Hanna Engelmeier - Trost

Здесь есть возможность читать онлайн «Hanna Engelmeier - Trost» — ознакомительный отрывок электронной книги совершенно бесплатно, а после прочтения отрывка купить полную версию. В некоторых случаях можно слушать аудио, скачать через торрент в формате fb2 и присутствует краткое содержание. Жанр: unrecognised, на немецком языке. Описание произведения, (предисловие) а так же отзывы посетителей доступны на портале библиотеки ЛибКат.

Trost: краткое содержание, описание и аннотация

Предлагаем к чтению аннотацию, описание, краткое содержание или предисловие (зависит от того, что написал сам автор книги «Trost»). Если вы не нашли необходимую информацию о книге — напишите в комментариях, мы постараемся отыскать её.

"Das Bedürfnis, in Geschriebenem Trost zu suchen, mag alt sein. Die feinsinnige Klugheit in diesem Buch ist so ernüchternd wie erbaulich, so überraschend wiegroßartig. Kurzum: zum Niederknien!" Judith Schalansky
Dass Lesen weit mehr ist als das sinnstiftende Erfassen von Buchstaben, zeigen die vier Übungen, die dieser Essay versammelt. Sie führen das Lesen zusammen mit dem Schreiben, dem Hören, dem Beten und dem Genießen: Der heute nur wenigen bekannte Franz Xaver Kappus regte Rilke durch seine Briefe zu einer Auseinandersetzung mit den Grundlagen des Dichtens an, die bis heute Schreibende (und Lesende) inspiriert. Die Tonaufnahme von David Foster Wallaces Rede «This Is Water» und ein Hörspiel zu Walt Disneys Aristocats zeugen von einem Lesen, das Hören ist. Eileen Myles findet als Kind ein Rollenmodell in der Lektüre eines Johanna-von-Orléans-Comics und Adorno gönnt sich neben Kritik auch mal Eiscreme. In dieser Engführung von Kritik und Enthusiasmus, Kanon und Pop, Alltag und Ästhetik, Persönlichem und Theoretischem offenbart sich mit jedem weiteren Kapitel genau das, was der Titel verspricht: vier Übungen, die klug, voller Witz und doch mit Ernsthaftigkeit Text und Nebentext feiern und sich zu einer leisen,
aber unedingten Leseempfehlung für schwere und nicht ganz so schwere Zeiten fügen.

Trost — читать онлайн ознакомительный отрывок

Ниже представлен текст книги, разбитый по страницам. Система сохранения места последней прочитанной страницы, позволяет с удобством читать онлайн бесплатно книгу «Trost», без необходимости каждый раз заново искать на чём Вы остановились. Поставьте закладку, и сможете в любой момент перейти на страницу, на которой закончили чтение.

Тёмная тема
Сбросить

Интервал:

Закладка:

Сделать

Meine Ausgabe der Briefe spottet selbstredend diesem Anspruch. Sie ist nicht prächtig, sondern so gerade eben nicht kaputt, in keiner besonderen Type gesetzt und auf billigem Papier gedruckt. Es kann sein, dass die Briefe in einer anderen Ausgabe auf eine jüngere Version meiner selbst noch größeren Eindruck gemacht hätten, ich glaube aber vor allem, dass die Rilke-Briefe deshalb lange Zeit mit mir wanderten, weil sie sich hier so bescheiden ausgaben. Nur ein paar Briefe an einen jungen Dichter, von Schreiber zu Schreiber. Keine große Sache. Die »drohende Deutlichkeit« einer festen und entschiedenen Stimme vernahm ich sehr wohl. Aber aus einem anderen Buch sprechend hätte ich sie wohl eher nicht hören wollen. Schwach, nachgiebig, willkürlich, unelegant: So darf man nicht schreiben, so steht es in Rilkes Briefen an Kappus. Ohne die wenig beeindruckende, aber eben auch wenig einschüchternde Materialqualität der billigen Diogenes-Ausgabe wäre diese Ansage eher nicht zu mir durchgedrungen.

Das armselige Äußere des zerliebten kleinen Bandes, der in überhaupt keiner besonderen Weise gesetzt ist, sondern nur so, dass er eben auf den geringen Platz der 121 Textseiten passt, schmiegt sich dafür aber an die Erfahrung dessen an, der hier eine Leerstelle bleibt. Franz Xaver Kappus, der in dieser Ausgabe nicht zu hören ist, braucht einen Text, den er achten und an den er sich immer wieder wenden kann: ganz so, als wäre der Absender dieses Textes bei ihm. In einem der letzten vollständig erhaltenen Briefe e an Kappus gesteht Rilke am Ende: »Glauben Sie nicht, daß der, welcher Sie zu trösten versucht, mühelos unter den einfachen und stillen Worten lebt, die Ihnen manchmal wohltun. Sein Leben hat viel Mühsal und Traurigkeit und bleibt weit hinter Ihnen zurück. Wäre es aber anders, so hätte er jene Worte nie finden können.« 15

Unter den vielen – sie sagt: Tausenden – Briefen, die Cheryl Strayed erreicht haben, fällt einer auf, dessen anonyme Absenderin oder anonymer Absender nur eine Frage hat: »WTF? I’m asking this question as it applies to everything everyday.« 16Mehr Informationen enthält dieser Brief nicht. Der Einfachheit halber wird die Absenderin oder der Absender von Strayed WTF genannt. Ihre Antwort auf diese Frage enthält zwei Geschichten, die aufeinander aufbauen. Mit der ersten steigt sie in ihre Antwort ein, sie handelt davon, wie sie als kleines Kind ihrem Großvater einen runterholen musste: »My father’s father made me jack him off when I was three and four and five«, lautet der erste Satz ihrer Antwort. »That particular fuck would not be shook. Asking what the fuck only brought it around.« Strayed geht nicht weiter ins Detail. Warum ihre Mutter oder ihr Vater nicht dabei helfen konnten, ihr Schweigen zu brechen und davon zu erzählen, was ihr widerfahren war, bleibt offen. Es bleibt auch offen, WAS ZUM TEUFEL UND WARUM ihr dieser Missbrauch geschehen ist, der nicht Missbrauch genannt wird. Manche Dinge, so Strayed, seien so falsch und traurig, dass jede Frage an sie unbeantwortbar bleibt: Diese Erlebnisse steckten wie ein Speer im Schlamm. Ein Speer, der geworfen wird, vibriert vielleicht noch eine Weile nach, wenn er im Schlamm steht. Wenn der Schlamm trockener wird und der Speer tief eingedrungen ist, ist er vermutlich nur mit sehr großer Kraftanwendung aus dem Schlamm herauszuziehen. Strayed hat ihren Speer in den Nebel geworfen, der die Frage »WTF« umgibt, irgendeine fremde Person will sie nichts anderes wissen lassen, als dass sie sehr wütend ist, die Wut bezieht sich auf alles, dementsprechend auf nichts Bestimmtes.

Die zweite Geschichte, die Strayeds Antwort enthält, handelt von einem Vogeljungen mit gebrochenem Hals, das Strayed an einem Tag findet, an dem ihr nicht nur die Erinnerung an ihr fünfjähriges Selbst wie ein Sack Blei auf der Seele liegt, es ist auch sonst nichts gut. Sie versucht den Vogel zu beruhigen, aber er wird nur ängstlicher, als sie ihn in die Hände nimmt, wissend, dass er nicht mehr lange überleben kann. Der Vogel wird immer panischer und Strayed sieht ein, dass er nun entweder noch über längere Zeit qualvoll sterben wird oder dass sie nun zur Abkürzung des Leidens seinen Tod herbeiführen kann. Das tut sie, indem sie ihn in einer Papiertüte erdrückt: »Nothing that has died in my life has ever died easily, and this bird was no exception. This bird did not go down without a fight.« Sie spürt den Puls des Vogels noch eine ganze Weile gegen ihre Hände schlagen, »flaccid and ferocious beneath its translucent sheen of skin, precisely as my grandfather’s cock had been«. 17

Beide Geschichten reagieren auf das Trauma, das Strayed niemals verlassen hat. Der Körper des Vogels mag in ihren Händen und ihrem Willen nach sterben, die Erinnerung bleibt. So auch das Trauma. Diese Einsicht befreit sie schließlich von der schwersten Last, die darin besteht, über das Ausbleiben der Antwort auf die immer wieder gestellte Frage »What the fuck?« nicht hinwegzukommen. WTF solle sich angewöhnen, bessere Fragen zu stellen, schreibt Strayed. Vielleicht ist WTF schlicht ein Troll, der die ausführlichen Darlegungen haarsträubenden und gewöhnlichen Kummers verspotten möchte, die Strayed für gewöhnlich beantwortet. Ihre Reaktion darauf ist sowohl in Länge und Direktheit selbst dazu geeignet, den zu narren, der sich vielleicht nur über sie lustig machen wollte. Nach all dem, dem Missbrauch und dem Tod des Vogels in der Papiertüte, war ja gar nicht gefragt worden. Das Übermaß an Information über das Leben Strayeds, das dieser Brief enthält, ist nicht nur deshalb unangenehm zu lesen, weil es einen so wunden Punkt ihrer Kindheit enthält, sondern auch, weil es alle möglichen Formen des alltäglichen »What the fuck?«-Sagens und -Denkens zurechtschrumpft.

Rilke spricht von sich in der dritten Person, um bei Kappus zu hinterlegen, dass auch das, was er ihm schreibt, durch »viel Mühsal und Traurigkeit« gedeckt ist. Heutzutage ist leicht nachzulesen, was damit gemeint sein könnte. Rilkes Sonderbegabung lag wie bei Kappus nicht allein im Feld der Dichtung, sondern auch im Betreiben von allzu intensiven Beziehungen (die daran Beteiligten haben allerdings sein Leben als Dichter zum Teil auch finanziell abgesichert). Auch er hätte vielleicht einen Briefkontakt so weich und süß wie Zuckerwatte gebraucht. Die Erwähnung seines eigenen Gefühlshaushaltes ist jedoch einer der ganz wenigen Momente in seinen Briefen an Kappus, in denen Rilke als Person mit einem eigenen Innenleben auftritt. Dabei bleibt er immer noch auf Abstand: Er hält Kappus, dem er in großen Zeitabständen von vielen Monaten antwortet, am ausgestreckten Arm. Natürlich siezt er ihn weiterhin, aber das allein ist nicht auffällig, allgemeines Durchduzen beginnt historisch betrachtet erst später.

Vor allem aber drückt Rilke Kappus mit der ganzen Kraft seiner poetischen Reflexion an die Wand: »Die Stille muß immens sein, in der solche Geräusche und Bewegungen Raum haben, und wenn man denkt, daß zu allem noch des entfernten Meeres Gegenwart hinzukommt und mittönt, vielleicht als der innerste Ton in dieser vorhistorischen Harmonie, so kann man Ihnen nur wünschen, daß Sie vertrauensvoll und geduldig die großartige Einsamkeit an sich arbeiten lassen, die nicht mehr aus Ihrem Leben wird zu streichen sein; die in allem, was Ihnen zu erleben und zu tun bevorsteht, als ein anonymer Einfluß fortgesetzt und leise entscheidend wirken wird […].« 18

Es ist eigentlich eine Drohung: Ab jetzt ist jeder Tag das Erbe von tiefster innerer Einsamkeit, aus einem Brunnen ohne Boden sollst Du schöpfen. Beispiel dafür ist Rilke selbst, seine Dichtung wird unmissverständlich als Belegstelle zur Umsetzung dieses Programms an Kappus mitgeschickt, der seinerseits Sonette verfasst hat, Reimschema: Klage/Tage, Weh/Schnee, Frage/wage usw., die Rilke dezent beschweigt oder umschifft. Rilke hat keinen Rat zu Versen, er hat nur einen Rat zur inneren Einstellung zum Verfassen von Versen. »Sie sehen nach außen und das vor allem dürften Sie jetzt nicht tun. Niemand kann Ihnen raten und helfen, niemand. Es gibt nur ein einziges Mittel. Gehen Sie in sich. Erforschen Sie den Grund, der Sie schreiben heißt; prüfen Sie, ob er in der tiefsten Stelle Ihres Herzens seine Wurzeln ausstreckt, gestehen Sie sich ein, ob Sie sterben müßten, wenn es Ihnen versagt wäre zu schreiben.« 19Das einsame Herz als Forschungsfeld für Selbsterkenntnis hat sich Rilke weder selbst ausgedacht, noch hat er es behauptet. Es war ja auch um 1900 schon lange und gut bekannt, ganz ohne weiteres Quellenstudium. Es ist auch der Zeitpunkt, als das Herz gewissermaßen ins Hirn wandert und als Teil der Psyche Gegenstand einer eigenen Wissenschaft von den Leidenschaften, Trieben usw. wird. Doch egal von welcher Seite man auch schaut: Nie hat jemand behauptet, dass es nicht ein gehöriges Stück Arbeit sei, dahin zu gelangen, wo die Sonne nicht scheint, die Selbsterkenntnis aber blüht: »Vom selbst-Erkäntnüs. Seltsam und doch nötig. Schwer und doch nützlich. […] Der Grund ist tief / niemand will sich hinein wagen: mancher schäwt sich und schämt sich hinein zu gehen / daß ihm der Greuel der Verwüstung nicht vor Augen komme: mancher hat mit andern so viel zu thun / daß er sein selbst vergißt. Ich will auf meine eigene Brust schlagen / und nicht auf andere den Finger strecken.« 20

Читать дальше
Тёмная тема
Сбросить

Интервал:

Закладка:

Сделать

Похожие книги на «Trost»

Представляем Вашему вниманию похожие книги на «Trost» списком для выбора. Мы отобрали схожую по названию и смыслу литературу в надежде предоставить читателям больше вариантов отыскать новые, интересные, ещё непрочитанные произведения.


Отзывы о книге «Trost»

Обсуждение, отзывы о книге «Trost» и просто собственные мнения читателей. Оставьте ваши комментарии, напишите, что Вы думаете о произведении, его смысле или главных героях. Укажите что конкретно понравилось, а что нет, и почему Вы так считаете.

x