Als Appetitanreger (entradas) werden in jedem Restaurant ungefragt diverse Schälchen mit gesalzener Butter (manteiga com sal), Oliven (azeitonas), Sardinenpastete (pasta de sardinha) und ein Korb Brot (pão) auf den Tisch gestellt. Diese sind jedoch kein „Angebot des Hauses“, sondern werden einzeln berechnet. In einfachen oder lokaltypischen Lokalen liegen die Preise für diese Häppchen zwischen ein und zwei Euro pro Portion. In teureren Restaurants können sie die Rechnung allerdings leicht verdoppeln. Wer dies nicht möchte, kann auch gleich höflich verneinen und die entradas dankend zurückweisen.
Mittagessen (almoço) und Abendessen (jantar) sind normalerweise komplette Menüs mit Suppe, Brot, Hauptgericht, Dessert und Café. Dazwischen gibt es oft noch einen kleinen Snack am Nachmittag (lanche). Das Frühstück (pequeno-almoço) fällt dagegen eher spärlich aus und besteht meist nur aus einem Café und einem süßen Teilchen.
Suppen sind generell sehr beliebt und fast immer stehen Grünkohlsuppe (caldo verde), Gemüsesuppe (sopa de legumes) oder eine sämige Fisch-/Meeresfrüchtecreme (creme de marisco) auf der Speisekarte. Dazu passen salzige mit Huhn, Shrimps oder Schweinefleisch gefüllte Pastetchen oder die überall präsenten bolos de bacalhau (frittierte Röllchen aus einer Kabeljau-Kartoffel-Masse) als schnelles Fingerfood.
Was die Desserts angeht, gibt es wohl kaum ein anderes Land, das so viele unterschiedliche Nachtischversionen hat. Die Portugiesen sind ausgesprochene Leckermäuler. Klassiker sind arroz doce (Milchreis), pudim caseiro (Karamellpudding), creme de leite (Milchcreme). Aber das ist nur der Anfang, allein die auf überlieferten Klosterrezepten basierenden Kuchen, Sahne- und Mandeltörtchen und süße Teilchen füllen einen Jahreskalender. Für die schlanke Linie ist das portugiesische Essen nicht unbedingt förderlich, es sei denn, man konzentriert sich auf Fisch und Früchte.
Die Restaurants servieren in der Regel Mittagessen zwischen 12 und 15 Uhr und Abendessen zwischen 19 und 22 Uhr. In den Großstädten gibt es auch durchgehend warme Küche. Traditionelle Lokale bieten oft Tagesgerichte (prato do dia) zu günstigen Preisen, manchmal auch komplette Menüs mit Suppe und Kaffee. In besseren Restaurants wartet man, bis der Kellner einen Tisch zuteilt. Wenn man nach einem Platz sucht, heißt es in Portugal nicht „Ist hier noch frei?“, sondern „Ist der Platz besetzt?“ (Está ocupado?).
Die Rechnung erfragt man mit „A conta, por favor!“ Sie wird normalerweise auf einem Tellerchen oder in einem Mäppchen gebracht. Man zahlt entweder mit Bargeld oder Kreditkarte. Im Idealfall sollte Letztere am Tisch oder im Beisein des Kunden am Tresen eingesetzt werden. Generell sollte man die Kreditkarte nie außer Sichtweite benutzen lassen.
Als Trinkgeld läßt man in der Regel 5 bis 10 % des Gesamtbetrags auf dem Tellerchen zurück. Wenn man mit Service und Qualität nicht zufrieden war, kann das Trinkgeld auch entfallen. Ansonsten macht sich ein zusätzliches „Muito obrigado!“ immer gut.
Seit dem Eintritt in die Europäische Union im Jahr 1986 hat Portugal die Qualität und Produktivität der heimischen Weine wesentlich verbessert. Mit der Einführung der „Denominação de Origem Controlada“ (DOC) garantiert der Hersteller Kontrolle bei Anbau, Sorten und Verarbeitung in einer bestimmten Region. So abwechslungsreich die Regionen, so unterschiedlich sind auch die Weine. Die wichtigsten ausgewiesenen Weinbauregionen sind:
> Vinho Verde („Grüner Wein“): leichter, junger Wein aus dem Minho, hauptsächlich weiße, auch wenige rote und Rosé-Sorten. Der Wein wird vor der letzten Reifephase geerntet, hat einen geringeren Alkoholgehalt (9–11 ‰) und wird gekühlt serviert.
> Douro: Außer dem Portwein bringt die Region auch Qualitäts-Rotweine hervor, der exklusivste Wein Portugals, der „Barca Velha“, stammt aus dieser Region.
> Dão: kräftige, aromatische Rotweine aus der Region Dão Lafões, hauptsächlich Touriga-Reben, wenige weiße Weine
> Bairrada: Der Rotwein wird aus einer der ältesten Rebsorten, der „Baga“, hergestellt, Region Beira Litoral zwischen Coimbra und Ágeda.
> Valpaços: Weinregion in Trás-os-Montes um Valpaços und Mirandela mit kräftigen roten und frischen weißen Weinen
> Bucelas: kleine Anbauregion im Nordosten Lissabons mit leichten Weißweinen, die gern mit dem Chablis verglichen werden
> Colares: kleines Traditionsanbaugebiet um Sintra, hauptsächlich Rotweine
> Moscatel de Setúbal: Der süße Moscatel wird gerne als Digestif serviert, Anbau in der Serra da Arrábida und rund um Palmela, manche Weine reifen mehr als 50 Jahre in den Fässern, bevor sie in Flaschen abgefüllt werden.
> Ribatejo: Oberhalb des Tejo werden hauptsächlich um die Region Coruche Weißweine und einige Rotweine angebaut.
> Alentejo: Einige der besten portugiesischen Weine kommen aus dem Alentejo. Die bekanntesten Rotweine stammen aus Borba, Reguengos, Redondo und Moura. Alentejo-Weine sind sehr fruchtig und haben normalerweise einen hohen Alkoholgehalt zwischen 14 und 14,5 ‰.
> Lagoa: das größte Anbaugebiet der Algarve, im Vergleich zu den restlichen Gebieten sicher nicht marktrelevant, aber immerhin gibt es einige ganz passable Tischweine
In Restaurants werden normalerweise Tischweine in großen (grande) und kleinen (pequeno) Flaschen (garrafa de vinho) angeboten. Oftmals gibt es auch einen durchaus guten Hauswein (vinho da casa), der entweder in Halbliter- oder Liter-Karaffen aus Glas oder Keramik serviert wird. Er ist meist etwas günstiger. In den Tavernen und Bars bekommt man auch einzelne Gläser Wein (copo de vinho).
Beliebte lokale Biersorten sind Sagres, das Starkbier Superbock und Sintra. Frisch gezapftes Fassbier im Glas heißt imperial, der Krug Bier nennt sich caneca. Ein Reinheitsgebot wie in Deutschland gibt es in Portugal nicht, es können auch Zusatzstoffe enthalten sein.
Neben Wein ist wohl Kaffee das beliebteste Getränk in Portugal. Heimische Sorten sind z. B. Delta, der in Campo Maior im Alentejo verarbeitet wird (Kaffeemuseum, siehe Exkurs –>), Nicola oder Sical. Der abschließende Espresso (in Lissabon und im Süden als bica bekannt bzw. in Porto und im Norden als café oder cimbalinho) gehört zu jedem Essen.
Touristen lieben den galão, Espresso mit aufgeschäumter Milch im Glas. Der Kaffee in Portugal ist generell sehr gut und günstig (Espresso zwischen 0,80 und 1,50 €).
Lange war Tee in Portugal nur wenig beachtet, und dies, obwohl die Portugiesen den Tee aus Japan nach Europa brachten. Heute besinnt man sich wieder auf die Tradition des Teetrinkens.
Es gibt eine ganze Reihe an heimischen Kräuterteesorten und stylische Teeläden. Auf den Azoren wird Grüntee angebaut, der auf dem internationalen Markt sehr gefragt ist.
In Portugal gibt es an die 30 Mineral- und Quellwassersorten. Luso, Monchique, Caramulo, Pedras Salgadas, Carvalhelos, Fastio, Vitalis und Vimeiro sind u. a. die bekanntesten Mineralwassermarken in Portugal. Bis auf Pedras Salgadas und Vimeiro sind die meisten stille Wasser ohne Kohlensäure. Die Portugiesen trinken generell lieber stilles Wasser (água sem gas). Água com gas bestellen meistens nur die ausländischen Gäste.
Wasser kauft man in Portugal mehrheitlich in 5- bis 7-l-Kunststoff-Flaschen. Ein Pfandsystem gibt es nur bei Bierflaschen. Pedras Salgadas und Vimeiro wird auch in Glasflaschen angeboten.
Generell kommt man mit zwei 11-kg-Flaschen für einen Urlaub gut aus. Eine Flasche reicht bei normalem Betrieb drei bis vier Wochen. Mit einem entsprechenden Adapter kann man auch portugiesische Gasflaschen einsetzen, die man dann an jeder Tankstelle tauschen kann.
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