Ursula Walser-Biffiger - Bergmütter, Quellfrauen, Spinnerinnen

Здесь есть возможность читать онлайн «Ursula Walser-Biffiger - Bergmütter, Quellfrauen, Spinnerinnen» — ознакомительный отрывок электронной книги совершенно бесплатно, а после прочтения отрывка купить полную версию. В некоторых случаях можно слушать аудио, скачать через торрент в формате fb2 и присутствует краткое содержание. Жанр: unrecognised, на немецком языке. Описание произведения, (предисловие) а так же отзывы посетителей доступны на портале библиотеки ЛибКат.

Bergmütter, Quellfrauen, Spinnerinnen: краткое содержание, описание и аннотация

Предлагаем к чтению аннотацию, описание, краткое содержание или предисловие (зависит от того, что написал сам автор книги «Bergmütter, Quellfrauen, Spinnerinnen»). Если вы не нашли необходимую информацию о книге — напишите в комментариях, мы постараемся отыскать её.

Wild, wirkmächtig und geheimnisvoll sind die Frauenfiguren, die unsere Sagenwelt bevölkern. Ursula Walser-Biffiger holt 51 Volkserzählungen in die Gegenwart. Sie kreisen um lokale Ahnfrauen, um Ereignisse, die tief in der Walliser Landschaft verwurzelt, über Generationen weitergetragen und zu einem wichtigen Kulturgut geworden sind.
Viele der Sagen stammen aus bekannten Sammlungen, einige waren nur bruchstückhaft überliefert, manche sind komplett neu entstanden – in der Begegnung mit der archaischen Natur der Alpen. Die sorgfältig recherchierten kulturhistorischen Hintergründe legen Zusammenhänge frei, wie sie vielerorts in der Erzähltradition zu finden sind. Sie weisen damit weit über das Wallis hinaus – und machen inspirierendes altes Wissen sowie vergessene Frauengeschichte wieder zugänglich.

Bergmütter, Quellfrauen, Spinnerinnen — читать онлайн ознакомительный отрывок

Ниже представлен текст книги, разбитый по страницам. Система сохранения места последней прочитанной страницы, позволяет с удобством читать онлайн бесплатно книгу «Bergmütter, Quellfrauen, Spinnerinnen», без необходимости каждый раз заново искать на чём Вы остановились. Поставьте закладку, и сможете в любой момент перейти на страницу, на которой закончили чтение.

Тёмная тема
Сбросить

Интервал:

Закладка:

Сделать

Wer beim Gerynstein rastet und nachsinnt, kann heute noch erleben, dass dies ein Ort ist, an dem es leichter fällt als anderswo, die Verbindung mit der unsichtbaren Welt und den Segen zu spüren, der sich von hier aus über das ganze Tal ausbreitet.

Nach Guntern 1979, Nr. 412 und 1942

Mutter Erde, Schöpferin und Erhalterin des Lebens, wurde von den Menschen seit jeher lokal erlebt – dort, wo sie wohnten. Im Lötschental ist die Landschaftsahnin Holzmiättärra auch unter einem anderen Namen bekannt: Aanu. Es gibt zuhinterst im Tal einen Aanugletscher, einen Aanusee und einen Aanubach. Diese Bezeichnungen sind uralt, stammen aus einer vorindoeuropäischen Sprache und sind zurückzuführen auf die bereits erwähnte Ana/Anu/Dana – eine Erd- und Wassergöttin, die überall im Alten Europa und im Vorderen Orient verehrt worden ist (siehe S. 32und 59).

Diese Grosse Ahnfrau zeigte sich allerorts in rautenförmigen Bergen, Felsbrocken oder Menhiren in ihrer Steingestalt. Die Raute war offenbar von alters her ein Bild für den weiblichen Körper, und schon in der Altsteinzeit stellten die Menschen die ersten Figurinen der Urmutter in dieser Form dar. Im Bündnerland werden bestimmte rautenförmige Felsformationen noch immer Muma Veglia (alte Mutter) genannt, und es sind Bräuche zu ihrer Verehrung noch bis weit in die christliche Zeit hinein bekannt. Knaben, die erstmals auf der Alp waren, mussten sie zum Beispiel küssen. 12

Auch der Gerynstein, von dem die Sage berichtet, hat die Form einer Raute. Interessanterweise wird er heute von den Einheimischen noch Chees-Chessin genannt, also Käse- oder Alpkessel. Dabei ist anzumerken, dass der Kessel Alltagsgegenstand, zugleich aber auch ein Gefäss mit grosser symbolischer Bedeutung ist. Diese zeigt sich in seiner empfangenden, runden Form, die von jeher mit dem mütterlichen Schoss, der das neue Leben trägt und gebiert, in Beziehung gebracht und kultisch verehrt wurde. 13

Zurück in den Schoss der Erdenmutter kehren auch die Seelen der Verstorbenen. Und nach einer Zeit der Regeneration können diese an bestimmten Orten in der Natur wieder ins irdische Leben drängen und dort von den Frauen empfangen werden. So glaubten und erfuhren es die Menschen der vorchristlichen Zeit. Relikte dieses Weltbilds sind im Lötschental noch immer zu finden.

Bis in die 1970er-Jahre existierte im Riedholz bei Kippel eine hohle Lärche, die als Kinderherkunftsbaum bekannt war. Felsrücken auf der Fafler- und der Guggialp galten ebenfalls als Orte, wo die Kinderseelen geholt werden konnten (siehe S. 136).

Der Holzmiättärra-Stein ist von Blatten, dem hintersten Dorf im Lötschental aus, am rechtsseitigen Berghang zu sehen. Vom Geryndorf, einer ehemaligen Siedlung, sind nur noch Ruinen zu finden.

Weitere Sagen zur Kinderherkunft bzw. zur kultischen Bedeutung des Kessels:

Vom alten Brauch des Kinderholens, Seite 136

Das Geheimnis der Kindbetterfluh, Seite 139

Im Kessel der Holzmüotterlini, Seite 223

Die Gämsmutter beim Langgletscher

Lötschental

Hinten beim Langgletscher im Lötschental lebte eine alte Frau, die man Gämsmutter nannte, weil sie die Gemsen pflegte und hütete.

Da war im Tal ein Jäger, der ihr manches Tier wegschoss. Einmal, als er wieder auf die Jagd zog, stellte sie ihn und sagte: «Ach, warum raubst du mir meine schönen Tierchen, tue es nicht mehr und lass mir meine Herde in Ruh, ich will dich dafür entschädigen!»

«Was willst du mir tun, du Alte?», entgegnete der Jäger in spöttischem Ton. «Ich schenke dir ein Käslein, und wenn du achtgibst, dass am Abend noch ein Restchen davon übrig bleibt, so wirst du es am andern Morgen wieder frisch und ganz vorfinden!»

Der Jäger war damit zufrieden, nahm das Gämskäslein, das ihm die Alte schenkte, und steckte es in die Tasche. Jeden Tag ass er es bis auf ein Restchen auf, und jeden Morgen lag es wieder frisch und ganz auf seinem Tisch.

Einst legte er das Käslein in einer Sennhütte auf die Bank. Er vergass es, als plötzlich Gämsen um die Hütte herumstrichen und er die Flinte ergriff und ein Tier erlegte. Als er wieder in die Hütte zurückkam, hatten die Mäuse den Käse samt der Rinde aufgefressen. Das schöne Geschenk der Gämsmutter konnte er nun nicht mehr geniessen.

Nach Jegerlehner 1913, Nr. 59

Hier zeigt sich die Ahnfrau des Tales als Herrin und Behüterin des Wildes – so, wie wir aus der römischen Mythologie Diana kennen oder aus der griechischen Artemis. Diese Göttinnen sind zutiefst mit den wilden, natürlichen Kräften verbunden, sie streifen auch mit Pfeil und Bogen durch die Wälder und bringen ausgewählten Tieren den Tod. In ihrer Doppelfunktion als Jägerin und Behüterin der Tiere zeigt sich, dass die Ahnfrau für alle sorgt: für die Population der Tiere und die Menschen mit ihrem Bedürfnis nach Nahrung.

Eine weitere Sage zur Ahnfrau als Herrin der Tiere:

Die weisse Gämse, Seite 43

Die weisse Gämse

Walsersage

Noch bis ins letzte Jahrhundert hinein war man sich im Wallis einig darüber, dass weisse Gämsen nicht geschossen werden dürfen. Man wusste, dass sie keine gewöhnlichen Tiere waren, und sah in ihnen Arme Seelen, die in Tiergestalt für ihre Vergehen büssen mussten. Natürlich gab es immer Jäger, die das besondere Tier holen wollten, koste es, was es wolle. Doch kaum einer, der es wagte, kam gesund von seinem Abenteuer zurück. Die weisse Gämse verführte viele, ihr auf den gefährlichsten Felspfaden zu folgen, und von dort aus stürzte mancher in den Abgrund, wo er zerschmettert liegen blieb.

In Ager, einer heute nicht mehr existierenden Walsersiedlung im Ossolatal, kannte man noch eine andere Geschichte: An einem Abend im Spätherbst stiegen zwei Jäger auf die Alp, wo sie sich in einer Höhle zum Übernachten einrichteten. Schon früh wollten sie am nächsten Morgen aufbrechen, um in die Schussweite der Gämsen zu gelangen, die sich in der aufgehenden Sonne die taufrischen Gräser schmecken liessen. Doch als sie am Morgen aufstanden, stand vor der Hütte ein Meter Schnee, und es hörte nicht auf zu schneien. Es war unmöglich, hinunter ins Tal zu gelangen, und so beschlossen die beiden Jäger, zu warten, während weiterhin grosse Flocken vom Himmel fielen. Als die wenigen Lebensmittel aufgebraucht waren und der sichere Tod sie erwartete, beschlossen sie, das Los bestimmen zu lassen, welcher von beiden überleben solle, damit er sich vom Fleisch des anderen ernähren könne. Doch völlig unerwartet – sie waren gerade dabei, auszulosen – sprang eine weisse Gämse in die Höhle. Ein Wunder! Sie hatten jetzt genügend Nahrung, und als das Wetter wieder besser wurde, kehrten sie nach Hause zurück.

Nach Waibel 2010, S. 94 und Guntern 1979, Nr. 462, 1738, 1739

Die Ahnfrau zeigte sich ihrem Volk in verschiedener Gestalt. Mal tritt sie als junge Frau auf, mal als füllige Matrone, dann auch als dunkle Alte. Sie spielt gern mit ihrer Form, und kaum glaubt man, ihre Gestalt erkannt zu haben, hat sie sich erneut verwandelt. Als Nebelfetzen zeigt sie sich, als Felsbrocken, als Busch, Baum oder auch als Tier: Schlange, Kuh oder weisse Gämse. Letztere weist auf ihre Doppelfunktion als Herrin der Tiere hin: Sie mahnt die Menschen, die Tiere zu schützen, doch wenn Not herrscht, gibt sie sich selbst in ihrer Tiergestalt als Nahrung hin, damit das Leben weitergehen kann.

In den Walliser Sagensammlungen wird die weisse Gämse nur noch als büssende Arme Seele verstanden. In den Walsersagen hingegen ist die wohl ältere Bedeutung der Gämse als nährenden Ahnfrau noch erhalten.

Als Walser gelten die Nachfahren jener deutschsprachigen Menschen, die im 12. und 13. Jahrhundert aus dem Wallis zunächst in benachbarte Gebiete und dann in den ganzen Alpenbogen von Tirol bis Savoyen ausgewandert sind. Ihnen wird die Besiedlung von 150 Ortschaften zugeschrieben. 14In die neue Heimat nahmen die Ausgewanderten nicht nur ihr Wissen um die Techniken der Alp- und Viehwirtschaft mit, sondern ebenfalls ihr Brauchtum, ihre Sprache und auch Sagen und Geschichten wie die der weissen Gämse oder der Alpmuetter (siehe S. 226).

Читать дальше
Тёмная тема
Сбросить

Интервал:

Закладка:

Сделать

Похожие книги на «Bergmütter, Quellfrauen, Spinnerinnen»

Представляем Вашему вниманию похожие книги на «Bergmütter, Quellfrauen, Spinnerinnen» списком для выбора. Мы отобрали схожую по названию и смыслу литературу в надежде предоставить читателям больше вариантов отыскать новые, интересные, ещё непрочитанные произведения.


Отзывы о книге «Bergmütter, Quellfrauen, Spinnerinnen»

Обсуждение, отзывы о книге «Bergmütter, Quellfrauen, Spinnerinnen» и просто собственные мнения читателей. Оставьте ваши комментарии, напишите, что Вы думаете о произведении, его смысле или главных героях. Укажите что конкретно понравилось, а что нет, и почему Вы так считаете.

x