1 ...7 8 9 11 12 13 ...20 Elaine lächelte: „Er könnte etwas Hilfe gebrauchen?“
Leo nickte: „So in etwa. Wenn nichts anderes mehr hilft, dann schlepp ihn zu mir, in unsere alte Wohnung. Zusammen bringen wir ihn sicherlich zur Vernunft.“ Er grinste. Sie schmunzelte und nickte.
„Tja, und nach Boo solltest du tatsächlich die neuen Vertrauten seiner Hoheit aufsuchen. Da sie keine Adligen sind, dürfte es dir nicht so schwer fallen, zu ihnen zu kommen, sofern du sie findest. Das heißt, Irony ist wohl leichter auszumachen, schließlich ist er stets offiziell im Namen des Prinzen unterwegs, wenn er es denn ist. Die meiste Zeit über ist er in der Nähe seiner Hoheit.“ Elaine nickte.
„Und über ihn findest du sicherlich auch Corry. Oder sie findet dich zuerst. Aber keine Sorge, wenn sie etwas anders wirken, als du sie kennst. Es ist einfach diese Aufgabe, sie ist nicht gerade einfach, verstehst du?“, er seufzte schwermütig.
Elaine sah ihn ernst an: „Gibt es da noch etwas, was ich wissen sollte?“
Leo runzelte die Stirn: „Nun ja, wie ich schon sagte, lass dich nicht aus der Ruhe bringen. Es ist alles richtig so, na ja, meistens. Wenn du aber doch das Gefühl haben solltest, dass da etwas nicht stimmt, dann handelst du besser.“
„Aber woher weiß ich, ob das wirklich ein Problem ist und nicht einfach nur meine Einbildung?“
Er lächelte: „Wie sagte Irony das doch mal so schön: Du machst das schon. Ich glaube, du hast oft genug bewiesen, dass eine Menge in dir steckt.“
Sie lächelte: „Danke für das Vertrauen. Na schön, dann sollten wir vielleicht gleich aufbrechen? Ich meine, es ist doch noch nicht zu spät am Abend, oder?“
Leo grinste: „Nicht für Boo, der schlägt sich die Nächte um die Ohren und verpennt den Großteil des Tages. Aber was soll man machen, er ist jetzt ein Sechzehnjähriger.“
Elaine schmunzelte: „Aber wieso ist er denn überhaupt älter geworden? War er nicht zehn Jahre lang oder so stets seine vierzehn Jahre alt gewesen und froh drum?“
Leo seufzte: „Wie ich schon sagte, es gibt Dinge, die einen zu schnell altern lassen. Aber vielleicht hatte Boo seine Kindheit inzwischen soweit nachgeholt, dass er langsam in Richtung des Erwachsenseins vordringen konnte? Würde mich nicht wundern, wenn das der eigentliche, ganz einfache Grund dafür ist.“
Elaine nickte: „Dann werde ich jetzt noch die anderen reinholen, oder?“
Er nickte: „Ich denke, wir sind hier fertig. Und ich denke, Boo kann dir vielleicht mehr sagen, sofern er noch halbwegs bei sich ist. Oh, bevor ich es vergesse“, er beugte sich zu ihr vor und flüsterte wieder, „Boo hat das Lippenlesen inzwischen gelernt. Wenn du ihm also etwas zu sagen hast, das geheim bleiben soll, dann nur auf diesem Weg – und pass auf, dass deine Lippen sonst keiner sieht. Und... wenn der Kleine etwas neben sich sein sollte, dann solltest du ihn erst irgendwohin bringen, wo er leichter zu sich kommen kann, verstehst du?“
Sie nickte: „Ähm – und was sage ich jetzt den anderen wegen dir? Dass alles bestens ist und dass wir einfach weitermachen können?“
Leo nickte: „Ich denke ja. Und denk daran, solange die drei noch mit dieser Aufgabe betraut sind, darf das, was ich dir gesagt habe, kein anderer erfahren.“
Er seufzte: „Ich frage mich ohnehin, ob das nicht ein Fehler war, dich zu holen. Der Prinz wird schon seine Gründe gehabt haben, warum du nicht hierher kommen solltest.“
Elaine legte den Kopf etwas schief: „Und warum denkst du das?“
Er zuckte die Schultern: „Ich weiß es nicht. Ich meine, sie sind schon Jahre lang damit beschäftigt, nach Hinweisen zu suchen. Und es sieht nicht so aus, als ob sie wirklich weitergekommen sind. Ich mache mir Sorgen. Vielleicht hat der Prinz ihnen eine unlösbare Aufgabe gegeben, die sie letztlich völlig fertigmachen wird. Und“, er hielt kurz inne, „so willensstark sie auch sein mögen, sie werden auch nicht ewig durchhalten können, das steht fest. Also, wenn du das Gefühl hast, dass du sie wecken musst, dann tu es. Ich denke, dass es unseren Freunden gut geht, geht vor. Ich denke nicht, dass der Prinz sie damit belohnen will, dass er sie verheizt.“
Elaine nickte. Leo stand auf und öffnete die Tür. Kryss, Malvina und Siren kamen wieder hinein, mit einem mehr oder weniger besorgten Gesichtsausdruck.
„Nun? Wie sieht es aus?“, fragte der Bewohner der Katakomben.
Elaine lächelte schwach: „Wie schon – wir gehen Boo besuchen. Das heißt, erst gehen wir ihn suchen – oder weiß einer von euch, wo der Junge sich gerade herumtreibt?“
Es sah nicht so aus. „Und ansonsten?“
Elaine sah Kryss an: „Alles in Ordnung, okay?“ Leo nickte dazu.
„Hrmpf“, meinte Kryss nur und musste sich wohl oder übel damit zufrieden geben.
Malvina sah zu Elaine und dann zu Leo: „Und was ist mit dir, kommst du mit?“
Leo schüttelte den Kopf: „Nein, das ist nicht nötig. Ellie wird das schon alleine gut hinbekommen, denke ich. Und wenn doch nicht, dann bringt Boo einfach in unsere alte Wohnung, okay?“
Kryss nickte: „Klingt nicht schlecht.“
Siren wirkte erleichtert. Die Sorge verschwand aus ihrem Blick.
Elaine lächelte: „Danke für den Tee. Ich denke, wir sollten jetzt aufbrechen und Boo suchen.“
Leo nickte und stand auf: „Aber gern gescheh'n. Allein dass du wieder hier bist ist der Wahnsinn. Wenn nur die Vorzeichen nicht so schlimm wären.“
Kryss und Malvina wandten sich zum gehen, Siren folgte ihnen und dann Leo mit Elaine. Er warf ihr noch einen ernsten Blick zu, sie nickte lächelnd.
„Es wird schon alles gut gehen“, sagte ihr Gesichtsausdruck. Sie wusste zwar nicht, woher diese Zuversicht kam, aber vielleicht lag es daran, dass sie diesmal nicht der Spielball des Prinzen und Malvinas war, sondern selbst über ihr Handeln bestimmte. Konnte diese Welt ihr überhaupt noch gefährlich werden, wenn sie ein Träumer war und sie somit kontrollieren konnte? Wenn sie daran dachte, dass jetzt wohl keine einzige Brücke es wagen würde, sie von ihrem Rücken schmeißen zu wollen, war sie beruhigt. Die drei verabschiedeten sich von Leo und Siren, Elaine hoffte, dass das noch kein Lebewohl war, und verließen wieder das Gebäude.
Als die Wohnungstür hinter ihnen ins Schloss fiel, sah Siren ihren Mann erst an: „Und was jetzt? Muss ich Angst haben, dass dir oder Rick etwas passieren könnte?“
Er lächelte, aber er schaffte es nicht ganz, seine Unsicherheit zu verbergen: „Ich hoffe nicht. Ich meine, du hast vielleicht mitbekommen, was Ellie alles kann. Und Malvina – nun, sie ist sicherlich auch nicht hilflos.“
Doch beide erinnerten sich nur zu gut daran, dass er von gefährlichen Mächten gesprochen hatte. Das wiederum hatte er von Corry. Etwas stimmte ganz gewaltig nicht mit ihrer Welt.
Er nahm sie in den Arm und gab ihr einen Kuss auf die Stirn: „Ich bin schon froh, dass du etwas auf dich selbst aufpassen kannst, mein Schatz.“
Sie sah zu ihm hoch und schmunzelte: „Du hast mir das beigebracht, schon vergessen?“
Er lächelte sie an: „Ist nicht so, als ob du völlig unbegabt wärest. Aber – lass uns das besser ein anderes Mal besprechen. Es ist spät genug, findest du nicht?“
Elaine, Malvina und Kryss beschlossen auf der Fahrt, dass es am besten war, erst wieder zum Grafen zurückzukehren, bevor Elaine sich auf die Suche nach Boo machte.
Kryss verabschiedete sich allerdings bereits vor der Eingangstür vom Gebäude, in dem Leo mit seiner Familie wohnte, von Elaine und Malvina: „Es macht keinen Sinn, dass ich jetzt mitkomme. Ich habe nichts bei all den feinen Leuten verloren“, der Sarkasmus war deutlich aus seiner Stimme heraus zu hören, „und ich bezweifle, dass ich bei Boo etwas ausrichten kann. Es hat ja schon einmal nicht geklappt. Viel Glück euch beiden. Ich melde mich morgen wieder. Vielleicht kann ich in der Zeit noch etwas interessantes auftreiben, wer weiß?“
Читать дальше