Gertrude Aretz - Gesammelte Werke

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Gertrude Aretz war eine deutsche Historikerin, bekannt für das Schreiben von Biographien berühmter historischer Persönlichkeiten wie Napoleon Bonaparte, Elisabeth I., Kaiserin Katharina II und anderen.
Diese Sammlung enthält:
"Berühmte Frauen der Weltgeschichte" – Jede Frau in diesem Buch spielte eine Rolle in der Geschichte ihres Heimats oder in der Weltgeschichte.
"Königin Luise" – Dieses Buch erzählt über das Schicksal von Königin Luise nicht nur als Frau von Friedrich Wilhelm III, sondern auch über ihre persönlichen Erfahrungen, Leiden und die Opfer, die sie für den Aufstieg Preußens gebracht hat.
"Elisabeth von England" – Lebensgeschichte der der mächtigen jungfräulichen Königin
"Glanz und Untergang der Familie Napoleons" – Napoleon Bonaparte wäre nicht das, was er wurde, wenn seine Familie nicht wäre. Dieses Buch erzählt Ihnen von seinen Verwandten und ihrem enormen Einfluss auf die Geschichte Europas.
"Die elegante Frau" – Die Geschichte der Eleganz durch die Linse der Mode der verschiedenen Jahrhunderte

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Ehrgeiz, Willenskraft und Eitelkeit waren bereits in diesem Kind stark entwickelt. Mit einer Ausdauer sondergleichen hatte es sich dem Studium der russischen Sprache ergeben, mit dem gleichen Ehrgeiz nahm die damals noch gläubige Lutheranerin den griechisch- katholischen Glauben an. Die kleine Prinzessin war nun nicht mehr die kleine Sophie, die mit zagendem Schritt die Schwelle des Tempels mit den goldstrotzenden Heiligenbildern überschritten hatte: als Grossfürstin Katharina Alexeiewna verliess sie die Kirche.

Dieselbe Katharina, die damals in der Kirche des Galavinski Dvarets so andächtig gekniet und die Worte in heiliger Scheu gesprochen hatte: «Ich glaube und bekenne, dass der Glaube nicht allein zu meiner Rechtfertigung genügt ...», spottete später als echte Schülerin Voltaires über die Bekehrungen im allgemeinen.

Die junge Katharina hatte keine Veranlassung, sich die Zukunft an der Seite eines solchen Gatten wie Peter schön und glücklich auszumalen. Sie fühlte sich bitter in ihrem Stolze gekränkt, beklagte sich aber gegen niemand. Ihr grenzenloser Ehrgeiz gewann immer die Oberhand. Sie weinte oft in ihrem Zimmer heisse Tränen, sobald sie aber von einer ihrer Hofdamen dabei überrascht wurde, verschwieg sie den wahren Grund. Der Gedanke, Mitleid zu erregen, war dieser Frau schon damals unerträglich. Dann hatte sie auch gleich anfangs begriffen, dass mehr als in jedem anderen Lande Geschenke Freunde machen. Sogar ihr Bräutigam kostete sie in dieser Hinsicht eine Menge Geld; denn er war sehr begierig auf Geschenke.

Es war keine rosige Brautzeit, die Katharina erlebte. Während der Grossfürst sich fast gar nicht um sie kümmerte und nur Interesse für kindische Spielereien hatte, liess sich Katharina die Werke Plutarchs, Ciceros und Montesquieus empfehlen und verschaffte sie sich so rasch wie möglich. Mit fünfzehn Jahren war sie fleissig wie ein reifer Mensch.

Ihr Aufenthalt in Moskau ging indes seinem Ende zu. Man bereitete sich langsam auf die Hochzeitsfeierlichkeiten vor, die in Petersburg stattfinden sollten. Im November trat die junge Prinzessin mit ihrem Verlobten die Reise nach der Hauptstadt an. Aber in Hatiloff musste Peter anhalten, weil er an den Pocken erkrankte. Aengstlich entfernte Elisabeth die junge Braut, die mit ihrer Mutter den Weg fortsetzte, während die Kaiserin selbst nicht von dem Krankenbett ihres Neffen wich. Katharina hatte jetzt zum ersten Male Gelegenheit, ihrem Bräutigam Briefe zu schreiben, und zwar in russischer Sprache. Es waren richtige Liebesbriefe mit jenen zärtlichen Koseworten, an denen die slawischen Sprachen so reich sind. Aber nicht Katharina war die Verfasserin jener zarten Beweise ihrer bräutlichen Liebe, sondern ihr Lehrer Adaduroff.

Erst Ende Januar 1745 konnte Peter seiner Braut nach Petersburg folgen. Er war schon früher nicht schön gewesen, jetzt aber hatten ihn die Pocken so entstellt, dass man ihn kaum wiedererkannte. Sein schwächlicher Körper war noch länger und dünner geworden. Das ganze Gesicht war geschwollen und gerötet und mit tiefen, ganz frischen Narben bedeckt. Dazu trug er eine ungeheure Perücke, weil man ihm während seiner Krankheit die Haare abgeschnitten hatte. Katharina erschrak furchtbar über seinen Anblick; sie musste all ihren Mut zusammennehmen, um ihn zärtlich zu umarmen und zu küssen. Aber sie tat es.

Sie selbst war seit ihrer Krankheit zu einem reizenden Mädchen erblüht. Die Kaiserin Elisabeth war von der bezaubernden Anmut der zukünftigen Grossfürstin ganz entzückt und sagte ihr viele Schmeicheleien. Besonders hob sie Katharinas geschmackvolle Kleidung hervor. Sie war stolz auf die Prinzessin, die sie zur künftigen Zarin ausersehen hatte.

Noch nie hatte Petersburg eine so glänzende Hochzeitsfeier gesehen, wie die, welche die Zarin Elisabeth ihrem Neffen und seiner Braut bereitete. Aber als die Feste vorüber waren, langweilte Katharina sich in ihrer Ehe; denn sie hatte niemand, mit dem sie sich hätte unterhalten können. Mit der Zeit waren alle Personen von ihr entfernt worden, deren Gesellschaft ihr angenehm gewesen war. Die Zarin fing an misstrauisch zu werden. Kurze Zeit nach der Hochzeit musste auch Katharinas Mutter abreisen. Nun war sie, die Fremde, allein an jenem grossen Hofe, wo sie nur mit Vorbehalt den Freundlichkeiten und dem Entgegenkommen begegnen konnte. Die junge Grossfürstin weinte und fühlte eine grenzenlose Leere, eine grosse Einsamkeit in sich. Ihr Mann vermochte ihr nicht einmal diese Mutter zu ersetzen, die einen so geringen Platz in ihrem Herzen eingenommen hatte. Er empfand nicht die geringste Zuneigung für seine Frau. Vierzehn Tage nach der Hochzeit machte er sie bereits wieder zur Vertrauten in seinen Liebesangelegenheiten. Er konnte für sie keinerlei Halt und Stütze sein. Aber sie war erst 15 Jahre alt und hätte es nötig gehabt, geleitet und behütet zu werden. Statt dessen sah sie eine morbide Gesellschaft um sich herum.

In Peters Gesellschaft lebte eine Menge junger, hübscher, lebenslustiger Offiziere, die nicht alle nur Sinn für die Kindereien, die läppische Soldatenspielerei und die Gelage ihres Gebieters hatten. Manche unter ihnen besassen sogar Geist, Witz und poetischen Sinn und waren einem Flirt selbst mit der anmutigen Grossfürstin nicht abgeneigt. Schon ehe Katharina verheiratet war, hatte sich zwischen ihr, den Brüdern Tschernitscheff und einem ihrer Vettern ein sehr vertrauter Verkehr entwickelt. Die Gleichgültigkeit oder Blödigkeit Peters verhinderten ihn, in der Vertraulichkeit seiner Braut mit seinem Kammerherrn etwas anderes als Neckerei zu sehen. Im Gegenteil, er ermutigte Tschernitscheff noch, sich gewisse Zärtlichkeiten und Kosenamen gegen die Prinzessin zu gestatten. Als Katharina verheiratet war, spann sich der Flirt weiter. Da sie beide jung waren, konnten sie auch das gegenseitige Interesse schlecht verbergen. Die Umgebung und Dienerschaft der Grossfürstin hatte bald das Geheimnis erraten. Die Folge davon war, dass die Zarin es erfuhr, und dass die drei Tschernitscheffs vom Hofe entfernt und zu ihren Regimentern in der Nähe von Orenburg in Sibirien geschickt wurden. Das war eine halbe Verbannung. Der Flirt Andreas' kam sie teuer zu stehen. Der Schuldige verbrachte sogar eine Zeitlang im Gefängnis.

In der Einförmigkeit des Lebens in Oranienbaum erwachte in Katharina von neuem das Interesse für die Bücher, und es ist wirklich erstaunlich, wie diese junge Frau sich an einem Hofe, wo neben dem raffiniertesten Luxus die rohesten Sitten und das wüsteste Leben herrschten, ihre geistigen und literarischen Neigungen in ihr intimes Leben hat hinüberretten können. Weder ihr Gatte noch die Zarin gaben ihr ein Beispiel in dieser Beziehung. Blutjung war Katharina in diese Verhältnisse gekommen. Ihre Erziehung war nur sehr unvollständig gewesen; sie hatte niemand, der ihr einen Rat erteilen konnte; sie blieb vollständig auf sich selbst angewiesen. Gewiss war sie nicht die Frau, die an einem solch leichtfertigen Hofe ein zurückgezogenes Leben zu führen gedachte. Schon ihre natürliche Veranlagung sprach dagegen. Aber sie ging nicht unter in ihren Sinnen. Ihr grenzenloser Ehrgeiz und der Instinkt für die Rolle, die sie einst an der Seite eines Mannes wie Peter zu spielen hatte, hielten sie aufrecht. Sie wurde sich klar, dass das Schicksal sie mit diesem Schwächling nur äusserlich zusammengeführt hatte, und ihr persönliches ehrgeiziges Interesse, ihr tiefgehendes Streben nach allem Geistigen trieben sie vorwärts und schrieben ihr die Bahn vor, die sie einzuschlagen hatte. So arbeitete sie mit bewunderungswürdiger Energie an der Erziehung und Vollendung ihres eigenen Menschen, um so mehr, da sie täglich beobachten konnte, dass die russische Gesellschaft noch nicht einmal den Firnis abendländischer Geistesbildung besass.

Da sie jedoch sehr jung war und niemand hatte, der ihr Führer in ihrem geistigen Leben hätte sein können, so las sie im ersten Jahre ihrer freudlosen Ehe ausschliesslich Romane, und nicht immer die besten. Das erste Buch von wirklichem Wert für ihr Leben waren die Briefe der Madame Sévigné. Katharina verschlang sie förmlich und wurde später eine gewandte Jüngerin dieser geistreichen Briefschreiberin. Die Briefe der Kaiserin an Voltaire, an Grimm, an Diderot zeigen am deutlichsten, zu welcher Persönlichkeit sie sich entwickelte und wie sehr sie es liebte, Briefe zu schreiben. Ihre Briefe füllen ganze Bände.

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