Götzl Hatten Sie ein Ladengeschäft?
Schläfli Jawohl, wir hatten ein Ladengeschäft oder es ging über den Versand. Dann mussten eine Ausweiskopie und eine Erwerbsbewilligung an uns geschickt werden. Man konnte per Vorauskasse oder Nachnahme bei uns zahlen. Wenn die Zahlung eingegangen ist, haben wir die Ware per Post verschickt.
Götzl Hat der Kunde Anton G. etwas gekauft?
Schläfli Ja. Aus dem Register ist ersichtlich, dass die Česká, um die es hier geht, am 11.4.1996 an Anton G. versandt wurde.
Götzl Wie erfolgte die Bezahlung?
Schläfli Das muss Vorkasse oder Nachnahme gewesen sein.
Götzl Wurde ein Schalldämpfer mitverkauft?
Schläfli Das wurde als Set verkauft, der Schalldämpfer war im Lieferumfang dabei. Damals war im Kanton Bern der Verkauf von Schalldämpfern frei, deswegen mussten die auch nicht registriert werden.
Götzl War Munition mit dabei?
Schläfli Es würde mich nicht überraschen, wenn Munition dabei gewesen wäre. Aber ich kann es Ihnen nicht sagen.
Götzl Wie hoch war der Preis fürs Paket?
Schläfli So um die 1000 Franken, vielleicht ein bisschen mehr.
Anwalt Daimagüler Haben Sie Informationen von Ihren Kunden bekommen, warum man eine Handfeuerwaffe mit Schalldämpfer braucht?
Schläfli Nein, nur wenn sie Sammler waren. Aber wenn jemand eine illegale Absicht damit vorhatte, hat er uns das sicher nicht auf die Nase gebunden.
Verteidiger Klemke Wurden Waffen mit Schalldämpfer gern gekauft?
Schläfli Ja.
Verteidiger Klemke Wie groß war der Anteil der Waffen mit Dämpfer?
Schläfli Kann ich nicht sagen. Aber das Set hier war relativ selten.
Verteidiger Klemke Aus den Unterlagen geht hervor, dass Sie 1993 insgesamt zwanzig Waffen mit Schalldämpfern geliefert haben. Das heißt, Sie haben oft mit Schalldämpfern geliefert.
Schläfli Würde ich nicht sagen. Zwanzig, das ist immer noch sehr selten.
Verteidiger Klemke Sie machen mir Angst.
Anwalt Hoffmann Wenn ein Privatmann die Waffe weiterverkaufen wollte, wie ging das?
Schläfli Der hätte sie einfach weiterverkaufen können.
Anwalt Hoffmann Hätte der auch einen Waffenerwerbsschein gebraucht?
Schläfli Nein, weil ein Privater ja gar keinen Waffenhandel betreiben durfte. Für den Waffenhandel brauchte man ein Waffenhandelspatent.
(Die Zeugin Gabriele Q. vom BKA wird in den Gerichtssaal gerufen. Sie war an den Ermittlungen nach dem Brand in der Frühlingsstraße in Zwickau beteiligt.)
Gabriele Q. Bei der Untersuchung in der Frühlingsstraße wurden 390 Euro gefunden, die von einem Raub aus dem Jahr 2004 stammten. Im Wohnmobil fanden sich 71 915 Euro von dem Raub vom 4.11.2011. In einem Rucksack waren noch 3000 Euro von einem Raub zwei Monate zuvor, im September 2011. Und schließlich 20 000 Euro von einem Raubüberfall aus dem Jahr 2007. Das konnten wir anhand der Banderolen um die Scheine feststellen. Dann steckten noch 5000 Euro in einer Kakaodose und weiteres Geld an verschiedenen Orten. Insgesamt fanden wir im Wohnmobil 112207,29 Euro. Auch 2500 Gramm Schwarzpulver konnten sichergestellt werden, in einem Glas mit Schraubverschluss. Eine Menge von einem Kilogramm kann bereits ausreichend sein, um eine Explosion herbeizuführen.
22. Oktober 2013
Manfred Götzl, Richter. Andrea C., 37, Hausfrau aus Nürnberg. Sie war am 9. Juni 2005 in einem Supermarkt einkaufen und kam auch am Dönerstand des Mordopfers İsmail Yaşar vorbei. Herbert Diemer, Bundesanwalt. Wolfgang Stahl, Verteidiger von Beate Zschäpe.
Götzl Haben Sie am Dönerstand irgendwelche Personen wahrgenommen?
Andrea C. Nein, ich kannte aber den Mann vom Dönerverkauf.
Götzl Waren Sie dort auch Kundin?
Andrea C. Manchmal, ja.
Götzl Könnten Sie uns die Situation beim Einkaufen noch mal näher schildern?
Andrea C. Ich bin an dem Tag mit meinem Sohn einkaufen gegangen im Edeka. Da habe ich die Frau Beate Zschäpe gesehen. Sie hat mich an eine Schauspielerin erinnert: Sara Gilbert aus der Fernsehserie »Roseanne«. Es waren ja nur ein paar Minuten.
Götzl Können Sie die Frau näher beschreiben?
Andrea C. Es waren halt die lockigen Haare, und es war ein Moment, in dem ich das gedacht habe.
Götzl Wie lang haben Sie sie gesehen?
Andrea C. Nicht lang. Wir haben ja nur an der Kasse gestanden. Eine Minute, oder anderthalb.
Götzl Wie stand die Frau, wie standen Sie?
Andrea C. Ich stand hinter ihr.
Götzl Haben Sie denn das Gesicht der Frau gesehen?
Andrea C. Ja. Beim Reingehen hab ich sie schon beobachtet, ich hab sie schon im Gang gesehen.
Götzl Diese Serie »Roseanne« – haben Sie sich die häufiger angesehen?
Andrea C. Ja, als Kind, als 14-, 15-Jährige habe ich mir das oft angeschaut.
Götzl Sie haben angegeben, Sie hätten auf dem Rückweg zwei junge Männer gesehen?
Andrea C. Die saßen auf dem Spielplatz und hatten Fahrräder dabei. Ich bin einfach nur vorbeigelaufen
Götzl Wo genau?
Andrea C. Auf der Bank, in Richtung des Dönerstands.
Götzl Können Sie die beiden näher beschreiben?
Andrea C. Durch die Presse weiß ich jetzt schon, wie sie aussahen. Das Einzige, was ich noch weiß, ist, dass die kurze Haare hatten. Beide hatten so gut wie gar keine Haare. Die Gesichter kann ich nicht mehr beschreiben. Die beiden sahen für mich damals eher aus wie zwei Russen, das hab ich damals auch gesagt.
Götzl Haben Sie Ihre Beobachtungen damals mit dem Tod des Herrn Yaşar in Zusammenhang gebracht?
Andrea C. Überhaupt nicht.
Götzl Wo haben Sie erstmals ein Bild der Frau Zschäpe gesehen?
Andrea C. Im Fernsehen.
Götzl Und haben Sie da gleich eine Verbindung hergestellt zu der Frau im Edeka-Markt?
Andrea C. Ja, für mich persönlich.
Götzl Hat denn die Frau damals eine Brille getragen?
Andrea C. Das kann ich nicht mehr beantworten.
(Götzl liest aus ihrer Vernehmung vor, die Anfang April 2012 durchgeführt wurde. Dort hatte sie noch geäußert, die Frau im Supermarkt habe eine Brille getragen.)
Andrea C. Es ist, als wenn es nicht meine Aussage ist, Herr Richter. Das kenne ich nicht.
(Ihr werden Bilder von Zschäpe vorgelegt, auch eines von deren Festnahme im November 2011.)
Andrea C. So sah die Frau natürlich nicht aus. Die war hübscher und viel gepflegter.
Verteidiger Stahl Haben Sie noch das Bild vor Augen, was Sie damals gesehen haben?
Andrea C. Ja. Aber ich habe die Frau nicht lang gesehen.
Verteidiger Stahl Können Sie denn heute noch aus Ihrer Erinnerung heraus irgendetwas an der Person beschreiben?
Andrea C. Nein, das ist acht Jahre her, ich kann gar nichts mehr beschreiben.
Verteidiger Stahl Aber Sie sind doch auch am 2.4.2012 vernommen worden.
Andrea C. Sie hat lockige Haare gehabt. Eine richtige Lockenpracht.
Verteidiger Stahl Das wissen Sie?
Andrea C. Ja, und ich habe sie damals als junge Frau wahrgenommen, eher so Anfang zwanzig.
Verteidiger Stahl Woran machen Sie das fest?
Andrea C. Von meinem inneren Gefühl her.
(Anwalt Erdal verlangt eine Vereidigung der Zeugin.)
Bundesanwalt Diemer Die Voraussetzungen dafür liegen nicht vor. Außerdem ist die Aussage der Zeugin auch nicht von entscheidender Bedeutung.
Andrea C. Kann ich jetzt gehen?
(Die Zeugin wird entlassen.)
23. Oktober 2013
Manfred Götzl, Richter. Andreas M., 52, Kriminaloberkommissar aus Rostock, Ermittler im Mordfall Mehmet Turgut. Bernd S., 57, Kriminalhauptkommissar aus Rostock. Andreas S., 48, Kriminalhauptkommissar aus Rostock. Ronald P., 49, Kriminalhauptkommissar aus Rostock. Haydar A. 45, Besitzer des Dönerstands in Rostock, in dem Mehmet Turgut im Februar 2004 ermordet wurde. Anja Sturm, Verteidigerin von Beate Zschäpe. Olaf Klemke, Nicole Schneiders, Verteidiger von Ralf Wohlleben. Bernd Behnke, Hardy Langer, Anwälte der Nebenklage.
Читать дальше