppendynamischen Getriebe des Präsidiums beschert. Die Kollegen konnten ihre verkümmerten Flirtfähigkeiten ungehemmt an ihr erproben, und die Kolleginnen hatten sie ganz oben auf ihrer Lästerliste. Rünz hatte sie ins Team geholt, weil sie bei informatorischen Befragungen und Verhören Wunder vollbringen konnte. Ihr fehlte als französischer Staatsbürgerin natürlich jede rechtliche Legitimation für Vernehmungen nach Strafprozessordnung, aber in der Praxis war die Grenze zwischen informatorischer Befragung und Verhör meist fließend und der Widerspruch eines aufmerksamen Rechtsbeistandes nicht immer zu fürchten. Obwohl sie perfekt Deutsch sprach, nahm sie den Gesprächssituationen mit ihrem hinreißenden Akzent und ihrer Lebendigkeit unbewusst ihre formale Strenge. Ihre Gesprächspartner tauten regelmäßig innerhalb von Minuten auf, kamen aus der Reserve, plauderten ungefiltert und ohne Rücksicht auf Verluste drauflos. Rünz hatte von ihr geleitete Verhöre beobachtet, bei denen Verdächtige faktisch Geständnisse abgeliefert hatten, ohne sich dessen bewusst zu sein.
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