„Hier drüben“, ruft plötzlich der kontrollierende Zollobersekretär, der sich bei einem Rundgang einen ersten Überblick verschaffen wollte und nun vor dem Leercontainer von Tymon Baran steht.
Die Baran Container Handels GmbH vermietet, kauft und verkauft Leercontainer für jeden Bedarf, aber das Hauptgeschäft sind die Behälter für die See- und Luftfracht.
Die Duisburger und Düsseldorfer Polizisten folgen dem Ruf des Angestellten der Zollbehörde, der bereits die Hand ausstreckt, um die Tür des Stahlbehälters zu öffnen.
„Das Siegel ist beschädigt. Die Tür steht ein paar Zentimeter offen. So haben die Hafenarbeiter den Container bestimmt nicht hier abgeladen“, versichert der Zöllner. „Daran hat sich definitiv jemand zu schaffen gemacht.“
Bodo Danberg hält den Mann zurück: „Lassen Sie uns das machen!“
Es bedarf nur eines Winks, damit seine Männer das Gelände rund um den betroffenen Behälter sichern, erst danach öffnen sie den Container, damit die ersten Spezialeinsatzkräfte vorsichtig das Innere betreten können.
Konzentriert warten ihre Kollegen vor dem Container auf die Rückmeldung der Elite-Polizisten. Als einer der Männer mit gesenkter Waffe am Eingang erscheint, entspannen sie sich. Die Lage scheint ungefährlich.
„Das sollten Sie sich ansehen“, teilt der Mann seinem Vorgesetzten mit.
Mit Mark Sievers und Björn Klostermann im Schlepptau folgt Bodo Danberg ihm in das Innere des Containers.
Stefan gesellt sich zu seiner abwartenden Schwester. „Du hast da oben super reagiert.“
„Ich hatte Hilfe“, bemerkt sie knapp. „Was habt ihr in dem Container gefunden?“, will sie neugierig wissen.
„Tote Mädchen. Viele!“
„Wie bitte?“ Emma reißt erschrocken die Augen auf.
„Insgesamt achtzehn, alle asiatischer Herkunft. Höchstens zwanzig Jahre würde ich sagen.“
„Wie sind sie gestorben?“
„Keine Ahnung. Das müssen uns die Gerichtsmediziner sagen. Es gibt keine Anzeichen auf Verletzungen.“ Der Hauptkommissar mustert seine Schwester, die er gut genug kennt, um ihr anzusehen, dass ihre Gehirnzellen auf Hochtouren arbeiten. „Was geht dir durch den Kopf?“
Emma betrachtet den Container, dann das Gelände. In Gedanken geht sie die Schritte dieser Männer durch.
Der SEK-Chef und die beiden leitenden Beamten gesellen sich in dem Moment zu ihnen, als die Geschwister ihre Unterhaltung beginnen.
„Überleg einmal. Diese Typen werden gewarnt. Sie wollen um jeden Preis ihre Ware vor uns verbergen. Also bereiten sie alles dafür vor, die Mädchen aus dem Zollgelände herauszuholen.“
„Richtig“, stimmt Stefan seiner Schwester zu. „Allerdings müssen sie damit warten, bis die Fracht vom Schiff abgeladen ist. Erst wenn es im Zollgelände ruhiger wird, können sie loslegen.“
„Das sehe ich genauso“, bestätigt Emma. „Ich schätze, die hatten höchstens eine halbe Stunde Vorsprung vor uns.“
„Wenn überhaupt. Hinzu kommt, dass meine Männer den Transporter verjagt haben, bevor sie die Mädchen einladen konnten.“
„Genau. Damit fingen die Probleme an. Mit ihrer Last konnten sie unmöglich fliehen. Also, wohin mit den Frauen?“
„Du hast Recht“, pflichtet Stefan ihr bei. „Der leere Container bot sich regelrecht an. Allerdings habe ich keine Ahnung, woher die wussten, wieso gerade dieser Container leer war. Das müssen wir unbedingt überprüfen. An einen Zufall glaube ich nämlich nicht.“
„Nein, ich auch nicht. Auf jeden Fall packen sie die Frauen dort hinein. Keine von ihnen darf gegen ihre Entführer aussagen. Erschießen geht nicht. Die Schüsse hätten unsere Leute direkt auf sie aufmerksam gemacht. Das musste möglichst leise vor sich gehen. Und schnell.“
Stefan nickt. „Die waren für den Ernstfall vorbereitet.“
„Ja. Ich tippe auf Gift. Bei der richtigen Menge ist eine Injektion ausreichend, um sofort zu wirken.“
„Damit liegst du bestimmt nicht falsch. Jetzt brauchen die Typen keine Rücksicht mehr zu nehmen und können schnellstens verschwinden.“
„Wäre ihnen ja auch fast gelungen“, ergänzt Emma.
Die Ermittler sind beeindruckt, wie schlüssig diese beiden Beamten den Tathergang nachvollziehen.
Björn Klostermann starrt die Hauptkommissare fassungslos an. „Sie glauben, die wurden vor uns gewarnt? Haben Sie auch schon eine Ahnung, wer das gewesen sein sollte? Von meinen Männern war das garantiert keiner!“
Emmas Blick gleitet nachdenklich über die anwesenden Kollegen. „Nein, das war keiner der hier Anwesenden.“
„Das können wir erst klären, wenn wir in Ihrem Präsidium sind“, vervollständigt Stefan die Gedanken seiner Schwester.
„Dann lassen Sie uns schnellstens hier aufräumen.“
Nur der Fahrer des Iveco konnte den Einsatzkräften, die an der Aktion im Hafen teilnahmen, zu Beginn des Einsatzes entkommen. Nachdem er, seiner Meinung nach, eine ausreichende Strecke zurückgelegt hat, hält er am Straßenrand ordnungsgemäß in einer Parklücke an. Er verlässt den Wagen, ohne ihn zu verriegeln, da einer seiner Kumpane während seiner Abwesenheit Zutritt benötigen könnte, dann läuft er eilends zum Zollgelände zurück, wo er sich nach einem Platz umschaut, von dem aus er so viel wie möglich beobachten kann, ohne gesehen zu werden.
Auf dem Weg dorthin bemerkt er die Hafenarbeiter, die von den Polizisten auf Abstand gehalten werden. ‚Das ist absolut perfekt‘, grinst er, die Polizisten vor dem Zollgelände weiträumig umgehend. Dabei läuft er an einem Gabelstapler vorbei, der nicht nur verlassen vor ihm steht, sondern auf dessen Sitz er zudem einen Schutzhelm findet und die Sicherheitsweste hängt über der Lehne. ‚Genau, was ich jetzt brauche‘, freut er sich.
Mit Helm und Weste bekleidet gesellt er sich zu den Arbeitern, von wo aus er einen Teil der Abläufe beobachten kann. Er sieht, wie Emma seine Kumpane ausschaltet, wie die Einsatzkräfte der Spezialeinheit die übrigen Männer verhaften, wie Hannes versucht zu fliehen und Markus Goldschmidt diesen niederschlägt. Noch bleibt er auf seinem Beobachtungsposten, von wo er ein gutes Bild über das weitere Geschehen hat. Er erlebt mit, wie sein eigener Transporter von den Polizisten auf das Gelände gefahren wird und die toten Mädchen geborgen werden. Jetzt hält ihn hier nichts mehr. Ohne zu zögern verlässt er die Gegend, um seinen obersten Chef zu informieren.
5Europalette, auch Europoolpalette, ist eine stabile Flachpalette aus Holz zum Transportieren von Waren.
Конец ознакомительного фрагмента.
Текст предоставлен ООО «ЛитРес».
Прочитайте эту книгу целиком, купив полную легальную версию на ЛитРес.
Безопасно оплатить книгу можно банковской картой Visa, MasterCard, Maestro, со счета мобильного телефона, с платежного терминала, в салоне МТС или Связной, через PayPal, WebMoney, Яндекс.Деньги, QIWI Кошелек, бонусными картами или другим удобным Вам способом.