Ursula Walser-Biffiger - Bergmütter, Quellfrauen, Spinnerinnen

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Wild, wirkmächtig und geheimnisvoll sind die Frauenfiguren, die unsere Sagenwelt bevölkern. Ursula Walser-Biffiger holt 51 Volkserzählungen in die Gegenwart. Sie kreisen um lokale Ahnfrauen, um Ereignisse, die tief in der Walliser Landschaft verwurzelt, über Generationen weitergetragen und zu einem wichtigen Kulturgut geworden sind.
Viele der Sagen stammen aus bekannten Sammlungen, einige waren nur bruchstückhaft überliefert, manche sind komplett neu entstanden – in der Begegnung mit der archaischen Natur der Alpen. Die sorgfältig recherchierten kulturhistorischen Hintergründe legen Zusammenhänge frei, wie sie vielerorts in der Erzähltradition zu finden sind. Sie weisen damit weit über das Wallis hinaus – und machen inspirierendes altes Wissen sowie vergessene Frauengeschichte wieder zugänglich.

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Die Katze der Hohbachspinnerin aber war ein teuflisches Tier. Kaum trat eine Kuh in ihre Nähe, sprang sie diese an und biss sie in den Hals. Und meist war das betreffende Tier nach zwei Tagen tot. Es gab Sommer, da mussten einige Kühe auf diese Weise dran glauben. Kein Wunder also, dass niemand mehr mit den Tieren auf die Hohbachalp hochsteigen wollte.

Die feindliche Katze war auch im Tal unten gefürchtet, und die Leute wussten sich nicht mehr zu helfen. In ihrer Not baten sie einen frommen Kapuzinerpater um Hilfe. Dieser riet ihnen, vier Holzkreuze zu zimmern, sie vom Pfarrer segnen zu lassen und schliesslich auf der Alp einzugraben, an jeder Ecke eines. Zudem sollten in der Stalenkapelle vier Messen gelesen werden.

Natürlich vollzogen die Gommer, was ihnen vom Kapuziner aufgetragen worden war. Und siehe da – die bösartige Katze verschwand. Doch mit ihr auch die Hohbachspinnerin. Niemand hat sie seither je wieder gesehen.

Nach Guntern 1979, Nr. 1598

1885 wurde diese Sage im Jahrbuch des Schweizer Alpen-Clubs (SAC) erwähnt. Sie schien eine der bekanntesten Erzählungen der Gegend zu sein, und die Walliserinnen sahen in der Hohbachspinnerin eine Arme Seele, die für ihre Sünden büssen musste. Der Autor des SAC-Beitrags entdeckte jedoch in der emsig spinnenden Frau mit ihrer Katze einen Anklang an den uralten Berchta-Hulda-Mythos. 22

Tatsächlich spricht vieles dafür, dass die Hohbachspinnerin verwandt ist mit der Berchta-Hulda (auch Bertha/Percht/ Holda/Hollermutter) oder eben mit Frau Holle, die wir aus dem gleichnamigen Märchen kennen. Um diese Gestalt mit den vielen Namen ranken sich zahlreiche weitere Mythen und viel Brauchtum in den Bergen Mitteleuropas. Dabei zeigt Holle neben ihren langen Zähnen mal ihren lieblichen, mal ihren garstigen Charakter.

Nach Ansicht der Sagenforschung geht die Gestalt der Holla bis in die Steinzeit zurück und bezeichnet niemand anderen als die Grosse Ahnfrau. Spätere, historisch überlieferte Indizien sprechen für die Annahme, dass Frau Holle die regionale Verkörperung einer uralten weiblichen Erd- und Himmelsgöttin ist, wie man sie überall auf der Welt unter den verschiedensten Namen verehrt hat. Holle/Hold/Hel, ihr Name im deutschen Sprachraum, beinhaltet das Verhüllte, Verhohlene, aber auch das Helle. Ihr weiterer Name Bercht/Berta/Percht bedeutet glänzend, leuchtend – wie die Gletscher und Schneefelder. Sie ist wild wie die Berge selbst und regiert über die Elemente, das Wetter und die Jahreszeiten.

In Bayern, Schwaben und Franken sowie im Tirol und Elsass wurde sie als Hausgöttin verehrt, die den Pflanzen, Tieren und Menschen Schutz und Heilung gibt. Die Holle hat den Menschen ausserdem zahlreiche Kulturtechniken wie das Spinnen und Weben gebracht – so glaubten es unsere Vorfahrinnen bis tief ins Mittelalter hinein.

Frau Holle lebt nach altem Volksglauben sowohl auf ihrem Berg als auch im unterirdischen Lichtreich. Die Menschen verehrten in ihr die Güte von Mutter Erde und das strahlende Himmelslicht zugleich. Sonnenschein fliesst von ihrem Haar, wenn sie es kämmt, die Welt ist von Nebel umhüllt, wenn sie Feuer macht und kocht, Wolken sind ihre Schafe, Regen fällt, wenn sie ihr Waschwasser auskippt, Schnee, wenn sie ihre Federbetten ausschüttelt. Frau Holles Himmelswagen wird von Katzen und Kühen gezogen. Mit diesem rast sie im Sturm durch die Lüfte und zerstört, was keine Kraft mehr hat.

Wie alle Muttergöttinnen ist die Holle zuständig für Leben und Tod. So kann sie verschiedene Gestalten annehmen. Mal ist sie jung und schön, ein andermal alt und hässlich. Sie beschenkt die Menschen, stellt sie auch auf die Probe, warnt oder droht. Sie ist nicht unversöhnlich und zeigt denjenigen ihre Huld, die ihren natürlichen Gesetzen folgen.

Die Kirche versuchte, die Holle/Percht zu verbieten. Noch in den Hexenprozessen des 17. Jahrhunderts wurden die Angeschuldigten danach gefragt, ob sie Kontakt zu ihr hätten. Da die Ausrottung der alten Göttin nicht vollständig gelang, wurde sie zur heiligen Bertha umgetauft oder dämonisiert: Sie galt als Schreckgespenst, das die Unfolgsamen verfolgt; die Katze, ihr Begleittier, verwandelte sich in ein teuflisches Monster.

Bald wurde die Geschichte der Frau Holle, eines der ältesten Märchen überhaupt, nicht mehr im eigentlichen Sinn verstanden. Sie entwickelte sich zur erzieherischen Droherzählung und sollte wilde Mädchen zu braven und tüchtigen Hausfrauen machen. Erst in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts entdeckten Frauen die Holle wieder als Grosse Ahnfrau.

Die singende Tanne

Goms

In der Zeit, als es in der Schweiz noch besonders kunstreiche Holzschnitzer gab, lebte auch im Walliser Dorf Reckingen ein solcher, der sehr filigrane Sachen fertigen konnte.

Eines Tages, als er wieder in seiner Werkstätte sass und die Glocke von Reckingen das Ave durchs Tal läutete, hob er lauschend den Kopf, denn er glaubte, hoch oben, im Hohbachwald, ein wundersames Singen zu hören. Als das Läuten vorbei war, vernahm er jedoch nichts mehr. Er erzählte den Leuten im Dorf vom seltsamen Erlebnis. Als am nächsten Tag die Glocken wieder erklangen, lauschte er mit noch vielen anderen zum Bergwalde empor. Alle hörten nun das wundervolle Singen. Von da an vernahmen die Reckinger die geheimnisvollen Melodien jeden Tag beim Ave-Läuten.

Der Holzschnitzer aber wollte wissen, woher das Singen komme, und so stieg er immer wieder zum Hohbachwald hinauf, so lange, bis er endlich eine Riesentanne gefunden hatte, aus der die wunderbaren Klänge kamen. Er teilte es den Talgenossen mit, die ebenfalls die singende Tanne aufsuchten und bestaunten.

Doch der Holzschnitzer war damit nicht zufrieden. Die singende Tanne liess ihm keine Ruhe. Und eines Tages wurde sie auf sein Verlangen hin gefällt und zu Tal befördert.

Da wählte er das schönste astlose Stück des gewaltigen Baumes aus und wollte aus diesem Holz das Bild der Jungfrau Maria schnitzen. Nun arbeitete er Tag und Nacht an diesem Werk. Seine Aufmerksamkeit galt nur noch der immer deutlicher und schöner aus dem Holzstück herauswachsenden Gestalt. Und nach Jahr und Tag war ihm das Werk meisterlich gelungen. Wer immer das Bild in seiner Werkstatt sah, der sagte, dass seiner Jungfrau an himmlischer Anmut und seelischer Hoheit weit und breit kein Marienbildnis gleichkomme.

Jetzt war der Holzschnitzer zufrieden. Er schenkte das Bildnis der Kirche zu Reckingen. In feierlicher Prozession trug man die herrliche Holzstatue in die Kirche. Wie sie aber auf den Altar gestellt wurde, siehe, da öffnete mit einem Male das anmutsvolle Marienbild den Mund, und noch einmal hörten die Leute die wundersamen, lang vermissten Gesänge, die früher aus der Riesentanne vom Bergwald herabgekommen waren. Sie fielen auf die Knie nieder und priesen die Güte und Milde der Jungfrau Maria unter Freudentränen.

Nach Lienert 1915

In alten Zeiten liess sich die Ahnfrau einer Gegend bisweilen in einem mächtigen Baum nieder oder sie zeigte sich den Menschen in ihrer Baumgestalt.

Das Wissen um die Macht der Bäume ist fest in unserem Kulturgut verankert. In der germanischen Mythologie verkörpert die Esche Yggdrasil gar den gesamten Kosmos. Die alten Völker verehrten die Bäume, weil sie Nahrung, Wärme, Schutz und Material für Werkzeuge lieferten. Besondere, meist einzeln stehende Bäume waren so heilig, dass sie weder gefällt noch ihrer Zweige beraubt werden durften. Sie waren Wohnstätte von göttlichen Wesen oder von den Ahnen, die von hier aus Segen und Fruchtbarkeit übers Land brachten und den Menschen mit Rat zur Seite standen.

Bäume spendeten nicht nur Schatten, sondern auch Leben: Junge Frauen umarmten die Bäume und verhalfen so einer Ahnenseele, die sich im Baum niedergelassen hatte, wieder ins irdische Dasein. Ein Beispiel ist der auf Seite 39erwähnte Kindlibaum (Kinderherkunftsbaum) bei Kippel im Lötschental. Rabiate Missionare des frühen Mittelalters liessen viele solcher heiligen Bäume fällen. Doch im Verborgenen wurde der uralte Baumkult noch lange weiter gepflegt, auch wenn in der Vorstellung der bekehrten Heiden die Grosse Ahnfrau oder die Ahnen, die im Baum wohnten, zu Armen Seelen wurden, die hier gefangen waren und für ihre Sünden büssen mussten.

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