Ursula Reinhold - Erzähltes Leben
Здесь есть возможность читать онлайн «Ursula Reinhold - Erzähltes Leben» — ознакомительный отрывок электронной книги совершенно бесплатно, а после прочтения отрывка купить полную версию. В некоторых случаях можно слушать аудио, скачать через торрент в формате fb2 и присутствует краткое содержание. Жанр: unrecognised, на немецком языке. Описание произведения, (предисловие) а так же отзывы посетителей доступны на портале библиотеки ЛибКат.
- Название:Erzähltes Leben
- Автор:
- Жанр:
- Год:неизвестен
- ISBN:нет данных
- Рейтинг книги:5 / 5. Голосов: 1
-
Избранное:Добавить в избранное
- Отзывы:
-
Ваша оценка:
- 100
- 1
- 2
- 3
- 4
- 5
Erzähltes Leben: краткое содержание, описание и аннотация
Предлагаем к чтению аннотацию, описание, краткое содержание или предисловие (зависит от того, что написал сам автор книги «Erzähltes Leben»). Если вы не нашли необходимую информацию о книге — напишите в комментариях, мы постараемся отыскать её.
Erzähltes Leben — читать онлайн ознакомительный отрывок
Ниже представлен текст книги, разбитый по страницам. Система сохранения места последней прочитанной страницы, позволяет с удобством читать онлайн бесплатно книгу «Erzähltes Leben», без необходимости каждый раз заново искать на чём Вы остановились. Поставьте закладку, и сможете в любой момент перейти на страницу, на которой закончили чтение.
Интервал:
Закладка:
Irgendwann schien sie sich ins Unvermeidliche zu schicken, ließ auch mich damals wissen, dass sie seinen Weggang als seine Entscheidung akzeptieren würde. Sie schien mir fortan ruhiger, aber ihre Aufzeichnungen lassen erkennen, dass sie nicht abgeschlossen hatte mit dem Kapitel. Sie sagt ihm hier das, was sie ihm durch seinen schnellen Abgang nicht mehr sagen konnte oder wohl auch nicht sagen wollte. Sie rechnet mit seinem Egoismus und seiner Anmaßung ab und ihrer eigenen Schwäche. Sie führt Anklagen gegen sein Regimentsregime in der Familie, gegen das sie oft gewettert hat, früher. Aber sie sucht auch nach dem Moment in ihrer Ehe, in dem die Weichen in eine falsche Richtung gestellt worden waren. Offensichtlich findet sie ihn nicht, denn sie bricht auch hier einfach ab. Später, nach seinem Weggang, ruft sie nach ihm. Sie sucht nach dem Mann, den sie auch gekannt hat.
„Aber wir haben einander nicht helfen können!“ Dieser Satz steht ganz allein auf einem Blatt und ich frage mich, ob er zu ihrer Ehegeschichte gehört oder zu den Bruchstücken von Texten mit denen sie sich offensichtlich an verschiedene Freundinnen wenden wollte. Aber auch hier ist nichts vollendet, es bleibt unklar, welcher Gedanke an wen gerichtet werden sollte. Dann gibt es ein Blatt auf dem ein Gedicht steht. Aber wahrscheinlich sind die vier Zeilen nur eine Strophe eines Gedichts, in der vom August und der Einsamkeit die Rede ist, dazu ihr prosaisches Bemerken darüber, dass alle Menschen, die sie kennt, im Urlaub sind, oder gerade erst zurück oder mit der nächsten Reisevorbereitung befasst.
Verschiedene Anläufe gibt es, in denen sie sich an den älteren, den verschollenen Sohn wendet, dem der Vater die Rolle des Fahnenjunkers zugedacht hatte, wie sie es ausdrückt. Sie sucht ihm den Vater zu erklären und beschreibt ihre Rolle zwischen ihm, dem Regimentskommandanten, und den Kindern. Dabei ist sie um das Verständnis des Sohnes bemüht, räumt ihren Schuldanteil an seinem Lebenslos ein und beschwört ihn, sich nicht zu verweigern, ihr ein Lebenszeichen zukommen zu lassen. Mit Erstaunen registriere ich die Tatsache, wie sie um ihn wirbt, keine Vorhaltungen über seine Unverschämtheiten, zu denen er sich nach dem Weggang des Vaters hinreißen ließ, kein Wort der Klage darüber, dass er sie als Schuldige für sein verpfuschtes Leben ausgemacht hat. Ich bin überrascht, zu erleben, wie meine selbstbewusste Cousine sich klein macht, um dem Sohn nahe zu kommen. Überquellend von Verständnis gleichsam, sucht sie offensichtlich eine Brücke. Niemals hätte ich mir vorstellen können, dass sie unter der Abwesenheit dieses Sohnes so leiden würde, der mir immer als ein ziemlich egoistischer und rücksichtsloser Bengel erschienen war, nicht weit ab von der Art des Vaters, übrigens. Meine Cousine hatte durchaus ihr Urteil, wenn sie über ihn sprach. Aber offensichtlich sah sie in ihm noch immer den Jungen mit dem wirren Lockenkopf und diesem pfiffigen Lächeln, der wirklich ganz reizend war und zu allen Hoffnungen Anlass gab, damals. Mehrfache Anläufe gibt es auch zu Briefen an die Töchter, wobei mir nicht klar ist, an welche sie sich wendet in jedem Fall.
Ich überlege, ob ich denen die Schriftstücke ihrer Mutter zukommen lasse, aber ich denke, die sind mit der Auflösung der Wohnung schon so gefordert, dass sie keine Aufmerksamkeit für Notate aus dem mütterlichen Nachlass aufbringen werden. Wozu auch, sie sind mit ihren eigenen Sorgen befasst. Auch an den Sohn werde ich mich nicht wenden. Ich werde alles in der grünen Mappe belassen und abwarten, ob jemand nach dem Inhalt fragt.
Wahrscheinlich bin ich die einzige, die die Hinterlassenschaft meiner Cousine noch eine Weile beschäftigen wird.
2005
Fortgesetztes Missbehagen
Niemals hätte er sich vorstellen können, dass sie sich unter solchen Bedingungen wiedersehen würden.
Ausgerechnet in diesem noblen Speiselokal mussten sie sich treffen. Er kam ja auch nicht aller Tage hier her, nur bei besonderen Anlässen, die in letzter Zeit nicht so ganz selten waren. Immerhin, seitdem er für dieses fundamentale Ästhetik-Projekt verantwortlich war, ansehnliche Bezüge ihm zuflossen, neben der Rente, leistete er sich das schon öfter mal. Heute waren es die Vertreter des großen Verlagshauses mit denen er zu konferieren hatte und dafür sollte es schon ein entsprechendes Ambiente sein, um die Herren einzustimmen auf die nicht unerheblichen Kosten, die auf den Verlag zukommen würden mit dem Druck ihres Großprojekts.
Man begann eben mit dem Hauptgang: Kaninchenbraten mit Kroketten und feinen Butterschoten, da sah er die Gruppe schon in der Mitte des Speisesaals von Borchardt. Sie fielen natürlich sofort auf hier und aus dem Rahmen der gediegenen Atmosphäre, die hier herrschte. Etwas abgerissen alle, Plakate in der Hand vor Bauch und Brust haltend auf denen sie ihren Protest gegen Hartz IV bekundeten. Und da schaute er ihm direkt in die Augen, Dieter, der Genosse Freund aus verflossenen Jahren. Der fiel doch gar nicht mehr unter ALG II, der musste doch schon Rente haben, schoss es ihm sofort durch den Sinn. Vielleicht hat er Strafrente, könnte sein, sie hatten sich nie mehr verständigt darüber, wie es ihnen ging. Jahrzehnte hindurch hatten sie bei Diskussionen in der Forschungsgruppe zusammengesessen und an den Montagen in Parteiversammlungen regelmäßig, aber das war lange her. Und jetzt begegnete man sich so wieder! Es gab ein kurzes Duell mit den Augen, diesen Blick kannte er, den hatte der Freund immer, wenn sie Dispute hatten, nicht übereinstimmten in fundamentalen Fragen der Ästhetik. Funktion, Rezeption alles Begriffe, mit denen sie damals umgingen, jonglierten und natürlich unterschiedlich interpretierten. Aber dem weltrevolutionären Prozess fühlten sie sich beide gleichermaßen verpflichtet!
Er hatte ihn unter den anderen sofort entdeckt. Selbstverständlich, das kurze Duell mit den Augen und es gab sofort das Erkennen auf beiden Seiten. Wut sprühte auch jetzt in diesem Blick, den er so gut kannte. Damals war das und sie haben sich selten gesehen, seitdem.
Bei den Demonstrationen und Kundgebungen im Herbst 89 waren sie noch Seite an Seite gegangen, aber als das Institut abgewickelt wurde, seit mehr als zehn Jahren vorbei alles, begann die Fremdheit zwischen ihnen. Er verstand seinen alten Freund Dieter durchaus, wenn der sich erregte über die Modalitäten der Evaluation, der sie unterworfen wurden als Wissenschaftler. Manche hatten allerdings auch dabei Glück, waren bei den Blockflöten oder parteilos, aber sein Freund war nun gerade der letzte Parteisekretär der Grundorganisation der sozialistisch vereinigten Partei am Institut gewesen und die Letzten beißen bekanntlich die Hunde und da konnte der ihm schon leidtun, denn er war ein ehrlicher Kerl, Überzeugungstäter wie er selbst, aber er hat eben schneller die Kurve gekriegt, verstanden, sich unentbehrlich zu machen.
Kurze Zeit war der Mann wohl noch an der Uni, aber dann flog er, wegen irgendeiner Stasi-Akte und er hatte einfach seine Spur des Mannes verloren. Obwohl das nicht seine Absicht war, denn sie waren fast Freunde, wenn es auch diese Meinungsverschiedenheiten zwischen ihnen gab und ein bisschen Kampf auch immer. Ja, warum war ihm Dieter eigentlich abhandengekommen, fragte er sich. Es hing wohl damit zusammen, dass der ihm den Vertrag im Forschungszentrum neidete. Das war jedenfalls sein Empfinden, als sie sich zufällig über den Weg liefen und Dieter von der ABM-Maßnahme sprach, der schlecht bezahlten, die er in Aussicht hatte.
Der kurze Blickkontakt hatte genügt, um sich zu erkennen. Karl-Heinz fürchtete immer ein bisschen diesen Blick, die Momente, in denen die Augen ganz starr werden konnten und eine aufsteigende Wut ankündigten. Die brach allerdings nur selten aus. Jetzt wandte sich der andere dem hinter ihnen stehenden Tisch zu, setzte sich auf den freien Stuhl mit der rot gepolsterten Sitzfläche und griff dem neben ihm sitzenden Gast auf den Teller. Es sah aus, als würde er dem nach der Fleischkeule greifen. Dann wurde Karl Heinz abgelenkt, denn auf dem leeren Stuhl an seiner Seite ließ sich ein anderer von den Gesellen nieder und versuchte sich vom Teller des Verlagsmenschen zu bedienen. Einige der Protestierer, die noch als Gruppe zusammenstanden, griffen sich Weinflaschen von den Tischen rechts und links und setzten den Hals an die Münder und tranken. Karl Heinz war so perplex, dass er gar nicht reagieren konnte, die Peinlichkeit kam erst etwas verzögert. Er wusste nicht, wie er den Herren vom Verlag diesen Auftritt von diesen Rüpeln hier erklären konnte, aber die meinten solche Dinge hätten sie woanders auch schon erlebt. Solche Sicherheitslücken, würde die Geschäftsleitung schon sehr bald zu schließen verstehen.
Читать дальшеИнтервал:
Закладка:
Похожие книги на «Erzähltes Leben»
Представляем Вашему вниманию похожие книги на «Erzähltes Leben» списком для выбора. Мы отобрали схожую по названию и смыслу литературу в надежде предоставить читателям больше вариантов отыскать новые, интересные, ещё непрочитанные произведения.
Обсуждение, отзывы о книге «Erzähltes Leben» и просто собственные мнения читателей. Оставьте ваши комментарии, напишите, что Вы думаете о произведении, его смысле или главных героях. Укажите что конкретно понравилось, а что нет, и почему Вы так считаете.