Obwohl StädteTiere und Pflanzen nicht einfach automatisch ausschließen, sind in den sehr intensiv genutzten und dicht überbauten Zonen kaum seltene Arten zu erwarten. Es ist aber die für Städte typische heterogene und kleinräumige Struktur, die zahlreichen Arten eine Nische bietet. Sie gleichen dabei mitunter den früher in Europa vorherrschenden kleinräumigen Landwirtschaftsflächen, die in den vergangenen Jahrzehnten aber zunehmend durch Monokulturen und den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu außerordentlich artenarmen und schwer zu besiedelnden Flächen geworden sind. Viele der ursprünglich dort heimischen Arten sind daher in die Dörfer und Städte abgewandert, wo sie aufgrund der außerordentlichen Strukturvielfalt auf relativ kleinem Raum einigermaßen geeignete Ersatzlebensräume finden konnten. Viele Pflanzen- und Tierarten, die auf diese Weise in die von Menschen bewohnten Zonen vorgedrungen sind, werden entsprechend als «Kulturfolger»bezeichnet.
Tiere in der Stadt
Auch auf kleinem Raum lassen sich Lebensräume für Schmetterlinge, Heuschrecken, Käfer und andere Kleintiere schaffen.
«Blauäugiger Kulturfolger»
«Wildtiere in der Stadt – Stadtfüchse»
Parkanlagen und Stadtwälder
Parkanlagenund Stadtwälder sind oft die naturähnlichsten Lebensräume in städtischen Gebieten. Manchmal ist die Abgrenzung zwischen baumreichen Parkanlagen und Stadtwäldern nicht ganz eindeutig zu ziehen. Parkanlagen umfassen meistens sowohl Grünflächen mit Blumenbeeten als auch Baumbestände. Je nach Größe, Architektur, Nutzungs- und Erschließungsgrad können sich die Artenzusammensetzung und die Vielfalt solcher Anlagen stark unterscheiden. Geometrisch angelegte, mit Zierpflanzen und Zierteichen versehene und intensiv gepflegte Pärke sind oft relativ arm an einheimischen Tier- und Pflanzenarten. Für interessante Naturbeobachtungen am erfolgsversprechendsten könnten hier allenfalls vorhandene alte Baumbestände oder Teichesein. Am anderen Ende des ökologischen Spektrums sind die Stadtwälder anzusiedeln, die sich manchmal kaum von Wäldern auf dem Land unterscheiden. Oft liegen sie auch in peripheren Bereichen der Städte und sind daher mit dem Umland vernetzt. Aufgrund ihrer Struktur und Baumzusammensetzung bieten sie vielen typischen Waldarten Lebensraum. Die Nutzung als Naherholungsraum kann aber für störungsempfindlichere Arten oft zu intensiv sein. Es gibt mittlerweile auch immer mehr Stadtverwaltungen, die zumindest gewisse Teile ihrer Parkanlagen bewusst sehr zurückhaltend pflegen lassen und somit auch verschiedenen Tieren und Pflanzen Lebens- und Rückzugsraum bieten. Je nach Zustand und Größe von Parkanlagen können neben den weitverbreiteten und häufigen Siedlungsarten unter Umständen auch seltenere Arten, wie beispielsweise der Wendehals (Jynx torquilla) beobachtet werden. Entscheidend ist auch die Lage solcher Parks: Von intensiv genutzten Siedlungsgebieten umgebene Parkanlagen weisen meistens eine geringere Vielfalt auf als Anlagen mit einer Vernetzung zu anderen naturnahen Lebensräumen. Sehr mobile Arten wie Vögel oder Fluginsekten können aber natürlich auch isolierte Standorte erreichen. Daher lassen sich zum Beispiel der Kleiber (Sitta europaea) , aber auch Grünspecht (Picus viridis) , Dohle (Corvus monedula) und der Hausrotschwanz (Phoenicurus ochruros) vielerorts beobachten. Über blumenreichen Wiesen gaukeln an schönen Tagen oft auch zahlreiche Schmetterlingsarten wie der Hauhechelbläuling (Polyommatus icarus) oder der Schwalbenschwanz (Papilio machaon) . Wo es naturnahe Gewässer gibt, die möglichst auch mit dem Umland vernetzt sind, können auch verschiedene Libellen- und Amphibienarten oder gar die Ringelnatter (Natrix natrix) leben.
Stadtpark
«An städtischen Gewässern»
Stadtwälder sind oft von einem dichten Wegnetz durchzogen.
Kleiber (Sittia europaea) sind typische Bewohner von Eichen und Buchen, wie sie oft in Parkanlagen und Stadtwäldern vorkommen. Anders als andere Vogelarten, läuft der Kleiber auch kopfüber den Stamm hinunter.
Der Vierfleck (Libellula quadrimaculata) ist eine häufige und verbreitete Großlibelle, benannt nach den schwarzen Flecken auf den Flügeln (am Nodus). Sie ist eine Charakterart pflanzenreicher Stillgewässer.
Wendehals
Kleiber
«Sonnenhungrige Kletterer und andere Reptilien»
Naturgärten können auch auf kleinem Raum eine große Artenvielfalt aufweisen.
Gärten
Unter dem Sammelbegriff «Garten» werden ganz unterschiedliche Lebensräume zusammengefasst. Das Spektrum reicht vom Englischen Rasen mit Zierrosenbeet und exotischen Sträuchernüber den produktiven Gemüsegarten bis zum alten und oft verwildert wirkenden Naturgarten. Entsprechend sieht es auch mit der zu erwartenden Artenvielfalt aus : In weitgehend unterschlupffreien Ziergärten werden sich nur wenige Generalisten unter den Tieren verirren. Zudem sind die hier zu beobachtenden Tiere meist nur vorübergehend da, weil sie kaum die benötigten Strukturen zur Entwicklung und Überwinterung finden. Solche Flächen mögen zwar nach ästhetischen Gesichtspunkten gefallen, sind aber eigentlich als «ökologische Wüsten» zu bezeichnen.
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