Kathedrale von Präsidenten-Kritiker Bischof David
Bernardo Mondragon, Projektleiter und Gründer der philippinischen NGO Child Alert, weiß warum: Dutertes Politik behandle lediglich die Symptome: „Er verfolgt Kriminelle und macht dabei aber auch vor Kindern nicht halt“, sagte der Kinderschutzaktivist im „APA“-Interview: Dutertes Maßnahmen seien zwar schnell und beeindrucken viele, die Probleme werden aber nicht gelöst. Und diese seien Armut und soziale Verwahrlosung.
Schärfster Kritiker von Duterte auf den Philippinen ist Bischof Pablo Virgilio David. Zu seiner Diözese gehören die ärmsten Quartiere Manilas, wo man die meisten Erschießungen zählt. Drogenkonsum und -handel seien in erster Linie Symptome von Arbeitslosigkeit, Verzweiflung und Armut, wird der Bischof in der „Neue Zürcher Zeitung“ zitiert. Er setzt deshalb auf Rehabilitationsprogramme, die wiederum der Drogenkrieg torpediert: Wer sich als drogensüchtig outet, schwebt in Lebensgefahr.
Auch den Bischof nahm der Präsident bereits ins Visier, drohte ihm öffentlich, er werde ihm wegen Drogenhandels den Kopf abschneiden. Seither sind die Wachen vor der Kathedrale verschärft und der Bischof etwas vorsichtiger geworden. Auch Dutertes Aufruf, die nutzlosen katholischen Bischöfe umzubringen, nehme man in der Kirche durchaus ernst, sagt der Bischof und fügt hinzu: „Unser Land wird von einem sehr kranken Mann geführt.“ Der NZZ-Korrespondent hörte „fast Mitleid für Duterte“ aus diesen Worten. Angst könne man sich nicht leisten, lautet die Parole des Bischofs. Das sage er auch seinen Priesterseminaristen: „Wer Angst hat, ist am falschen Ort und sollte besser austreten.“ Und wer keine Angst hat? Der zieht in den Krieg.
Volksrepublik China
Berühmt, berüchtigt, beneidet für:
Die echte Pekingente, über Obstbaumholz bernsteinbraun gegrillt, gibt es laut Feinschmecker-Urteil nur in Chinas Hauptstadt. Das Rezept stammt aus der Ming-Dynastie. Die Enten werden speziell gemästet und an jeder Bewegung gehindert, damit ihr Fleisch zart und die Haut dünn wird.
Fläche: |
9.596.960 Quadratkilometer, dreimal so groß wie Indien |
Einwohner: |
1.395.380.000, 50 Millionen weniger als Indien |
China ist ein wundervolles Land mit so vielen wundervollen Menschen wie kein anderes Land der Welt. Ein Land, das den Ende der 1950er-Jahre von Staatsgründer Mao Zedong verordneten und damals gescheiterten „Großen Sprung nach vorn“ mittlerweile institutionalisiert hat. Nicht politisch, aber sonst werden alle Bereiche der Gesellschaft kapitalisiert und das Wort „unmöglich“ aus dem chinesischen Sprachschatz gestrichen. So verpflanzten chinesische Forscher im April 2019 menschliche Gene in Affenhirne. Die Ergebnisse zeigten, dass mit menschlichen Genen versehene Affen „das Potenzial haben, wichtige – und womöglich einzigartige – Einblicke in Grundsatzfragen zur Einzigartigkeit des menschlichen Gehirns zu liefern“, schrieben die Studienautoren. Von elf Rhesusaffen überlebten fünf den Test. Die „Vermenschlichungs“-Versuche wurden weltweit kritisiert. Der Vorwurf lautet, die Studie wecke Erinnerungen an das Science-Fiction-Abenteuer „Planet der Affen“.
Rhesusaffen – noch ohne menschliche DNA
Das der innovativste Science-Fiction-Autor der Gegenwart ein Chinese ist, überrascht in diesem Zusammenhang nicht: Mit seiner „Trisolaris-Trilogie“ hat Cixin Liu einen Genre-Meilenstein gesetzt, jubelt die Kritik: Der Autor mische die Themen Physik, Sekten, virtuelle Realität und Politik gekonnt über mehrere Handlungsstränge mit den Schicksalen seiner Figuren. Ebenfalls das Science-Fiction-Genre nutzte die Schriftstellerin und Regisseurin Xiaolu Guo für ihren Roman „Ein Ufo, dachte sie“, in dem sie China auf Kollisionskurs beschreibt. In dieser Satire auf den Fortschrittsglauben in China prallt ein Ufo auf die Vorschriften der chinesischen Obrigkeit. „Mir ist wichtig, das Leben junger Menschen und die politische Situation im heutigen China aufzuzeigen“, sagt Guo. Ihre Position lautet: „Bewahre dir deine Besonnenheit und höre nicht auf Propaganda, weder die chinesische noch die westliche. Ich will für mich stehen, verdammt!“
Tenzin Tsundue
Unabhängigkeit fordert auch Tenzin Tsundue. Der Schriftsteller und Freiheitskämpfer ist das Gesicht des jungen tibetischen Widerstands gegen die chinesische Besatzung. Erst wenn Tibet frei ist, will er sein rotes Stirnband wieder abnehmen, erklärt er bei einem Treffen in einem Wiener Kaffeehaus sein Outfit. Und auf die Frage, wie er dieses Ziel erreichen wolle, antwortet er: „Hitler hat ganz Europa überfallen – haben die besetzten Völker aufgegeben? Nein! Großbritannien war jahrhundertelang die unumschränkte Kolonialmacht Indiens – hat das Gandhi von seinem Freiheitskampf abgehalten? Nein! Sie alle hofften, es wird eine Zeit kommen, in der sich die Wahrheit durchsetzt. Die Idee von Freiheit hängt immer mit dieser Hoffnung zusammen. Wir haben unsere Unabhängigkeit verloren, unsere Leute sitzen in chinesischen Gefängnissen, leiden, sterben … Trotzdem haben wir nicht den Frieden in uns verloren. Wir vertrauen weiterhin auf die Kraft der Wahrheit – dadurch sind wir innerlich frei und können immer noch lachen. Und das heutige China fürchtet nichts mehr als Freiheit in jeder Form.“
Sultanat Brunei Darussalam
Berühmt, berüchtigt, beneidet für:
Vor dem Start der „Royal Brunei Airlines“ segnet ein Prediger vom Videoband, die Position Mekkas wird angezeigt und während des Flugs der Koran rezitiert.
Fläche: |
5765 Quadratkilometer, doppelt so groß wie Luxemburg |
Einwohner: |
418.000, zwei Drittel von Luxemburg |
Brunei ist ein wunderbares Land mit wertvollen Menschen – und einem reichen Sultan. Wie reich? Sehr reich, so reich, dass er auf der Versandliste des Pirelli-Kalenders ganz oben steht. Was macht Sultan Hassanal Bolkiah, der im Frühjahr 2014 das islamische Scharia-Strafrecht in seinem Land einführte und auch sonst keine Gelegenheit auslässt, Brunei im Sinne der Staatsideologie „Melayu Islam Beraja“ auf einen strammen malaysisch-islamischen Kurs zu bringen, mit dem exquisitesten Erotik-Kalender der Welt? Wahrscheinlich hat der Sultan nur vergessen das Abo zu kündigen. Es ist noch gar nicht lange her, da soll er auch mehr auf Shakira als Scharia gestanden haben, und mehr Play- als Prayboy gewesen sein.
Das gehört in seiner Familie zur Tradition: Sultan Mohamed soll im 15. Jahrhundert während einer Seereise zu den Philippinen eine islamische Prinzessin entführt haben; er heiratete sie und wurde von ihr zum Islam bekehrt. Die Tochter seines Nachfolgers nahm einen Araber zum Mann, den Vor-Vorvater der bis heute regierenden Sultane. Die ihr Faible für schöne Frauen verbindet. Außerdem wird sich im Sultanspalast Istana Nurul Iman, der mit seinen 1788 Zimmern dreimal so groß ist wie Buckingham Palace, doch wohl noch eine versteckte Wand für diese Kalender und seine schönen Bilder finden. Den Raum aber gut zusperren! Schon einmal provozierte ein Reifenhersteller Proteste in Brunei. Die japanische Firma musste 300 Autoreifen zurückrufen. Das Profil der Reifen soll Koran-Versen geglichen haben, was die Religionsbehörde als Beleidigung des Islam verurteilte.
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