Auch in der Zollunion sind die Zölle zwischen den Mitgliedstaaten abgeschafft. Im Gegensatz zur Freihandelszone besteht ein gemeinsamer Außenzoll und die Handelspolitik ist weitgehend in der Kompetenz einer supranationalen Organisation. Dadurch ist die handelspolitische Souveränität eines Mitgliedstaates extrem eingeschränkt.
• Binnenmarkt: In Abgrenzung zur Zollunion geht es hier um die sog. »Vier Freiheiten«: Freiheit des Warenverkehrs, Freiheit im Dienstleistungsverkehr, freier Kapitalverkehr und Freiheit im Personenverkehr.
• Wirtschaftsunion: In einer Wirtschaftsunion koordinieren die Mitglieder verschiedene, ausgewählte wirtschaftspolitische Bereiche.
• Währungs- und Wirtschaftsunion: Mit einer Wirtschafts- und Währungsunion gehen die Mitgliedstaaten bei der wirtschaftlichen Integration über die Schaffung eines gemeinsamen Marktes (Binnenmarkt) und einer Koordinierung verschiedener wirtschaftspolitischer Bereiche wie in einer Wirtschaftsunion hinaus. Es ist die engste Form der wirtschaftlichen Integration von selbständigen Staaten. Die teilnehmenden Länder betreiben eine einheitliche gemeinsame Geld- und Währungspolitik. In der Regel wird in den Mitgliedsländern gleichzeitig eine einheitliche Währung eingeführt und die Geldpolitik einer allein verantwortlichen Zentralbank überlassen.
Abb. 1.6: Wichtige Freihandelszonen der Welt 39
Mitunter wird in der Zunahme regionaler Wirtschaftsräume eher tendenziell eine Regionalisierung der Weltwirtschaft gesehen als eine Globalisierung. So wurde im Jahr 2013 mehr als die Hälfte des Weltwarenexports intraregional, also innerhalb der einzelnen Regionen, gehandelt. Weiter entfiel gut ein Fünftel auf den interregionalen Handel zwischen den drei stärksten Wirtschaftsregionen der Welt Europa, Asien und Nordamerika (sog. Triade-Regionen). Der interregionale Handel zwischen den Triade-Regionen und dem Rest der Welt machte knapp ein Viertel des weltweiten Warenexports aus. 40
Box: Freihandelszone EU mit Mercosur?
Die EU ist seit 2019 über ein politisches Rahmenabkommen mit den Mercosur-Staaten in Südamerika (Argentinien, Brasilien, Uruguay und Paraguay) bestrebt, die größte Freihandelszone der Welt zu schaffen. Durch den Abbau von Zöllen sollen vor allem die Exportindustrie und die Verbraucher profitieren. Allerdings kann dieses Abkommen in der vorliegenden Form noch scheitern, so dass es nicht zu dem erhofften Abbau von Zöllen zwischen den Handelspartnern kommt. Grund hierfür ist die von Kritikern beklagte unzureichende Berücksichtigung von Umwelt und Klimaschutz in eben diesem Rahmenabkommen, obwohl einige europäische Staaten das Pariser Klimaschutzabkommen als ein wesentliches Element in Handelsabkommen aufnehmen wollen. Das Fehlen von Umwelt- und Klimaschutz macht es der EU aber dann kaum möglich, Strafen zu verhängen, wenn ein grob umweltschädliches Verhalten von den Mercosur-Staaten vorliegt. Zum Beispiel wenn Brasilien die Entwaldung des Amazonas durch neue Gesetze erleichtert sollte oder aus dem Pariser-Klimaabkommen austreten würde. 41
Die Liberalisierung der Geld- und Kapitalströme wurde vor allem vom Internationalen Währungsfonds (IWF) seit Anfang der 1980er Jahre u. a. über den Abbau von Kapitalverkehrskontrollen vorangetrieben. Der freie Zahlungsverkehr erleichtert sowohl die monetären Transaktionen bei Import- und Exportgeschäften als auch die zahlreichen Transaktionen innerhalb internationaler Unternehmen (bspw. Abrechnung konzerninterner Leistungen, Gewinntransfers). Hinzu kam die schrittweise massive Deregulierung der Finanzmärkte bzw. des Bankenwesens durch Nationalstaaten wie insbesondere den USA und England. Damit war der Weg frei für eine stärkere Konzentration im Bankgewerbe verbunden mit einer wachsenden politischen Macht. Neue Regulierungen konnten dadurch blockiert und weitergehende Deregulierungen durchgesetzt werden. 42Ja, die Finanzmärkte wurden gar zu den Richtern und Geschworenen jeder Wirtschaftspolitik ernannt, da sie über steigende Risikoprämien aufgrund schlechter Wirtschaftspolitik bzw. zu hoher Staatsverschuldung ausgabenfreudige Politiker zu mehr Disziplin zwingen und aufziehende Schuldenkrisen damit im Keim ersticken.
Die Liberalisierung der Kapitalmärkte beruhte im Wesentlichen auf der sog. Effizienzmarkthypothese. Demnach führt Wettbewerb auf den Finanzmärkten zu fairen Preisen, die ihrerseits verlässliche Signale für Investoren und ein effektiver Maßstab für wirtschaftliche Entwicklung sind. Die Preise, die sich auf dem Markt bilden, reflektieren nämlich die Einschätzung der Investoren wider – welche die zuverlässigsten Informationen über Projekte ermitteln und finden – und die Preise selbst stellen damit alle verfügbaren Informationen bereit, so dass auf diese Weise Kapital nur in die profitabelsten Projekte investiert wird.
Als weitere Ursachen der Globalisierung gilt das Ende des Ost-West-Konflikts insbesondere der Zusammenbruch der Sowjetunion und Jugoslawiens sowie die damit verbundene Zunahme der Nationalstaaten. Die meisten dieser Staaten schotteten sich weniger gegenüber dem Ausland ab und öffneten sich zunehmend den Weltmärkten. Aber nicht nur ehemalige Planwirtschaften, sondern auch zunehmend Länder aus Asien (bspw. Indien und China) und Südamerika banden sich mehr und mehr in die Weltwirtschaft ein. Im Zuge dieser Öffnung kam es zu bedeutenden Ausweitungen der Handels- und Investitionsströme.
1.3 Folgen der Globalisierung
1.3.1 Verbesserung des materiellen Lebensstandards
Empirische Studien legen nahe, dass Globalisierung ökonomisches Wachstum fördert. 43Parallel zur Steigerung des Welthandels gelang es, die weltweite Armut deutlich zu senken. Innerhalb von etwas mehr als 30 Jahren sank der Anteil der sehr Armen an der Weltbevölkerung um rund 75 %, wobei nahezu die Hälfte der Armutsreduktion in China erfolgte. 44
Die Gründe hierfür sind vielfältiger Natur. Mitentscheidend sind die Spillover-Effekte bei der Wissensverbreitung, erleichtert durch neue Technologien. »International knowledge spillovers will certainly help to increase economic growth. They occur when knowledge acquired in one country may also be used in another country. Citizens exchange knowledge across borders. Knowledge exchange and information flows are facilitated by better infrastructure to do so: in previous decades, fax and telephones were prime examples of such infrastructure; internet access is arguably most important in this regard today.« 45Auch der mit ausländischen Direktinvestitionen verbundene Zufluss von technischem sowie organisatorischem Know-how hat zumindest in den Schwellenländern zu deutlich höheren Wachstumsraten geführt.
Des Weiteren erlaubte die Erhöhung des Offenheitsgrads sowie die zunehmende Arbeitsteilung eine zunehmende Spezialisierung und in der Folge Produktivitätssteigerungen. »Entrepreneurs may well exploit comparative advantages and receive gains from specialization during globalization. Production will become more efficient and increase a country’s economic growth.« 46Hinzu kommen Skalenerträge durch größere Märkte und der Wettbewerbsdruck, der zu Kostensenkungsmaßnahmen führt. Die Konsumenten profitieren von niedrigen Preisen für Tausende von Gütern und einer zunehmenden Produktvielfalt. 47»Entrepreneurs have access to larger potential markets in open than closed economies. An entrepreneur, who used to serve the domestic market of its home country, enjoys much more opportunities to attract customers in foreign countries when governments abolish tariffs and capital account restrictions and international trade and investment in foreign countries become more attractive. Economic globalization also increases competition because foreign investors enjoy the very same benefits than domestic entrepreneurs and enter domestic markets.« 48
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