Ursula Reinhold - Erzähltes Leben
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Nun entschloss ich mich, den Manuskriptberg von vorne an durchzulesen und die handschriftlichen Notizen, von denen ich nun sicher war, sie mussten von Marlene stammen, an den Stellen zu belassen, wo Oliver ihnen einen Platz gegeben hatte. Die Art und Weise ihrer Verteilung war doch sicherlich kein Zufall, sagte ich mir, denn ich kannte unseren Freund als einen überlegten, ja beinahe pedantischen Schriftmenschen. Diese seine Gewissenhaftigkeit war es auch, die ihm als Journalisten zum Verhängnis geworden war. Er war in Ungnade gefallen, wie wir uns damals ausdrückten, weil die Bezirksleitung der SED in Rostock mit seinen Berichten über die Ostseewochen unzufrieden war. Worin genau der Stein des Anstoßes bestand, darüber wurde auch er im Unklaren gelassen, auf jeden Fall konnte er in der Ostseezeitung nichts mehr veröffentlichen.
Nach zwei Stunden Lektüre war mir klar, Oliver schrieb hier über sein Leben und seine Arbeit als Journalist. Er befasste sich mit seinen Erfahrungen. Er musste diese Niederschrift begonnen haben, als man ihn 1993 damit konfrontierte, dass es von ihm eine Bereitschaftserklärung für die Arbeit als IM aus dem ersten Jahr seiner Tätigkeit an der Ostseezeitung gab. Auf jeden Fall ging das aus dem Anfang seines Manuskripts hervor, in dem er zu erklären suchte, wie es zu seiner Unterschrift gekommen war. Zu diesem Zeitpunkt muss er sich wohl auch mit erneuertem Interesse der Aufzeichnungen von Marlene erinnert haben, die ihn schon als Student, auf jeden Fall beschreibt er es so, mit diesem Menschen aus dem Studententheater zusammengebracht hatte, der ihm dann später seine Unterschrift entlockte. Oliver gehörte an der Uni mit Marlene zusammen in die FDJ Leitung und das verpflichtete ihn gewissermaßen zur Wachsamkeit. So hatte jedenfalls der Genosse von der Sicherheit argumentiert und er sah es auch so und hat sich nicht viel gedacht dabei, damals.
Als sie das Studium abgeschlossen hatten, heiratete er sehr schnell seine Frau, was allgemeines Erstaunen bei den Kommilitonen auslöste, weil man ihn und Marlene für ein fest versprochenes Paar hielt. Dass sie seit kurzem getrennt waren, hatte sich noch nicht herumgesprochen. Nur einem engeren Kreis gegenüber ließen sie wissen, man wolle sich neu orientieren. Aber trotz der Trennung muss er ihren Weg doch genauer verfolgt haben, als ich, die ich weit weg war. Rostock ist schließlich überschaubarer und er hatte wahrscheinlich eine Ahnung davon, was ihre Tätigkeit im Neptun ausmachte.
Nachdem er festgestellt hatte, dass sein Name in ihren Aufzeichnungen nicht vorkam, müssen sich die Intentionen, mit denen er seine Erinnerungen niederschrieb, verändert haben. Er wird gesehen haben, Marlenes Aufzeichnungen bezogen sich auf eine Zeitspanne, in der der Kontakt zwischen ihnen schon erloschen war. Auch bewegte sie sich nun in Sphären, von denen er sich kaum eine Vorstellung machen konnte. Vielleicht empfand er eine gewisse Kränkung über der Entdeckung, dass er im Leben der schönen Marlene nur eine kleine Rolle gespielt und sie ihn nach der Trennung sehr schnell vergessen hatte. Statt eines Hinweises auf sich selbst, den er möglicherweise immer noch suchte, entdeckte er in ihren Notizen Andeutungen über mehr oder weniger bekannte Personen der Zeitgeschichte und es wird ihn überrascht haben, dass sie mit solchen Leuten tatsächlich zusammengetroffen sein sollte.
Beim Fortgang des Lesens erlebte ich mit Spannung, wie Oliver bei seiner Niederschrift langsam das autobiographische Schema verließ und wie ihn die Blätter aus Marlenes Kladde offensichtlich zu anderem inspirierten. Mit Überraschung sah ich, dass sich das Ganze scheinbar mühelos aus einem übersichtlichen Lebenslauf zu einer deftigen Agentenstory entwickelte, in deren Fortgang er den Typ unserer Freundin veränderte und ein Kapitel deutsch-deutscher Begegnungen auferstehen lässt.
„Ich kenne sie alle“ ist die eine Seite von Marlenes Hand überschrieben, die sich in Olivers Manuskript an der Stelle findet, an der seine Erzählung diese Wendung nimmt. Aber das wurde mir erst bewusst, nachdem ich den ganzen Manuskriptberg durchgelesen hatte. Ich denke, vom Inhalt dieses Blattes könnte einer der Anstöße ausgegangen sein, der seine Fantasie in diese andere Richtung lenkte.
Die Seite mit dieser Überschrift stammte offensichtlich von einem frühen Zeitpunkt ihrer Tätigkeit. In ihr schlägt sich die euphorische Stimmung nieder, mit der sie wohl eine Zeitlang ihre Tage im Neptun verbracht haben muss. Denn sie spricht von der Lust, die es ihr bereitet, immer neue, interessante Menschen kennenzulernen. In diesem Bekenntnis wird Oliver die lebenslustige, aber auch unbedenkliche Seite unserer Freundin wiedergefunden haben, die wir an ihr kannten. Aber die Niederschrift zeigt auch eine andere Marlene. Sie verrät sich in der Art, wie sie ihre Treffen mit den verschiedenen Mannspersonen schildert, die offensichtlich nach immer gleichem Ritual abliefen. Von erster Annäherung über Bekanntwerden, Näherkommen, Vertraut werden usw. vollzogen sie sich nach stereotypem Muster, das Marlene in der Form eines wiederkehrenden Refrains hervorhebt, der jeweils mit dem Satz endet: „Ich kenne sie alle!“
Natürlich wird dieser Satz auch Oliver auf gemeinsame Bettgenossenschaften haben schließen lassen, was ihn möglicherweise sogar gekränkt hat. Es wird ihm die Veränderung seiner Freundin offenbar geworden sein und wahrscheinlich hat ihn ihr Zynismus entsetzt, ein Zug, den auch ich an der früheren Marlene nicht kannte. Ich nehme an, dass dieser Eintrag den letzten Anstoß für seinen Einfall brachte, sie zu einer Doppelagentin zu machen.
Das begriff ich, wie gesagt, aber erst, nachdem ich alles gelesen hatte.
Unter diesem Blickwinkel veränderten sich dann die Konturen seiner Exfreundin Marlene. Aus einer Überzeugungstäterin, die sich aus Naivität und Geltungsbedürfnis zum Lockvogel eines Sicherheitsdienstes machen ließ, wird eine raffinierte Doppelagentin. Dabei sind die Schritte ihrer Ernüchterung über ihr Metier ebenso ins Bild gesetzt, wie die Verstrickungen, in die sie zunehmend geriet. Auch für ihr plötzliches Verschwinden kann Oliver so eine plausible Version beibringen.
Wo unsere Freundin abgeblieben war, wussten wir beide nicht und auch niemand aus unserem Bekanntenkreis hatte eine Ahnung, wohin sie gegangen war. Die letzte Eintragung vom Dezember 89 lag zwischen Olivers Manuskriptseiten, seitdem war sie für uns unauffindbar.
Nun geben diese letzten Notizen von ihrer Hand viel Raum für unterschiedliche Vermutungen. Offensichtlich unter Zeitdruck verfasst, deuten die Aufzeichnungen auf erhebliche Konfusion. Sie muss ziemlich durcheinander gewesen sein, wusste offensichtlich weder ein noch aus.- „Seit einer Woche gibt es keine Instruktionen mehr, der Führungsoffizier lässt sich nicht sehen, hat sich unsichtbar gemacht.“ Diese Sätze stehen am Schluss eines Absatzes, in dem widersprüchliche Empfehlungen notiert sind, die ihr wahrscheinlich vorher zugegangen waren. In den durch Kürzel entstellten Bemerkungen ist die Rede von Weiterarbeit aus der Illegalität heraus, davon, dass jeder sich auf eigene Faust durchschlagen müsse. Aber es gibt auch Andeutungen darüber, dass sich andere Dienste um kompetente Sicherheitsleute bemüht hätten.
Ich fasse hier lediglich zusammen, was sie niedergelegt hat. Man könnte aus diesen letzten Sätzen auch auf ein tragisches Ende schließen. In diesem Sinne haben wir manchmal über Marlene gesprochen. Aber so ganz passte es in meiner Vorstellung von der lebenslustigen, immer auf neue Erfahrungen ausgehenden Frau nicht, dass sie Hand an sich gelegt haben sollte. Außerdem, es wurde niemals ihre Leiche gefunden!
Andererseits konnte ich mir auch schwer vorstellen, dass sie in einem Provinznest mit einer anderen Identität ein stilles Leben führte. Oliver ging das offensichtlich nicht viel anders, als er in seiner Geschichte darauf verzichtete, ihr Abtauchen zu einem tragischen Schlusspunkt zu bringen. Dagegen lässt er sie nun als eine Doppelagentin überleben, die schon mehrere Jahre vor dem Ende ihrer Dienstbehörde Kontakte zu einem BND-Mann aufgenommen hatte, der im Neptun ebenfalls aus und ein ging. Ob der zuerst sie, oder sie zuerst ihn kontaktiert hat, belässt Oliver in der Schwebe. Auf diese Weise gelang ihr schnell ein unauffälliger Übergang zu neuer Identität. Mit neuem Pass und neuem Gesicht ist sie nun wiederum in geheimer Mission im Auftrag neuer Dienstherren an den Brennpunkten politischen Geschehens im Einsatz.
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