Gertrude Aretz - Gesammelte Werke

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Gertrude Aretz war eine deutsche Historikerin, bekannt für das Schreiben von Biographien berühmter historischer Persönlichkeiten wie Napoleon Bonaparte, Elisabeth I., Kaiserin Katharina II und anderen.
Diese Sammlung enthält:
"Berühmte Frauen der Weltgeschichte" – Jede Frau in diesem Buch spielte eine Rolle in der Geschichte ihres Heimats oder in der Weltgeschichte.
"Königin Luise" – Dieses Buch erzählt über das Schicksal von Königin Luise nicht nur als Frau von Friedrich Wilhelm III, sondern auch über ihre persönlichen Erfahrungen, Leiden und die Opfer, die sie für den Aufstieg Preußens gebracht hat.
"Elisabeth von England" – Lebensgeschichte der der mächtigen jungfräulichen Königin
"Glanz und Untergang der Familie Napoleons" – Napoleon Bonaparte wäre nicht das, was er wurde, wenn seine Familie nicht wäre. Dieses Buch erzählt Ihnen von seinen Verwandten und ihrem enormen Einfluss auf die Geschichte Europas.
"Die elegante Frau" – Die Geschichte der Eleganz durch die Linse der Mode der verschiedenen Jahrhunderte

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Als die Mönche den Sarg aus den kleinen Gemächern des Königs, wo die Marquise verschieden war, hinaustrugen, regnete es in Strömen. Der König stand am Fenster und sah beinahe gleichgültig dem Zuge nach. Er hatte die Uhr in der Hand und berechnete, wie lange wohl die Mönche Zeit brauchen würden, bis sie zum Friedhof gelangten. Plötzlich wandte er sich um und sagte gleichmütig zu dem ihm am nächsten Stehenden: «Sie hat kein gutes Wetter, die Marquise.» Das war das letzte und einzige Wort des Bedauerns, das dieser Mann um den Tod einer Frau fand, die zwanzig Jahre ihres Lebens mit ihm geteilt hatte. Wenige Tage später erklärte er allen offen, er habe sie nie geliebt und sie nur nicht verabschiedet, weil er fürchtete, ihr den Todesstoss damit zu versetzen.

Mehr Dankbarkeit und tieferes Gefühl als der König bewies ihr Voltaire, der sich auch eine Zeitlang auf die Seite ihrer Gegner gestellt hatte. Bei ihrem Tode schrieb er dennoch sichtlich erschüttert: «Ich bin ihr Dank schuldig und beweine sie aus Dankbarkeit ... Schliesslich war sie doch eine der Unseren!»

Niemand aber betrauerte die Marquise von Pompadour am Hofe wirklich. Die einzige, die ein mitfühlendes Herz hatte, war die Königin Marie-Leszczinska. Sie schrieb wenige Tage nach dem Tode der Favoritin an den Präsidenten Hénault: «Uebrigens ist hier nicht mehr die Rede von dem, ‹was nicht mehr ist›, als wenn ‹Sie› niemals existiert habe. So ist die Welt; es ist nicht der Mühe wert, sie zu lieben.» Marie Leszczinska verachtete den König, weil er die Frau, von der er sich zwanzig Jahre lang hatte beherrschen lassen, binnen weniger Stunden vergessen hatte.

Katharina II Inhaltsverzeichnis Sie ist das grösste weibliche Genie das je - фото 4

Katharina II.

Inhaltsverzeichnis

Sie ist das grösste weibliche Genie das je auf einem Throne sass Der - фото 5

Sie ist das grösste weibliche Genie, das je auf einem Throne sass. Der mächtigen Zarin Elisabeth von Russland, die sich ganz dem Genussleben hingab, hatte Katharina es zu verdanken, dass sie nach Petersburg kam, als sie fast noch ein Kind war. Eine kleine deutsche Prinzessin von Anhalt-Zerbst war sie, die bis zu ihrer Berufung als russische Grossfürstin in grösster Bescheidenheit gelebt hatte. Elisabeth, die Tochter Peters des Grossen, die sich 1741 durch einen Staatsstreich selbst zur Zarin erhoben hatte, wurde von den Russen vergöttert. Aber sie hatte keinen rechtmässigen Thronerben. Und so bestimmte sie zu ihrem Nachfolger ihren Neffen, Peter von Holstein-Gottorp. Für ihn hatte sie dann die kaum 14jährige Prinzessin von Anhalt-Zerbst befohlen. Ja, befohlen! Denn auf den Befehl der Zarin reiste die hochbeglückte Mutter Katharinas – sie hiess damals noch Sophie – mit ihr nach Russland zur Brautschau. Ein Leben voll Glanz und Reichtum erwartete die junge Prinzessin, die nicht nur über die Pracht und die Verschwendung am Zarenhofe erstaunte, sondern auch weit die Augen öffnete vor den lockeren Sitten der vom Volke angebeteten mächtigen Zarin. Aber dieses kleine, kluge Mädchen verstand bereits ihren Vorteil aus den Verhältnissen zu ziehen, sich beliebt zu machen und sich Freunde zu schaffen. So jung sie war, begriff Katharina doch sofort, dass die Aussicht auf die Zarenkrone kein geringes Geschenk des Schicksals für sie sei. Als wäre sie von Kindheit auf an einem so glänzenden Hofe wie dem russischen aufgewachsen, fand sie sich bei aller Bescheidenheit ihres Wesens rasch in ihre zukünftige bevorzugte Stellung. Trotz ihrer grossen Jugend fühlte sie sich vom ersten Tage ihres Erscheinens in Petersburg ihrer schwierigen Lage in jeder Weise gewachsen. «Elle se plaît aux grandeurs qui l'environnent», schrieb ihre Mutter an Friedrich den Grossen, und Katharina selbst bemerkte später in ihren Memoiren, als sie von ihrem Bräutigam sprach: «Er war mir ziemlich gleichgültig, aber die Krone von Russland war es nicht.»

Die Kaiserin schien indes sehr zufrieden mit der Wahl der Braut für ihren Neffen und Thronfolger zu sein. Prinzessin Sophie gefiel ihr; sie fand ihre Eigenart entzückend und überhäufte sie mit Gnadenbezeugungen. Bald war auch der ganze Hof von der jungen, frischen, zukünftigen Grossfürstin begeistert.

Trotz ihrer grossen Jugend sah Sophie gleich anfangs, dass dieser junge, krankhafte und infolge einer ganz falschen Erziehung bereits lasterhafte Mensch nicht der Mann war, von dem sie sich in ihrer Ehe Glück versprechen durfte. Er bildete in jeder Hinsicht einen jammervollen Gegensatz zu ihrem Charakter und zu ihrem klaren Verstand. Grossfürst Peter war heftig, brutal, und gleichzeitig furchtsam und feige, prahlerisch, lügenhaft, kindisch. Die intelligente Katharina staunte mehr als einmal über seine grenzenlose Unwissenheit und über die Dreistigkeit, mit der er dennoch auftrat und sich der Heldentaten, die er nicht vollbracht, und seiner Liebesabenteuer rühmte. Denn der Sechzehnjährige hatte deren schon viele und scheute sich nicht, sie seiner zukünftigen Braut zu erzählen. Was ihm am meisten an der Prinzessin gefiel, sagte er, sei, dass sie seine Kusine wäre. Infolgedessen könne er ihr alle seine Geheimnisse anvertrauen. Er brachte ihr kein anderes Interesse entgegen, als das der Verwandtschaft, und doch hatte Katharina alles für sich, was sie in den Augen eines jungen Mannes hätte begehrens- und liebenswert machen können. Sie war für ihr Alter bereits sehr entwickelt, gross und wohlgebaut. Dunkle, weiche Locken, die immer reizend geordnet waren, umrahmten ein angenehmes, frisches Gesicht mit einem lachenden Kindermund und schönen ausdrucksvollen Augen. Dieses kluge, frühzeitig entwickelte junge Mädchen versprach einst eine sehr begehrenswerte Frau zu werden. Es ist erstaunlich, wie gut sie schon damals die Menschen zu beurteilen verstand. Es war ihr sofort klar, dass sie sich vor allem die Zuneigung der Kaiserin Elisabeth sichern musste und es nicht besser konnte, als wenn sie ganz nach ihren Wünschen handelte. Sie staunte über Peters Unvorsichtigkeit und den Mangel an Urteil über viele Verhältnisse, zog jedoch den Nutzen daraus, dass sie um so besser «die Verhältnisse zu beurteilen» verstand.

Um in Russland festen Boden zu gewinnen und eine Rolle zu spielen, musste Katharina vor allen Dingen Russin werden. Das wusste sie. Peter hingegen wollte weder von der russischen Sprache, noch von den Sitten und Gebräuchen des Landes, noch von der griechischen Religion etwas wissen. Man liebte ihn deswegen nicht, sondern sah in ihm nur den Fremdling. Die junge deutsche Prinzessin hingegen interessierte gerade die russische Sprache am meisten. Während sich ihr zukünftiger Bräutigam mit allen möglichen Kindereien im Kreise seiner Dienerschaft abgab, suchte die kleine Ehrgeizige soviel wie möglich zu lernen. Um recht schnelle Fortschritte zu machen, stand sie sogar nachts auf, wenn alles um sie herum schlief, und studierte barfüssig und im dünnen Nachthemd eifrig die russische Grammatik, die ihr Lehrer Adaduroff ihr gegeben. Es war mitten im Winter. Die Folge davon war, dass sie sich erkältete und eine gefährliche Brustfellentzündung zuzog. Vier Wochen lang schwebte sie zwischen Leben und Tod. Das Gerücht von ihrer Erkrankung verbreitete sich bald nicht nur am ganzen Hofe, sondern im ganzen Lande und verschaffte ihr noch grössere Sympathien. Man war im Innersten gerührt von diesem jungen Mädchen, das im eiskalten Winter nachts aufstand, um so schnell wie möglich die Sprache des Volkes zu lernen, über das es einst an der Seite des künftigen Zaren regieren sollte.

Beinahe hätte Katharinas Geschick jedoch eine andere Wendung genommen; die Krone von Russland hätte auf einem andern als auf Katharinas Haupt gestrahlt! Und schuld daran wäre allein die Mutter gewesen. Es gab stürmische Auftritte zwischen der Kaiserin Elisabeth und der Fürstin Johanna, die sich unklugerweise in die Intrigen gegen die Minister und Günstlinge Elisabeths eingelassen hatte. Sie hatte sich durch einen Briefwechsel mit dem französischen Gesandten Chetardies stark kompromittiert. Es wäre dieser unklugen Frau teuer zu stehen gekommen, hätte ihre Tochter damals nicht das ganze Vertrauen der Kaiserin besessen. Elisabeth begnügte sich, die Fürstin mit Verachtung zu strafen und sie, sobald die Hochzeitsfeierlichkeiten vorüber waren, von ihrem Hofe und aus Russland zu entfernen. Während einer solchen aufregenden Szene zwischen der Kaiserin und der Fürstin Johanna, die in Tränen vor der leidenschaftlich erregten Zarin lag, befanden sich der Grossfürst und die Prinzessin in einem nicht weit davon gelegenen Zimmer. Wie echte Kinder sassen sie auf dem Fensterbrett und lachten gerade recht lustig miteinander, als plötzlich der Günstling Lestocq hereintrat und ziemlich barsch zu beiden sagte, diese Heiterkeit werde bald ein Ende haben. Die Prinzessin solle nur anfangen, ihre Koffer zu packen; denn sie werde bald nach Deutschland zurückreisen müssen. «Es war mir klar», schrieb Katharina 40 Jahre später über diese Szene, «dass der Grossfürst mich ohne Bedauern hätte gehen lassen ... Mein Herz prophezeite mir nichts Gutes. Nur der Ehrgeiz hielt mich aufrecht.»

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