Thujahecke in «Die Hecke»
Bei den Nutzgärten kann man verallgemeinernd zwei Kategorien bilden: So gibt es die sehr aufgeräumten Gärten mit intensivem Anbau und Einsatz von diversen Hilfsstoffen. Hier werden meistens nur die reinen Nutzpflanzen zugelassen. In permakulturähnlichen Gärten hingegen sind auch Wildpflanzen geduldet, weshalb sie wesentlich artenreicher sind. Wenn vereinzelt Gemüse auch zum Blühen kommt, sind sie gut besuchte Nektar- und Pollenquellen.
Einen besonderen Stellenwert punkto Artenvielfaltnehmen die Naturgärten ein. Sie sind – trotz Eingriffen der Menschen – am «natürlichsten». Entsprechend können hier immer wieder neue und oft überraschende Entdeckungen gemacht werden. Naturgärten sind allerdings der Öffentlichkeit kaum je zugänglich. Vielleicht besitzen Sie aber selber einen naturnahen Garten in urbaner Umgebung oder kennen jemanden, der Zugang zu einem solchen Garten hat.
Igel
Entsprechend der oben aufgezeigten Vielfalt an Gartentypen ist auch das Spektrum an möglichen Gartenbewohnern sehr groß. Zu den typischen Gartenbewohnern gehören neben zahlreichen Wirbellosen (Insekten, Spinnentiere, Schnecken) die Amsel (Turdus merula) , Kohlmeisen (Parus major) und Haussperlinge (Passer domesticus) , aber auch Eidechsen, Blindschleichen, verschiedene Amphibienund kleinere Säugetiere.
Der Siebenpunkt-Marienkäfer (Coccinella septempunctata) ist eine der häufigsten Marienkäferarten und in fast allen Gärten zu finden.
«Konzert oder Nachtruhestörung?»
Vielfalt im Kompost 
Eine außerordentliche Dichte und Vielfalt an Lebewesen lässt sich im Kompost entdecken. Da es sich dabei vorwiegend um kleinere Bewohnerdes Bodens oder der Streuschicht handelt, sieht man viele von ihnen nur bei genauem Hinschauen. Nimmt man sich die Zeit dazu, so kann man die zahllosen Würmer, Asseln, Schnecken, Käferlarven und Tausendfüßer bei der Zersetzung des organischen Materials beobachten. Neben diesen gut sichtbaren Wirbellosen gibt es aber unzählige Kompostlebewesen, die von bloßem Auge kaum oder gar nicht sichtbar sind. Neben Spinnentieren und Springschwänzen gehören vor allem auch Pilze und Bakterien dazu. Nicht alle diese Lebewesen ernähren sich aber direkt von den Gartenabfällen. Gewisse Pilze und Bakterien sind bei den ersten Abbauschritten beteiligt. Viele Wirbellose wie Asseln und Schnecken fressen das unzerkleinerte Grünmaterial. Von den Nährstoffen in deren Ausscheidungen leben wiederum die sogenannten Koprophagen (Kotfresser). Weiter gibt es die räuberisch lebenden Arten und die Parasiten. Der letzte Abbauschritt zu den mineralischen und somit wieder den Pflanzen verfügbaren Nährstoffen erfolgt schließlich durch Bakterien.
Leben im Kompost
Gebäude und Brücken
Grünflächen und andere natürliche Strukturen wie Bäume sind offensichtlich wichtige Elemente für die Artenvielfalt einer Stadt. Es gibt aber noch verschiedene andere Strukturen, die gerne von bestimmten Tier- und Pflanzenarten besiedelt oder genutzt werden. So dienen Gebäudefassaden, aber auch Bauwerke wie Brücken zahlreichen Arten als Lebensraum, Versteck oder Niststandort. Viele dieser Arten lebten oder nisteten früher fast ausschließlich an Felswänden und haben somit an Gebäuden und Brücken geeignete Ersatzlebensräume gefunden. Typische Bewohner solcher «Felswände» sind Felsenbrüter wie Hausrotschwanz (Phoenicurus ochruros) , Mauersegler (Apus apus) und Wanderfalke (Falco peregrinus) .
Hausrotschwanz
Mauersegler
Wanderfalke
An Gebäuden finden aber auch Arten aus verschiedenen anderen Lebensräumen Unterschlupf und Neststandorte. Dazu zählen auch manche Waldarten, die ursprünglich in oder an Bäumen brüten und nun in Dörfern und Städten vergleichbare Strukturen auch an Gebäuden finden. Besonders wertvoll sind in dieser Hinsicht alte Gebäude mit oftmals reich strukturierten Fassaden, Nischen und Dachvorsprüngen. An neuen oder energetisch sanierten Gebäuden fehlen hingegen die wertvollen Nischen und Zugänge oft. Vielerorts wurden aber durch Naturschutzorganisationen oder Einzelpersonen auch wieder künstliche Nisthilfen angebracht. Sind diese fachgerecht ausgeführt und gut positioniert, werden sie in der Regel gerne angenommen.
Alte Bauten bieten verschiedene Verstecke und Unterschlupfmöglichkeiten.
Nest eines Hausrotschwanzes (Phoenicurus ochruros) mit Nestlingen in einer Gebäudenische
Neben den Gebäudefassaden können auch Dächer Ersatzlebensräume bieten. Sie sind der Sonneneinstrahlung, aber auch Wind, Niederschlägen und Kälte stark ausgesetzt. Auf den Dächern kommt es daher zu extremen Schwankungen bezüglich Temperatur und Feuchtigkeit. Mit solchen stark und schnell wechselnden Bedingungen kommen nur besonders angepasste Arten zurecht, insbesondere Flechten, Moose, aber auch einige höhere Pflanzen. Neben der Nutzung durch Vögel als Sing- oder Jagdwarte können besonders alte Dächer mit ihren Nischen auch als Niststandorte dienen. Eine Sonderstellung nehmen die Flachdächer ein: Werden diese nicht von Menschen genutzt, so sind sie oft mit Kies oder einer extensiven Begrünungbedeckt. Derart «unberührte» Standorte können eine erstaunliche Artenvielfalt entwickeln. Auf großen ausgedehnten Flachdächern wurden sogar schon verschiedene bodenbrütende Vogelarten, u.a. der vielerorts seltene Kiebitz (Vanellus vanellus) , nachgewiesen.
«Unscheinbares Grün»
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