Ursula Reinhold - Erzähltes Leben
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Ideal war seine Lösung für die Kälteperiode auch nicht, denn sie bedeutete die freiwillige Beschneidung seines Selbstseins. Aber es musste sein, da die Wahl, vor der er stand, die zwischen Pest und Cholera war. Die Alternative hieß entweder frei sein und frieren oder gefangen und versorgt sein. Da fiel die Entscheidung nicht schwer. Etwas von seinem Selbstwertgefühl blieb auf der Strecke, aber daran hatte er in den letzten Jahren ohnehin schon erhebliche Abstriche gemacht. Und andererseits war er auch ein bisschen stolz auf seine Idee, stellte sich manchmal vor, dass er sie sich patentieren lassen konnte. Aber wenn es in diesem Winter mit der Rundumversorgung noch klappen sollte, musste er schleunigst damit beginnen, Strecke zu machen. So nannte er es, wenn er täglich auf dem Ring oder auf sonstigen S-Bahnlinien unterwegs war. Von Oranienburg nach Teltow, von Birkenwerder nach Schönefeld, von Strausberg nach Spandau. Es war sein tägliches Kino, die ein- und aussteigenden Leute anzusehen, zuzuhören, wenn sie telefonierten. Das schien jetzt die neueste Seuche, dass jeder sich ein Handy ans Ohr hält und mehr oder weniger laut vor sich hin brabbelte. Manchmal hatte er das Gefühl, dass sein Gegenüber mit jemandem neben ihm telefonierte, aber dann schien das doch nicht zu stimmen, denn dann hätten sie sich wohl kaum darüber verständigt, auf welcher Station die Bahn gerade hielt. Andere Fahrgäste hatten kleine oder größere Hörmuscheln fest auf den Ohren, offensichtlich waren sie sehr schwerhörig. Denn die Musik tönte so laut, dass er, obwohl auch schon mit nachlassendem Gehör und einige Meter entfernt sitzend, mühelos mithören konnte. Mit verstohlenem Interesse beobachtete er auch die Bahngäste, wenn Verkäufer der Obdachlosenzeitung oder Musikanten den Waggon betraten. Die meisten Leute bekamen verlegene Mienen, schauten aus dem Fenster oder auf ihre Telefone. Bei Musikdarbietungen setzten einige beinahe angeekelte Gesichter auf, es soll schon zu Tätlichkeiten gekommen sein, weil sich Leute in ihrer Ruhe gestört fühlten. Nur einen Moment lang blickten die Leute auf, wenn jemand um eine Gabe bat, nachdem er zuvor mit Erzählungen über sein schweres Los, versucht hatte, sich Gehör zu verschaffen. Ganz selten nur, dass jemand ein Geldstück herausrückte. Frank Bär konnte die lieben Mitreisenden gut verstehen, wer fühlte sich schon bemüßigt grundlos fremden Leuten etwas zu geben. Es blieb auch unvorstellbar, dass hier jetzt jemand seine Geldbörse aus der Tasche zieht, sie öffnet und ein Geldstück herausnimmt, um es in ein rundes Gefäß zu tun Die hier saßen, waren zum großen Teil auch arme Schlucker. Nur in den U- und S-Bahnlinien, die durch westliche Gefilde fuhren, saßen manchmal mit Schmuck gehängte alte Damen, gut gestellte Witwen, aber die gaben auch nur selten etwas. Auf jeden Fall kann er sich nicht erinnern, einen solchen Fall erlebt zu haben.
Mit verstohlenen Blicken achtete er vor allem darauf, ob und wie die Leute auf ihn reagierten. Die meisten beachteten ihn nicht, wie er beruhigt feststellte, er fiel nicht aus dem Erscheinungsbild des normalen Berliners, stellte er fest. Denn seine Pfanne hatte er vorsorglich im Gestrüpp verborgen, wenn er Strecke machte. Aber natürlich gab es mitunter auch aufdringliche Blicke und zweimal wurde er angepflaumt, man titulierte ihn als Penner, worauf er fluchtartig den Waggon verlassen hatte.
Auch mit Kontrolleuren gab es mitunter Zusammenstöße und die waren nicht ohne Aufsehen abgegangen. Aber in diesem Jahr noch nicht. Im Gegenteil er wünschte sich, sie häufiger zu treffen. Erst zweimal hatten sie ihn herausgefischt und es schien ihm, als hatten sie in diesem Jahr weniger Kontrolleure eingesetzt. Vielleicht wurden die eingespart oder die S-Bahn hat wegen der häufigen Ausfälle ein schlechtes Gewissen und will die Fahrgäste schonen. Er denkt nicht, dass er sich darin irrt, sein Eindruck trügt ihn nicht, denn im vergangenen Herbst hatte er in kürzester Zeit seine Strafmandate zusammen. Und im Jahr zuvor war das auch besser, da konnte er sich schon ab Anfang Dezember sein warmes Plätzchen sichern. Einige Wochen musste er für die Verwaltungsvorgänge einplanen, das ging nicht so ganz schnell, aber dann kam das gerichtliche Urteil über die Summe, die er zu zahlen hatte. 800 Euro für zehn Schwarzfahrten und die Verwaltungsgebühr. Am Ende war es dann eine Summe von 1200 Euro, aber das blieb egal, wenn einer kein Geld hat und gar nichts zahlen kann. Er muss dann nur noch auf den Bescheid für den Termin des Strafantritts warten, der ihm bei Zahlungsunfähigkeit droht. Zwei Jahre lang hat das ausgezeichnet geklappt, er bezog sein warmes Plätzchen mit Rundumversorgung. Nur schade, dass man seinesgleichen keine Einzelzelle zubilligt. Aber mit den anderen konnte er sich einigermaßen arrangieren. Er war selbst erstaunt, dass das so gut ging, richtig gesellig waren sie miteinander. Nur in diesem Jahr will es nicht klappen, er bekommt seine Zettel einfach nicht zusammen. Unlängst geschah etwas, was ihm noch nicht passiert war. Ungeheuerliches! Es erwischten ihn zweimal dieselben Kontrolleure und als er ihnen seinen Ausweis hinhielt, sie seinen Namen lasen, fiel offenbar auf, dass sie ihn am Vormittag schon aufgeschrieben hatten. Da gab ihm der Mann wortlos den Ausweis zurück, schaute ihm ins Gesicht, schüttelte ein wenig traurig den Kopf und sagte ziemlich tonlos, ohne jeden Nachdruck in der Stimme: wir tun hier auch nur unseren Dienst! Dann wandten sich die beiden Männer ab und ließen ihn einfach stehen, ohne Strafzettel. Diese Nichtbeachtung schockierte ihn mehr als alles sonst und machte ihn ganz ratlos, denn er konnte sich ihnen gegenüber nicht erklären. Sie verweigerten ihm das Zuhören und er wusste nicht, wie er ihnen klarmachen sollte, dass er ihre Strafzettel sammelte, sie zum Überleben brauchte. Aber wie sollte er ihnen seine Lage beschreiben, ohne sie tief in ihrem Selbstverständnis zu verletzen, das möglicherweise ohnehin schon angekränkelt war. Vielleicht hatte man sie strikt angewiesen, die Zahl der Schwarzfahrer zu minimieren. Ob das möglich sein konnte, fragte er sich.
So stolz er auf seinen Einfall war, er hatte sich herumgesprochen, das wusste er. Und wahrscheinlich gehörte er schon zum Kreis der bekannten Bahnsünder und die Behörden wollten sich das aufwendige bürokratische Hin und Her ersparen. Gespart wurde ja an vielem, denkbar ist, die Unterbringungskosten für Moabit sind gekürzt worden. Und da würde es wohl in diesem Jahr zu den Weihnachtstagen mit Vollpension nichts werden.
Entstehende Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind rein zufällig.
2003
Damals im Neptun
„Ich kenne sie alle“, diese Behauptung bildete den wiederkehrenden Tenor des Gesprächs, in dem mir meine Freundin das erste Mal von ihrer Tätigkeit im Hotel Neptun in Warnemünde berichtet hat.
Wir kannten uns seit der Studienzeit, hatten beide an der Rostocker Universität Germanistik studiert, daneben beschäftigte ich mich mit Kunstgeschichte, während sie sich im Nebenfach der Nordistik widmete. Sie sprach fließend dänisch und konnte sich mühelos auch mit den anderen Nordländern verständigen. Nach Abschluss des Studiums gehörte sie dem Komitee an, das sich mit der Vorbereitung der Ostseewoche beschäftigte, die in jedem Sommer veranstaltet wurde. Meine Freundin organisierte und korrespondierte, dolmetschte und betreute die Gäste. Es machte ihr Spaß.
Seit ich in Berlin als Redakteurin arbeitete, wurde unsere Beziehung lockerer, wir sahen uns seltener, verloren uns aber nicht aus den Augen. Anlässlich einer Konferenz, die das Institut veranstaltete, an dem wir studiert hatten, traf ich sie wieder. Wir liefen uns zufällig im Hotel Warnow über den Weg, freuten uns über die unverhoffte Begegnung und verabredeten ein Treffen für den nächsten Tag, an dem die Konferenz gegen Mittag zu Ende gehen sollte. Marlene schlug als Treffpunkt das Neptun in Warnemünde vor, dort bin ich jetzt sowieso meistens, sagte sie und lachte mich an. Ja? fragte ich und wunderte mich, dass sie ihre Arbeit so ganz nahe am Ostseestand verrichten konnte.
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