Ursula Reinhold - Erzähltes Leben

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In Berlin und im südlichen brandenburgischen Umland befinden sich die Lebensorte der Autorin, die Einblicke in eigene und fremde, sehr verschiedene Lebenssituationen gibt. Die hier vorgestellten Geschichten spiegeln die Veränderungen seit dem zeitgeschichtlichen Umsturz, dem sie ihre Entstehung verdanken. Ein Bericht über das lange Leben der Mutter schlägt einen großen Bogen übers vergangene Jahrhundert.

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Am nächsten Tag wartete sie auf mich in der Hotel-Bar und schlug sofort einen Spaziergang vor. Ich war sehr einverstanden, die Konferenztage saßen mir in den steifen Gliedern und ich brauchte frische Luft. Ja, sie wäre jetzt meistens hier tätig, sagte sie und ich stutzte. „Bist Du nicht mehr beim Komitee für die Ostseewochen“? fragte ich. Offiziell bin ich beim Kulturbund, antwortete sie, aber über ihre Aufgaben könne sie mir im Einzelnen nichts erzählen, sie sei Geheimnisträgerin und arbeite jetzt im besonderen Auftrag, alles sei hoch konspirativ. Schon, dass sie mir das erzähle, sei ein Zeichen, wie sie mir vertraue, aber genauer könne sie nicht werden, mir im Detail nicht sagen, womit sie beschäftigt sei. Auf jeden Fall sei alles sehr interessant, sie käme mit vielen Menschen in Kontakt, die sie unter anderen Umständen niemals kennengelernt hätte. „Ich kenne sie alle“, fügte sie lachend hinzu. Und dann erst ließ sie mich wissen, ja, sie deklarierte es fast, dass es ihr eine innere Genugtuung gäbe, so ganz nahe an der Zeitgeschichte agieren zu können. Alles wäre gefordert von ihr, Einfallsreichtum und Intelligenz, Überzeugungskraft und Charme, ja auch ihr Abenteuersinn käme auf seine Kosten. Sich ganz und gar der großen Sache verschreiben, ja, das habe sie gewollt und dabei immer an große Vorbilder gedacht, die es ja auch in diesem Metier gäbe.

Dieses Gespräch kam mir erst Jahre später wieder in den Sinn, als ich davon hörte, dass die Rostocker Bürgerrechtler ihre Stasi-Behörde im Dezember 1989 gestürmt hatten, um zu verhindern, dass die bisherigen Sachwalter Unterlagen vernichteten. Beteiligt an dieser Aktion war auch Oliver, ein früherer Studienfreund von uns beiden, der mir damals über die Sache berichtete. Der hatte bei dem ganzen Durcheinander, während der Besetzung des Gebäudes, einige herumliegende Materialien in die Hand bekommen und plötzlich den Namen unserer Studienkameradin entdeckt. Das hat er mir gegenüber damals erwähnt, ohne genauer auf Einzelheiten einzugehen.

Auf mich kam die ganze Angelegenheit erst wieder nach dem Tod unseres Studienfreundes, der so ganz plötzlich verstorben war, nachdem er für sich und seine Frau ein schönes zweckmäßiges Haus in Nienhagen hatte bauen lassen. Als er es einweihte, wunderten sich alte Freunde, dass das Paar über Mittel für einen Hausbau verfügte, aber man gönnte es den beiden, weil sie sich bisher nur mühsam mit ihren vier Kindern über die Runde gebracht hatten. Er erklärte den Geldsegen als Folge einer unvorhergesehenen Erbschaft, die über sie wie ein warmer Regen gekommen sei. Leider konnte er sich an dem neuen Haus nicht lange erfreuen, er starb nach kurzer Krankheit und die Frau zog wieder in die Stadt, als sie so plötzlich alleinstand.

Einige Wochen nach seiner Beerdigung stattete ich ihr einen Besuch ab. Seine Witwe übergab mir als Freundin des Hauses einen Kasten voller beschriebenen Papiers. Es sei der Wunsch ihres Mannes gewesen, ich solle mich um seine hinterlassenen Manuskripte kümmern. Er hat sich noch zuletzt gewünscht, sagte mir die Frau, dass jemand die Aufzeichnungen in einen Zustand bringen möge, der es erlaubte, sie zu veröffentlichen. Und dabei hätte er meinen Namen genannt. Der Holzkasten stand einige Zeit bei mir herum, ohne, dass ich ihn anrührte. Irgendwann nahm ich einen Stoß Papier heraus und blätterte in den Seiten, ich wollte erst einmal feststellen, welchen Charakter das Hinterlassene hat. Ergab das Geschriebene einen fortlaufenden Zusammenhang oder waren es nur einzelne Notizen? fragte ich mich und wollte wissen, womit ich es zu tun hatte. Waren es Tagebuchaufzeichnungen, Erfundenes oder was sonst?

Das Herumblättern und Lesen weckte mein Interesse für das, was mir anvertraut worden war. Zwar hatte Oliver manchmal seine Schreibversuche erwähnt, aber definitive Aussagen über das, was ihn beschäftigte, waren von ihm nicht zu bekommen. Beim Durchsehen seiner Manuskriptblätter, alle mit PC geschrieben, fielen mir etwas kleinere Seiten in die Hand. Erst glaubte ich, es handele sich um seine handschriftlichen Notizen, erkannte dann aber, die Aufzeichnungen stammten nicht von ihm. Ich wunderte mich, wie fremde Schriftsätze zwischen seine Papiere gekommen waren und merkte dann erst, es handelte sich um Geschriebenes von Marlene, unserer gemeinsamen Studienfreundin. Es waren einzelne Blätter mit Notierungen, einige mit Datumsangabe, Seiten eines Tagebuchs wahrscheinlich. Sie schienen aus einem größeren Zusammenhang genommen, ja, offenbar waren sie irgendwo herausgerissen worden, vielleicht hat man sie aus einem Heft getrennt, dachte ich, weil mitunter das Ende einer Zeile nur noch zu erraten war. Der unregelmäßige Riss hatte einige Buchstaben zerstört, es war offensichtlich, dass hier jemand mit wenig Sorgfalt vorgegangen war. Vielleicht war er unter Zeitdruck und hatte nicht gleich entdeckt, dass die Sache irgendwie wichtig sein konnte und dann schnell reagiert. Ging das auf unseren Studienfreund zurück? fragte ich mich oder war die Stasi dabei gewesen alles zu vernichten oder hatten sie aus Gründen, die schon vor ihrem Ende lagen, versucht, Marlenes Aufzeichnungen Vorgängen zuzuordnen, die damals eine Rolle spielten?

Oder aber war das Zerstörungswerk von Marlene selbst in Gang gesetzt worden. Aber warum hatte sie dann nicht wirklich alles vernichtet? fragte ich mich. Vielleicht war sie dazu einfach nicht mehr gekommen, als sie sich im Dezember 1989 plötzlich aus dem Staube gemacht hatte. Wohin? wir wussten es jedenfalls nicht.

Natürlich weckte es mein Interesse, zu erfahren, wo die Kladde geblieben war, aus der diese Zettel stammten. Ich kippte nun den ganzen Haufen Papier aus dem Kasten, wühlte darin herum, aber in den mir übergebenden Materialien gab es nichts, von dem ich annehmen konnte, dass die losen handgeschriebenen Blätter von dorther stammten. Zwischen den Manuskriptseiten von Oliver fanden sich lediglich diese einzelnen Seiten, anderes war in den mir übergebenen Materialien nicht zu finden.

Wahrscheinlich, mutmaßte ich nun, hat sich Oliver, noch bevor es jemand mitbekam, die herumliegenden Seiten in die Tasche gesteckt und sie einfach mit nach Hause genommen. Eine solche Andeutung hatte mir gegenüber auch seine Witwe gemacht, an die ich mich allerdings erst später wieder erinnerte, weil ich ihr in dem Augenblick, in dem sie gemacht wurde, keine Bedeutung beimaß. Die Frau sprach davon, er wollte die Aufzeichnungen nur lesen und sie dann den Nachlassverwaltern der Behörde zurückgeben. Offensichtlich war er in den Monaten danach nicht dazu gekommen, sie zur Hand zu nehmen. Es war eine ereignisreiche Zeit damals, vieles andere wird ihn beschäftigt haben und vielleicht vergaß er, was in seinem Schreibtisch lag.

Aber dann gingen die verschiedensten Stasi Geschichten durch die Presse, Enttarnungen von IM´s waren fast täglich auf dem Programm und da kramte er die Seiten hervor und beschäftigte sich gründlicher mit ihnen. Ja, es war zweifelsfrei, dass seine Studienkollegin, die schöne Marlene, die er schon aus der FDJ-Gruppe seiner Schule kannte, die Verfasserin war. Darüber hat er auch seiner Frau berichtet und erwähnt, sein Verdacht, sie habe ihn in der Studienzeit bespitzelt, habe sich nicht bestätigt. Überhaupt kam sein Name in ihren Aufzeichnungen nicht vor, hatte er feststellen müssen. Eine gewisse Enttäuschung habe sie ihrem Mann angemerkt, offensichtlich fand er sein Bild von Marlene nicht wieder.

Daran dachte ich jetzt, während ich etwas ratlos, aber auch auf eine unbestimmte Weise inspiriert, in den Papieren blätterte. Dazwischen die kleinen Zettel mit Marlenes Handschrift.

Ihre Eintragungen stammten aus verschiedenen Zeiten, waren in unregelmäßigen Abständen notiert und trugen ganz unterschiedlichen Charakter. Mitunter waren es eingeklebte Zeitungsausschnitte, die sich auf politische Vorgänge bezogen, von denen mir nicht klar war, in welchem Verhältnis sie zu Marlene standen. Der letzte Eintrag stammte vom Dezember 1989, man hatte den Eindruck, dass die Schreiberin mit großer Hast zu Gange war, nach wenigen Zeilen hatte sie abgebrochen. Die früheste datierte vom 12. Juli 1986, einem herrlichen Sommertag während der Ostseewoche, so jedenfalls hat sie es festgehalten und sich die Frage notiert, ob sie den Werbungen folgen sollte, mit denen sie der Mann von der Sicherheit nun schon seit Wochen lockte.

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