Gertrude Aretz - Gesammelte Werke

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Gertrude Aretz war eine deutsche Historikerin, bekannt für das Schreiben von Biographien berühmter historischer Persönlichkeiten wie Napoleon Bonaparte, Elisabeth I., Kaiserin Katharina II und anderen.
Diese Sammlung enthält:
"Berühmte Frauen der Weltgeschichte" – Jede Frau in diesem Buch spielte eine Rolle in der Geschichte ihres Heimats oder in der Weltgeschichte.
"Königin Luise" – Dieses Buch erzählt über das Schicksal von Königin Luise nicht nur als Frau von Friedrich Wilhelm III, sondern auch über ihre persönlichen Erfahrungen, Leiden und die Opfer, die sie für den Aufstieg Preußens gebracht hat.
"Elisabeth von England" – Lebensgeschichte der der mächtigen jungfräulichen Königin
"Glanz und Untergang der Familie Napoleons" – Napoleon Bonaparte wäre nicht das, was er wurde, wenn seine Familie nicht wäre. Dieses Buch erzählt Ihnen von seinen Verwandten und ihrem enormen Einfluss auf die Geschichte Europas.
"Die elegante Frau" – Die Geschichte der Eleganz durch die Linse der Mode der verschiedenen Jahrhunderte

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Auf jeden Fall war die Revolution, die Peter den Thron und etwas später das Leben kostete, durchaus nicht in allen Punkten vorbereitet und reiflich überlegt. Sie geschah ganz plötzlich durch die Gewalt der Umstände. Es wurde das Gerücht laut, dass Peter bereits ein Manifest zur Verhaftung der Kaiserin und des Grossfürsten erlassen habe; sie sollte in der Nacht vom 10. Juli (29. Juni) stattfinden. Gleichzeitig beabsichtigte er in derselben Nacht seine Trauung mit Elisabeth Woronzoff vollziehen zu lassen. Einige Tage vorher hatte er die Gräfin mit dem Katharinenorden geschmückt. Am Morgen des 8. Juli (27. Juni) verbreitete sich bereits in Petersburg die Kunde, Katharina sei nach Schlüsselburg gebracht worden. Bei einem der Verschworenen, Hauptmann Passek, erschien ein Soldat der Garde, um ihn zu benachrichtigen, dass schleunige Hilfe nottäte, um die Kaiserin zu retten. Ein nicht eingeweihter Offizier hörte diese Mitteilung und liess sofort Passek verhaften, worauf er den Zaren, der sich zu jener Zeit in Oranienbaum befand, von dem Vorgefallenen unterrichtete. Für Katharina und ihre Helfershelfer war die Stunde des Handelns gekommen.

Noch in derselben Nacht vom 8. zum 9. Juli (27./28. Juni) 1762, um 5 Uhr morgens, trat Alexis Orloff unangemeldet in das Schlafzimmer der Kaiserin in Peterhof und weckte sie. Es ist Zeit, sagte er nur. Katharina lag in tiefem Schlaf. Sie musste sich erst besinnen, um was es sich handelte. Als sie nähere Erklärungen wissen wollte, sagte Orloff, der Hauptmann Passek von der Garde sei verhaftet worden, und man müsse schleunigst nach Petersburg aufbrechen, um sie zur Selbstherrscherin ausrufen zu lassen. Katharina kleidete sich in grösster Eile an und bestieg einen Wagen, den Orloff mitgebracht hatte. Nur eine ihrer Kammerfrauen, die treue Schargorodskaja, nahm an ihrer Seite Platz. Orloff setzte sich zu dem Kutscher Schkurin auf den Bock, und fort ging's im rasenden Galopp nach Petersburg. Unterwegs begegnete man dem Friseur der Kaiserin, der jeden Morgen nach Peterhof kam, um Katharina zu frisieren. Auch er wurde mitgenommen.

Man hatte indes nicht daran gedacht, Pferde zum Auswechseln aufzustellen. Es waren 30 Kilometer von Peterhof nach der Hauptstadt zurückzulegen! Zuletzt kam man nur noch langsam von der Stelle, so sehr man auch die armen Tiere antrieb. Glücklicherweise hatten Gregor Orloff und der Fürst Bariatinski, die bereits um das Schicksal der Kaiserin besorgt waren, den guten Gedanken gehabt, ihr entgegenzufahren. Fünf Werst vor Petersburg begegneten sie ihr. Schnell bestieg Katharina ihren Wagen und gelangte nun in kurzer Zeit bis vor die Kaserne des Ismailofskischen Regiments.

Auch hier war nichts auf ein solches Ereignis vorbereitet. Nur wenige Soldaten waren da. Man trommelte jedoch den kleinen Haufen zusammen, gab ihnen viel Wodka zu trinken, und die Soldaten schrien alles, was man von ihnen verlangte. Zwei von ihnen mussten einen Priester holen. Der Pope war sogleich zur Stelle und tat ebenfalls alles, was gewünscht wurde, erhob das Kreuz und murmelte die Formeln eines Eides; die Soldaten knieten nieder und huldigten der Kaiserin als Autokratin.

Von hier aus fuhr die Kaiserin mit ihren Begleitern zur Kaserne des Preobrashenskischen Regiments. Dort stiess man anfangs auf gewissen Widerstand, weil Ssemen Romanowitsch Woronzoff, ein Bruder der Mätresse Peters, eine Kompagnie befehligte und die Sache des Kaisers und seiner Schwester zu wahren suchte. Bald aber überwog die für Katharina stimmende Partei, und das ganze Regiment brach in Hochrufe aus und leistete den Eid. Vom Grossfürsten war bei alledem nicht die Rede. Woronzoff und der Major Woijekoff zerbrachen vor Scham um diesen Treubruch gegen den Zaren ihre Degen. Sie gerieten in Gefahr, von der Menge gelyncht zu werden. Woijekoff rettete sich durch die Flucht; Woronzoff wurde verhaftet, weil man befürchtete, er werde nach Oranienbaum reiten und den Zaren von den Vorgängen in der Hauptstadt in Kenntnis setzen. Katharina vergab später beiden Offizieren, aber sie vergass nicht. General Villebois von der Garde zu Pferd, einer ihrer glühendsten Verehrer, stellte ihr vor, welchen Schwierigkeiten sie begegnen werde bei einem solchen Unternehmen. Katharina sah ihn mit grossen Augen kalt und stolz an und sagte: «Ich habe Sie nicht rufen lassen, um Ihre Meinung zu hören. Was gedenken Sie zu tun?» Da sank auch er vor ihr auf die Knie und huldigte ihr.

An der Spitze der so gewonnenen Truppen zog die Kaiserin zur Muttergotteskirche von Kasan, um dort den Treueid ihrer neuen Untertanen zu empfangen. Nikita Panin erschien hier mit dem achtjährigen Grossfürsten Paul, der auf diese Weise an seiner Entthronung teilnahm; denn nicht seiner Mutter, sondern ihm wäre die Krone zugekommen, die man Peter III. entriss. So hatte es wohl auch Panin beabsichtigt. Er wollte Katharina nur als Regentin ihres Sohnes proklamiert wissen, kam aber zu spät.

Um die Kirche herum standen 10 000 Soldaten, zum grossen Teil nur halb bekleidet, aber alle stark bewaffnet. Der Erzbischof von Nowgorod, die Grafen Rasumowski, ehemalige Günstlinge der Kaiserin Elisabeth, Graf Bruce, Graf Stroganoff, Fürst Wolkonski und andere Würdenträger waren erschienen. Im Triumphe wurde Katharina in den Winterpalast geleitet. Hier waren der Senat und die Heilige Synode versammelt. Eine Menge ordengeschmückter Menschen drängte sich um die noch junge Herrscherin, ihr die Hand zu küssen. Nur der Kanzler Woronzoff wollte das alles nicht begreifen. Er fragte die Kaiserin sehr naiverweise, warum sie Peterhof verlassen habe. Statt aller Antwort gab sie nur ein Zeichen, ihn hinwegzuführen. Man sagte ihm, er solle in der Kirche den Eid leisten, und er ging und tat es einige Tage später. Seine Nichte, die Fürstin Katharina Romanowna Daschkoff, langte etwas spät im Winterpalast an. Ihr Wagen hatte sich durch die ungeheure Menschenmenge, die das Schloss und die umliegenden Strassen umlagerte, keinen Weg bahnen können. Als sie jedoch endlich vor dem Palaste anlangte, wurde sie von den Soldaten der Garde im Triumphe bis zur Kaiserin getragen, die sie herzlich umarmte und ihr den Katharinenorden, den sie selbst trug, umhängte.

Inzwischen war von Teplow für die Kaiserin ein Manifest entworfen worden, worin Katharina besonders hervorhob, welche Gefahr dem Reiche und vor allem der Kirche durch die Regierung Peters gedroht habe, und wie übereilt sein Friedensschluss mit dem «Erzfeinde» (Friedrich dem Grossen) gewesen sei. Dann wurden die verschiedenen Massregeln getroffen, sich aller Truppen in der Umgebung der Hauptstadt zu versichern. In allen Strassen wurden Wachen aufgestellt und besonders die Strasse von Oranienbaum nach Petersburg stark militärisch besetzt. Bis dahin hatte ein grosser Teil der Soldaten an die Mär geglaubt, Peter III. sei durch einen Sturz vom Pferde plötzlich gestorben, aber bald wurde man gewahr, dass es sich hier nicht um eine regelrechte Thronfolge handelte, sondern um einen Gewaltakt. Die Anhänger Katharinas fürchteten, es könne sich doch ein Kampf entspinnen; denn Peter III. war in Oranienbaum von seinen holsteinischen Truppen umgeben. Man musste sich seiner Person versichern.

Während dessen hatte sich Peter von Oranienbaum nach Peterhof begeben, in der Absicht, sich selbst von der Wahrheit der Gerüchte zu überzeugen, die schliesslich noch unbestimmt bis zu ihm gedrungen waren. Er wollte seinen Ohren nicht trauen und durchsuchte fassungslos alle Gemächer im Schlosse nach seiner Frau. Aber das Nest war leer. Bald trafen auch zuverlässige Nachrichten bei ihm ein, die ihn überzeugten, dass Katharina das Aeusserste gewagt habe. Seine Umgebung und besonders der alte Feldmarschall Münnich rieten ihm, sich nach Kronstadt zu begeben und sich der Truppen und der Flotte zu versichern. Peter verwarf jedoch anfangs diesen Vorschlag und wollte sich in Peterhof mit seinen 1500 Holsteinern regelrecht verteidigen und den Ereignissen wie ein Soldat ins Auge sehen. Endlich gab er doch dem Drängen Münnichs nach und schiffte sich mit seinem ganzen Hofstaat, besonders mit einer Menge schöner Damen, auf einer Jacht und einem Ruderboot nach Kronstadt ein. Er zitterte an allen Gliedern und verbarg sich im tiefsten Innern des Schiffes mit Elisabeth Woronzoff, seiner Geliebten.

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