Ursula Reinhold - Erzähltes Leben
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Auch ich war nicht gerade beglückt über den unerwarteten Fund, brachte es aber aus Respekt vor meiner Cousine nicht fertig, die Annahme zu verweigern, galt ich doch in der Familie als die Schriftkundige, die sich für Geschriebenes, zumal aus vergangenen Zeiten interessierte.
Eine ganze Weile lag alles unberührt auf meinem Schreibtisch, bis ich eines Tages die Mappe öffnete und mir den Inhalt anschaute. Dazu waren mehrere Anläufe nötig, denn ich brachte nicht sofort die Geduld auf, mich in die Sache zu vertiefen. Alles erschien mir wirr und unzusammenhängend und mich beschlich das Gefühl, das alles nicht für andere, auch nicht für mich bestimmt war, sondern Zwiegespräche enthielt, die sie mit sich selbst geführt hatte. Aber warum hatte es meine sorgsame Cousine dann aufgehoben? fragte ich mich und vermutete, dass die Schriftstücke doch irgendwelche Nachrichten an die Nachwelt enthielten.
Vielleicht aber hatte sie die Mappe nur vergessen wegzuwerfen. Während ich blätterte, beschlich mich das Gefühl, dass ich scheitern würde, bei dem Versuch mir ein Bild zu machen, von dem, was meine Cousine bewegt hat, als sie ihre Gedanken notierte. Ich sagte mir, sicherlich wäre ich gut beraten, alles ad acta zu legen. Wahrscheinlich würde ohnehin niemand nach dem Verbleib des Hinterlassenen fragen und wenn, dann konnte ich die Achsel zucken und alles für unerheblich erklären.
Die Sache stellte sich nach erster Durchsicht für mich so dar, dass der Inhalt offensichtlich aus einzelnen Blättern bestand. Das ganz Konvolut enthielt beidseitig beschriebene DIN 4 Bögen, die engzeilig mit kleiner Schrift bedeckt waren. Das war allerdings nicht das Problem, denn die Handschrift meiner Cousine war mir nicht unvertraut. In früheren Jahren hatten wir uns manchmal Briefe geschrieben, als sie mit ihrem Mann, dem Offizier, häufig die Standorte wechselte und jedes Mal ihre Arbeit aufgeben und die Kinder umschulen lassen musste. Ihre Schrift zu entziffern war daher keine unüberwindliche Hürde für mich. Komplizierter war schon, dass nichts zusammen zu gehören schien. Denn es gab immer wieder eine Seite eins, viele Male auch die Seite zwei, allenfalls, dass die Zählung mal bis Seite drei kam. Es sah so aus, als hätte es die Verfasserin nicht fertiggebracht, ihre Gedanken fortlaufend aufs Papier zu bringen. Was sie mitteilen wollte, interessierte mich schon, war sie doch eine Generationsgefährtin von mir und sie hatte zudem in so entschiedener Weise ihrem Leben das Ende gesetzt, wie ich es mir auch immer vorstellte, aber nicht sicher war, ob ich es denn fertigbringen würde, wenn es so weit war. Schon die Entscheidung darüber, wann es denn so weit sein würde, stellte sich mir als ein unlösbares Problem dar.
Sie hatte ihren Zeitpunkt gewählt und gewusst und die ganze Familie informiert, weil sie uns vorbereiten wollte, auf das, was zu regeln war. Von dieser Mappe hier und ihrem Inhalt hatte sie allerdings nicht gesprochen. Nur vom Geld und wie es aufgeteilt werden sollte, von den Büchern und Bildern, die sich im Laufe ihres Lebens angesammelt hatten.
Der Gedanke, ob die Erben denn auch erben wollten, was sie ihnen zugedacht hatte, bewegte sie dabei offensichtlich nicht. Schon bei der Testamentseröffnung, die sie selbst vornahm, stellte sich heraus, dass nicht alle zufrieden waren mit ihrem Anteil. Die beiden Töchter erwarteten den Ausschluss des Bruders, weil der sich seit Jahren nicht mehr gemeldet hatte. Stattdessen verteilte meine Cousine das Geld nicht nur zwischen ihren drei Kindern, sondern bedachte auch eheliche und nichteheliche Enkel mit Geldzuwendungen. Das schien den beiden anwesenden Töchtern gar nicht zu gefallen, sie wollten denen lediglich vom Hausrat und von den Büchern einiges zukommen lassen. Aber sie hielten sich mit Widerspruch zurück an jenem heißen Nachmittag.-
Ich habe die Situation genau vor Augen, die sich um den großen Wohnzimmertisch herum abspielte. Wir saßen beklommen und hörten meiner Cousine zu, die ihre fortschreitende Krankheit als Motiv ihres Entschlusses angab. Sie sprach nicht das erste Mal davon und von der Angst, dass sie als Pflegebedürftige ihre Ersparnisse aufbrauchen müsste und schließlich nur noch die Nachkommenschaft belastete. Mit warmen Händen wollte sie geben, wozu die Töchter mit dem Kopf nickten, nach kurzem Blickkontakt, während die jungen Leute nur vor sich auf die Tischplatte schauten und nicht erkennen ließen, was in ihnen vor sich ging. Nur meine Cousine schaute in die Runde, unbefangen. Als sich unsere Blicke begegneten, dachte ich, der entgeht nichts.
Während mir die Situation jenes Augusttages vor Augen steht, - wir saßen im geschlossenen Wohnzimmer, weil es draußen heißer noch war als in der Wohnung mit den großen Kastanien vor dem Fenster, nur eine große Fliege flog unter an- und abschwellendem Brummen durch den Raum -, entdecke ich auf den Seiten, die sie mit eins gekennzeichnet hat, eine Datumsangabe. Das scheint mir ein Hinweis auf doch vorhandene Ordnungsgesichtspunkte, von denen ich mir vorstellen kann, mit ihrer Hilfe eine Schneise ins ungeordnete Material zu schlagen. Im Hinterkopf habe ich einzelne Brocken von den Gesprächen danach, die noch kurz aufflammten über die Verteilung des Erbes als wir uns verabschiedeten vor dem Haus, bevor alle in verschiedene Richtungen gingen.
Jetzt versuche ich die Seite zu finden, die sich an die erste Seite anschließt. Dazu lege ich alle ersten Seiten auf den Boden meines Zimmers, weil mein Schreibtisch dazu nicht ausreicht, hocke inmitten das Papierhaufens und finde tatsächlich nach einigem Bemühen mehrere Seiten mit der Nummer zwei, die das fortsetzen, was auf der Seite eins steht.
Dann drängt sich mir der Eindruck auf, dass sie das Geschriebene doch an Menschen gerichtet haben muss, deren Namen allerdings nicht genannt sind. Es sind offensichtlich verschiedene Adressaten, denn manchmal gebraucht sie als Anrede das vertraute Du, manchmal das Sie und bisweilen nutzt sie sogar den Plural. Offensichtlich hat sie an viele geschrieben. Wahrscheinlich denke ich mir, sind es Entwürfe für Briefe, die ihre Adressaten doch in dieser oder in einer etwas anderen Form erreicht haben. Aber dann erscheint mir diese Annahme abwegig, weil ich mir schwer vorzustellen vermag, dass meine Cousine sich in solcher Weise an andere gewendet hat und ich denke, dass die Briefe niemals abgeschickt wurden.
Ein Teil der Auslassungen scheinen mir Bruchstücke von kritischen Stellungnahmen zum Zeitgeschehen. Offensichtlich hatte sie das Bedürfnis ihre Meinung mitzuteilen, ja, sich einzumischen, irgendwie und folgte damit einem Impuls, der ihr vermutlich aus DDR Zeiten geblieben war und den sie einfach nicht abstellen konnte, und der nun weiterlief.
Andere Schriftstücke sind von einer Art, die mich von meiner ruhigen Cousine überraschen. Sie spricht ohne Zurückhaltung und Scham, bricht dann ganz plötzlich ab, als wäre ihr der Schreck in die Glieder gefahren vor der eigenen Spontaneität. Über drei Seiten ist sie dabei niemals hinausgekommen, es gibt Blätter, auf denen nur wenige Zeilen stehen, manchmal auch bricht sie mitten im Satz ab.
Aus einigen Briefentwürfen meine ich auf den möglichen Empfänger schließen zu können, sicher bin ich dabei allerdings nicht. Bei anderen habe ich lediglich Vermutungen, an wen sie ihre Ansprache richten wollte, aber es gibt auch welche, bei denen ich völlig im Dunkeln tappe und nur vage Ahnungen habe.
Festzustehen scheint mir, dass die Schriftstücke aus den letzten 10 Jahren stammen, wohl der Zeit, seitdem der Ehemann ihr abhandengekommen war. Bei einem Brief stellt sich mir der Eindruck her, dass er an ihn gerichtet war, obwohl er, der Datumsangabe nach, zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr bei ihr lebte. Sie hatte sein plötzliches Verschwinden niemals begreifen können, es kam völlig überraschend für sie, da er gerade begonnen hatte, aus seiner sprachlosen Lethargie herauszufinden, in die er nach dem Einholen der DDR Fahne gefallen war. Ein Jahr lang saß er und stierte nur vor sich hin, schwieg und trank und stellte Feldübungen nach, drohte dem Suff zu erliegen. - Sie sprach damals durchaus offen darüber, dass sein Tod eine Erlösung für sie wäre. Dann begann er sich wieder für Dinge um ihn herum zu interessieren, suchte sogar eine Beschäftigung, um die dürftige Rente aufzubessern. Sie war voller Hoffnung damals, machte Pläne. Bis er an einem Tag wegging und nicht wiederkam, ganz überraschend. Und sie lebte zwischen Verzweiflung und Erwartung und versank schließlich in diesen angespannten Wartezustand.
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