Und es gibt auch Vorteile: Je selbstständiger Ihr Kind wird, desto mehr Freiheiten und Auszeiten gewinnen Sie selbst in Ihrem Alltag zurück! Das kann am Anfang ungewohnt und vielleicht sogar beängstigend sein. Wenn Sie sich darauf einlassen, können Sie aber davon profitieren, etwa mit einem neuen Hobby, einer beruflichen Neuorientierung oder einfach mehr Zeit zum Ausspannen.
Bestimmt haben Sie schon davon gehört oder gelesen, dass die Pubertät immer früher einsetzt und auch länger dauert.
Im Schnitt bekommen Mädchen heute bereits mit zwölf Jahren zum ersten Mal ihre Tage. Man vermutet, dass der Körper durch die reichhaltige Ernährung signalisiert bekommt, zur Fortpflanzung bereit zu sein.
Die körperliche Reifung ist im Schnitt bei Männern und Frauen mit etwa 16 bis 17 Jahren abgeschlossen, das Längenwachstum kann sich allerdings auch noch bis zum 21. Lebensjahr fortsetzen.
Die soziale und psychologische Reifung kann sich allerdings noch lange hinziehen. Je nach Charakter und persönlicher Situation bis etwa zum dreißigsten Lebensjahr. Auch eine lange Ausbildung zieht die Jugendzeit in die Länge.
Das Verhältnis zu den Eltern entspannt sich meistens schon deutlich früher wieder. Nach den ersten Jahren der Pubertät geht die Streitlust der meisten Teenies schon wieder etwas zurück.
Die häufigsten Krisenherde
Krisen kommen in Familien mit pubertierenden Kindern immer wieder vor. Häufig sind
Streit,
Entfremdung,
Vertrauensverlust und
psychische Schwierigkeiten.
Krisen müssen aber kein Dauerzustand sein! Mit der richtigen Kommunikation können Sie viel erreichen – und andersherum ist eine fehlerhafte Kommunikation nicht selten ein Auslöser für eine Krise.
Sie sollten außerdem nicht vergessen, dass Krisen, so nervenaufreibend sie auch sein können, in dieser Phase des Lebens normal sind und die Jugendlichen im besten Fall daran wachsen.
Krisen haben oft etwas mit dem Finden der eigenen Identität zu tun – einem der wichtigsten Themen von Heranwachsenden. Um herauszufinden, wer und wie sie sind, gehen viele Teenager Risiken ein oder tun Dinge, die ihre Eltern nicht nachvollziehen können. Dazu gehören auch der Umgang mit dem eigenen Körper, ihr Essverhalten und die schulischen Leistungen.
Ein weiteres großes Konfliktfeld, das in den letzten Jahren immer extremer geworden ist, findet sich im Bereich der Mediennutzung.
Konflikte durch Identitätsfindung
Jugendliche fühlen und verhalten sich oft extrem. Viele kleiden sich auffällig, wechseln immer wieder ihre Frisuren und Haarfarben, wünschen sich Tattoos und Piercings. Sie hungern und treiben viel zu viel Sport, essen nur bestimmte Dinge, um den Planeten zu retten oder experimentieren mit Drogen und Alkohol.
Je nachdem, woran ihre Sprösslinge sich gerade abarbeiten, reagieren die meisten Eltern mit Sorge auf das extreme Verhalten ihrer Kinder.
Sorgen können berechtigt sein – hilfreich sind sie meistens nicht. Oft stehen sie einem planvollen und angemessenen Handeln sogar im Weg. Wenn Sie sich Sorgen machen und mit Ihrem Kind darüber sprechen möchte, sollten Sie sich unbedingt überlegen, wie Sie am besten vorgehen.
Jugendliche fühlen sich schnell unverstanden und entmündigt, wenn Mütter oder Väter ihnen aus Sorge etwas verbieten wollen. Schnell entsteht der Eindruck, dass ihre Eltern sie nicht wirklich wahrnehmen und nur auf ihre eigenen Interessen achten. Jugendliche brauchen Grenzen, aber:
Hinterfragen Sie Ihre Sorgen. Sind sie wirklich berechtigt?
Versuchen Sie, Verständnis für die Aktionen Ihres Kindes aufzubringen.
Halten Sie Konflikte, die daraus entstehen, aus.
Körper, Ernährung und Gesundheit
Ihr Körper ist für viele Jugendliche ein sensibles Dauerthema. Oft stellen sie ihr Aussehen infrage. Kleine Makel nehmen sie wie durch ein Vergrößerungsglas wahr.
Mode ist vielen Teenies wichtig. Über ihren Kleidungsstil können sie sich ausdrücken. Manche kleiden sich ganz bewusst immer nach der neuesten Mode, um Zugehörigkeit herzustellen, oft auch um ihren Status unter Beweis zu stellen. Kapitel 8beschäftigt sich mit dem Thema »Modebewusstsein und Modezwang«. Andere grenzen sich durch ihr Outfit eher ab, zum Beispiel um zu zeigen, dass sie beim allgemeinen Konsumverhalten nicht mitmachen.
Sehr zum Missfallen vieler Eltern haben manche Mädchen das Bedürfnis, sich besonders sexy zu kleiden, etwa mit einem tiefen Ausschnitt und sehr kurzen Hosen oder Röcken. Auch das Thema »bauchfrei« dürfte in vielen Familien für Diskussionen sorgen.
In Kapitel 4finden Sie ausführliche Informationen zu diesem Thema und Tipps, wie Sie damit umgehen können.
Auch die Ernährung kann zu Konflikten führen, wenn Sie beispielsweise befürchten müssen, dass Ihr Kind eine Essstörung entwickelt. In Kapitel 11erhalten Sie Anregungen zum Umgang mit diesem Problem sowie Informationen, wo Sie Hilfe bekommen.
Aber auch unabhängig von gefährlichen Tendenzen kann das Thema Essen zu Streit führen, etwa wenn Jugendliche dogmatische Vegetarier oder Veganer sind und keine andere Einstellung akzeptieren können. Hiermit beschäftigt sich Kapitel 7.
Und wann kann Sport eigentlich zu viel werden? Über das Thema Fitnesswahn lesen Sie in Kapitel 9.
Der Klassiker unter den Ängsten, die Eltern pubertierender Kinder haben, ist wohl die Sorge vor gefährlichen Dingen, die die Sprösslinge ausprobieren könnten. Dazu zählen zum Beispiel:
Alkohol trinken
Drogen ausprobieren
Rauchen
Diebstahl
gefährliche Aktionen wie das Klettern auf Dächer oder S-Bahn-Surfen
Umgang mit »falschen« Freunden
Beziehungen, in denen sie ausgenutzt oder missbraucht werden
ungeschützter Sex
sich unbedacht in sozialen Medien zu präsentieren und zu viel von sich preiszugeben
sich einer radikalen Ideologie anzuschließen
Manche dieser Dinge tun Jugendliche, um sich den Respekt ihrer Clique zu erobern oder um endlich richtig dazuzugehören. Auch Mutproben werden immer noch in vielen Gruppen veranstaltet.
Dass Teenager Dinge ausprobieren, mit denen Eltern nicht einverstanden sind, ist nicht unnormal. Manches müssen sie einfach selbst erlebt haben, um festzustellen, dass es falsch war.
Jugendliche tun aber auch Dinge, die sie eigentlich gar nicht tun möchten. Das Neinsagen fällt ihnen dann schwer, sie haben Angst, zum Außenseiter zu werden oder als uncool zu gelten. Hier können Eltern helfen, indem sie die Entwicklung eines gesunden Selbstwertgefühls ins Zentrum ihrer Erziehung stellen. Sie können Ihr Kind dabei unterstützen, sich selbst zu akzeptieren und Selbstvertrauen aufzubauen.
Weil das Selbstwertgefühl bei jedem Thema dieses Buches eine Rolle spielt, finden Sie immer wieder Tipps dazu.
Während der Pubertät ist vielen Schülerinnen und Schülern alles Mögliche wichtiger als die Schule. Kein Wunder, schließlich ist jetzt viel los bei ihnen: Sie stellen Alltägliches infrage, durchleben Phasen großer Unsicherheit und starke Emotionen. Anders als Erwachsene leben sie noch stärker im Hier und Jetzt – was übrigens sehr gesund ist, sich aber negativ auf das Bestreben auswirken kann, langfristig einen guten Schulabschluss zu erreichen.
Читать дальше