Adelheid Duvanel - Fern von hier

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Adelheid Duvanel ist eine Meisterin der kleinen Form. Die radikale poetische Kraft ihrer Sprache macht sie zu einer der bedeutendsten Stimmen der Schweizer Literatur des 20. Jahrhunderts.
Ihre kurzen Erzählungen sind Momentaufnahmen aus dem Leben von meist versehrten Existenzen, die sich aber in ihren fatalen Verhältnissen mit schlafwandlerischer Sicherheit bewegen. In ihrem eigensinnigen Beharren auf ihre Sicht der Welt bewahren sie sich ihre Würde gegen die Zumutungen des Lebens. Ja, sie finden gerade in der Abweichung vom Verlangten eine Kühnheit, die den Texten ihre umwerfende Energie gibt. Sie sind von hoher poetischer Präzision, jede Figur «in Einzelanfertigung». Trotz ihres manchmal finsteren Inhalts leben die Texte von überraschenden, absurden Wendungen und einer wunderbaren hintergründigen Komik.
Diese Ausgabe vereinigt erstmals alle in Buchform publizierten und einige der in Zeitschriften und Zeitungen erschienenen Erzählungen Adelheid Duvanels in einem Band, der dieser grossartigen Autorin wieder den Platz in der Schweizer Literatur einräumt, der ihr gebührt.

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Während der Wind die Dame und den Heiratsschwindler in undisziplinierter Art und Weise über die Brücke stößt, schweben Möwen wie weiße Ballone vor der schwarzen Him­melshöhle auf und nieder. Die Dame lässt auf der anderen Seite des Flusses zwei Neujahrskarten in einen Briefkasten fallen. Der Heiratsschwindler steht neben ihr und bewundert ihr starkes, verschnörkeltes, schwarzes Haar mit dem rostigen Schimmer; es scheint aus Eisen geschmiedet. Ihr Kinn ist aber vom Alter schon leicht verformt. Sie bindet jetzt den Kopf mit einem grauen Tuch, das sie aus ihrer Manteltasche zieht, am Hals fest, damit der Wind ihn nicht abreißt. Sie erklärt, sie lebe nun für immer allein, ohne Vater und ohne Freund. «Das neue Leben, das ich mir erträumt habe, stellt sich nicht ein», klagt sie; ihre bläulichen Lippen ziehen sich nach unten. Während sie auf der Brücke geduckt zurückschwanken, sich in die lebendige Wand des Windes hineindrücken, haucht der Heiratsschwindler in seine in Handschuhen steckenden Hände. «Ich wünsche Dir neue Bedrängnisse, da Du glaubst, Dich den alten entziehen zu müssen», denkt er lächelnd.

«Luzia mit vierzehn Jahren»

Luzia erwachte und setzte sich im Bett auf; ihre Augen zwängten sich wie neugierige, schwarze Köpfchen durch zu kleine Fenster, wo sie stecken blieben. Sie bürstete ihr wirbliges, blassrotes Haar; als sie noch gehen konnte und die Schule besuchte, hatten die Kinder sie «Meerschweinchen» genannt. Nicht nur ihr Haar, vor allem ihr Gesicht erinnerte an diese kleinen Tiere; wenn sie aß, zog sie die Oberlippe hoch, auch schien sie immer zu schnüffeln. Seit einem Jahr war sie krank; zum Geburtstag hatten ihr die Schulkame­radinnen einen Rollstuhl gekauft; sie hatte geweint.

Es schneite; wie tote Schmetterlinge fielen die Flocken zur Erde. Ob der Vater noch schlief? Er kam nie, wie Luzia, in Verlegenheit, ob man «Institution» oder «Instutition» sagte. Luzia stellte sich vor, es gebe Blumen-, Stängel- und Wurzelmenschen. Wenn sie die Blume war, war der Vater der Stängel; sie brauchte ihn, aber es beunruhigte sie, dass er sie nicht wirklich nötig hatte; er schien ganz zufrieden zu sein als grüner, schmuckloser Halm. Doch gestern hatte er ihr eine junge Frau in einem glitzernden Kleid vorgestellt; Luzia war zumute wie damals, als sie zum ersten Mal jene Bahn sah, die man «Roter Pfeil» nannte, und entdecken musste, dass sie die Geschwindigkeit dieses Pfeils überschätzt hatte – ihre kindliche Phantasie hatte ihr vorgegaukelt, er würde engelschnell davonrasen, in der Weise, dass das Auge ihn gar nicht mehr erkennen konnte. Oder wie damals, als sie sechs Jahre alt war und ihrer Mutter entgegenlief, als die von einem Spitalaufenthalt zurückkehrte; statt ihr Kind zu umarmen und zu küssen, hatte sie barsch gefragt: «Wie siehst du auch aus? Ungekämmt, und diese schmutzigen Hände!» Einige Wochen später war die Mutter im Auto tödlich verunglückt; der Vater, der zu schnell auf der regennassen Straße gefahren war, hatte nur geringfügige Verletzungen erlitten. Luzia hatte die Freundin des Vaters nicht begrüßt, nur mit starrem Gesicht Unverständliches gemurmelt und in ihrem Tierbuch weitergelesen. Für Tiere interessierte sie sich; sie hätte gern einen Hund besessen, doch der Vater liebte Hunde nicht. Die Frau sah bleich und böse aus, als ob sie «aus der Fremde» käme, wo Männer kleinen Mädchen übelwollten, alle Leute nur ans Geldverdienen dachten und man ausgelacht wurde, wenn man nicht war wie sie. «Die Fremde» war auch unpraktisch! Wer garantierte, dass dort das Badewasser, das in die Wanne plätscherte, die richtige Wärme hatte? Und dass sich ein Stecker für die Nachttischlampe im Schlafzimmer befand? Und dass man die Geräusche in der Nacht richtig deuten konnte?

Dann hatte sich noch etwas ereignet, das Luzia aufwühlte; sie war der Meinung gewesen, sie habe ihre Mutter nie geliebt. Gestern las sie in einem ihrer alten Aufsatzhefte, als Zehnjährige hatte sie dort unter dem Titel: «Meine liebe Mutter» erzählt, wie die Mutter mit der kleinen Luzia Tierchen und Männchen aus Kastanien gebastelt, ihr vorgelesen und für sie gar Spiele erfunden hatte; an all dies hatte sie sich nun als Vierzehnjährige nicht mehr erinnert; erst beim Lesen des Aufsatzes waren Bilder wie vom Ende des Himmels zu ihr gekommen, um sich wieder in ihr niederzulassen. War es möglich, dass sie viel später auch nicht mehr wusste, wie sie den Vater jetzt liebte? Luzia mochte Erinnerungen nicht; sie waren imstande, Schönes hässlich und Hässliches schön zu machen. Eigentlich wäre es ganz gut zu sterben, dachte sie, wenn noch keine neuen Bilder die alten zu stark verfälschen konnten; aber die Bilder durfte man ja nicht mitnehmen, wie man auch sich selber nicht mitnahm: Man blieb, auch als Erinnerung, die durch spätere Erlebnisse der Hinterbliebenen verändert werden konnte, in den Menschen zurück, die einen gekannt hatten. Und wenn sie über einen zu andern Menschen, die man nicht gekannt hatte, redeten, wurde das Bild des armen Toten, der man nun war, wieder anders; so veränderte man sich ständig, lebte weiter als Splitter in immer mehr Menschen, bis die Splitter kleiner und kleiner und sich so fremd wurden, dass sie sich selber nicht mehr entsinnen konnten, von welchem teuren Toten sie abstammten. Luzia seufzte. Bald würde Regine kommen, Vaters Schwester, die den Haushalt besorgte. Sie würde vor der Tür den Schnee vom Mantel klopfen, über Rheuma jammern und Milchkaffee kochen. Sie sah aus wie eine ständig schwangere Frau; Luzia konnte ihr aufgedunsenes, fleckiges Gesicht und die Art, wie sie sich mit gespreizten Beinen hinsetzte, nicht leiden. Luzia hatte einen Cousin, der erklärt hatte, er müsse erbrechen, wenn er Leute wie Regine sähe. Luzia war von ihm sehr beeindruckt, aber er war ein armer Junge, der von seinen Eltern oft geschlagen wurde. Er schrieb Gedichte, die niemand verstand, auch Luzia nicht.

Sie schaute in den Spiegel: «So wie ich es bestimme, so bin ich», dachte sie und betrachtete sich genau, doch verwirrte sie die Vorstellung, es blicke ihr da ein Gemisch von zurückgelassenen Erinnerungen an verstorbene Tanten, Onkel, Großtanten, Großväter und andere meerschweinähnliche Verwandte entgegen. Sie streckte sich die Zunge heraus und sagte laut: «Was kümmert mich das; ich, Luzia, werde mich schon durchsetzen.» Heute noch würde sie eine Liste aufstellen mit allen Eigenschaften, die momentan und vorläufig die Luzia, die da in den Spiegel guckte, auszeichneten. Sie würde alles, was sie hasste und liebte, samt ihren Plänen und Niederlagen niederschreiben und über das Ganze die Überschrift: «Luzia mit vierzehn Jahren» setzen. Aber vielleicht war sie weder so, wie sie sich, noch so, wie ihr Vater sie sah? Gab es Menschen, die ihr ganzes Leben lang niemand richtig kannte, nicht einmal sie selbst? Man bestand aus tausend Bildern; wenn einen ein Greis, die Mutter, der Geliebte, ein kleines Kind oder ein Hund betrachteten, wurde man zu fünf verschiedenen Personen; und wenn einen jemand aus der Höhe anschaute, oder aus der Ferne, oder durch ein riesiges Mikroskop … Und es gab Geisteskranke, die sich selber als Tier sahen, oder als eine Berühmtheit, oder als Gott, oder als Teufel. Waren sie es nicht? Für die andern nicht, aber für sich selber gewiss; wie ein Reicher, der sich einbildete, verarmt zu sein, tatsächlich arm war … Ihre Wangen wurden rot, ihre Augen glänzten; wenn sie «spintisierte», wie ihr Vater es nannte, fühlte sie sich frei, als wäre die Welt durchsichtig, als würden Vergangenheit und Zukunft zu wunderbaren, klaren Bildern verschmelzen, die in Eiern darauf warteten, dass ein freier Mensch sie erlöse; mit einem Stab in der Hand würde sie durch ein weißes Eierland schreiten und die Eier, die vor Verlangen, geöffnet zu werden, zu glühen begannen, erlösen; ein Bild nach dem andern würde ihr Stab hervorholen, her­vorzaubern und auf den Eierschalen tanzen lassen. Sie würde singen mit ihrer zarten Stimme und dirigieren mit ihrem Stab; auch der Vater träte aus einem Ei und würde auf seinen steifen Beinen umherhopsen und sie wüsste alles über ihn: es gäbe ihn wirklich …

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