Thomas Vierich - Aroma Gemüse

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Welche Inhaltsstoffe sorgen in unterschiedlichen Gemüsen für unvergleichlichen Geschmack? Wie entsteht ein einzigartiges Zusammenspiel von Gemüse und bestimmten Gewürzen in der Küche? Der Ratgeber Aroma Gemüse: Der Weg zum perfekten Geschmack der Stiftung Warentest beantwortet diese Fragen wissenschaftlich fundiert. Er ist zugleich umfangreiches Küchenlexikon und ideenreiches Kochbuch für Gemüse: Die Autoren Thomas A. Vierich und Thomas A. Vilgis bereiten vegetarische Rezepte aus aller Welt wissenschaftlich auf und machen sie für die kreative Gemüseküche nutzbar. Anhand des einmaligen Farbleitsystems werden Kombinationen von Gemüsesorten und Gewürzen leicht verständlich erklärt und in einem Aromakatalog aufgeschlüsselt dargestellt. In der neuen Auflage werden die 70 Gemüseportraits von den Autoren nochmals um zahlreiche kreative und überraschende Küchenideen ergänzt. Für jedes Gemüse werden außerdem innovative Konservierungs- und Garmethoden vorgestellt und die aktuellen Erkenntnisse aus der weltweiten Aromaforschung dargelegt. Für noch mehr Kombinationsvielfalt und Experimentierfreude in der Gemüseküche!

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SCHÄUMT ES, ODER SCHÄUMT ES NICHT? GEMÜSESCHÄUME BEI FARBIGEM GEMÜSE

Gemüsebrühen schäumen und auch Konfitüre aus farbigen Früchten schäumt beim Aufkochen. Schäumendes deutet stets auf eine große Menge an grenzflächenaktiven Substanzen hin; zahlreiche pflanzliche Lebensmittel haben viele dieser Stoffe im Gepäck. Ein anschauliches Beispiel ist Ferran Adriàs legendärer Karottenschaum: 2 kg Karotten schälen, an den Enden abschneiden, entsaften und zentrifugieren, den Saft auf 80 °C erwärmen. Nach dem Abkühlen lässt sich mit dem Pürierstab an der Oberfläche des Möhrensaftes ein stabiler, karottiger Schaum erzeugen.

Farbstarke Gemüse wie Möhren, Brokkoli oder Tomaten bringen sehr viel Lecithin über die Zellmembranen sowie Eiweißketten mit grenzflächenaktiver, blockiger Struktur über die Lichtsammelkomplexe mit, sodass sich entsprechend präparierte Flüssigkeiten mühelos aufschäumen lassen. Die Schaumstabilisatoren müssen allerdings durch Hitze „aktiviert“ werden, denn dadurch brechen die Cellulosehüllen auf, die Phospholipide der Membran werden hoch beweglich und verschwinden nach und nach aus der Membran. Danach werden die Proteine entfaltet, ihre Gestalt verändert sich und sie geben die Farbstoffmoleküle frei. Sind die Proteine vollständig bei ca. 72 °C denaturiert, sind sie grenzflächenaktiv.

FALSCHE FARBEN: KÄLTESCHÄDEN UND LAGERUNG

Wird Gemüse (und Obst) falsch, nämlich zu kalt gelagert, zeigt es oft außen und innen braune Flecken, denn nicht alle Gemüse müssen nahe 0 °C im Gemüsefach gelagert werden. Tomaten verlieren ihr Aroma, Auberginen werden fleckig. Tatsächlich zeigen sich derartige „Kälteschäden“ als enzymatische Bräunung. Die Enzyme sind in der intakten Pflanzenzelle fest in der Zellmembran verankert. Diese Zellmembran ist bei den für die Pflanze üblichen Temperaturen flüssig, d. h. die „Lecithine“, also Phospholipide, sind beweglich und können sich in der zweidimensionalen Doppelschicht quasi frei bewegen. Wird die Membran fest, d. h. die Lecithine kristallisieren, wird sie brüchig, die Enzyme können sich befreien und Stellen erreichen, die sie nicht erreichen sollten. Dabei lösen sie die Bräunung aus.

LAGERTEMPERATUREN UND HALTBARKEITEN

Gemüse Temperatur Haltbarkeit
Artischocken 0–5 mehrere Tage
Aubergine 15–20 7 Tage
Avocado 15–20 zum Reifen, 4–8 lagern 8 Tage
Bambussprosse 0–5 einige Tage
Blumenkohl mit Laub 0–5 14 Tage
Bohnen (Hülsen) 0–5 1–2 Tage
Bohnen (Kerne) 15–22 jahrelang
Brokkoli (nie zusammen mit Obst!) 0–5 wenige Tage
Brotfrucht 0–5 wenige Tage
Cardy 8–15 mehrere Tage
Chayote 0–5 1–2 Wochen
Chinakohl 8–15 7 Tage
Erbsen 0–5 wenige Tage
Erdmandel (getrocknet) 8–15 2 Jahre
Feldsalat 0–5 wenige Tage
Fenchel 0–5 wenige Tage
Gemüsepaprika 8–15 7 Tage
Grünkohl 0–5 7 Tage
Gurken 8–15 5–7 Tage
Haferwurzel 8–15 3–4 Monate
Kaktusfeige 8–15 wenige Tage
Kartoffel 8–15 1–2 Monate
Kerbelrübe 0–5 7 Tage
Kichererbse (getrocknet) 15–22 jahrelang
Kochbanane 15–22 5 Tage
Kohlrabi 0–5 7 Tage
Kürbis 12–16 3 bis 6 Monate
Lauch 0–5 7 Tage
Linsen (getrocknet) 15–22 jahrelang
Lotoswurzel 0–5 2–3 Wochen
Löwenzahn 0–5 wenige Tage
Mangold 0–5 3–7 Tage
Melone 8–20 1–2 Wochen
Mizuna 0–5 3–5 Tage
Möhren 0–5 8 Tage
Okra 0–5 wenige Tage
Pak Choi 0–5 7 Tage
Papaya 8–20 1–2 Wochen
Pastinaken 0–5 7–14 Tage
Pepino 0–5 3 Wochen
Pilze 8–15 3–5 Tage
Portulak 0–5 3–5 Tage
Rauke, Rucola 0–5 2–5 Tage
Rettich, Radieschen 0–5 7–14 Tage
Rhabarber 0–5 1–2 Wochen
Rosenkohl 0–5 7 Tage
Rote Bete 0–5 1–2 Monate
Rotkohl 0–5 7 Tage
Salat (Blattsalate) 0–5 mehrere Tage
Schwarzwurzel 0–5 wenige Tage
Sellerie 0–5 3–4 Wochen
Senfkohl 0–5 2–3 Tage
Sojabohne (getrocknet) 15–22 jahrelang
Spargel 0–5 4–5 Tage
Spinat 0–5 7 Tage
Speiserübe 0–5 bis zu 7 Tage
Süßkartofel 12–14 einige Wochen
Taro 11–13 10 Tage
Tomate (rot) 8–15 8 Tage
Tomatillo 5–10 7 Tage
Topinambur 0–5 1–2 Wochen
Weißkohl 0–5 7 Tage
Wirsing 0–5 7 Tage
Wurzelpetersilie 0–5 2–3 Wochen
Zichorien 2–5 1–2 Wochen
Zucchini 8–15 7 Tage
Zuckermais 0–5 bis zu 7 Tage
Zwiebeln 8–15 mehrere Wochen

FERMENTIEREN

Was auf der einen Seite des kulinarischen Dreiecks das Garen durch Kochen und Schmoren ist, ist auf der anderen Seite der Prozess der Fermentation. Auch hier entfernt sich das Gemüse schrittweise von seinem Rohzustand und verändert sich in Textur, Aroma und Geschmack.

Fermentation und sauer Einlegen dienen traditionell der Haltbarmachung. Die Unterschiede zwischen beiden Methoden sind gravierend. Bei der Fermentation werden frische (ggf. blanchierte) Lebensmittel Mikroorganismen (meist Lactobakterien) ausgesetzt, die vorhandene Zucker in Milchsäure umwandeln. Dazu schneidet oder hobelt man roh essbare Gemüse in dünne Scheiben, salzt sie und verschweißt sie luftdicht in sous-vide-Garbeuteln. Danach legt man sie im Winter auf die Heizung, im Sommer in den Backofen bei eingeschalteter Beleuchtung, sodass die Temperatur um 30 °C liegt. Nach und nach bläht sich der Beutel auf, es bildet sich das Gärgas Kohlendioxid. Nach sechs bis acht Tagen ist das Gemüse fermentiert und schmeckt wunderbar milchsauer. Während dieses Prozesses wird der pH-Wert so weit gesenkt, dass eine Haltbarkeit erreicht ist. Bei pH-Werten von 4,5 bis 6 können die meisten Keime wie Hefe, Schimmel und Bakterien, die für den Verderb von Lebensmitteln verantwortlich sind, wachsen. Bei pH-Werten unter 4,0 nehmen die Wachstumsraten deutlich ab, mit Ausnahme der Milchsäurebakterien, die sich bis zu Werten um 3,0 noch vermehren kann. Ihre Aktivität senkt den pH-Wert weiter, solange Zucker (die enzymatisch in Glucose umgewandelt werden können) vorhanden sind. Schließlich wird die saure Umgebung selbst den Milchsäurebakterien zu unwirtlich, und sie stellen ihre Enzymproduktion ein. Die kritische Phase liegt in der ersten Zeit der Fermentation, wenn der pH-Wert noch über 3,5 liegt und pathogene Keime wachsen können. Das wird durch das beim Fermentieren zugegebene Salz verhindert, denn salztolerante Keime kommen in Lebensmittel (bei hinreichender Hygiene) selten vor. Ein ausreichend hoher Salzgehalt (2 bis 4 Prozent des Gemüsegewichts) ist beim Fermentieren bei Temperaturen um 30 °C ein wichtiger Faktor der Lebensmittelsicherheit.

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