Ursula Reinhold - Erzähltes Leben

Здесь есть возможность читать онлайн «Ursula Reinhold - Erzähltes Leben» — ознакомительный отрывок электронной книги совершенно бесплатно, а после прочтения отрывка купить полную версию. В некоторых случаях можно слушать аудио, скачать через торрент в формате fb2 и присутствует краткое содержание. Жанр: unrecognised, на немецком языке. Описание произведения, (предисловие) а так же отзывы посетителей доступны на портале библиотеки ЛибКат.

Erzähltes Leben: краткое содержание, описание и аннотация

Предлагаем к чтению аннотацию, описание, краткое содержание или предисловие (зависит от того, что написал сам автор книги «Erzähltes Leben»). Если вы не нашли необходимую информацию о книге — напишите в комментариях, мы постараемся отыскать её.

In Berlin und im südlichen brandenburgischen Umland befinden sich die Lebensorte der Autorin, die Einblicke in eigene und fremde, sehr verschiedene Lebenssituationen gibt. Die hier vorgestellten Geschichten spiegeln die Veränderungen seit dem zeitgeschichtlichen Umsturz, dem sie ihre Entstehung verdanken. Ein Bericht über das lange Leben der Mutter schlägt einen großen Bogen übers vergangene Jahrhundert.

Erzähltes Leben — читать онлайн ознакомительный отрывок

Ниже представлен текст книги, разбитый по страницам. Система сохранения места последней прочитанной страницы, позволяет с удобством читать онлайн бесплатно книгу «Erzähltes Leben», без необходимости каждый раз заново искать на чём Вы остановились. Поставьте закладку, и сможете в любой момент перейти на страницу, на которой закончили чтение.

Тёмная тема
Сбросить

Интервал:

Закладка:

Сделать

Als ich sie das erste Mal in ihrem neuen Zimmer besuchte, bekam ich wirklich einen Schreck. Der Raum ist auch tagsüber ziemlich dunkel, weil sich die Fenster nur zur Hälfte über dem Erdboden befinden und so nicht viel Licht hineinlassen können. Ja, ich muss nun öfter Licht anschalten, gab Edith zu, aber es mache ihr so viel nicht aus, sie könne ohnehin immer weniger lesen, weil die Augen nicht mehr mitmachten. Ja, das alte Zimmer war größer, aber nicht wesentlich, und was sollte sie sagen, als der Sohn ihr den Wechsel antrug. Denn sie brauchten das größere Zimmer nun für die neue Bettstatt, die den Ehebund des neuen Paares begründete und für die der bisherige Schlafraum zu klein war. Auch den Esstisch gibt es nicht mehr im Zimmer meiner Freundin, auf den sie so stolz gewesen war, als sie in das Haus gezogen war. Den Tisch habe sie schon seit langem nicht mehr gebrauchen können, überflüssig sei er geworden, denn es ist schon lange her, dass hier herum die ganze Familie zusammensaß, erklärte sie mir. Auch von ihrer breiten Bücherwand sind nur einige Teile übriggeblieben, ja sie habe sich von vielem trennen müssen. Aber in so einem Haus beisammen wohnen und immer für einander da sein heißt eben auch, nicht nur an sich selbst zu denken. Das hätte auch der Sohn ihr zu verstehen gegeben. Ich schaute mich in ihrer neuen Behausung um und dachte an die, die sie bis dahin bewohnt hatte. Oft waren wir in ihrem Zimmer oben zusammen, wenn sie sie besuchte. Wir saßen dann in bequemen Sesseln am Fenster und schauten über die Gärten, die an den Betonmauern des Hochhauses endeten. Im Halbjahresrhythmus wechselte die Aussicht. Nur im Winter erkannte man die Gestalt dieses Baues in allen Einzelheiten. Im Frühling, wenn sich zarte Knospen zeigten, begannen die Konturen der Fenster und Balkone an der Fassade zu verschwimmen und wenn das Grün voll entwickelt war, sah man in ein grünes Idyll und ahnte nichts von dem Betonklotz am Horizont.

So weit ging der Blick jetzt nicht mehr. Von den tief liegenden Fenstern sah man nur ins Dunkelgrün der Rhododendronbüsche, die auch im Winter ihre Blätter behielten. Nur, wenn man ganz dicht an die Fenster herantrat und ein wenig in die Knie ging, was uns beiden natürlich schon schwerfällt, dann kann man einen Blick in den Himmel tun. Der war aber, als ich sie letztlich dort besuchte, ohnehin nur grau.

Ich hab mich eingelebt hier, es geht mir gut, meint meine Freundin, wenn ich ihr mit irgendwelchen Bedenklichkeiten komme. Von ihrem Sohn weiß sie, dass der immer weniger verdient. Ob er seine neue Frau darüber ins Bild setzt und wie es bei ihr steht, das weiß Edith nicht. Manchmal schüttelt sie den Kopf und sagt: Vielleicht wird die ganze Familie bald von meinem Geld leben müssen. Immerhin, das ist die Gewähr dafür, dass ich hier meinen Platz behalten kann. Ich brauche nichts mehr für mich, aber sie brauchen mich und deshalb muss ich weiterleben. Aber davon scheint niemand Notiz zu nehmen, niemand redet mit mir, wie die Dinge eigentlich liegen.

Meine Freundin ist manchmal sehr traurig. Aber ich tröste sie dann und sage ihr, Familie heißt eben füreinander da sein. Sie nickt, pflichtet mir dann bei und wir schauen uns an und versuchen ein Lächeln.

2003

Herbstsaison

Ein wunderbarer Herbsttag schälte sich aus dem blauen Dunst. Schon bekamen die Berge ihre Umrisse, und die Sonne fiel auf die gelben und roten Blätter und verwandelte sie in ein überraschendes Farbenfeuer. Ein sich freundlich zugewandtes Ehepaar in den besten Jahren lief die Allee entlang, die aus dem Kurort hinausführte. Vor ihnen her schlenderten zwei Männer, die in Arbeitskleidung waren. Einer von ihnen trug einen dünnen geschälten Baumstamm, höchsten zwei Meter lang. Der andere hielt in der einen Hand ein Holzschild und in der anderen einen kleinen Koffer für Handwerkerutensilien. Das Paar genoss sichtbar die Herbststimmung, die Frau machte ihn auf das wunderbar einstrahlende Licht aufmerksam. Sie zogen im Wanderschritt an den beiden Männern vorbei, die blicklos dahin schlenderten.

Als sie gegen Nachmittag dem Ort zuliefen, stand die Sonne schon tief, Schatten lagen zwischen den Alleebäumen, nur die Spitzen der Bäume wurden noch von der Sonne umglänzt. Einige Meter hinter dem Ortsschild stand jetzt noch eine Tafel. Das Werk der beiden Männer, denen sie am Morgen begegnet waren. Im Näherkommen lasen sie auf der hellen Holztafel: ”Dieser Ort ist und bleibt ausländerfrei.”

”Ein unvergesslicher Herbsttag, dieser dritte Oktober”, sagte der Mann an die Frau gewandt, während sie auf dem raschelnden Laub dahingingen.

1993

Meine Schwiegersöhne

Immer war ich darauf aus, mit meinen Schwiegersöhnen in gutem Einvernehmen zu leben. Es wäre mir peinlich gewesen, als eine sprichwörtliche Schwiegermutter dazustehen: rechthaberisch und böse. Wenn ein neuer Schwiegersohn ins Haus kam, zeigte ich mich gastlich und freundlich. Ich ermunterte ihn, von sich zu erzählen, hörte zu, zeigte mich interessiert, wenn er von seinen Lebensplänen sprach. Mit meinen eigenen Vorstellungen hielt ich mich zurück, ich wollte nicht, dass er mich gleich als ein überholtes Inventar identifiziert. Er sollte mich nicht gleich als eine Person ausmachen, die irgendwie übriggeblieben ist. Deshalb tat ich alles, um nicht ungünstig aufzufallen. Immerhin ging es um meine Tochter und sie ist mir so wichtig, wie sonst nichts.

Dass ich so in der Mehrzahl von Schwiegersöhnen spreche, könnte ein schlechtes Licht auf sie werfen. Aber das ist nicht berechtigt, sie ist treu und gehorsam gegenüber ihren Männern. Ja, da kommt sie nach der Mutter, die ich bin und die auch immer treu ihren Partnern zur Seite stehen wollte. Genau genommen ist es nur ein Schwiegersohn, mit dem meine Tochter jetzt schon viele Jahre zusammenlebt, er ist ihr Mann und ich bin froh, dass sie sich wohl fühlt bei ihm. Die anderen Schwiegersöhne sind verflossene und ich weiß gar nicht, warum sie mich noch beschäftigen. Aber auch meine Tochter interessieren sie noch, ich merke es manchmal, wenn sie über Vergangenes spricht. Dann betont sie immer, dass jetzt alles ganz anders ist.

Den ersten jungen Mann, den meine Tochter ins Haus brachte, hätte ich gern als Schwiegersohn behalten, denn er erschien mir ordentlich, fleißig und zuverlässig. Aber meine Tochter hatte manches an ihm auszusetzen, er war ihr zu bieder. Sie suchte einen interessanteren Menschen, erklärte sie mir damals. Alle Freunde, die sie nach dem ersten kennenlernte, habe ich nicht gesehen und kann von daher nicht beurteilen, ob auch sie in die Reihe der interessanten Männer gehören, denen ich später begegnen konnte. Der erste, der dann ein Schwiegersohn von mir wurde, war ein großes Redetalent. Er konnte nicht nur mich und meine Tochter, nein eine ganze Gesellschaft konnte er bereden, so, dass alle erlahmten und jeder sich hütete, auch nur einen Laut des Widerspruchs von sich zu geben, weil die Angst um sich griff, er würde erneut das Füllhorn marktwirtschaftlicher Novitäten und seiner Einsichten in sie über die Tischgesellschaft ausbreiten. So schwiegen denn alle anderen und ich sagte mir, ein so pfiffiger Mann, der die neuen Bedingungen so schnell erkannt hat, wird sicherlich sein Glück machen, nicht zum Schaden meiner Tochter. Sie machte zwar kein sehr glückliches Gesicht zu seinen Eröffnungen, weil ihr auffiel, wie er sie in seine Vorstellungen um unternehmerische Aktivitäten einband. Er verplante ihre Arbeitskraft und disponierte ihre Zeit. Mehrmals habe ich erlebt, wie sie ihm schüchtern widersprach, aber er wischte ihre Bedenken mit einer Handbewegung fort und prophezeite, dass sie ihre Arbeit in Kürze ohnehin verlieren würde, womit er richtig lag. Und jetzt, meinte er, käme es auf Disponibilität an, sie würde sehen. Sie wäre dann frei, sich in seine Pläne einzubringen. Dabei schüttelte er mit einem kühnen Schwung eine Haarsträhne aus dem Gesicht, die ihm über die Augenbraue gerutscht war. Seine Augen waren hell, er riss sie groß auf. Ein bisschen hat er etwas von einem aufgescheuchten Huhn, dachte ich damals, aber ich fand ihn tüchtig und lernfähig, ganz wie es die neue Lage verlangte. Und das bewies er. Er machte sich selbständig, seine Unternehmungen waren breit gestreut. Das wäre jetzt angesagt, erläuterte er, sollte er vielleicht noch heute in einem Betrieb arbeiten, der sich in Abwicklung befand? Marktwirtschaftliche Pionierarbeit wäre jetzt hier, im Osten, zu leisten und er gehört zu denen, die es anpacken. Ja, er besaß Selbstbewusstsein, strahlte Zuversicht aus, er hatte das Zeug zum Gewinner. Davon waren wir alle überzeugt, nicht nur meine Tochter.

Читать дальше
Тёмная тема
Сбросить

Интервал:

Закладка:

Сделать

Похожие книги на «Erzähltes Leben»

Представляем Вашему вниманию похожие книги на «Erzähltes Leben» списком для выбора. Мы отобрали схожую по названию и смыслу литературу в надежде предоставить читателям больше вариантов отыскать новые, интересные, ещё непрочитанные произведения.


Отзывы о книге «Erzähltes Leben»

Обсуждение, отзывы о книге «Erzähltes Leben» и просто собственные мнения читателей. Оставьте ваши комментарии, напишите, что Вы думаете о произведении, его смысле или главных героях. Укажите что конкретно понравилось, а что нет, и почему Вы так считаете.

x