»Habe nun, ach! Philosophie,
Juristerei und Medizin,
Und leider auch Theologie
Durchaus studiert, mit heißem Bemühn.
Da steh' ich nun, ich armer Tor,
Und bin so klug als wie zuvor!«
Was die Welt im Innersten zusammenhält, beschäftigte nicht nur Goethe, sondern mittlerweile immer mehr Menschen - und auch Wissenschaftler: »Gott oder Physik« titelte GEO im Juni 2008, »Theologen und Wissenschaftler suchen nach dem Ursprung der Welt«, berichtete das Hamburger Abendblatt fünf Monate später, und Universitäten wie zum Beispiel die Uni Köln bieten zur individuellen Qualifizierung zahlreiche Studiengänge in verschiedenen Fakultäten an.
Auch Old Shatterhand hatte studiert, bevor er in den Wilden Westen reiste und Winnetou kennen lernte, aber rückblickend erkannte er: »Ein Greenhorn ist eben ein Greenhorn - und ein solches Greenhorn war damals auch ich. ... Ich glaubte im Gegenteil, ein außerordentlich kluger und erfahrener Mensch zu sein, hatte ich doch, wie man so zu sagen pflegt, studiert und nie vor einer Prüfung Angst gehabt. Daß dann das Leben die eigentliche und richtige Hochschule ist, deren Schüler täglich und stündlich geprüft werden und vor der Vorsehung bestehen müssen, das begriff mein jugendlicher Sinn damals noch nicht.«
Da kommt mir die Lebensweisheit meiner Eltern in den Sinn: »Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir.« Es reicht also nicht, nur ein guter Theoretiker zu sein, man muss diese Kenntnisse dann auch in der Praxis anwenden und üben. Schließlich machte auch erst die Praxis und somit das Leben Old Shatterhand zu dem, der er war.
Also lassen Sie uns Fragen stellen! Seit über 40 Jahren begleiten uns »Wer? Wie? Was?« auf unserem Weg, oder wie es Thomas Osterkorn, Chefredakteur des stern , im April 2009 etwas konkreter formulierte: »Der Mensch ist das einzige Lebewesen, das weiß, dass es sterben muss. Das Bewusstsein der eigenen Endlichkeit macht Angst und wirft Fragen auf: Warum leben wir überhaupt? Was kommt danach? Gibt es ein Leben nach dem Tod? Und wenn ja, wie sieht es aus?«
Um diesen Dingen auf den Grund zu gehen, lade ich Sie zu einer Reise ein. Und zwar sowohl im räumlichen als auch im zeitlichen Sinne. Aber wir nutzen dazu kein Raumschiff und auch kein Auto oder eine sonstige Maschine, sondern vollführen die Reise in Gedanken. Das hat den Vorteil, dass alle Leser mitkommen können, denn die Plätze selbst in einem großen Schiff wären sonst schnell belegt. Außerdem kostet es keinen Sprit, ist somit umweltschonend und damit zeitgemäß. Wir werden unterwegs auch mal Pause machen, um die Dinge Revue passieren zu lassen, und einen Blick auf die Karte werfen, um uns nicht zu verfahren; denn wie schon Daliah Lavi wusste: »Die Welt ist groß und kompliziert, so wie ein Labyrinth«.
Und da wir auf unserer Reise auch kein Gepäck brauchen, können wir uns schnurstracks auf den Weg machen. Die erste Frage lautet: Wen soll man fragen, wenn man etwas nicht weiß?
Bei der inwischen über zehn Jahre alten Spielshow »Wer wird Millionär?« mit Günther Jauch gibt es mehrere Joker für diese Zwecke, und auch wir werden ohne weitere Quellen nicht auskommen. Versetzen wir uns also kurz in unsere Schulzeit zurück: Der erste Schultag eines jeden Schuljahres diente nicht selten der Quellenbeschaffung; als Schüler musste man sich mit einem Haufen neuer Bücher eindecken, die im Idealfall aus der Schulbücherei zu entleihen waren. Andernfalls gab es dann abends ein Gespräch mit den Eltern, denen feierlich eine Liste überreicht wurde.
Die ersten Lehrer eines Kindes sind in der Regel die Eltern, die Großeltern oder ältere Geschwister. Mein Vater wurde so zugleich mein erstes Vorbild, denn er wusste viel, und aus meiner Kinder-Perspektive fast alles. Egal ob Mathe oder Deutsch, Geschichte oder Erdkunde, Englisch oder Französisch, ja sogar Sport - ich genoss eine umfangreiche (Aus-)Bildung, ergänzend zur Schule. Später fand ich heraus, dass er soviel wusste, weil er es selber einmal gelernt hatte, sei es in der Schule, in der Ausbildung, im Beruf oder im Laufe des Lebens. Historisches, Geographisches und Technisches vertiefte er durch Briefmarken sammeln, einem seiner Hobbys. Es ist ganz erstaunlich, was für Geschichten sich hinter so einer kleinen Marke verbergen. So war es naheliegend ihm nachzueifern, ich würde schließlich auch einmal ein Mann werden. Allerdings war das in den jungen Jahren eher unbewusst. Denn er war ja einfach da. Und so nahm ich es ganz natürlich hin. Später sollte es anders werden, als das Selbstbewusstsein anfing sich zu entwickeln. Aber dahin kommen wir auf unserer Reise noch früh genug.
Zurück zu den Quellen und deren Beschaffung: Nicht jeder, der etwas zu erzählen oder mitzuteilen hat, verarbeitet seine Gedanken in einem wissenschaftlich aufgemachten Buch oder Artikel in einer Zeitschrift. Heutzutage gibt es weitere Möglichkeiten: Zunächst wäre hier das Buch zu nennen, in dem die Geschichte in Romanform dargestellt wird. Eine andere Möglichkeit ist die der Verfilmung, denn Filme wirken nachhaltig. Wem ist zum Beispiel ein Spruch wie »Ich schau dir in die Augen, Kleines?« nicht geläufig?
»Der Film ist ein Spiegel der menschlichen Seele«, so Dirk Blothner, Professor für Psychologie an der Uni Köln, denn »er führt Zusammenhänge anschaulich vor Augen«, wenn auch vielleicht nicht immer so unmittelbar wie im bildgewaltigen »Jenseits von Afrika«. Das Prinzip jedoch wird auch in der Slapstick-Komödie »Is' was, Doc?« verdeutlicht: »Ist das nun Zufall?«, fragte (sich) Howard Bannister, als er Barbra Streisand auf dem Klavier fand. Sie hatte Politische Wissenschaften, Geologie, Musikkunde, Literaturwissenschaften, Archäologie und Semantik studiert.
»Was wolltest du überhaupt werden?«
»Ein kluges Kind«. Und während des Studiums galt: »Ich hab' 'nen ganzen Schwung Bücher gelesen und war ziemlich oft im Kino.«
Im Film werden Bild und Ton verarbeitet, doch eine der wohl ältesten Möglichkeiten der Menschheit zu kommunizieren, ist nur der Ton, die Musik: eine der direktesten Arten, seinen Gegenüber zu erreichen. Man muss sich nur an die Szenerie in einer Disco oder auf einem Konzert erinnern. Das gilt Generationen-übergreifend, etwa bei Klängen von John Miles und »Music was my first love«. Ebenso werden viele beim Hören des Songs »Mrs. Robinson« von Simon & Garfunkel an den Film denken, oder beim Lesen des Buches an das Lied. Wem würde bei der Titelmelodie vom »Weißen Hai« nicht ein gewisses Bild im Geiste aufsteigen? Wer hätte nie bei einem Sport-Event den Queen-Klassiker »We are the Champions« gehört und eventuell sogar mitgesungen? Und was wäre ein Film wie »Dirty Dancing« ohne Musik? Undenkbar!
Oder wie die Queen of Pop es ausdrückte: »Music makes the people come together, yeah!« (Madonna, Music)
Speziell seit den späten 1990er Jahren stellt das Internet eine mehr als umfangreiche Quelle dar, Zeitschriften und Zeitungen runden das Angebot weitestgehend ab. So baut sich also das für dieses Buch verwendete Quellenverzeichnis zunächst aus sechs Kategorien auf: Bücher, Zeitschriften, Zeitungen, Filme, Musik und Internet-Artikel. Des Weiteren kommen Quellen persönlicher Natur hinzu, so das Tagebuch von meiner Großmutter mit Erinnerungen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Da es nicht öffentlich zugänglich ist, werde ich es im entsprechenden Kapitel im Original wiedergeben. Eine weitere Quelle stellt das sich vor allem in jüngerer Vergangenheit verstärkt etablierende Public Viewing, eine andere das Radio dar. Dazu gesellen sich Erfahrungen aus meinem Studium, die Lebensweisheit meiner Eltern, die sie mir in den 1980er Jahren beigebracht haben: »Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir!«, und meine eigene Lebenserfahrung, die ich im Laufe von vier Jahrzehnten gesammelt habe. Wie ich inzwischen herausgefunden habe, gilt die Weisheit meiner Eltern nicht nur für die Schulzeit, sondern für das ganze Leben. Da jeder sein eigenes, individuelles Leben und somit auch seine eigenen Erfahrungen macht, werde ich meine jeweils an einem allgemein verständlichen Beispiel erläutern.
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