Ursula Walser-Biffiger - Bergmütter, Quellfrauen, Spinnerinnen

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Wild, wirkmächtig und geheimnisvoll sind die Frauenfiguren, die unsere Sagenwelt bevölkern. Ursula Walser-Biffiger holt 51 Volkserzählungen in die Gegenwart. Sie kreisen um lokale Ahnfrauen, um Ereignisse, die tief in der Walliser Landschaft verwurzelt, über Generationen weitergetragen und zu einem wichtigen Kulturgut geworden sind.
Viele der Sagen stammen aus bekannten Sammlungen, einige waren nur bruchstückhaft überliefert, manche sind komplett neu entstanden – in der Begegnung mit der archaischen Natur der Alpen. Die sorgfältig recherchierten kulturhistorischen Hintergründe legen Zusammenhänge frei, wie sie vielerorts in der Erzähltradition zu finden sind. Sie weisen damit weit über das Wallis hinaus – und machen inspirierendes altes Wissen sowie vergessene Frauengeschichte wieder zugänglich.

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Vouivra, die Fluss- und Drachenschlange

verschiedene Orte

Von den Anhöhen aus konnten unsere Vorfahrinnen und Vorfahren die Rhone von oben betrachten. In ihrer mythischmagischen Sichtweise erlebten sie den Strom mit seinen Nebenflüssen wohl als Drachen, dessen Glieder sich auf beiden Seiten des Haupttals bis hinauf zu den Gletschern, Graten und Gipfeln ausbreiten. 9

Die Menschen erfuhren die Wasserdrachin als Lebenskraft, die durch die Täler fliesst, und als Erdschlange, die unter den Flüssen oder in den Bergen wohnt. Sie ist die Eine, die Kraft des gesamten Landes und zugleich mächtiges Schöpferwesen aus aller Anfangszeit. Sie hat die Landschaft gestaltet – lange bevor die Menschen sie aufsuchten. Und sie tut es immer noch.

Die Menschen fürchten sich vor ihrer wilden, unbändigen Art: wenn sie sich in ihrem grenzenlosen Überfluss zeigt und die Rhone und ihre Zuflüsse nach Regenfällen bedrohlich anschwellen lässt. Auch dann, wenn die Drachenschlange in den Bergen rumort und Kräfte ordnet – was oft einen Felsabsturz, einen Murgang oder eine Gerölllawine zur Folge hat.

So soll im Baltschiedertal in alten Zeiten ein Drache gehaust haben, der Menschen, Tiere und Wasserleitungen verschlang. Auch in Naters ist eine Natter bekannt, die mit ihrem giftigen Atem alles verwüstete, im Hochwasser des Rottens sich ausdehnte und mitriss, was die Menschen erbaut und gepflanzt hatten. Auf den Alpen hausten Riesenschlangen, Lindwürmer, die so gross waren, dass sie sich dreimal um einen Stadel winden konnten.

Solche Ungeheuer sind mit allen Elementen vertraut. Sie schwimmen, kriechen und können Feuer speien. Sie fliegen funkensprühend von einem Berg zum anderen, nisten sich in Felsen ein, saugen das Gold aus den Bergen, unterwühlen und zernagen sie, sodass ganze Hänge zu Tale stürzen. So wird es in vielen Sagen beschrieben.

Im Unterwallis ist der Name der Unbändigen noch bekannt: Vouivra wird sie genannt. In ihrer zerstörerischen Kraft zeigt sie sich als furchterregende geflügelte Schlange, die in allen Gestalten und Farben vorkommen soll. Ihre Länge betrage mehrere Klafter, und in ihrem Katzen- oder Vogelkopf sollen sich kostbare Edelsteine befinden. Manchmal trägt sie einen Karfunkelstein als Auge, und auch mit einer Krone wurde sie schon gesichtet. Doch dann kann es vorkommen, dass sie plötzlich als wunderschöne, strahlende Frau erscheint.

Im Laufe der Zeit lernte die Bevölkerung, die Vouivra nicht nur zu fürchten, sondern mit ihr zusammenzuarbeiten – das war wichtig in einem Land, in dem das Wasser ein besonders kostbares Gut ist. Man scheute keine Mühe, es von den Gletschern auf die Wiesen und Äcker zu leiten, um Lebensraum für Pflanzen, Tiere und Menschen zu schaffen. Wo man die Vouivra sorgsam miteinbezog, wirkte sie segensreich. Wo man ihr jedoch keinen Respekt zollte, zerstörte sie alles, womit man sie einzudämmen suchte. Und manchmal, damit mussten die Menschen leben, lockte sie einen Mann in die Tiefe ihrer Schlucht, junge Bauern mochte sie am liebsten.

Es scheint, als ob auch die Vouivra im Verlauf der Erdgeschichte einen persönlichen Umgang mit den Menschen erlernt hat. Sie fand Gefallen an ihrer Aufgabe als Lebensspenderin und Beschützerin. Manchmal zeigte sie sich auch in menschlicher Gestalt, als Weisse Frau, die ein Kind vor dem Ertrinkungstod rettet, oder als eine, die mit ihrem Stab einen Murgang am Dorf vorbeilenkt.

Am Genfersee konnte man die wilde Vouivra des Rhonetals besonders lieblich erleben. In gewissen Nächten sah man früher ein Schiff, das weiss leuchtete, wie die Sichel des silbernen Mondes. Von acht Schwänen wurde es gezogen. Sanft glitt es durch die Wellen. Im Schiff stand eine anmutige Frau, die weiss gekleidet war. Geflügelte Kindergestalten umgaukelten sie während der Fahrt. Das sonderbare Schiff stiess nie an die Ufer. Doch an den Orten, denen es sich deutlich näherte, waren die Fluren im darauffolgenden Sommer fruchtbar wie nirgends sonst. Alles blühte in wundervoller Pracht. Und den Menschen, die es sahen, war der im Herzen gehegte Wunsch schon kurz darauf erfüllt.

Doch nichts bleibt, wie es ist. Im ewigen Zyklus des Werdens und Vergehens verschlingt und gebiert die Vouivra Landschaften und Geschöpfe. Auch heute sind ihre Drachenkräfte wach, die Erde wandelt sich. Vielleicht müssen wir uns neue Bilder von den Drachenenergien, von den Wandlungskräften unseres Planeten machen. Und vieles hängt für uns Menschen davon ab, ob es gelingt, uns wieder mit der alten Drachenschlange einzulassen, mit ihr in einen Dialog zu kommen und zu erspüren, was das für unser Leben bedeutet – für unser Tun und für unser Lassen.

Nach Anderegg 1979, S. 159; Giersberg 2015, Nr. 11; Guntern 1979, Nr. 111, 117, 352, 858, 1743–1755, 1766; Guntern 1965, Nr. 245 und Jegerlehner 1909, S. 100, 161

Erzählungen von Schöpferwesen wie der keltischen geflügelten Erd-Wasser-Göttin Vouivre 10sind aus vielen Kulturen und Epochen bekannt. Einer der ältesten Mythen ist jener von Tiamat, der sumerisch-babylonischen Ur- und Schöpfungsgöttin, Göttin des Chaos und des Unerschaffenen. Sie ist der Urzustand, das Allumfassende, das Wüste und Leere – unter diesem Namen kommt sie auch in der Bibel vor (Genesis 1,2). Sie gilt als Muttergöttin von allem, als Grosse Drachin des Chaos, die aus sich heraus die Welt erschaffen hat. Und ihre Schöpfung hat kein Ende. Immer wieder nimmt sie ihre Geschöpfe in die Tiefe ihres Universums, um sie dann erneut zu gebären. 11

Die Kirche hat ein eher gestörtes Verhältnis zu den Drachenenergien von Mutter Erde. Der Drache wurde zum Bösen an sich und mit dem Teufel gleichgesetzt. Erzengel Michael und Ritter Georg erschienen, um den Drachen zu besiegen, was auch eine Analogie zum Sturz der Muttergöttin durch eine männliche Gottesvorstellung ist.

Natürlich verschwinden solche elementaren Kräfte nicht einfach, auch in der bildlichen Darstellung nicht. So liess sich die Drachin zu Füssen der Gottesmutter nieder oder wurde zum Wurm der heiligen Margaretha. Diese beiden Frauengestalten wussten auf ihre Art, die alte Dämonin zu zähmen, und so ist sie heute im Wallis noch in vielen Kirchen und Kapellen zu bestaunen.

Die strickende Holzmiättärra

Lötschental

Zuhinterst im Lötschental soll einst die Holzmiättärra gelebt haben. Sie war im hohen Alter und mancherorts wurde berichtet, sie sei unsterblich. Man war sich nicht einig, ob das Holzmütterlein zur Gattung der Zwerge oder der Riesinnen zu zählen sei. Auf jeden Fall galt sie als bärenstark, und vor allem Frauen wussten ihren verständnisvollen Rat und ihren Schutz zu schätzen. Wer sich ihr gegenüber respektvoll verhielt, konnte auf ihre Unterstützung zählen. Wer jedoch ihre Gesetze nicht einhielt, lebte gefährlich.

Die Menschen waren davon überzeugt, dass sich das Holzmütterlein in einen Baum verwandeln konnte oder in den ganzen Wald – vor allem dann, wenn es darum ging, den Lawinen zu trotzen und die Dörfer zu beschützen. Und sie konnte noch mehr. Ihre hohle Lärche im Riedholz beherbergte die Seelen der Ungeborenen. Dorthin gingen die Lötschentalerinnen, wenn sie ein Büblein empfangen wollten. Mädchen waren im Wasserhuis zu finden, einem bedachten Wassertrog oberhalb von Blatten. Auch in den Felsrücken der Fafler- oder der Guggialp warteten Kinderseelen darauf, wieder ins irdische Leben geholt zu werden. Die Zeit dazu war besonders günstig, wenn beim Kinderrufen die Holzmiättärra mit ihrer Lismeta , ihrer Strickarbeit, dabeisass und zur Feier des Tages den gewaltigen Tschuggen abgelegt hatte, den sie sonst wie einen Hut auf dem Kopf trug.

Im Verlauf der Jahrhunderte jedoch ging das Wissen um die Kraft und Macht der Holzmiättärra zunehmend verloren. Nur noch Kinder konnten sie wahrnehmen. So erschien sie eines Tages mit einem viele Zentner schweren Stein in der Tschifra im Geryndorf. Und trotz der enormen Last, die sie in ihrem Rückenkorb trug, strickte sie dabei. Darüber machten sich die Buben im Dorf lustig. Sie spotteten über die Holzmiättärra und lachten sie aus. Das war nun doch zu viel. Zornig schleuderte diese den Felsblock auf den Boden, mitten im Dorf, und zwar so, dass die schmalste Kante nach unten zu liegen kam. An dieser Stelle ist der Felsblock noch immer zu finden – mit dem Kreuz, das man ihm zu seiner Verchristlichung einverleibt hat.

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