Ramazan Demir - Unter Extremisten

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Sie haben gemordet, Bomben gebaut, aufgehetzt, waren im Syrienkrieg. Jetzt, in Haft, zerbrechen die einen fast daran. Sie verstehen nicht, wie es mit ihnen so weit kommen konnte, flehen Allah um Vergebung an und wollen ihrem Leben ein Ende setzen. Die anderen sind hart wie Stein. Sie missbrauchen das Gefängnis als Brutstätte der Radikalisierung und ihm, dem Gefängnis-Imam, der an die Schweigepflicht gebunden ist, vertrauen sie an: Sobald wir draußen sind, werden wir wieder morden, Bomben bauen, aufhetzen.

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Nicht alle Mitglieder meiner ungewöhnlichen Gemeinde sind das, was man landläufig radikal nennt. Einige allerdings sind in hohem Maße gewaltbereit, gelten als brandgefährlich und stellen dies auch gelegentlich hinter den dicken, ansonsten verschwiegenen Mauern der JA unter Beweis. Sie alle subsumiert man unter dem Begriff »Islamisten« – eine Definition, die ich im täglichen Gebrauch aus meiner leidvollen Erfahrung des ständigen Vermengens von Islam und Islamismus ablehne (ich spreche also üblicherweise nicht von Islamisten, sondern von radikalen, oder gewaltbereiten Muslimen oder schlicht von Extremisten), eine Definition aber auch, mit der ich prinzipiell könnte, würfe sie nicht eine solche Vielzahl eklatanter Missverständnisse und Vorurteile auf, weil die Unterscheidung zwischen Islam und Islamismus im Volksmund und in den Massenmedien oftmals keine ist. Jedes neuerliche Attentat, jede neue, zutiefst verachtungswürdige und durch nichts zu entschuldigende Bluttat unter dem Segel des Schlachtschiffs Islamismus – vorgeblich begangen im »Namen des Islam« – treibt einen zusätzlichen Keil in unsere längst multikulturelle Gesellschaft, reißt die Gräben nur noch weiter auf.

Gerade hier, bei der strikten Trennung von Islam und Islamismus, ist es besonders wichtig, den verstellten Blick freizuschaufeln, einen neuen, anderen Blick zu werfen, hinein in die Tiefe der Thematik, der natürlich auch ein Blick in die Geschichte dieses so genannten Islamismus ist. Das hat mit jahrhundertelanger, systematischer Ausbeuterei durch Kolonialstaaten ebenso zu tun wie mit archaischen Mustern und Rollenbildern so manch muslimisch geprägter Länder, was beispielsweise Erziehung und Status der Frau betrifft. Extremisten verstehen es auf oftmals beklemmend brillante Weise, sich diesen massiven Wandel der Gesellschaft in der jüngeren Weltgeschichte zunutze zu machen, indem sie die Veränderungen als Verlust eines religiösen Erbes beklagen – und mit aller Gewalt den Erhalt dieses Erbes vorantreiben, das in Wahrheit nichts anderes ist als ein Mix längst überkommener Traditionen und Kulturen. Die Religion wird als Mittel gegen den Zerfall nur vorgeschoben und damit aufs Schändlichste instrumentalisiert.

Und diese Geschichte des so genannten Islamismus (das macht sie mitunter zu einem zutiefst innerislamischen Problem) ist auch eng verknüpft mit der Geschichte der Versklavung der Frau, der Stigmatisierung alles Weiblichen schlechthin.Überspitzt könnte man es als Selbstbefruchtung bezeichnen, eine Art ungewollter Schwangerschaft, die die Geburt einer nur noch schwer zu bändigen Bestie gezeitigt hat. Dennoch ist der Islam – dies an dieser Stelle vorausgeschickt, weil es gar nicht oft genug betont werden kann – zu keiner Zeit eine frauenfeindliche Religion gewesen, und er ist es auch heute nicht.

Ich erkläre das meinen Häftlingen bei jeder Gelegenheit in einfachen, eingängigen Worten, wieder und wieder – zitiere gebetsmühlenartig Stellen aus dem Koran, die explizit auf Stellung und Bedeutung der Frau im Islam gemünzt sind, weil ich sehe, dass viele junge Männer, geprägt durch Elternhaus und Verwandtschaft in den Herkunftsländern, oftmals mit genau diesen alten Modellen aufwachsen. Schon zu Zeiten des Propheten Muhammad haben die Frauen in der islamischen Gesellschaft eine bedeutende Rolle gespielt. Und so haben wir es bei dem Phänomen Islamismus in erster Linie mit überkommenen Leitbildern zu tun, mit archaischen, vom Patriarchat geprägten Wertvorstellungen, die ins Kleid von Kultur und Tradition schlüpfen und dabei vorgeben, unabwendbarer Bestandteil der Religion zu sein. Damit wird ein grundfalsches Verständnis von dem vermittelt, was tatsächlich den Islam ausmacht, was tatsächlich im Koran festgeschrieben steht, was tatsächlich also der unverbrüchliche Wille Allahs ist.

Und noch etwas gehört hierher, weil untrennbar verbunden mit dem Phänomen Extremismus und dem politisch motivierten Missbrauch des Islam (in den Medien immer politischer Islam genannt) – es ist dies der Begriff der Heuchelei.

Seine Ursprünge reichen wiederum bis zu Napoleon und seinem Ägyptenfeldzug (1798) zurück, und seine Wirkmächtigkeit ist heute ausgeprägter denn je. Schon damals, in Berichten des reisenden Chronisten Henry Laurens beispielsweise, taucht immer wieder das Wort Heuchelei auf, wie auch der bereits erwähnte Psychoanalytiker Fethi Benslama aufzeigt. Der Begriff fußt auf dem arabischen munafiq, was ursprünglich jene beschrieben hat, die ihre Ungläubigkeit zu verschleiern versuchen, indem sie sich als Muslime ausgeben. Mehrfache missbräuchliche Umdeutung bzw. Verstärkung über die Jahrhunderte hat den Begriff im Bewusstsein heutiger Radikaler als das Übelste vom Üblen einzementiert. Er wird über all jene Glaubensbrüder gegossen, die sich – völlig zu Recht, wie ich meine – einer Politisierung ihrer friedfertigen Religion Islam verweigern, die Bestrebungen der Radikalen unterwandern und sich somit zu Todfeinden machen. Diese Heuchler stellen sich auf die falsche Seite, stehen in den Augen der Extremisten auf dem Podest des Verachtungswürdigen noch über den Ungläubigen.

Wie tief der Begriff Islamismus in den Köpfen vieler Menschen als Synonym für Islam Wurzeln geschlagen hat, zeigt auch folgendes, ausgenommen krasses Beispiel aus meinem eigenen Umfeld. Hätte ich es nicht selbst vom Betroffenen (im Nachhinein kleinmütig) bestätigt bekommen, bekäme ich es also bloß erzählt, ich würde es als launige, doch jeden Funken Wahrheit entbehrende Maskerade abtun.

Doch gerade dieses Beispiel zeigt eindringlich, was im Sprachgebrauch schieflaufen kann: Ein Kollege aus meinem ehemaligen Brotberuf islamischer Religionslehrer an einer Wiener Schule gerät eines Tages in Konflikt mit dem Vater eines Schülers. Anlass ist ein Missverständnis bei einer Gruppenarbeit, die als Aushang auf dem Schulgang gelandet ist und den Vater des Buben angesichts arabischer Schriftzeichen (im Unwissen, was die Schrift bedeutet) dazu anhält, heftig mit dem Lehrer zu diskutieren. Ein Wort ergibt das andere, eine Beschwerde bei der Direktorin folgt. Sie nimmt meinen Kollegen beiseite, fragt ihn eindringlich, ob es denn stimme, was der Vater behaupte, dass er nämlich zugegeben habe, ein Islamist zu sein.

»Natürlich bin ich Islamist«, ruft der Lehrer mit einiger Dynamik und auch Ernsthaftigkeit. »IslamIST. So wie ChrIST. Oder BuddhIST.«

Erst die Widerworte der Direktorin, welch fatale Wirkung Begriffe wie Islamist und Islamismus in unserer Gesellschaft zeitigen, bringt Aufklärung. Der Lehrer ist zutiefst bestürzt, auf welche – grundfalsche – Seite er sich (aus einigermaßen beschämendem Unwissen heraus) gestellt hat.

Apropos richtige oder falsche Seite: Richtig und Falsch sind Kategorien der Moral. Ich versuche in meinen Predigten und auch Einzelgesprächen, diese Moral von Anbeginn nicht wie einen unüberwindbaren Schild vor mir herzutragen.

Die Erfahrung lehrt mich, dass gerade das Antreten unter dem Panzer der Gerechtigkeit dazu führt, dass die allermeisten Gefangenen zwar wohlwollend nicken, doch augenblicklich zumachen. Sie machen zu, verpuppen sich zur Larve, die wider die Abläufe der Natur beschlossen hat, das Schlüpfen bleibenzulassen. Womit sich – mit dem Bild der Larve – der Bogen wieder auf den Tschetschenen Musa senkt.

Als Musa erstmals beim Freitagsgebet auftaucht, sticht er mir sofort ins Auge. Der Blick in eine Schar von fünfunddreißig Augenpaaren ist immer auch der Blick in die Gesichter der Proponenten gegenläufiger Strömungen und Ansichten. Da gibt es jene, die mit ehrlichem Eifer und angespannter Aufmerksamkeit bei der Sache sind, die ihrem Prediger jedes Wort von den Lippen ablesen und auch später in den Diskussionen viel preisgeben. Dann gibt es die Wankenden, die Unsicheren, die schon während der Predigt, scheint’s, ihren inneren Kampf ausfechten, wieder und wieder die Stirn in Falten legen, schließlich aber nicht den Mut aufbringen, sich in der anschließenden Gesprächsrunde mit Fragen oder Kommentaren einzubringen. Vertreter der Gruppe der Gleichgültigen gibt es so gut wie nie, denn sie haben kein Interesse, ihren gläubigen Brüdern einen Platz zu versitzen. Und dann, am anderen Ende der Skala, finden sich jene, die dir als Prediger von Anbeginn signalisieren, wie klein und mickrig, welch ein Nichts du in ihren Augen bist. Die ihre Mundwinkel verächtlich herabziehen, Körpersignale purer Ablehnung aussenden, wie Gurus Grüppchen Gleichgesinnter um sich scharen und nicht selten die Predigt durch provokante Zwischenrufe stören.

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