11. Plädoyer für eine priesterlich-sakramentale Theologie
Der gegenwärtigen Praktischen Theologie fehlt in weiten Teilen die Theologie als Wissenschaft des Wortes Gottes, eine priesterlich-sakramentale Theologie, nicht die Theologie der Priester, eine priesterlichkatholische Theologie, die sich schonungslos dem ganzen Leben aller Menschen aussetzt – in all seinen Dimensionen: sozial, spirituell, intellektuell, rituell, sinnlich-emotional und damit bewusst und entschieden durch die Gegensätzlichkeit von Gott und Mensch, Zufall und Kontingenz, Denken und Sein durchlebt.
Diese Theologie entsteht im Ausgesetztsein und im Aussetzen, aus dem Rückzug, aus dem Warten, dem Aushalten, dem Vollzug, dem Schweigen, der Nicht-Produktivität, dem Leben, dem Durchleiden und Durchfreuen, Worten, Zeichen, Gestalten, Ausdrucksformen des Lebens im Angesicht des Todes durch das Kreuz hindurch, im Vergessen des Vorher und im immer wieder Anfangen. Als priesterlich ist diese Theologie zu bezeichnen, weil sie sich bewusst im Zwischen, im Gegensatz positioniert, sakramental, weil sie dieses Zwischen hält und füllt mit Sprachereignissen, mit Worten und Zeichen, die über sich hinaus in den Raum des Nichtnotwendigen weisen, das Mehr-als-Notwendige denk- und fühlbar werden lassen. Eine solche Praktische Theologie hat nichts gemein mit einer Theologie der Herrschaft, die sich einer auf der Herrschaft von Priestern fußenden Kirche und ihren engen Denkräumen verpflichtet sieht, sie ist der Gegenentwurf einer Theologie und einer Kirche, die sich entsichert in das volle Leben hinein verschwendet, ein Mehr-als-notwendig des Denkens und des Seins.
Wem fehlt diese priesterlich-sakramentale Theologie? Mir würde sie fehlen, mir fehlt die Freiheit der Theologie, quer und leidenschaftlich zu denken in Begegnungen, im Ereignis des Wortes voll von Beziehung. Mir fehlen, würden die weiten Denk- und Seinsräume fehlen, die Experimentiermöglichkeiten Praktischer Theologie, über das Bestehende hinaus zu denken, zu lehren, forschend zu lernen, zu leben.
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http://www.ku.de/fileadmin/20/Stiftungsverfassung.pdf(12.09.2014).
1Jüngel, Katholizität, 17.
2 http://www.katholische-theologie.info/[…] (siehe Webseitenangabe am Ende des Beitrags).
3 http://www.ekd.de/theologiestudium/[…] (siehe Webseitenangabe am Ende des Beitrags).
4 http://www.ku.de/unsere-ku/portraet/(12.09.2014).
5Stiftungsverfassung der KU Eichstätt-Ingolstadt §2 Abs. 2; http://www.ku.de/fileadmin/20/Stiftungsverfassung.pdf(12.09.2014).
6Jüngel, Katholizität, 17.
7Ebd., 18.
8Ebd., 19.
9Rahner, Grundkurs, 32.
10Jüngel, Geheimnis, 1f.
11Ebd., 5f.
12Ebd., 6f.
13Vgl. ebd., 7.
14Ebd., 13.
15Ebd., 15.
16Ebd., 19.
17Ebd.
18Ebd., 25f.
19Ebd., 27.
20Ebd.
21Ebd., 28.
22Ebd.
23Ebd., 44.
24Ebd., 57.
25Ebd., 30.
26Ebd., 29f.
27Ebd., 80.
28Ebd., 81.
29Ebd., 219.
30Ebd., 220.
31Ebd., 221.
32Ebd., 224.
33Mennekes, Joseph Beuys, 27.
34Ebd., 29.
35Ebd., 33.
36Deleuze/Guattari, Kapitalismus, 30.
37Vgl. Hoyer, Seelsorge, 50ff.
38Barth, Einführung,16.
39Smend, Bibel, 221; vgl. Rendtorff, Theologie, 111ff.
40Ziemer, Verletzbare Orte, 20; vgl. Henrich, Kunsttheorie, 11.
41Vgl. Hoyer, Seelsorge.
42Jüngel, Geheimnis, 227ff.
43Ziemer, Verletzte Orte, 11f.
44Jüngel, Geheimnis, 242.
45Ebd., 246.
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