[1]
Umgekehrt fließen natürlich auch Wertungen des Strafrechts unmittelbar in das Zivil- oder Verwaltungsrecht ein, wenn man etwa an § 134 BGB oder § 823 Abs. 2 BGB bzw. § 44 Abs. 2 Nr. 5 VwVfG denkt (vgl. Tiedemann , Wirtschaftsstrafrecht Rn. 204).
[2]
Dazu Weber , Trusen-FS, S. 591 ff.; vgl. auch BGH wistra 1987, 292; BGH NStZ 2014, 107.
[3]
Rönnau , ZStW 119 (2007), 887, 913 unterscheidet insoweit sehr treffend zwischen „Zivilrechtsakzessorietät“ und „Zivilrechtlerakzessorietät“; vgl. auch Beulke , Eisenberg-FS, S. 251; Samson , in: Bungert et al. (Hrsg.), Gesellschaftsrecht in der Diskussion, 2004, S. 109, 112; Wohlers , ZStW 123 (2011), 791, 802 ff.; Lindemann , Voraussetzungen und Grenzen legitimen Wirtschaftsstrafrechts, S. 207.
[4]
Tiedemann , Geerds-FS, S. 95, 96.
[5]
Maurach/Zipf , AT/1, § 37 Rn. 48.
[6]
Jakobs , AT, 8. Abschn. Rn. 52.
[7]
Vgl. etwa die inzwischen korrigierten Fehlverweisungen in § 406 Abs. 1 SGB III i.d.F. vom 23.12.2002 (BGBl. I, 4607) sowie §§ 10, 11 Abs. 1 Nr. 1 SchwarzArbG i.d.F. vom 23.7.2004 (BGBl. I, 1842).
[8]
Schuster , Das Verhältnis von Strafnormen und Bezugsnormen aus anderen Rechtsgebieten, S. 116 f.
[9]
Vgl. etwa Erbs/Kohlhaas -Rutkowski/Göhler/Buddendiek/Lenzen , Stichwort: Blankettvorschriften; Fischer , § 1 Rn. 9; Roxin , AT Bd. 1, § 12 Rn. 110.
[10]
Krit. deshalb Warda , Die Abgrenzung von Tatbestands- und Verbotsirrtum bei Blankettstraftaten, S. 19.
[11]
Siehe dazu etwa Sch/Sch- Sternberg-Lieben/Schuster , § 15 Rn. 212 ff., 216 ff.
[12]
Wenn man u.a. von der Versicherbarkeit des Schadensrisikos ausgehen kann, wird man die zivilrechtlichen Sorgfaltsmaßstäbe tendenziell etwas höher ansetzen können, als dies im Kriminalstrafrecht gerechtfertigt erscheint. Kuhlen , Fragen einer strafrechtlichen Produkthaftung, S. 91 f., 150; Kuhlen, in: Achenbach/Ransiek/Rönnau (Hrsg.), Handbuch WirtschaftsstrafR, 2. Teil, 1. Kap. Rn. 31.
[13]
Warda , Die Abgrenzung von Tatbestands- und Verbotsirrtum bei Blankettstrafgesetzen, S. 5 f.; Enderle , Blankettstrafgesetze, S. 129. Der Begriff des Blankettstrafgesetzes stammt wohl von Binding , Die Normen und ihre Übertretung, 1. Aufl., 1872, Band I, § 12, S. 74 ff., wobei er diesen auf Fälle der Vervollständigung durch eine „Landes- oder Ortspolizeibehörde“, „eine sonstige Behörde“ oder durch die „Partikulargesetzgebung“ beschränkte.
[14]
BVerfGE 14, 245, 252.
[15]
So im Kontext der Irrtumslehre erstmals beschrieben von Warda , Die Abgrenzung von Tatbestands- und Verbotsirrtum bei Blankettstrafgesetzen, S. 36 ff.
[16]
Vgl. etwa Art. 605 Code des délits et des peines du 3 brumaire, an IV (1795); ausführlich dazu Neumann , Das Blankostrafgesetz, S. 7 ff.
[17]
Binding , Die Normen und ihre Übertretung, 1. Aufl., 1872, Band I, § 12, S. 74 ff., wobei er diesen noch auf Fälle der Vervollständigung durch eine „Landes- oder Ortspolizeibehörde“, „eine sonstige Behörde“ oder durch die „Partikulargesetzgebung“ beschränkte.
[18]
BVerfGE 75, 329, 342.
[19]
Laut Kuhlen , Die Unterscheidung von vorsatzausschließendem und nichtvorsatzausschließendem Irrtum, S. 421 ff. lag eine solche in § 27 Nr. 1 Reichspostgesetz von 1871, RGBl. I, 347. Bei Europarechts-Blanketten ist diese Verweisungsform dagegen fast die Regel.
[20]
Kühl , Lackner-FS, S. 815, 820.
[21]
BVerfGE 48, 48, 57 zu § 240 Abs. 1 Nr. 4 KO a.F.
[22]
Vgl. BVerfGE 75, 329, 342.
[23]
Sch/Sch- Heine/Hecker , Vor § 324 Rn. 4.
[24]
Maunz/Dürig -Schmidt-Aßmann , Art. 103 Abs. 2 Rn. 208.
[25]
Vgl. BVerfGE 75, 329, 342.
[26]
Die Vorschrift (BGBl. 2001 I, 532) lautete wie folgt: „Wer einem durch landesrechtliche Vorschriften erlassenen Verbot, einen gefährlichen Hund zu züchten oder Handel mit ihm zu treiben, zuwiderhandelt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“
[27]
BGBl 2006 I, 2034.
[28]
BVerfGE 110, 141, 174 ff., insb. 176; so vorher auch Tröndle/Fischer 51, § 143 Rn. 9.
[29]
Chr. Maiwald , ZRP 2006, 18.
[30]
MK- Alt , § 329 Rn. 27. Vgl. für weitere Beispiele auch Enderle , Blankettstrafgesetze, S. 65 ff.
[31]
Schuster , Das Verhältnis von Strafnormen und Bezugsnormen aus anderen Rechtsgebieten, S. 259 f.; Warda , Die Abgrenzung von Tatbestands- und Verbotsirrtum bei Blankettstrafgesetzen, S. 43; zur Rechtslage in der Schweiz Eicker, ZStrR 132 (2014), 168.
[32]
BGBl. 2002 I, 4607. Die Vorschrift entspricht § 10 SchwarzArbG n.F. Der neu eingeführte Verweis zielte auf den damals nicht existenten § 4 Abs. 3 des Aufenthaltsgesetzes. Der Fehler stand im Zusammenhang mit dem nicht wirksamen Zustandekommen des Zuwanderungsgesetzes im Jahre 2002, vgl. BVerfGE 106, 310 (uneinheitliche Stimmenabgabe des Landes Brandenburg im Bundesrat).
[33]
BGBl. 2004 I, 1842. Bis zum 17.3.2005 verwiesen die Vorschriften auf § 284 Abs. 1 S. 1 SGB III, der jedoch nach dem 1.1.2005 nur noch eine Übergangsregelung für Staatsangehörige neuer EU-Mitgliedstaaten (zuletzt Kroatien) traf bzw. trifft. Für Drittstaatenausländer gilt dagegen seitdem § 4 Abs. 3 AufenthaltsG. Dies hatte bis zur Anpassung der Vorschriften zur Folge, dass nur die illegale Beschäftigung von Ausländern der EU-Beitrittsstaaten tatbestandlich erfasst war.
[34]
Vgl. Mosbacher , wistra 2005, 54, 55.
[35]
OLG Stuttgart NStZ 1990, 88; LG Bad Kreuznach ZLR 2001, 898; vgl. auch BayObLG ZLR 1993, 404; OLG Koblenz NStZ 1989, 188, 189.
[36]
OLG Stuttgart NStZ-RR 1999, 379.
[37]
Mit Wirkung vom 11.4.2007 ersetzte die Verordnung (EG) Nr. 561/2006 die Verordnung (EWG) Nr. 3820/85. Siehe dazu BVerfG NJW 2008, 3769; AG Itzehoe NZV 2007, 373; auch schon BVerfGE 81, 132; OLG Köln NJW 1988, 657; OLG Köln NJW 1988, 657; BayObLG VRS 74, 227; OLG Düsseldorf VRS 74, 45; OLG Düsseldorf VRS 74, 202, 203; Hans. OLG, DAR 1988, 29.
[38]
Ausführlich Tiedemann , Schaffstein-FS, S. 195, 197 ff.
[39]
Vgl. BGHSt 24, 54 zu § 38 Abs. 1 Nr. 1 GWB a.F., der „abgestimmte Verhaltensweisen“ nicht erfasste (siehe nun aber § 1 GWB); besprochen bei Tiedemann , Wirtschaftsstrafrecht Rn. 268.
[40]
Etwa BGH(Z) NZG 2006, 945, 947 zu § 30 Abs. 2 WpÜG.
[41]
BGHSt 41, 348, 354; dazu auch Tiedemann , Wirtschaftsstrafrecht Rn. 270 ff.
[42]
Vgl. MK-AktG- Wackerbarth , § 30 WpÜG Rn. 10.
[43]
Vgl. auch Schneider , Gesetzgebung, § 4 Rn. 75.
[44]
Vgl. Busch , Das Verhältnis des Art. 80 Abs. 1 S. 2 GG zum Gesetzes- und Parlamentsvorbehalt, S. 126.
[45]
So formuliert es C. Schmitt , ZaöRV 6 (1936), 252, 261, Fn. 21. Praktisches Beispiel aus Weimarer Zeit sind die zwei großen Ermächtigungsgesetze für die Regierungen Stresemann und Marx im vom Ruhrkampf und Hyperinflation geprägten Krisenjahr 1923 (RGBl. I, 943; RGBl. I, 1179); hier politisch noch mit eindeutig positiven Resultaten (u.a. Währungsreform und Einführung der Rentenmark, Anpassung der Reparationsleistungen an die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Deutschen Reiches).
[46]
RGBl. I, 141.
[47]
Ausführlich dazu Schuster , Das Verhältnis von Strafnormen und Bezugsnormen aus anderen Rechtsgebieten, S. 263 ff.
Читать дальше