John: Ja. Ein Seelenfragment geht jeweils zu all diesen Erfahrungen.
Mira: Waren all diese Erfahrungen real?
John: Sie waren alle real, weil die Hauptseele sie alle immer noch erlebt.
So etwas hatte ich noch nie gehört, und doch fühlte es sich vertraut an, wie etwas, was ich seit Langem vergessen hatte, so als ob ich mich an eine große Wahrheit erinnerte, die im Lauf der Jahrhunderte verloren gegangen war. Wie Johns Höheres Selbst erklärte, ist Zeit ein Konzept, das für die Menschen auf der Erde funktioniert; doch jenseits der menschlichen Sphäre ist Zeit unendlich und grenzenlos. Für uns scheinen verschiedene Leben nacheinander stattzufinden, doch in Wahrheit geschehen alle Leben, die eine Überseele erlebt, gleichzeitig.
Wir sind multidimensional und so viel mehr als das, was uns unsere fünf Sinne mitteilen. Wenn wir uns auf der Abenteuerreise des Lebens anderen Seinsbereichen öffnen, werden wir uns immer mehr bewusst, was für wunderbare Geschöpfe wir sind.
Jede Inkarnation, so Johns Höheres Selbst, ist ein Fragment der Überseele. Wie schon in Kapitel 1 erklärt, ist die Überseele ein Energiebewusstsein, bestehend aus all den Seelen, die Sie jemals waren und jemals sein werden. Sie erzeugt Fragmente ihrer selbst, weil sie den Wunsch verspürt, sich durch die Erfahrung des Lebens aus vielen verschiedenen Perspektiven selbst kennenzulernen. Wenn sich die Überseele dafür entscheidet, etwas über ein bestimmtes Thema zu lernen, beispielsweise über die Liebe, dann erzeugt sie Energiesplitter ihrer selbst bzw. verschiedene Leben, die die Liebe erforschen und erleben. Keine Lektion ist komplett gelernt, solange sie einseitig ist.
Wenn wir zum Beispiel nichts über Verlassensein und Einsamkeit lernen, wissen wir auch nichts über die Liebe. Die Überseele lernt über das Thema »Liebe« genauso viel durch ein Leben voller liebevoller, nährender Beziehungen wie durch ein Leben voller gestörter Beziehungen. Nur durch das Erforschen aller Perspektiven lernt und erfährt die Überseele alles über ein Thema.
Das ist das Wesen der Überseele und auch von Allem-was-ist: zu erschaffen und seine Bewusstheit durch seine Schöpfungen zu erweitern. Jedes von der Überseele gebildete Fragment ist eine eigene Seele.
Wir sprechen von Einzelseelen zwar als Fragmenten oder Splittern der Überseele, aber jede Seele ist in sich vollständig und ganz.
Das wurde mir in einer späteren Sitzung mit meiner Klientin Lisa klar (auf sie komme ich in diesem Buch noch zurück). Auch Lisa erlebte zeitlich überschneidende Leben, und ihr Höheres Selbst erklärte, jede Seele sei zwar ein Fragment, aber nichts würde fehlen.
Jede Seele hat ein eigenes Bewusstsein und kann ihren freien Willen einsetzen, ihre Erfahrungen in unterschiedlichen Dimensionen der Existenz auswählen. Obwohl sie sich in Fragmente aufteilt, ist die Überseele ganz und vollständig. So wie jeder Tropfen im Ozean in sich die Eigenschaften des ganzen Ozeans vereinigt, ist das auch mit der Seele in Bezug auf die Überseele der Fall.
Ein solches Verständnis erklärt auch die Struktur der Existenz. Die Fragmente, aus denen sich die Überseele zusammensetzt, sind sogenannte »Gegenstück-Seelen« (engl. »counterpart souls«) bzw. »Seelen-Gegenstücke« (»soul counterparts«), denn sie stellen füreinander die Gegenstücke dar und tragen in sich dieselbe Signaturschwingung der Überseele. Mehrere Überseelen bilden eine Seelengruppe. Auf den nachfolgenden Existenzebenen resoniert die Überseele mit einer höheren Schwingung als auf den vorherigen, und das individuelle Wesen der Gegenstück-Seelen wird weniger. Gleichzeitig verschmilzt das Bewusstsein auf dem Weg zum Einen immer mehr.
Auf der höchsten Schwingungsebene sind Sie und ich – und alle Menschen, die auf dem Planeten leben und gelebt haben – somit Teil derselben Überseele, der einen Energie, die wir Gott nennen.
So betrachtet teilen Menschen eine Überseele mit Felsen, Pflanzen, Tieren und dem Wasser. Wir alle entstammen derselben tiefen Liebe. Wir alle sind Brüder und Schwestern.
Alle Inkarnationen existieren gleichzeitig
Eine Überseele erschafft ihre Seelenfragmente, um durch sie zu wachsen und sich weiterzuentwickeln, und all diese verschiedenen Seelen existieren gleichzeitig. Einfach ausgedrückt kann man sich die Seelen als die Finger einer Hand vorstellen, die alle gleichzeitig existieren und funktionieren, wobei die Hand die Überseele ist. Man kann auch das Bild eines Zugs mit seinen Waggons verwenden: Alle fahren gleichzeitig auf den Gleisen, während in den einzelnen Waggons bestimmte Passagiere sitzen sowie Aktivitäten und Unterhaltungen stattfinden, ähnlich wie bei den getrennten Leben. Gemeinsam bilden sie den Zug bzw. das Bewusstsein, das der Überseele entspricht.
Eine Überseele kann sich entscheiden, das Erforschen bestimmter Themen und höchstmögliches Wachstum über eine sehr lange Zeitspanne hinweg anzugehen; ihre Seelen leben womöglich im Laufe mehrerer Jahrhunderte. Bei einer Rückführung werden diese Leben oft in eine Reihenfolge gebracht, ohne zeitliche Überlappungen, und wir haben das Gefühl, wir würden nur »vergangene« Leben durchlaufen. Damit scheint die Abfolge dieser Leben unserem linearen Zeitverständnis zu entsprechen. Doch wie bei John hat die Überseele vielleicht mehr davon, wenn sie ihre Themen und Leben innerhalb einer kurzen Zeitspanne auf Erden erforscht und erlebt. In einer Rückführung überschneiden sich diese Leben dann womöglich, so wie das bei John und seinen parallelen Leben der Fall war. Genau diese wichtige Lektion habe ich durch Johns Rückführung gelernt: Die von der Seele geschaffenen Leben existieren alle in demselben, gleichzeitigen Moment. Aus Sicht der Überseele finden alle Inkarnationen gleichzeitig, in eben diesem Augenblick, statt! Leben sind nichts Vergangenes, Gegenwärtiges oder Zukünftiges – sie sind etwas Gleichzeitiges.
Früher meinten die Menschen, der Reinkarnationszyklus laufe folgendermaßen ab: Eine Seele wird geboren und inkarniert. Ihr Körper stirbt irgendwann, und die Seele kehrt in die Dimension zwischen den Leben zurück. Dort entscheidet sie, wie gut sie ihr Leben geführt hat, und beschließt, wiedergeboren zu werden, um an denselben oder auch anderen Lektionen zu arbeiten. Der Zyklus geht so lange weiter, bis die Seele sich selbst vervollkommnet und mit dem Gottesbewusstsein verschmilzt. Anders ausgedrückt: Für uns war Reinkarnation die lineare Abfolge von Leben einer einzelnen Seele. »Andere« Leben waren »vergangene« Leben ein und derselben Person. Zukünftige Leben wurden dabei nicht berücksichtigt, denn nach unserem Verständnis hat sich die Zukunft ja noch nicht ereignet.
Doch inzwischen ist unser Geist bzw. Verstand besser in der Lage, multidimensionales Denken in Raum und Zeit zu verarbeiten, und wir sind bereit, diese einfacheren Erklärungen, wie sie uns von so vielen Generationen unserer Vorfahren weitergegeben wurden, zu transzendieren. Außerhalb der Dimension unserer irdischen Realität läuft die Zeit nach einem anderen Muster ab. Sie ist nicht linear – sie ist einfach und immer jetzt. Und so ist jedes Leben im gegenwärtigen Moment noch dabei, sich zu entfalten, und ist doch bereits vollendet und abgeschlossen.
Die Sitzung mit John war für mich wahre spirituelle Weiterbildung. Das Konzept paralleler Leben ist in der Welt der Rückführungstherapie und auch insgesamt im Bereich der spirituellen Bewusstseinsbildung etwas vollkommen Neues. Während der Sitzung mit John fühlte ich mich als wahre Entdeckungsreisende, die sich in unbekannte und unerforschte Bereiche des Wissens wagte. Damals hatten meines Wissens keine anderen Rückführungstherapeuten jemals in ihrer Arbeit solche Informationen aufgedeckt, und ich hatte bis zu diesem Zeitpunkt kein einziges Buch gelesen, in dem von der Gleichzeitigkeit der Existenz die Rede war. Und falls ich doch irgendwo darauf gestoßen war, hatte ich das Konzept nicht verstanden bzw. nicht bewusst verarbeitet, es war mir sozusagen entglitten. Zudem war John mein allererster Klient außerhalb meiner Familie und meines Freundeskreises. Ich war unendlich dankbar, dass ich in Spirits Augen dafür bereit war, eine so wichtige und bedeutungsvolle Sitzung mit einem Klienten durchzuführen.
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