A. E. Eiserlo - Fanrea Band 3

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Emma und Ben stellen sich erneut dem Kampf gegen Xaria, die zwei ihrer Geschwister entführt. Doch die Krieger des Lichts sind nicht allein, treue Freunde stehen ihnen zur Seite. Der Weg führt in einen unbekannten Teil Fanreas, der die sechs Jugendlichen an ihre Grenzen bringt. Gleichzeitig verfolgen vier Fanreaner einen feigen Mörder und seinen zwielichtigen Gefährten. Die Jagd zwingt sie über reißende Flüsse und endet in einer dramatischen Seeschlacht. Magie und Spannung, Freundschaft und Liebe begleiten die Jäger – sind sie der Herausforderung gewachsen? Band drei der Fanrea-Serie: Ein Buch für junge Leser und junggebliebene Erwachsene!

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»Genau. Vielleicht ist das jetzt unser neuer Anfang. Komm, lass uns noch ein Stück laufen und reden! Ich brauche jetzt dringend Bewegung.«

John hielt sein Mädchen fest im Arm. Eng aneinandergepresst wanderten sie durch den Wald, redeten und redeten. Sämtliche Mauern Emmas brachen auseinander, sie öffnete sich und ihr Herz wurde ganz weit für John. Endlich stand nichts mehr zwischen ihnen. Erst als es langsam dämmerte, schlugen sie die Richtung zu Emmas Haus ein. Plötzlich verspürte das Mädchen einen dringenden Wunsch. »Würdest du mit mir noch eben zum Grab meines Großvaters gehen? Ich hab dir doch erzählt, wieviel er mir bedeutet.«

Erstaunt sah John Emma an. »Klar mache ich das!«

»Ich möchte dich ihm gern vorstellen!«

Ein liebevolles Lächeln umspielte Johns Lippen. »Er ist ständig bei dir, begleitet dich auf deinen Wegen und somit kennt er mich bereits.«

Nachdenklich kaute Emma auf der Lippe und runzelte die Stirn. »Wie kommst du darauf?«

»Unsere Verstorbenen sind weiterhin mit uns vereint und nehmen Anteil an unseren Leben. Sie sind durch das stärkste Band mit uns verbunden, das es gibt: die Liebe. Dein Großvater sitzt nicht auf dem Friedhof neben seinem Grab und wartet auf dich, sondern ist bei dir und deiner Familie.«

»Trotzdem! Ich möchte mit dir dahin! Weißt du, das sind alles so neue Gedanken für mich, da muss ich mich erst noch dran gewöhnen. Ich bin katholisch aufgewachsen und geprägt.«

Mit einer sanften Geste streichelte John ihre kalte Wange. »Na, dann muss ich wohl mit dir zu dem Grab. Wenn es für dich wichtig ist, komme ich natürlich mit!«

*

Zeitgleich saß Ben in seinem Zimmer auf dem Bett und spielte Gitarre. Die Gedanken weilten bei Nijano. Wo mochte er sich wohl gerade herumtreiben? Fing er fette Silberschnapper? Oder stritt er mit Soraya?

»Beeen?« Mattes betrat das Zimmer, und wenn er den Namen so in die Länge zog, wollte er meistens etwas von seinem Bruder.

»Jaaaa?«, kopierte der den Kleinen. »Sag an, was willst du von mir?«

Mattes kicherte verschmitzt. »Woher weißt du, dass ich was will?«

»Ich kann in deinen Kopf gucken!«

»Echt?«

»Echt!« Ben versuchte, ein ernstes Gesicht aufzusetzen.

Nach kurzem Zögern prustete Mattes los. »Nee, kannst du nicht! Spielst du mit mir Lego? Mir ist langweilig!«

»Was hältst du von Stadt, Land, Fluss?«

»Och, nee, da gewinnst du immer!«

»Du kriegst mehr Zeit und ein Wort als Joker!«

»Na gut!«

Die beiden legten sich mit Papier und Stiften bewaffnet auf den Boden. Sogleich legten sie los.

*

Trostlos breitete sich die Gonorawüste unter Soraya und Nijano aus. Der monotone Rhythmus der Flügel und der Anblick des alterslosen Sandmeeres ließen die Sinne abstumpfen. Das Ziel der Drachen lag noch in weiter Ferne, obwohl sie bisher ohne Pause geflogen waren. Als der grelle Schein der Sonne sich veränderte, bemerkte das Paar zunächst nichts, sondern stellte erfreut fest, dass unverhofft eine sanfte Brise die Hitze milderte. Der Glutball nahm einen milchigen Farbton an und verbarg sich hinter gelblichem Dunst.

Erst als der Wind auffrischte, hob Nijano den Kopf, um den Horizont zu mustern. »Sieh dir die Sonne an! Das gefällt mir nicht, da stimmt etwas nicht!« Beunruhigt stöberte er in den Erinnerungen seiner Mutter. Mit Entsetzen erkannte er, dass etwas Bedrohliches auf sie zurollte. »Ein Sturm kommt auf!«

Jählings blies der Wind in kurzen, heftigen Böen, sodass die Drachen gegensteuern mussten. Die reglose Oberfläche der Wüste geriet in Bewegung. Der Sand erhob sich und begann seinen wilden Tanz.

»Höher steigen?«, brüllte Soraya.

»Zu spät! Landen, sofort landen! Das ist ein Staubsturm, der weht bis weit nach oben!«

Im Sturzflug rasten die Drachen dem Boden entgegen, während Sand gegen die massigen Körper prallte. Unzählige Körner prickelten gegen Schuppen, bissen in die Augen, verstopften Nasenlöcher, schmirgelten die beiden Kehlen. Die Sicht ging verloren und damit die Orientierung. Die Drachen drohten zu ersticken.

»Bleib in meiner Nähe!«, krächzte Nijano. Der heulende Sturm übertönte fast die Worte.

»Ich versuche es! Ich …« Schon trieb Soraya davon, verschwand aus seinem Blickfeld.

*

Ohne Vorwarnung begann Bens Herz zu rasen, es fiel ihm schwer zu atmen. Er warf den Stift von sich. Ein Stöhnen kam über die Lippen.

Verwirrt starrte Mattes ihn an. »Was ist los? Weshalb hörst du auf? Weißt du nicht weiter?«

»Lass mich!« Schwindel erfasst Ben. Sein Herz wurde von einem brennenden Schmerz erfasst. Zugleich begann des Drachenmal zu jucken. Ben fasste das Mal an, als es plötzlich zu glühen begann. »Oh, nein! Nijano ist in Gefahr!«

»Was? Was redest du da?«

Ben sprang auf und stürzte ins Badezimmer. Adrenalin flutete seinen Körper. Über den Atem versuchte der Junge sich zu beruhigen, doch es gelang ihm nicht.

Zaghaft klopfte es an der Tür. »Ist alles okay? Soll ich Hilfe holen?« Mattes Stimme klang verunsichert.

Ben seufzte. »Alles gut, ich hab wohl zu wenig getrunken oder einen Virus eingefangen. Mir ist übel und schwindelig! Wir spielen später weiter!«

»Hm! Wenn du meinst …« Überzeugt wirkte Mattes nicht.

Als Ben sich entfernende Schritte hörte, rutschte er mit dem Rücken die Wand entlang und sank zu Boden. Er umschlang seine Beine mit den Armen. »Nijano, mein Freund! Was ist mit dir?« Hilflosigkeit vermischte sich mit Angst um seinen Drachen, während das Mal weiterhin brannte. Aber der Junge konnte nichts tun. Nur abwarten. Doch dann sandte er dem Freund wenigstens über alle Grenzen hinweg Liebe und Hoffnung.

*

Der Staubsturm führte zu einer Bruchlandung. Soraya und Nijano knallten hart auf den Boden, überschlugen sich mehrmals und kamen ein Stück voneinander entfernt zum Stillstand. Ihre Schreie verhallten im Brausen des Windes. Die Drachen verbargen das Gesicht unter den Vorderbeinen und reduzierten die Atmung. Beide wussten, dass die Suche nacheinander jetzt sinnlos war.

»Geht es dir gut, Soraya?«

»Ja! Und dir?«

»Wir leben noch! Das genügt momentan!«

Dunkelheit umgab das Paar. Kaum gelang noch das Atmen, da die Luft von dichtem Staub erfüllt war. Sand warf sich mit Wucht gegen die Körper der beiden, ergoß sich wie eine Lawine über sie. Blitz und Donner gesellten sich zum Sturm. Die tosenden Elemente verschmolzen zu einem wilden Wirbel, der die Wüste in einen Hexenkessel verwandelte.

Verborgen unter Sand, zugeweht und aussehend wie eine Düne, verharrten die Drachen. Sie regten sich nicht. Dachten aneinander. Hofften und bangten.

Dann ließ der Wind langsam nach. Erste Partikel sanken zurück zur Oberfläche und blieben liegen. Weitere folgten. Die Drachen bemerkten die Veränderung, bewegten die schweren Körper und schüttelten den Sandberg herunter. Röchelten, schnauften, spien Feuer. Versuchten, mit den Pfoten die Körnchen aus den Augen zu wischen, blinzelten. Als sie einander endlich wahrnahmen, überrollte sie ein riesiges Glücksgefühl. Brüllend stürmten sie aufeinander zu und rieben Nase gegen Nase.

Plötzlich erstarrte Soraya. »Teck! Was ist mit Teck?«

»Den hab ich ganz vergessen!«

»Teck, kleiner Freund! Geht es dir gut?«

Ein schabendes Geräusch erklang aus der Satteltasche. »Ei, der Daus, ich trau mich wieder raus!«, ertönte kratzig das Stimmchen. »Das war widerlich, einfach schrecklich!« Der Kopf des Eichhörnchens schaute vorsichtig aus der Tasche. »Hatschi!«

*

In der Menschenwelt lösten sich Beklemmung und Schmerz von Bens Herz. Frieden durchfloss den Jungen, ebenso Erleichterung. Tief atmete Ben durch und seufzte laut. »Junge, Junge, was auch immer da gerade mit Nijano passiert ist, es scheint ja noch mal gut gegangen zu sein! Schade, dass ich ihn nicht anrufen kann. Was geschieht mit mir, wenn Nijano stirbt? Ich hab keine Ahnung! Das ärgste Wissen trägt sich aber leichter, als das ärgste Fürchten.*«

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