Gefahren in großer Höhe – Höhenkrankheit & Co .
Sympathikus und Parasympathikus
Frühdefibrillation
Schädelinnendruck und symptomfreies Intervall
Sonnenstich
Entzündungen und allergische Reaktionen
»Schmerz-/Angstschock« bzw. »Kreislaufkollaps«
Hitzschlag
Gefahren im kalten Wildwasser
Windchill
Auskühlungsraten – Beispiele
Wiedererwärmung in der Klinik
Akute Bauchschmerzen
Fettembolie
Taping, Stützverbände mit elastischer Binde
P.E.C.H. hilft gegen Schwellung und Bluterguss
»Sportsalben« nicht in der Akutphase!
Querschnittslähmung
Bandscheibenvorfall
Tollwut
Antibiotika
Besondere »Fremdkörper« – Zecken
Kohlenmonoxidvergiftung
Die Praxistipps
Schutzhandschuhe
Ausprobieren
Auffrischungskurse
Chronisch Kranke outdoor
Notfallprotokoll
Verhalten im kalten Wasser
Diagnostik-Übung
Nagelbettprobe
Beinschiene ausprobieren
Grundregeln der Wundversorgung
Benzoe-Tinktur
Gründe für eine Evakuierung
Verhalten bei einer Hubschrauberrettung
Smartphones outdoor
Blitzschlag
Wasserdesinfektion
Notfallmedizinisch relevante Medikamente
Die Checklisten
Das Prioritätenschema
RUM – Risiken, Umfeld, Management
BAP – Bewusstsein, Atmung, Puls
SAU – Schock
SAU – Atemstörungen
SAU – Unterkühlung
DIWAN – Detailuntersuchung
Knochenbrüche, Gelenk-, Muskelverletzungen
DIWAN – Immobilisierung
Lagerung von Patienten im Überblick
DIWAN – Wundversorgung
DIWAN – Abtransport organisieren
DIWAN – Notfallcamp einrichten
1.1 Im Notfall: RUM – BAP – SAU – DIWAN!
Schau noch einmal auf die vorige Seite und stelle dir folgende Situation vor:
Du bist mit drei Freunden in den Alpen unterwegs. Du gehst als Letzter über das steile Firnfeld oberhalb eines Gletscherabbruchs. Das Wetter ist fantastisch, die Stimmung ist gut.
Plötzlich gerät der Gruppenerste aus der Balance. Er fällt auf den Rücken und rutscht bergab. Er überschlägt sich mehrfach und sein Eispickel scheint ihn zu verletzen. Das Seil strafft sich und reißt auch den Zweiten von den Füßen. Gemeinsam mit dem dritten Kollegen gelingt es dir, den Pickel in den Firn zu rammen und den Sturz der beiden anderen zu bremsen.
Es folgen Sekunden, die dir wie eine Ewigkeit vorkommen. Dann rappelt sich der Gruppenzweite hoch – er ist nur wenige Meter abgerutscht: »Mir ist, glaube ich, nichts passiert.« Den anderen scheint es schlimm erwischt zu haben: Sein Sturz wurde erst nach etwa 15 Metern gestoppt, direkt oberhalb eines steilen Abbruchs. Er wimmert vor sich hin.
Plötzlich scheinen dir tausend Gedanken auf einmal durch den Kopf zu wirbeln: »Mist!« – »Hoffentlich hat er sich nichts gebrochen.« – »Und das hier draußen, so weit weg von der nächsten Hütte.« – »Bloß nicht weiter abrutschen!« – »Wo ist eigentlich das Erste-Hilfe-Paket?« – »Mist, wären wir bloß nicht angeseilt gegangen!« – und vieles, vieles mehr.
Problem: nicht in Ruhe analysieren können
Sicher kannst du die »tausend Gedanken« noch um zahlreiche weitere Beispiele ergänzen. Und jetzt, da du diese Zeilen liest, erkennst du sicher auch das allergrößte Problem eines solchen Notfalls: Wenn man eine Situation nicht in aller Ruhe analysieren kann, hat man keine Ahnung, was in welcher Reihenfolge zu tun ist. Dabei sind die notwendigen Maßnahmen noch nicht einmal schwierig – Sicherungspunkt bauen, mit dem Verletzten Kontakt aufnehmen und ihn untersuchen, Hilfe organisieren.
Stress behindert klares Denken.
Doch wenn man völlig unerwartet mitten in eine solch dramatische Situation gerät, fällt es schwer, mit kühlem Kopf zu überlegen, zu planen und zu handeln. Durch den aufkommenden Stress wird das klare Denken behindert.
Vorbereitung auf den Ernstfall
Wenn du dies erkannt hast, gibt es zwei Möglichkeiten: Die erste besteht darin, im Sessel sitzen zu bleiben und nie wieder nach draußen zu gehen. Die medizinischen Probleme, die durch das Sesselsitzen verursacht werden, kann man gut vorhersehen und werden dich folglich nicht überraschen. Die zweite Möglichkeit ist, dich auf eine solche Situation vorzubereiten. Dabei hilft dir dieses Buch. Da du es offensichtlich schon in die Hand genommen hast, nehme ich an, du hast dich für die zweite Lösung entschieden – herzlichen Glückwunsch!
Gedanken in die richtige Reihenfolge bringen
Dieses Buch will dir einen Weg zeigen, wie du deine Gedanken in eine sinnvolle Reihenfolge bringen kannst. Du wirst lernen, welche Maßnahmen im Ernstfall eine besonders hohe Priorität haben und welche ein wenig warten können.
Nach Prioritäten sortieren: RUM – BAP – SAU – DIWAN
Beim Sortieren der Prioritäten hilft dir ein Schema: RUM – BAP – SAU – DIWAN. Es zieht sich wie ein roter Faden durch das ganze Buch. Zur Erinnerung, um welchen Punkt des Schemas es gerade geht, gibt es den »Wegweiser« am unteren Rand der linken Seite, die Bilder rechts und links und den »Reiter« am äußeren Rand.
Im ersten Kapitel wird das Prioritätenschema zuerst einmal komplett vorgestellt. Die übrigen Kapitel des Buches behandeln dann die einzelnen Punkte im Detail.
Wenn du bereits einen Erste-Hilfe-Kurs absolviert hast, wirst du möglicherweise die eine oder andere Überraschung erleben, denn in diesem Buch geht es um »Erste Hilfe Outdoor« . Es werden also Fälle besprochen, in denen der Rettungsdienst nicht in 15 Minuten vor Ort ist.
Bild 2:
Bei einem gestellten Unfallszenario (hier: Verbrennung) bleibt genügend Zeit zum Überlegen – anders als in der Realität!
1.2 Auf den ersten Blick: RUM
Risiken
Rettung
Umfeld, Unfallmechanismus
Ursache?
Management: Koordinator und Kontakter
Auf den ersten Blick versuchst du, die Notfallsituation als Ganzes wahrzunehmen: Dadurch kannst du Risiken (R) für dich, deine Gruppe und den Patienten erkennen. Sind die Risiken sehr hoch, musst du den Patienten evtl. aus dieser akuten Gefahr heraus retten (auch R) . Du analysierst das Umfeld bzw. den Unfallmechanismus (U) und überlegst, ob diese als Ursache für bestimmte Erkrankungen bzw. Verletzungen infrage kommen. Ferner klärst du schon zu Beginn, wie du und deine Mithelfer die Rettung effektiv und koordiniert managen (M) können. Zwei Rollen sind hier besonders wichtig: Der Koordinator behält immer den Überblick und macht bei Handyempfang sofort einen Notruf, der Kontakter steht immer in Kontakt mit dem Patienten.
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