A. E. Eiserlo - Fanrea Band 3

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Emma und Ben stellen sich erneut dem Kampf gegen Xaria, die zwei ihrer Geschwister entführt. Doch die Krieger des Lichts sind nicht allein, treue Freunde stehen ihnen zur Seite. Der Weg führt in einen unbekannten Teil Fanreas, der die sechs Jugendlichen an ihre Grenzen bringt. Gleichzeitig verfolgen vier Fanreaner einen feigen Mörder und seinen zwielichtigen Gefährten. Die Jagd zwingt sie über reißende Flüsse und endet in einer dramatischen Seeschlacht. Magie und Spannung, Freundschaft und Liebe begleiten die Jäger – sind sie der Herausforderung gewachsen? Band drei der Fanrea-Serie: Ein Buch für junge Leser und junggebliebene Erwachsene!

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Unentschlossen rutschte Soraya hin und her, schaute ihn hilfesuchend an, doch Nijano schwieg. Schließlich brach es aus ihr heraus: »Es tut mir leid, was bei unserer Höhle passiert ist! Ich habe viel nachgedacht und ich glaube, du hast ein bisschen recht.«

Gelangweilt öffnete Nijano das zweite Auge. »Womit habe ich recht?«

»Dass sich Jaspis immer in alles einmischt und dir vorschreiben will, wie du dich benehmen sollst.«

»Aha!«, murmelte Nijano trotzig.

Soraya knurrte unwillig. »Sei nicht so stur!«

»Hm!«

»Ich habe meiner Mutter und Rosenquarz die Meinung gesagt. Vielleicht haben sie sogar ein wenig davon verstanden.«

Statt einer Antwort rülpste der Grüngeschuppte laut und flegelhaft.

Irritiert musterte Soraya ihn, verkniff sich aber einen Kommentar dazu. Sie atmete tief durch und flüsterte: »Wir müssen unser eigenes Leben führen und unsere Probleme selbst lösen.«

»Wie kommst du denn zu dieser tollen Erkenntnis? Bist du etwa erwachsen geworden?«

»Nijano! Ich meine es ernst! Mach es mir nicht so schwer, das ist gemein!«

»Du und deine alten Weiber, ihr seid gemein! Und zwar zu mir!«, entrüstete sich der Drache. Tief gekränkt und trotzig, stand ihm nicht der Sinn danach, schnell einzulenken.

Soraya seufzte. »Ich verstehe dich, ich wäre an deiner Stelle auch sauer. Bitte, sei nicht mehr nachtragend!« Mit flehenden Augen sah sie ihn an.

Bei diesem Blick schmolz Nijanos Trotz wie eine Eisscholle in der Sonne. Versöhnlich gestimmt richtete er sich auf. »Gut! Wenn sie sich nicht mehr einmischen, komme ich zurück. Außerdem brauche ich mehr Zeit für mich allein und werde manchmal hier in der Höhle am See wohnen. Ohne dich! Und ohne blöde Kommentare von deinem Clan. Das sind meine Bedingungen!«

»Einverstanden!« Erleichtert lächelte Soraya ihn an.

Das nahm Nijano überrascht zur Kenntnis – sie akzeptierte ohne zu diskutieren! Die beiden blickten einander tief in die Augen. Als er ihr hübsches Gesicht länger betrachtete, fühlte er wieder dieses warme Gefühl im Herzen, das Soraya in ihm weckte.

Sie legten die Köpfe aneinander. Die Drachin flüsterte glücklich: »Du hast mir gefehlt.«

Wahrscheinlich rechnete Soraya jetzt damit, dass Nijano etwas Ähnliches erwiderte, aber das wäre gelogen gewesen. Trotzdem: In diesem Moment war er froh, dass sie neben ihm lag und kein Streit mehr zwischen ihnen stand. Also murmelte er wenigstens: »Gut, dass wir uns versöhnt haben!« Diese Aussage ging in dieselbe Richtung, das musste genügen!

*

Bosrak beobachtete Worak mit seinen drei Hexen, die aus tiefem Schlaf erwachten und allmählich Gewalt über Sinne und Glieder zurückerhielten. Nachdem die vier schlapp vom Stuhl gekippt waren, dauerte es eine Weile, bis sie ansprechbar wurden.

Kopfschüttelnd und noch etwas schwindelig starrte nun der Zauberer den Retter an. Der Versuch, sich zu erinnern, misslang zunächst. Bosrak erzählte den vier Verbündeten alles noch einmal von vorn, bis zu ihrem unrühmlichen Ende.

So langsam dämmerte es in den erschlafften Gehirnen, mühsam kehrte die Erinnerung zurück. Schließlich stand Worak auf, reckte sich und sagte mit heiserer Stimme: »Na gut, dann eben Plan G!«

Neugierige Augenpaare starrten ihn an.

Yarkona krächzte: »Wie ist denn Plan G?«

Verwirrt schaute Worak in die Runde. »Äh, öh, muss ich mir noch überlegen!«

Olandra nuschelte: »Lasst uns erst einmal hier verschwinden! Ich will nach Hause, da gefällt es mir besser als in diesem dunklen Loch.«

»Was hast du mit den Schatten angestellt?«, fragte der Zauberer.

»Ich hab sie mit einem magischen Spruch aus einem der Bücher hier gebannt. Sie können uns nicht mehr schaden. Sie haben ihre Macht verloren!«

Aus zusammengekniffenen Augen musterte Worak den Diener. So etwas wie Bewunderung huschte über seine Züge, doch schnell brachte er sich wieder unter Kontrolle und setzte eine unbeteiligte Miene auf. Es fiel ihm sichtlich schwer, nicht nachzufragen, welchen Spruch Bosrak angewandt oder welche magischen Bücher er sonst noch studiert hatte. Wieso konnte er überhaupt lesen?

Ächzend und schwerfällig baute Yarkona sich vor dem buckligen Kerl auf, der in Erwartung von Prügel sogleich den Kopf einzog. Sie blaffte ihn an: »Verdammter Raupenrotz und Krötenkack!«

Gewohnheitsmäßig duckte der Diener sich, als Yarkona ihm mit der flachen Hand auf die Schulter donnerte.

»Du hässliches Schleimgesicht, das hast du endlich mal gut gemacht! Du hast uns gerettet!« Die Hexe wischte Rotze von der Nase.

Er traute seinen Ohren nicht. Welche Worte polterten da aus Yarkonas Mund? Etwa ein Lob? Der Kopf schwirrte, sein Herz bebte und er wagte kaum nach oben zu blicken. Unvermittelt verströmte er den Duft der Pfefferminze.

Schnuppernd kräuselte der Zauberer die Nase. »Tja, Junge, da hat sie recht. Hab ja immer schon gesagt, dass was in dir steckt.«

Bosrak schaute von einem zum anderen und wieder zurück. Das Lob war fast zu viel für ihn, das Atmen fiel ihm schwer. Demütig schlug er die Augen nieder und fühlte sich am Ziel aller Wünsche. Die Entscheidung, die vier zu retten, schien die Richtige zu sein!

»Lasst uns nach oben gehen, ich will aus diesem Würmerloch hier raus! Ich hab Hunger auf ein paar gegrillte Maden. Los, los!«, drängte Zarkina.

Worak stimmte zu: »Ja, frische Luft tut uns gut und erhöht das Denkvermögen. Zeit für neue Pläne, kommt, ihr alten Weiber!«

Stöhnend und mit steifen Gliedern strebte die Truppe dem Tageslicht entgegen. Nebenbei griff Worak nach einer randvollen Flasche Schneckenschleimschnaps, die vergessen in einer Nische stand. Gierig nahm er einen großen Schluck. Das hochprozentige Gesöff brannte heftig im Hals. »Was für ein Gebräu! Köstlich!«, stöhnte er und kippte den Rest des Inhalts genüsslich hinterher. Ein lauter Rülpser entfuhr der Kehle. »Leer!« Enttäuscht schmiss er die Flasche gegen die Wand.

»Rattenfurz und Schweinedreck! Was machst du da? Du triffst uns noch!«, schimpfte Yarkona.

»Ach, Weib, halt die Klappe!« Worak bekam schlechte Laune, denn allmählich sickerte das ganze Ausmaß des Versagens in seinen Verstand. Nicht einer der ganzen Pläne hatte geklappt, der Zauberer konnte froh sein, dass er überhaupt noch lebte. Dabei verdankte er das nicht einmal sich selbst, sondern dieser kleinen Ratte. Heute musste getrunken werden bis zum Umfallen. »Besorg mir noch mehr Schnaps, Affenfratze!«, befahl er und durchbohrte den Diener mit herrischem Blick.

»Ja, mir auch, du verblödeter Madenpups!«, giftete Yarkona.

In geduckter Haltung nahm Bosrak die Befehle entgegen, doch im Inneren bäumte sich etwas auf, das groß und gewaltig war. Irritiert versuchte er dieses Gefühl zuzuordnen, aber es gelang ihm nicht. Ein gequältes Stöhnen schlich über seine Lippen.

Erstaunt sah Yarkona ihn an: »Was hast du denn für Stiche, Krötengesicht?«

Er riss sich zusammen und unterdrückte dieses Gefühl in ihm. Mit heiserer Stimme raunte er: »Ich hole Schnaps.«

»Das rate ich dir auch, verdammter Kakerlakenschleim!«

Mit hängenden Schultern schlich Bosrak davon. In einem der trostlosen Gänge entdeckte er drei Flaschen, die er am liebsten auf Yarkonas Schädel zerschmettern würde. Diese aufbegehrenden Gedanken verwirrten den Diener und wurden schleunig von ihm davongejagt. Stattdessen ergriffen seine Hände die Gesöffe, die er unter den Arm klemmte. So stieß er wieder auf die anderen, die fluchend vor der verschlossenen Haupttür standen.

»Das war Magor, der große Zauberer. Er hat sie mit Magie verschlossen«, traute Bosrak sich zu sagen und reichte eine der Schnapsflaschen.

»Großer Zauberer? Der? Pah! Dass ich nicht lache! Ich bin ein großer! Magor ist nur ein Nichts, das sich aufbläht.« Worak drückte den mageren Brustkorb nach vorn und streckte den Rücken gerade. »Was nützt ihm diese ganze magische Türversiegelei? Ich spaziere einfach durch den Hinterausgang nach draußen. Immer einen Schritt voraus sein, das ist der Trick daran! Folgt mir!« Ein siegessicheres Grinsen stahl sich in die Mundwinkel.

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