Adelheid Duvanel - Fern von hier

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Adelheid Duvanel ist eine Meisterin der kleinen Form. Die radikale poetische Kraft ihrer Sprache macht sie zu einer der bedeutendsten Stimmen der Schweizer Literatur des 20. Jahrhunderts.
Ihre kurzen Erzählungen sind Momentaufnahmen aus dem Leben von meist versehrten Existenzen, die sich aber in ihren fatalen Verhältnissen mit schlafwandlerischer Sicherheit bewegen. In ihrem eigensinnigen Beharren auf ihre Sicht der Welt bewahren sie sich ihre Würde gegen die Zumutungen des Lebens. Ja, sie finden gerade in der Abweichung vom Verlangten eine Kühnheit, die den Texten ihre umwerfende Energie gibt. Sie sind von hoher poetischer Präzision, jede Figur «in Einzelanfertigung». Trotz ihres manchmal finsteren Inhalts leben die Texte von überraschenden, absurden Wendungen und einer wunderbaren hintergründigen Komik.
Diese Ausgabe vereinigt erstmals alle in Buchform publizierten und einige der in Zeitschriften und Zeitungen erschienenen Erzählungen Adelheid Duvanels in einem Band, der dieser grossartigen Autorin wieder den Platz in der Schweizer Literatur einräumt, der ihr gebührt.

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Daniel kommt aus der Schule; die getönten Brillengläser werfen einen gelben Schatten auf seine Wangen. Die Bläue des Himmels ist zwischen die Häuser gesunken, und von den Dächern tropft Wasser. Fremd sind die Leute, die sich auf der Straße bewegen, und fremd ist Daniel; wenn ihn Tante Martha einlässt, büßt er ein wenig von seinem Fremdsein ein. Sie öffnet sonst niemandem ihre Tür; sie hat nichts zu geben und erwartet nichts.

Heute geht Daniel an den rosa Türpfosten vorbei und weiter die Straße entlang; seine Augen sind plötzlich mit grellem Sonnenlicht gefüllt. Er hat den Eindruck, sein Gesicht habe sich in diesem beißenden Licht verunstaltet; er bedeckt es mit den Händen, um die Leute nicht zu erschrecken. Alles ist in Auflösung begriffen. Er denkt, dass Tante Martha im Bett liege und über den Föhn klage, der ihr Herz zusammenpresst, während Onkel Benno mit seinen Schülern ein Frühlingslied übt. Daniel will fortgehen, um auf einem Dach zu leben; auf dem höchsten Dach der Stadt. Als seine Mutter tot war, hatte er den Eindruck, jemand habe ihn losgeschnitten, wie man die Fäden einer Marionette durchschneidet, so dass sie leblos zu Boden fällt. Er wurde liegengelassen. Nun trägt er die drei Plüschaffen in seiner Schulmappe mit sich; er wird für sie ein Reich gründen; er wird ihr Herrscher und der Herrscher der Vögel sein, die mit den Wolken über sein Dach fliegen und grüßen.

Tante Martha kommt ihm entgegen; sie geht schief, weil sie eine schwere Einkaufstasche trägt, und wirkt wie ein drohender Schatten im Gegenlicht. Daniel versucht, seinen Unterkiefer nach hinten zu drücken, um ihr nicht zu gleichen; es ärgert ihn auch, dass er wie sie einen kleinen Buckel hat, und er bemüht sich um eine aufrechte Haltung. «Wo gehst du hin?», fragt Tante Martha; ihre haferfarbenen Au­gen blicken durch ihn hindurch. Daniel lässt die Schultern nach vorn fallen und gibt seinem Unterkiefer die alte Form.

«Du hast die Affen von der Lampe genommen», sagt Tante Martha, «in der Schule spielt man nicht mit Affen.» – «Du bist ein ausgetrocknetes Tintenfass», antwortet Daniel und wartet ab, doch Tante Martha lächelt und säuselt nicht, sondern setzt ihren Weg mit kaltem Gesicht fort; er folgt ihr.

Sechs Ecken

Helen kann den Ofen, der hinter der Tür steht, nicht heizen; der Rauch kröche zwischen den zerbrochenen Kacheln hervor, und da das Zimmer im Ganzen einen recht höflichen Eindruck macht, würde es sich nicht gegen den Rauch zur Wehr setzen, wie es sich auch nie gegen die Küchendämpfe empört hat, als Wendelin – Helens Mann – noch seine Mahlzeiten in der Küche nebenan kochte und die Tür offenstehen ließ.

Die Tür steht immer noch offen; meist vergisst Helen auch, die Wohnungstür zu schließen, denn an die Leute, die dort draußen vorbeigehen und den Türspalt ins Auge fassen, verschwendet sie keinen Gedanken. Sie sind ihr gleichgül­ti­ger als der ausgestopfte Rabe, der auf der Lehne des Kanapees steht und seine Füße betrachtet. Vielleicht träumt er von der Sonne, die ihre flammenden Wangen hinter Schleiern verbirgt und immer tiefer in den Winterhimmel sinkt.

Die Wohnung liegt im Parterre; da die Rollläden morsch und auseinandergefallen sind, schützen nur isabellfarbene Vorhänge vor der Nähe der unverständlichen Tage. Eine runde Lampe – in einer Ecke des Zimmers – schwimmt im Fensterglas, schwebt zwischen innen und außen wie ein starrer, gelber Fisch. Wendelin ist nicht mitgekommen ins Neue Jahr; er ist irgendwo im Alten geblieben – dort draußen. Helen glaubt, es sei in andern Zeiten gewesen, als er sang: «Ein Fräulein freut sich im Freuhling»; Helen saß auf dem Stuhl in der Ecke, hielt ihre Brille in den Händen, hatte das gedunsene Gesicht einer kranken Füchsin darübergebeugt und putzte die Gläser mit dem Saum ihres Kleides; sie sah das Muster des Teppichs verschwommen. Schon seit einiger Zeit kann sie nicht mehr vordringen; sie bleibt an Ort, spürt Angst, auch dieser Ort beginne wegzurücken.

Helen atmet mit geöffneten Lippen; ihre Füße sind immer kalt. Sie isst sehr viel, häuft Berge von Esswaren um sich und in sich. Sie ist eine Abtrünnige, sie versteht die andern dort draußen – auch Wendelin – nicht. Sie will nichts wissen von Schlüsseln, mit denen man an Türschlössern manipuliert, um endlich die Tür aufstoßen zu können, die den Weg versperrt hat, der wegführt. Alle wollen weg, alle gehen weg – sie bleibt. Sie hat seit einiger Zeit alle Spuren zugedeckt, alle Wegkreuzungen vergessen. Sie glaubt nur an Ecken; in einer Ecke lässt sie sich nieder, den Rücken geschützt, und kann alle andern Ecken im Auge behalten. Dieses Zimmer ist sechseckig; jeden Tag rettet sie sich in die gleiche Ecke; die Zim­merecken sind Bestandteile ihres Widerstandes.

Autos stehen mit erfrorenem Motor längs der Straßen, und der Januar pumpt kalten Atem ins Zimmer. Die Vorhänge zittern, und Helen glaubt, der Rabe habe den Käse gestohlen, denn nichts Essbares ist mehr zu finden. Sie wird verhungern in ihrer Ecke und erfrieren, aber sie bleibt sitzen, holt keine Wolldecke, füllt keine Wärmeflasche und braut keinen Tee. Eine Stimme verliert sich hinter den sechs Ecken: «Ein Fräulein freut sich im Freuhling …»

Stumm hält der Rabe den Kopf gesenkt; Helen sieht sein Gesicht nicht – nur den Nacken und die Stirn. Vielleicht träumt er, die Sonne dränge sich aus den Schleiern, und das Regenwasser blitze zwischen den Pflastersteinen und funkle, als tummelten sich Tausende von Edelsteinfüßlern, Goldflöhen und Diamantkäfern in den Straßen der Stadt.

Schritte

Nur Anna, das Jüngste der Kinder, hatte sich vor der Stiefmut­ter verschlossen; später erinnerte es sich aber an den eigen­artigen, selten und überraschend aufleuchtenden Humor und an die schweigsame Güte der Frau, die sich ihren Platz in der Mitte nicht erkämpfen musste; er wurde ihr geschenkt.

Als Anna einen Sohn geboren hatte, brachte sie ihn der alt und müde gewordenen Mutter, Anna besuchte das Kind selten, denn sie war in eine große Stadt gezogen und bewohnte zwei Leben zur gleichen Zeit, bewegte sich in der lichten Welt ihrer Vorstellungen und in der harten, grauen Welt außerhalb. An Sonntagen reiste sie aber manchmal mit dem Zug und ging aufrecht, fast steif zu Fuß vom Bahnhof zum Elternhaus.

Heute trug Anna in einem Korb ein junges Kaninchen für Paul, den Sohn. Paul gehörte zur Welt ihrer Vorstellungen; sie sah ihn hochmütig, mit nachtkühlen Augen und Händen, die nichts halten konnten. Nun, da die alte Mutter gestorben war, musste Anna das Kind zurückholen. Hinter der baufälligen Kirche, in der Annas matte Kindersonntage gefangen gehalten wurden, stieg sie über ausgetretene Stufen auf den Platz hinunter, wo Leute sich um einen Brunnen scharten und über die Erklärungen eines Reiseführers lachten. Plötzlich sah sie ihr Kind: Vor der Glasfassade des neuen Hotels übte es selbstvergessen Tanzschritte, während bunte Fahnen den Takt klatschten. Paul begann immer wieder an der gleichen Stelle, bewegte sich wiegend vorwärts, streckte die kurzen Arme waagrecht auf beide Seiten und betrachtete sich im spiegelnden Glas, ohne der schwarz gekleideten Frau Beachtung zu schenken, die er nicht erkannte.

Anna ging dem Kanal entlang, stieß eine schwere Tür auf, von der jemand die Farbe notdürftig abgekratzt hatte, und betrat den halbdunkeln Raum, in dem ein Greis wie ein Pilz in einem Lehnstuhl wucherte. Als Kind hatte sie vor vielen Jahren mit dem Finger «Mutter» auf den schmutzigen Spiegel geschrieben, der am Boden stand; die Schrift war noch da. Anna bemerkte durch das Fenster an der hintern Wand den verkrüppelten Baum, der mit hellgrünen Wimpeln die Sonne begrüßte, die wie eine Wunderblume aus dem steinernen Himmel schoss; eine an einem dünnen Ast aufgespießte Vogelfeder zitterte im Wind.

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